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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-08-22 · 34 (22.8.1902) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
34 (22.8.1902)
Date
1902-08-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 34 Vr. Bloch's Wochrnschrift. Seue 555 civilisatorischen Aufgaben des Landes, noch seinen wirthschaftlichen Interessen ent spreche Er habe dies auch in der Kammer rückhaltlos und mit allem Nachdruck ausgesprochen. Es fei auch fraglich, ob das von dem gegenwärtigen Ministerpräsidenten Sturdza eingeführte Sparsystem sich noch lange bewähren werde. Das von Sturdza festgesetzte Budget betrage 218 Millionen Francs, während das seinerzeit von Carp als Ministerpräsidenten festgesetzte Budget 227 Millionen Francs betragen hatte. Eine Regierung könne uiit Ersparungen allein nicht auskommen, sie müsse auch für die noth wendigsten Erfordernisse sich die Mittel zu verschaffen wissen. Es werde sich bald zeigen, wie sehr dieses Princip auch auf die Verhältnisse in Rumänien in Anwendung gebracht werden müsse. Zur Tilgung der vor drei Jahren aufgenommenen Anleihe in der Höhe von 175 Millionen Francs, deren Einlösungstermin in zwei Jahren abläuft, werde selbstverständlich eine neue Anleihe ausgenommen werden müssen, und je eher dies geschehe, desto vortheilhafter sei es natürlich. Möglicherweise würden die Vorkehrungen hiezu schon im Herbst getroffen werden. — Uns scheint es sehr fraglich, ob der rumänischen Regierung so ohne Weiteres ein neues Anlehen gelingen wird. — * * Wir vernehmen mit Befriedigung, daß sich in Paris ein „Olub romnain“ 19 Eue des Eosiers, im Restaurant Hermann ein „Verein rumänischer Juden im Ausland" gebildet hat, der es sich zur Aufgabe stellt, einerseits für seine Mitglieder zu sorgen, anderseits aber auch die öffentliche Meinung über die Vorgänge in Rumänien aufzuklären. Gerade in Paris thut Beides noth. Viele rumänische Juden haben in Frankreich Aufenthalt genommen, und in der französischen Hauptstadt genießen auch viele andere Rumänen, die dort Studien halber oder um des Erwerbes willen leben, die französische Gastfreundschaft. In Frankreich hat man namentlich zu Napoleons Zeiten sich für rumänische Verhältnisse lebhaft interessirt und der Rest von liberaler Gesinnung, der etwa noch in Rumänien zu finden ist, stammt aus Frankreich. Es ist daher von Wichtigkeit, den Franzosen das Rumänien von heute in seiner wahren Gestalt zu zeigen, und wenn der 61ub roumain de Paris diese Mission erfüllen wollte, so würde er viel dazu beitragen, das Urtheil der Franzosen über Rumänien in richtigem Sinne zu beeinflussen. Der Aufruf, den das Comite des Oiub roumain an die Glaubens- und Stammesgenossen, die rumänischen Juden in Paris, richtet, um sie zum Beitritt einzuladen, schildert in wahrer Weise die barbarischen Verfolgungen, denen die Juden in Rumänien ausgesetzt sind und durch welche 26<>.000 Menschen zur Auswanderung gezwungen werden. Schade, daß dieser Appell nicht in französischer Sprache erschienen und in Millionen Exemplaren verbreitet worden ist, er hätte 40 Millionen Franzosen des Westens gezeigt, wie die fälschlich „Franzosen des Ostens" genannten Rumänen das Urbild entstellen und die Grundsätze desselben: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit", verhöhnen. Das Präsidium des „Allgemeinen Grstrrreichischeu Israelitischen Kundes" versendet an seine Mitglieder nachstehenden Rechenschaftsbericht: Sehr geehrter Cultusvorstand! Wir beehren uns, Ihnen nachstehend in kurzen Umriffen ein Bild unserer Thätigkeit im verflossenen Jahre zu entwerfen, glauben jedoch Folgendes vorausschicken zu sollen: In unserem Statut ist ausdrücklich die Bestimmung ausgenommen, daß zur Mitgliedschaft: Cultusgemeinden, jüdische Vereine, dann als Einzelpersonen die Vorsteher von Cultusgemeinden oder von jüdischen Vereinen und solche Männer befähigt sind, welche durch hervorragende Verdienste ihre lebhafte Antheilnahme an unserer Glaubensbruderschaft bekunden. Hiedurch trägt unser Verein die Eignung, sich zu einer Repräsentanz der österreichischen Judenschaft in allen das Interesse dieser Religionsgesellschaft als solche berührenden Angelegenheiten zu gestalten. In einer Zeit, in der leider so häufig alle nur denkbaren Anlässe herbeigezerrt werden, um uns in unseren Institutionen, in unseren religiösen Gebräuchen, in unseren Anschauungen und Empfindungen, überhaupt