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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-08-22 · 34 (22.8.1902) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
34 (22.8.1902)
Date
1902-08-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 34 Dr. Vloch's Wochvnschrift. Seite 559 wie schon die trefflichen Uebertragungen ihrer Meisterwerk e, die der Deutsche in seiner Sprache aufzuweisen hat, erhärten. Seite 17, Zeile 3. Wer wird und muß es nicht dem deutschen Gemüth für eine hohe Tugend anrechnen, seine Selbstständigkeit und Eigenheit von der Willkür einer anderen selbstständig sein wollenden Nation zu befreien? Wer wird es dem Deutschen verdenken, wenn er heute gegen die Tyrannei des Franzmanns, morgen gegen die des Engländers und endlich gegen die Tyrannei einer jeden fremden Willkür sich erhebt, und das mit der Kraft, die des deutschen Volkes Erbe i st? Aber die Hebel, welche der intellectuelle Theil deutscher Nation seit Kurzem aufbietet, um diese Kraft in Bewegung zu setzen, dies wird jeder Unbefangene einräumen, waren nicht von der Art, daß sie eine kräftige und biedere Nation ehren sollten. Selbst für die philosophischen Systeme, welche die Quellen der judenfeindlichen Bewegung bildeten, nämlich den fichtischtranscendentalen Idealismus und das Schelling'sche Jdentitätssystem, hat Ascher Worte der Anerkennung: Seite 48, Zeile 10. Denn außerdem, daß die edelsten und gebildetsten Jünglinge Deutschlands für jene philosophischen Systeme — und das mit vielem Grunde — gewonnen werden rc. Andererseits ist er frei von übertriebener Ehrung der Franzosen, Seite 2, Absatz 2. Die Folge war nun, daß das Resultat der Revolution, welche in Frankreich wüthete, sich über die dasselbe umgebenden Länder verbreitete. Die Macht, Alles nach den neuen Ansichten zu constituiren. verblieb blos in den Händen der Franzosen. Sie waren es, die den Meister spielten, und es geschah daher nichts fürs Heil der Menschheit, sondern fürs Heil der Franzosen. wie von übertriebener Schätzung der Juden. Seite 37, Zeile 9 von unten. Sie werden mit den Fichten, Arndten, Müllern rc. in der Hoheit und Vortrefflichkeit ihres Volkes vor jedem Anderen ihren Anspruch begründen» sie werden auf ihre Namen als Deutsche pochen, aber Gründe werden sie ebenso wenig für ihre Ansprüche Vorbringen können, ebenso wenigwie die Franzosen, als >ie sich die große Nation nannten, und die Juden, wennsiesichfürdasauserwählteVolkGottes achten. Seite 40, Absatz 2. Diese Abgeschlossenheit der Nation gründete sich auf die niedrige Bildungsstufe, worauf sich die Menschen vormals befanden. Der Perser, Jude, Grieche und Römer. Deutsche, Gallier und Franke, kurz Jeder beschränkte auf sein Volk die Menschheit. Die Stelle, an der Ascher angeblich den glaubenslosen Juden eine besondere Mission zuschreibt, lautet: Seite 63, Zeile 7. Im Gegentheil. ich glaube vielmehr, daß sie in der Weltordnung bestimmt sind, den Grund zu einem Antidot gegen den religiösen Dogmatismus zu legen, und dereinst Werkzeuge abgeben dürften, allen positiven Glauben verschiedener Art und Form, wie er noch in der Welt besteht, zu einer freieren und einfacheren Form hinzuleiten. Diese H y p o t h e s e (!) dürfte indeß Herrn Rühs Veranlassung geben, mich zu beschuldigen, daß ich, im Geiste eines echten Juden, meinen Glaubensgenossen eine höhere und vorzüglichere Bestimmung im Kreise der Wesen ausersehen. Indeß kann ich ihm zu seiner Beruhigung sagen, daß ich diese meine Hypothese nur vorgebracht, um sie der seinigen entgegenzu st eilen, die er im Geiste eines echten Germanomanen, und also als Gegner der Juden, zu erhärten sucht. Also auch hier hat Treitschke falsch wiedergegeben; eine feine ironische Wendung wird einfach als Behauptung hingestellt. Zum Schlüsse sei der Nachweis erbracht, daß Ascher den Juden durchaus nicht das Hauptverdienst an den Freiheitskriegen beimißt. Wie bemerkt, ist die Schrift Ascher's gegen Rühs gerichtet, der die Juden vom Dienst aus dem Heere ausschließen wollte. Rühs begründet seine Anschauungen in folgender Weise: (Cf. Ascher Seite 66. Zeile 3.) Das Kriegsheer der Deutschen soll den Kern und die Blüthe des Volkes enthalten, und es soll die edelste Kraft in sich vereinigen, und muß daher durchaus volksmäßig sein. Es können daher nur Deutsche darin ausgenommen werden, weil gerade in ihnen sich die Volkseinheit am kräftigsten darstellen muß. Nur Deutsche dürfen neben Deutschen fechten. Es muß eine Ehre sein, das Schwert zu tragen, die nur dem Volksgenossen zukommen kann, und daher ist es billig, daß