Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 34 (22.8.1902)
- Date
- 1902-08-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 554 Dr. Blmtz's WochvnMrrifk. Nr. 34 „l’essentiel etant d’eviteo l’admission en masse dans la famille roumaine de tous les Juifs se trouvant ab a n t i q u o dans les pays, lies d’un pere, qui y serait ne egalement/4 Unumwundener ist wohl noch noch nie ein Schuldgeständuiß seitens eines Angeklagten gemacht worden als es mit diesen Worten geschehen ist, und dieses Schuldgestäudniß ist auch das beste Argument, das man gegen den Ministerpräsidenten Sturdza geltend machen kann, der ueuestens wieder einmal einem gutmüthigen Interviewer einreden wollte, daß die Rumänen den guten Willen hätten — die von rumänischem Patriotismus erfüllten Juden zu rumänischen Staatsbürgern zu machen. Vor Allem muß ihm gegenüber constatirt werden, daß die rumänischen Juden sein Zeugniß für ihren Patriotismus nicht brauchen und auch nicht aurufen. Jahrhunderte hindurch gebrachte Opfer an Gut und Blut, Jahrhunderte lange Arbeit, die keine Reichthümer sammelte, sondern nur dem Erwerb des täglichen Brotes galt, Jahrhunderte langes Eintreten für die Landesinteressen sind ein besseres Zeugniß für den ehrlichen Patriotismus der rumänischen Juden, als die Worte des Ministers. Er beruft sich zum Beweise der aufrichtigen Handhabung des Naturalisationsgesetzes darauf, daß - zwei Juden, die Herren Frank und Blank, das rumänische Bürgerrecht erhielten. Für Leute, die die rumänischen Verhältnisse nicht kennen, wird dieser Beweis gewiß nicht imponirend wirken. Zwei von 250.000 Juden — ja sind denn die anderen 249.998 Juden unpatriotisch? Aber wer sind diese zwei patriotischen Musterjuden? Zwei Bankdirectoren, welche die Geheimnisse der rumänischen Staats- und Privatfinanzen sehr genau kennen, für deren Schweigen oder Reden — je nachdem mau es braucht — das rumänische Staatsbürgerrecht also eine sehr billige Prämie ist, auf die man sich aber vor Personen, welche die rumänischen Verhältnisse kennen, nicht berufen darf, um die Objectivität der rumänischen Regierung in Angelegenheit der Naturalisation der Juden zu erweisen. Viel ehr dürfte man gerade in der Naturalisation dieser zwei von Sturdza als Kronzeugen angeführten Männer einen Beweis erkennen, daß damit eine bestimn'.Le Absicht verbunden war. Daß die despotischen Ausweisungen, welche die rumänischen Regierungen gegen rumänische Bewohner jüdischer Confession in ocn letzten Jahren so zahlreich verhängt haben, selbst im Sinne und nach Inhalt der intoleranten rumänischen Gesetze, vollständig gesetzwidrig waren, ergibt sich aus einer jüngsten Entscheidung des rumänischen Cassativnshofes. Das „Bukarester Tagblatt" meldet nämlich: „Die zweite Section des Caffationshofes hat eine von ihrem Präsidenten Herrn Mandrea selbst redigirte Entscheidung gefällt, welche besagt, daß der im Lande geborene und erzogene Jude nicht als Fremder betrachtet werden darf. Jetzt veröffentlicht derselbe hohe Richter unter dem Pseudonym Junius im „Curierul Judicior" einen Commeniar zu dieser Entscheidung, in welchem er deducirt, daß auf die eingeborenen Juden, welche nicht als Fremde betrachtet werden können, auch nicht das Ausweisungsgesetz angewendet werden könne, da dieses Gesetz blos gegen die m einem anderen Lande geborenen und einem fremden Schutze unterstehenden Fremden gerichtet sei. Die Entscheidung und der Commentar haben sowohl in den politischen und juridischen, als auch in den direct interessirten Kreisen der jüdischen Bevölkerung großes Aufsehen gemacht. Das Ausweisungsgesetz ist oft und von allen Regierungen gegen die interimistischen Juden angewendet worden, und der Caffationshof hat mit seiner Entscheidung den Regierungen einen werthvollen Fingerzeig für die Anwendung dieses Gesetzes gegeben. Das sind Kundgebungen von großer symptomatischer Bedeutung. Die Vorgänge in Brüssel, die dort vorläufig inofficiell gepflogenen Besprechungen, endlich die Aussicht auf einen europäischen Congreß zur Verhandlung über die rumänische Judenfrage, lassen allen rumänischen Machthabern es rathsam erscheinen, die schönsten Zusicherungen und die „heiligsten" Versprechungen in die Welt hinauszurufen. Selbst Se. Majestät der König Karl, unter dessen hohem Regime über die unglücklichen Juden all das Elend und alle Verfolgungen hereinbrachen, bemüht sich zum Zwecke der Beschwichtigung. Das „Berliner Tageblatt" meldet: König Carol hat