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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-08-22 · 34 (22.8.1902) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
34 (22.8.1902)
Date
1902-08-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 560 Dr. Bloch's Wochvnschrifk. Nr. 34 AlleKinderausein er solche n Ehewerden getan f und in der christlichen Religion erzogen. Doch steht es den Eltern frey, über ihre Kinder in Ansehung der Religion sich gütlich zu einigen. Von zwey, dreh oder mehreren Söhnen jüdischer Eltern muß wenig st ens einer um die Hand eines ch r i st l i ch e n Frauenzimmers sich bewerben, und diese Christin, wenn sie sich mit ihm zu leben entschlossen hat, ehelichen. JnAnsehung desErbtheils, und der Kinder aus einersolchenEhe sin den dieselben Verbindlich leiten und Rechte statt, wie bei der ehelichen Verbindung eines C h r i st e n mit einer Jüdin. Will oder kan nein MädchenodereinSohnvonjüdischenEltern zu der vorgeschriebenen Ehe sichnicht entschließen, so mutz er oder sie durchaus ledig bleiben." Uebrigens steht es jedem Juden und jeder Jüdin frey, sich mit christlichen Personen zu verehelichen, und die Eltern und Vormünder oder Verwandte sind gehalten, den Willen der Heyrathslustigen in der Wahl der Gatten durchaus nicht zu beschränken. Wie man sieht, ist es eine Schrift, über die nicht der Christ, sondern der Jude empört zu sein ein Recht hätte, und gehört es thatsächlich die Geschichtsschreibung einfi Treitschke dazu, um in einer solchen Schrift ein Zeichen jüdischer Anmaßung zu sehen. Ebenso ist es nicht richtig, daß „der jüdische Lehrer Heß alle seine christlichen Gegner einfach für Phantasten oder für Werkzeuge eines gemeinen Eigennutzes erklärte." Er schrieb vielmehr: Seite 90. Die Juden aber sollen solche Schriften gar nicht als die Stimme des herrschenden Zeitgeistes ansehen, dies sind sie keineswegs; der größte und aufgeklärteste Theil der Deutschen erkennt es, daß der Jude in den letzten 20 Jahren an Bildung des Geistes und Eultur der Sitten zugenommen hat. und stimmt im Herzen den Verbesserungen bei, die seine Fürsten beschlossen haben. Die aber so laut und heftig ihre Stimme gegen ihn erheben, gehören zum Theil zu jenen verschrobenen Phantasten, die des Deutschen Heil in einem deutschen Rock und in neugeschaffene Wörter setzen, und nach denen Niemand ein Deutscher sein kann, der nicht in gerader Linie von Thuiskon abstammt; theils aber mögen sie die feilen Werkzeuge eines gemeinen Eigennutzes seyn?) Wir aber, meine Glaubensgenossen, wollen uns durch solches Geschrei nicht irre machen lassen, mit Eifer das begonnene Werk der Verbesserung, soweit es in unserer Macht steht, fortzusetzen und die Bestimmungen unseres Schicksals getrost von den hohen Einsichten der Staatsmänner und den weisen Verfügungen unserer Fürsten erwarten. Was nun die „Bemerkungen" anbetrifft, so ist es richtig, daß ihr Verfasser nur ein Jahr nach dem belgischen Feldzuge geschrieben hat, in der Schlacht von Belle-Alliauce seien 55 jüdische Officiere gefallen, während die preußische Armee nach Treitschke's Mittheilung dort insgesammt nur 24 Officiere verloren hatte. Aber von irgendwelcher Anmaßung ist der Verfasser vollständig frei, er leitet die Stelle, an welcher vom Heeresdienst der Juden die Rede ist und die von Treitschke gerügte Bemerkung sich findet, mit folgenden Worten ein (S. 3 ff.): Es ist keineswegs darauf abgesehen, mit prahlerischen Reden zu behaupten, daß Jahre der Duldung bei den Juden die Spuren von Jahrtausenden der Unterdrückung hätten verwischen können. Der Verfasser hält also die Juden nach wie vor für inferior, wenn auch für verbessert — als anmaßend kann man einen derartigen Standpunkt nicht bezeichnen. Was nun die 55 Officiere betrifft, so wird vom Verfasser, der nicht in Preußen lebte, nicht behauptet, daß es jüdische Officiere waren;, er kann ja solche in der französischen Armee und den englischen Contingenten gemeint haben. Die 55 können leicht ein Druckfehler für 5 sein. Und wenn Treitschke gewußt hat, daß in der Schlacht nur 24 preußische Officiere fielen, war der Verfasser denn ebenso unterrichtet ') Zu dieser Classe gehört ein unter einem schändlichen und trügerischen Titel zusammengeschmierter, elender Auszug aus Eisenmenger (Köln bei Peters. Der Verfasser nennt sich Frank. Beide Namen sind