in der Gesammtheit anzugreifen, soll uns die Möglichkeit geboten sein, dagegen im Namen der Gesammtheit in solcher Weise zu reagiren, wie es nach Lage der Dinge einer einzelnen Cultusgemeinde oder der einzelnen noch so hervorragenden Persönlichkeit versagt ist. Gefördert wird dieses Ziel, je mehr Gemeinden sich uns anschließen. Völlig erreicht würde es, wenn — was uns als Ideal vorschwebt — sämmtliche jüdische Cultusgemeinden Oesterreichs beitreten. Auch jetzt schon bieten wir, obwohl es uns ferne liegt, die Autonomie der Cultusgemeinden irgendwie anzutasten, durch unsere Bereinigung dennoch kleineren Gemeinden, die sich an uns wenden, die Möglichkeit, wenn fie irgendwelcher Schwierigkeiten in ihrer Mitte oder mit anderen Gemeinden nicht Herr werden können, unsere friedensvermittelnde Thätigkeit anzurufen, welche indirect auch der Gesammtheit zu Gute kommt. Verschiedene Umstände, deren Begründung fich von selbst ergibt und die wir daher Ihnen gegenüber nicht des Breiteren zu erörtern brauchen, veranlassen uns, manche Angelegenheit, mit der wir uns intensiv beschäftigten und noch beschäftigen, manche Action. die wir vollbracht oder mit deren Vorbereitung wir uns b fassen, nur zu streifen oder auch hier völlig mit Schweigen zu übergehen. Wir fühlen uns hiezu schon durch die Erwägung gedrängt, daß der „Allgemeine Oesterreichische Israelitische Bund" seinen Beruf nicht darin erblicken darf, lärmend in die Oeffentlichkeit zu treten und seine Thaten an die große Glocke zu hängen, was — wenngleich unter normalen öffentlichen Verhältnissen, in Anbetracht unseres streng loyalen und gesetzmäßigen Vorgehens ruhig der öffentlichen Kritik unterbreitet werden könnte — doch bei den gegenwärtig üblichen Verdrehungen und Verhetzungen — wie manche Erfahrung lehrt — zu Mißdeutungen und Verdächtigungen führen und wohl auch die Folge haben könnte, daß der Einfluß und die Bedeutung unseres Vereines gerade da unbenützr bleiben müßten, wo dieselben am dringendsten benöthigt werden. Wir übergehen in diesem Berichte auch eine lange Reihe von Agenden, die uns beschäftigen, weil fie mehr private Angelegenheiten einzelner Personen betrafen, die sich um Rath und Hilfe an uns wandten und denen wir diese auch nach Möglichkeit zu Theil werden ließen. Bei diesen, wie überhaupt bei allen unseren Actionen wurde uns seitens der Vorstandsmitglieder des Bundes sowie der Vorstände der Cultusgemeinden die von uns von Fall zu Fall erbetene Mitwirkung stets in der bereitwilligsten und dankenswerthesten Weise gewährt. Bon den Angelegenheiten, die allgemeine Interessen berühren, seien in chronologischer Reihenfolge erwähnt: Es fanden wiederholte Berathungen — aus Grund eines uns vorliegenden Actenmateriales — über Vorschläge zu Aenderungen von Gemeindestatuten bezüglich der Functionen der Schiedsgerichte in Steuersachen statt. Gemeinden in Galizien haben fich an uns mit dem Ansuchen gewendet, ihnen die Mittel anzugeben, wie dem ihr religiöses Gefühl verletzenden Umstande abzuhelfen sei, daß die Gerichtspraxis — wo es sich um Juden handelt — aus die Sabbathfeier keine Rücksicht nimmt. Wir glauben annehmen zu dürfen, daß der Modus, den wir empfahlen, das gewünschte Resultat herbeiführte. Schon in früherer Zeit hatte uns der Fall Araten vielfach beschäftigt und waren wir in Allem, was der unglückliche Vater zur Wiedererlangung seines geraubten Kindes unternahm, ihm zur Seite gestanden. Wir hatten leider in der Folge noch Gelegenheit, bei einer ganzen Reihe von analogen Fällen, in denen unsere Mitwirkung in Anspruch genommen wurde, eine Thätigkeit zu entwickeln, die, unterstützt von der freisinnigen Presse, an die wir niemals vergeblich appellirten, wenn es sich um Recht und Humanität handelte, oft nicht erfolglos blieb. Eine Gemeinde hat unsere Intervention angerufen, um für ihren Rabbiner, der als Autodidact fich eine entsprechende Bildung erworben und seit Jahren pflichtgelreu seines Amtes waltet, den Dispens vom Nachweis des Maturitätszeugnisses zu erwirken. Wir haben diesem Ansuchen entsprochen. Die Lage unserer Glaubensgenossen in Rumänien hat uns unausgesetzt beschäftigt. Zahlreiche Artikel in der europäischen Presse, eine umfangreiche Denkschrift an den König von Rumänien, die demselben — nach vorhergegangener Audienz bei dem damaligen Ministerpräsidenten Carp — übermittelt wurde, die

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