in der letzten Zeit zwei hervorragende jüdische Persönlichkeiten in besonderen Audienzen empfangen. Beidemale hat die Lage der Inden in seinem Königreiche den Gegenstand der Unterredung gebildet. Marco Mendel, ein bedeutender Exporteur in Galatz, hat dem Könige die traurigen Verhältnisse der Juden in dieser Stadt geschildert und zugleich auf die Gefahren hingewiesen, welche durch die unausgesetzt andauernde Auswanderung der Juden für die Gemeinde Jassy entstehen müssen. Der König gab die Berechtigung dieser Auffassung zu und ersuchte den Kaufmann. Alles aufzu bieten, was in seinen Kräften stände, um der überhandnehmenden Auswanderung der Juden aus Rumänien überhaupt zu st e u e r n. Von größerer Bedeutung war indessen der Empfang des Londoner Oberrabbiners Dr. G a st e r, eines hervorragenden Gelehrten, der vor circa 15 Jahren, obwohl Rumänier von Geburt, dennoch aus diesem Lande ausgewiesen wurde, weil er es gewagt hotte, sich seiner Glaubensgenossen anzunehmen. Dieser Rumäne nun hielt dem König einen Vortrag über die verzweifelte Situation der rumänischen Juden, denen kein anderer Ausweg als eben die Auswanderung bliebe. Der König antwortete ihm, daß doch die Auswanderung für beide Theile ungünstig sei, für die Juden, sowohl wie für Rumänien. Darauf setzte Dr. Gaster auseinander, daß, um der Auswanderung zu steuern, kein anderes Mittel bleibe, als die Gesetze gegen die Juden zu mildern. Besonders das Ausweisungsgesetz müsse aufgehoben werden, uud die Gemeinden müßten die Erlaubniß erhalten, sich zu organisiren. Beide Forderungen erkannte der König als gerecht an, und er fügte wörtlich hinzu: „Ich hoffe, daß Sie. wenn Sie in zwei oder drei Jahren dieses Land wieder besuchen, eine neue Situation hier finden werden." Rumänische Zeitungen veröffentlichen eine Unterredung mit dem Bürgermeister von Jassy, in der es heißt: „Der Primär von Jassy, Herr Penescu, beklagte zunächst die jammervollen wirthschastlichen Zustände in der alten moldauischen Hauptstadt, wo die Armuth sich in weit härterer Weise fühlbar macht als in allen anderen Theilen des Landes Aber nicht blos Jassy, sondern die ganze Moldau befände sich in vollster Stagnation, und grenzenloses Elend, welchem jede Initiative und Thätigkeit mangle, sei das Charakteristische seiner im Niedergänge befindlichen Städte. Die Ursachen sind verschiedenartige, die Nachlässigkeit und die Gleichgiltigkeit der Regierenden haben aber jedenfalls ihr gut Theil dazu beigetragen. Was Jassy anbetrifft, so wurde seine Lage in empfindlicher Weise durch die Ausführung kostspieliger, zum großen Theil durchaus entbehrlicher Luxusbauten verschlimmert. Dieses Elend, so führte Herr Penescu aus, hat die Menge der rumänischen Arbeiter, andwerter und kleinen Beamten sowie die bekannte Bevölkerung der Mahalas betroffen. Man muß aber zugestehen, daß die armuth in schmerzlichster Weise einen großen Theil der jüdischen Bevölkerung heimgesucht bat und noch heimsucht. Aus der von mir unternommenen persönlichen Enquete habe ich mich überzeugt, daß es jüdische Familien gibt, welche mit 30 Bani (94 Pfennig) pro Tag leben. Ich habe diese Enquete unternommen, um dem König, der sich persönlich für die Sache interessirte, alle verlangten Details zu geben." Die Enquste wird nichts helfen und der Bericht an den König Carol auch nicht. Nach dieser Richtung erwarten wir nichts, absolut nichts. Nur die völlige Verelendung des ganzen Landes kann noch Hilfe bringen, und diese Verelendung, scheint es, ist nahe. — Eine Ergänzung zu den Worten des Jassyer Bürgermeisters bildet eine Versammlung der Hausbesitzer von Bukarest bei Jancu Bratescu. Die Versammlung war sehr stark besucht, ein Beweis für das Interesse, das die Hausbesitzer von Bukarest an dem Vorgehen des Herrn Bratescu nehmen. Dieser setzte in längerer Rede auseinander, daß „die Einnahmen der stäotischen Immobilien auf den achten Theil gesunken sind". Er verlangte dringend Staatshilfe, und die Anwesenden beschlossen dementsprechend, eine Liga der städtischen Jmmobilienbesitzer zu schaffen, um dem vollständigen Ruin des städtischen Grundbesitzes vorzubeugen. — Nach Staatshilfe schreien in Rumänien Alle, und der Staat ist ohnmächtig. — Herr Peter C a r p versicherte in Wien, daß das neue G e w e r b e'g e s e tz. dessen Durchführungsbestimmungen gegenwärtig ausgearbeitet werden, wohl niemals zur Praktischen Anwendung gelangen werde, und betonte, daß der Fremdenhaß in Rumänien weder den