die Juden keinen Theil daran haben. Gegen diesen Angriff wendet sich nun die Ascher'sche Stelle, auf die sich Treitsirke beruft: „Verewigter Michaelis, du gabst dir die Mühe, zu beweisen, daß der Jude untauglich zum Wehrstande sei; Herr Rühs glaubt, daß sie dessen unwürdig wären. In dem fanatischen Eifer eines echten Germanomanen vergißt er, daß Deutschlands Heere in dem Kampfe gegen Frankreich unterlagen, ehe noch die Juden in ihrer Mitte Theil daran nahmen, und erinnert sich nicht, wie erfolgreich sie in den Jahren 1812 und 1814 kämpften, als die Juden aus Rußland, Polen, Oesterreich und Preußen mit ihnen in Reih und Glied standen. — Es mag daher wohl nicht so ganz auf Herrn Rühs' Meinung ankommen, daß, um mit glücklichem Erfolg für Deutschland zu kämpfen, Deutsche neben Deutsche fechten müssen." Es geht aus der Stelle im Zusammenhang mit der Rühs'schen Ausführung und dem gesammten Inhalt ver Ascher'schen Schrift deutlich hervor, daß nicht den Juden das Hauptverdienst an den Siegen der Freiheitskriege zugeschrieben werden soll. Es soll vielmehr nur der Nachweis geführt werden, daß die Rühs'sche Volkseinheit (was man jetzt Judenreinheit nennen würde) ebensowenig vor Jena geschützt hat, wie der Mangel dieser Einheit die Siege der Freiheitskriege gehindert hat. Es ergibt sich somit, daß jedes Wort unrichtig ist, welches Treitschke über Ascher's Germanomanie geschrieben hat. Auch die anderen Belegstellen Treitschke's halten eine Prüfung nicht aus. Die Schrift „Ein freundliches Wort" schlägt allerdings vor, die christlichen Feiertage auf die jüdischen zu verlegen, aber nur um durch die gemeinsamen Feiertage die Juden umso eher der Taufe zuführen zu können! Denn er erhofft die Zeit (S. 26), in welcher der Mensch nicht mehr über den Juden klagen wird: entweder weil es keinen Juden mehr gibt, oder weil der Jude eine der Menschheit würdigere, dem Zeitgeiste anpassendere Religion und eine reinere Moral angenommen hat. Er meint, daß die aufgeklärteren Christen nicht so an bestimmten Tagen hängen wie die Juden. Die Stelle lautet wörtlich: Seite 34, Absatz 1. Ad. 3. Die Sonn- und Feiertage der Juden treffen nicht mit denen der Christen zusammen, — wodurch also der Wunsch daß Juden und Christen einerlei Geschäfte mit und unter einander treiben, nicht erfüllt werden kann. Dieses Hinderniß ist sehr leicht zu heben, wenn nur die eine von beiden Religionsparteien nachgeben und ihre Sonn- und Feiertage verlegen will. Das ist aber von den Juden schlechterdings nicht zu hoffen, da sie so steif und fest — für jetzt wenigstens — noch an dem Gesetze und dem alten Herkommen hängen. Sollte es aber dem Christen, der so st rengem Religionszwange nicht unterworfen ist, und dem es nach seiner größeren Aufklärung sehr gleichgiltig sein muß, oberseine GottesverehrungenamSonntageoderamSonnabend hält, ob er seine Weihnachten acht Tage vor Neujahr, oder mit dem Anfänge des Herbstes, seine Ostern acht Tage früher oder später feiert, — sollte, sage ich, dem Christen schlechterdings unmöglich seyn, dem Juden hierin nachzugeben, wenn dadurch ein so mächtiges Hinderniß der Annäherung und Verbrüderung beyder Glaubensgenossen aus dem Wege geräumt werden kann? Der conservative Zug an den Juden mißfällt überhaupt dem Verfasser, und es kommt ihm schließlich auf ein bischen Zwang nicht an. um das Ziel einer Verschmelzung mit den Christen herbeizuführen. — Er hat zum Zwecke solcher Verschmelzung sogar ein besonderes Zwangsgesetz entworfen: Seite 44/45: O ihr Gebildeten unter meinen Glaubensbrüdern! Ich möchte euch wohl fragen, ob ihr nie einen heftigen Drang fühlet, die Last eines Gesetzes abzuschütteln, das der Weisheit des Weltschöpfers so unähnlich ist? Und wäre das, so würdet ihr die Hand der Regierung segnen, die euch und uns alle einem Gesetze zu entsagen zwänge, das uns Jahrtausende hindurch allen Völkern, unter welchen wir wandelten, so gehässig machte. Wie? wenn ein Landesherr, unter dessen Scepter ein bedeutender Theil unserer Religionsgenossen steht, den Befehl ertheilte: JederJude in unsermStaate. der mehr als eine Tochter hat, ist schuldig, wenigstens eine derselben derHandeinesChristenzugeben. sobald sich ein solcher findet, und man gegen seinen Charakter und gegen die Art, sich und seine künftige Familie zu nähren, nicht mit Grunde etwas einzuwenden hat. Die Braut ist aber darum nicht gezwungen, ihrem Glauben zu entsagen. Sie erhält übrigens den ihr zukommenden Vermögensantheil so gut, als wenn sie einen Juden heyrathete.

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