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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-08-29 · 35 (29.8.1902) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
35 (29.8.1902)
Date
1902-08-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Str. 25 Dr. Dlach's Wochrnschristk. Seite 561 zu haben u. s. w. Gewisse Vorwürfe werden nur verhüllt vorgebracht, so besonders der, daß Mc-x Regis nichts Anderes, als eine Art Zuhälter ist. „Als Regis im Xl. Pariser Wahlkreise gegen Allrmane als Candidat Tür die Lkammer ausgestellt war", erzählt Domergue, „nahm er stark die Mittel seiner Freunde und Gesinnungsgenossen in Anspruch. Besonders cy'iisch zeigte er sich Nochefort gegenüber. Der L iter des „Intra» sigeant" hatte ihm gegen 100.000 Francs geliefert und selbst der T ä n z e r i n Bob Walter eine Schul! Verschreibung über 28 OVO Fra» cs ausgezahlt, die der Maire von Algier unter besonders scandalösen Umständen ausgestellt hatte. D-shalb verweigerte Rochefort dem Unn ürdigen in den letzten Tagen der Wahlcampagne den Z »tritt zu seiner Wohnung. Auch Dcumont mußte daran glauben, obgleich er für Geldgesuche sich viel schwerer, als Rochefort zugänglich zeigte. Der brave Mc-x soll eines Tages, als der Leiter der „Libre Parole" nicht schnell genug mit einem blauen Scheine herausrrcken wollte, laut ausgerufen haben: »Dem Barbaponx lLausebarr) »verd' ich's eintränken." Als E rrenmänner bewähren sich diese Kerle vollkommen ebenbü.tig ihren Wiener Genoffen. * * * Im Jnseratentheil der „Oesterreichischen Wochenschrift" haben arische Schristgelehrte eine sensationelle Entdeckung gemacht, die sie zu einer Polemik gegen die „Arbeiter-Zeitung", betreffend die Stolagebühren, verwerthen. Angeblich begründe die „Arbeiter- Zeitung" die Nothwendigkeit der freien Liebe mit der Höhe der Trauungstaxen, wobei sie ihre „giftigen Pfeile" angeblich nur gegen die katholische Kirche abschieße, ohne zu untersuchen, wie denn die Traungstaxen bei den Juden festgesetzt sind. Aus den Anzeigen der jüdischen Bethausvereine citirt nun das B-rgani- Blatt, daß eine Trauung in der Grünethorgasse von 250 Kronen bis herab zu 50 Kronen koste. Die Herren Schriftleiter in der Josefsgasse, wenn auch keiner von ihnen beabsichtigen sollte, fich in einem jüdischen Tempel trauen zu lassen, mögen zu ihrer Belehrung immerhin Folgendes zur Kenntniß nehmen. Die angegebenen Tixen gelten allerdings für Jeden, der fie bezahlen kann. Es genügt aber, und das ist jedem Mitgliede der Cultusgemeinde bekannt und es ka»»n Jeder sich davon überzeugen, die einfache Erklärung der Brautleute, daß sie die Taxen nicht bezahlen können, um ihnen die unentgeltliche Trauung zu sichern. Wohlgemerkt: diese Erklärung genügt, ohne daß die Brautleute sich irgend einer demüthigenden Erkundigung über ihre Vermögensverhältnisse aussetzen oder auch nur ein Mittellosigkeits- oder Armuthszeugniß beibringen müßten. Die Trauung ist also im Nothsalle unentgeltlich und wir verzichten auf den angeblichen Euschuldiaungsgrund der „freien Lu-be". Auch die Beerdigungen sind süc arme Juden unentgeltlich, und die Herren vom Bergani-Blatte mögen noch zur Kenntniß nehmen, daß auch der allerärmste Jude sein eigenes Grab erhält. Das „Deutsche Bolksblatt" »vürde sich den Dank der christlichen Bevölkerung erwerben, wenn cs bei Herrn Doctor Lueger sich dafür v.rivenden würde, daß auch jeder arme Christ nicht in ein Schachtgrab ge»vo»f.'n werde, sondern in eine eigene Ruhestätte. Das wäre »vüldiger und pietätvoller nnd würde dem Herzen der Hinterblleba.en wohlthu»». Dem „Deutschen Volksblatr" aber sei angerathen, daß es sich, wenn es an den Juden Kritik übt, vorher über die thatsächlichen Verhältnisse erkundigen möge. Passen ihm die erhaltenen Informationen nicht in den Kram, so bleibt ihm jr dann das Lügen noch immer unbenommen. _ Isegrim. Eine „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judenthunrs". In Deutschland wird folgender Ausruf verbreitet: „An unsere Glaubensgenoffen! Die Überzeugung des Einzelnen von der Bedeutung und der Wahrheit des Judenthums sowie auch die Werthschätzung unserer L.hre und unserer Geschichte durch die andersgläubigen Mitbürger steht in genauem Zusammenhang mit der S:ellunq. welche die Wiffenschaft d,s Judenthums einnimmt. Die Wissenschaft des Judenthums gab den früheren Geschlechtern Halt u»»d Hoffnung, sie gab auch unseren Vorkämpfern stets die Richtung für die Bertheidigung und die Abwehr. Unsere W ffenschaft hat in der N uzeit nicht nur nicht an Bedeutung verloren, sondern