untergeschoben). Materie und Einkleidung bekunden hinlänglich die Gemeinheit des Verfassers, der wohl nur das Publicum um einige Groschen prellen wollte. — Keine solide Buchhandlung sollte sich mit dem Verkauf solcher Erbärmlichkeiten befassen. oder hat er womöglich geglaubt, es seien in der Schlacht 1000 preußische Officiere gefallen? Allerdings er schrieb „nur ein Jahr nach dem belgischen Feldzuge", und Treitschke hebt dies gebührend hervor, um das Vergehen dieses Schriftstellers in helles Licht zu stellen. Wenn indessen Treitschke aus amtlichen Documenten am Ende des neunzehnten Jahrhunderts wußte, wie viel preußische Officiere in der Schlacht von Belle-Alliauce gefallen sind, so hat die Phantasie der Zeitgenossen, die unter dem Eindruck der gewaltigen Ereignisse standen, diese Zahl sicherlich maßlos übertrieben. Und wenn Treitschke hervorhebt, daß der Verfasser nur ein Jahr nach dem belgischen Feldzuge die Zahl der gefallenen jüdischen Officiere so hoch angegeben, so ist das daher ebenso sehr ein Beweis für seine advocatorische Begabung, wie ein Armuthszeugniß für seinen historischen Sinn. Somit ergibt sich, daß die Darstellung Treitschke's den geschichtlichen Zusammenhang entstellt und daß von den Treitschke'schen Belegstellen keine einzige richtig angeführt ist, das heißt mit richtigen Worten und im richtigen Zusammenhang. Solche Richtigkeit hätte man aber umsomehr erwarten dürfen, als diese Stellen dazu dienen sollen, die „erschreckende Verlogenheit und Ueberhebung" aus jüdischer Seite zu kennzeichnen^). Dr. H. M. C. („Allgem. Zeitung des Judenthums.") Vom Jahrmarkt des Lebens. Gloffen zur Tagesgeschichle. (Die Blauröcke von New-Iork. — Eine verhaftete „Zierde". — Die „Deutsche Zeitung" und die Idioten.) „Knüppel war Trumpf"; unter diesem und ähnlichen Titeln berichten die New-Aorker Blätter über die Ausschreitungen, die sich bei dem Leichenbegängnisse des Oberrabbiners Jacob Joseph in New-Iork ereignet haben. Als der Sarg das Gebäude der Maschinenfabrik von Hoe u. Company passirte, wurden aus einem Fenster in einem oberen Stockwerk der Fabrik zwei Kübel Wasser auf die Leidtragenden herabgegossen. Im Trauerzuge rief dies große Erregung hervor und den Arbeitern wurde zugerufen, sie sollten sich schämen. Als Antwort wurden Eisenstücke und andere Gegenstände auf die Leidtragenden geworfen und es entstand ein großes Gedränge. Was that nun die Polizei? Sie schlug mit ihren Knüppeln los, und zwar nicht auf die Buben, die einen Leichenzug insultirt haben, sondern auf die Leidtragenden, die Juden. Zahlreiche Juden wurden von den Polizisten schwer verletzt, und aus den Zeugenvernehmungen, die in den uns vorliegenden Berichten wiedergegeben sind, geht hervor, daß die Polizisten mit unglaublicher Rohheit gegen die Juden vorgegangen sind. Bei einem der Mißhandelten, einem gewissen Schäffer, constatirte der Arzt Dr. Max Löwenthal, daß er bei dem Patienten Herzschwäche und eine Nervenerschütterung, verursacht durch Mißhandlungen, gefunden habe. Der Mann wäre kaum im Stande gewesen, seinen Mund zu öffnen. Er litt an Lungenblutungen und klagte über Schmerzen in der Brust. Der Arzt glaubt, daß die Tage Schäffer's gezählt seien. Mehrere Zeugen haben gehört, wie die Polizisten verabredeten, die Juden zu „verknüppeln", worauf sie wie die Wütheriche auf die Menge losschlugen. Eine große Anzahl von Bürgern hat an den Mayor von New-Iork ein Dankschreiben dafür gerichtet, daß er eine strenge Unrersuchung gegen die Polizisten eingeleitet hat. Die „New-Aorker Staatszeitung" schreibt darüber: „Die auf Veranlassungdes Mayors vorgenommene Untersuchung über die Ursachen, die Anlaß zu den Ausschreitungen gelegentlich des Leichenbegängnisses des Oberradbiners Jacob Joseph am vorigen Mittwoch gaben, wird nicht nur die Bestra- 0 Von den erwähnten vier Schriften war ein Exemplar von Saul Ascher's Germanomanie im Besitz des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes", ein Exemplar von „Ein freundliches Wort" u. s. w. im Besitze der Universitätsbibliothek; soweit ich ermitteln konnte, besitzt keine Berliner Bibliothek eine der beiden anderen Schriften. So verweht der Tag, was für den Tag geschrieben, und nur dem Feinde danken wir, daß wir mit dieser Episode unserer Geschichte uns eingehender beschäftigen.

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