ihre Probleme haben sich erweitert und durch die allgemeinen Methoden der Wiffenschaft find sie selbst bestimmter geworden. Wir erkennen, daß die freie wissenschaftliche Bearbeitung unseres Schriftthums eine der allerlebendigsten und tiefsten Quellen der allgemeinen Cultur, des geistigen und insbesondere des sittlichen Fortschrittes der Menschheit ist und als solche in jedem Culturstaate anerkannt werden sollte. Diejenigen Gelehrten, welche die Wiffenschaft des Judenthums an den Universitäten lehren, haben in der That rühmliche Leistungen hervorgebracht, denen gegenüber wir es an lauter Anerkennung nicht haben fehlen laffen. Wir dürfen darüber aber nicht übersehen, daß ihre Befangenheit dem Judenthum gegenüber ihre Sachlichkeit beeinträchtigt; auch erstreckt sich ihr Wissen meistens auf den Kanon, nicht auf die späteren Quellenwerke des Judenthums. Wir können jedoch auf rein sachliche Beurtheilung und für die spätere Entwicklung unserer Religion und unserer Geschichte auf wissenschaftliche Beachtung nicht verzichten. Dafür einzutreten ist eine Pflicht der Selbsterhaltung, die heiligste Pflicht gegen unsere Religion, aber auch gleich sehr eine Pflicht gegen die Wiffenschaft und die allgemeine Cultur. Zunz hat in seiner tiefen Einsicht es ausgesprochen, daß unser Ghetto erst dann schwinden wird, wenn das Ghetto unserer Wissenschaft aufhört. Unsere Zuversicht muß auch darauf gerichtet werden, daß an den Universitäten die von jeder Befangenheit freien Lehrstühle für unsere Wiffenschaft begründet werden; Die Roth der Zeiten lehrt uns aber, daß diese unsere Emancipation noch weit im Felde sein dürfte. So gilt es, selbst Hand ans Werk zu legen und eine Organisation zu schaffen, deren Größe der Bedeutung und den Aufgaben unserer Wiffenschaft entspricht. Wir planen eine „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judenthums". Diese Gesellschaft soll zuvörderst begabte junge Saite, welche das Universitätsstudium sowie eine der theologischen Anstalten absolvirt haben und welche Neigung und Beruf zur wissenschaftlichen Arbeit treibt, mit ausreichenden Stipendien versehen, damit aus ihnen ein Stamm von zulänglichen Lehrkräften uns gesichert werde, dessen wir zur Ausbildung unserer Theologen sowie zur würdigen Ausgestaltung unserer Wissenschaft dringend bedürfen. Wir fordern weiterhin gediegene und ausgebreitete, das Ganze unserer Wiffenschaft umfassende Werke, welche durch unsere Gesellschaft gefördert und in ausgiebiger Weise unterstützt werden sollen. Die Gesellschaft soll drittens Jahresversammlungen veranlaffen, wie sie in anderen wiffenschaftlichen Zweigen üblich sind, zu denen die' Vertreter unserer Wissenschaft sich einfinden, um den Stand der Fragen zu erörtern und eine Verständigung über die auszuführenden Maßnahmen zu erzielen. Endlich erscheint die Herausgabe einer Zeitschrift oder die Unterstützung eines schon bestehenden Unternehmens geboten, in der werthvolle Einzeluntersuchungen eine Stelle und genügende Verbreitung finden, und in der eine gründliche und unparteiische Besprechung aller in Frage kommenden Neuerscheinungen veröffentlicht wird. Wir berufen auf Sonntag den 2. November, 10 Uhr Vormittags eine Versammlung der interessirten Kreise nach Berlin, Wilhelmsiraße 118 III, in welcher die Vorbereitungen stati finden werden und die Constituirung der Gesellschaft erfolgen soll. Wir zweifeln nicht daran, daß unsere Glaubensgenossen die Bedeutung unseres Planes einsehen und beherzigen und mit Begeisterung für denselben eintreten werden. So möge aus dem Enthusiasmus, der allezeit für das Studium der Lehre mit unserer Religion verbunden war, neues kraftvolles wissenschaftliches Leben sich enwickeln. Direclor Dr. Adle r-Frankfurt a. M., Profeffor Dr. Bacher- Budapest, Dr. Baneth-Berlin, Director Dr. Bärwald- Frankfurt a. M., Dr. B r a n n-Breslau, Geheimrath Profeffor Dr. C o h e n-Marburg, Profeffor Dr. Geige r-Berlin, Oberrabbiner Dr. Güdemann-Wien, Rabbiner Dr. Guttmann- Bceslau, Dr. Gustav Karpeles-Berlin, Rabbiner Dr. K a y s e r l i n g-BudaPest, Kirchenrath Dr. Krone r-Stuttgart, Gcheimrath Profeffor Dr. Lazarus-Meran, Geheimrath Dr. Mayer- Karlsruhe, Profeffor Dr. P h i l i p p s o n - Berlin, Profeffor Dr. Schwär z-Wien, Oberrabbiner D. S i mo n s en- Kopenhagen, Rabbiner Dr. Vogelstein -Stettin, Rabbiner Dr. Weiße-Berlin, Rabbiner Dr. Werner-München. Alle Briefe u. s. w. find zu richten an Rabbiner Dr. L u e a s-Groß-Glogau (Niederschlesien)."

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