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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-08-22 · 34 (22.8.1902) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
34 (22.8.1902)
Date
1902-08-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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» Dr. Bloch’s Iahrza«- XIX Crntralorgan für die grsammten Interessen des Iudenthums. K. k. Postspsrrast'en-Arnr Clearing-Verkehr Nr. 810.976. LedarUon und Administration Wir« IX/1, Berggasse Nr. 39. l'DlapIioi, Hr. 14.847. Mienz 22. August 1902. ■•?** ‘H- Lrsckeint jeden Freitag. ->>—H—~i- Brief-Adresse: Wien, IX/I, Derggasse 39. Telegromm-Adresse: Vloch's Wochenschrift, Wien» Serugsprei» für Oesterreich Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für', Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 » Anzeigen: Die4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. M- Jnhalt: Leitartikel: Rumänien will wieder einmal Europa beruhigen. —Das Präsidium des „Allgemeinen Österreichischen Israelitischen Bundes". — Unterrichtsfragen. — Antisemitische Geschichtsdarstellnng. — V o^ii Jahrmarkt des Lebens: Glossen u>r Tagesgeschichte. Neue Hilsner-Enthiillungen. Das Elend der jüdischen LUndenten. Der „Ritnalmord" im Peklowalde. — Eorrespondenzen: Der Geburtstag des Kaisers. Wien, Floridsdorf, Baden. Nikolsbnrg, Virovitica, Purgstatl, Belovar, Straßnitz, Bisenz, Mistelbach. Kanitz, Rosenberg, Piesling, Nachod. — Vermischtes: Kranzablösnngsspenden zu Gunsten der Ehewra-Kadischa in Wien. Wien, Drösing, Prag, Pardubitz. Berlin — Feuilleton: Der Ehanukalenchter. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Aufruf. — Danksagung. — Inserate. Rumänien will wiederum einmal Europa dernhiKen. Begegnet man einem rumänischen Minister oder Staatsmann, so spricht er sofort von der Judenfrage in seinem Lande, und nimmt man eine rumänische Zeitung zur Hand, so kann man Zehn gegen Eins wetten, sie werde in irgend einer Form sich mit dieser Frage zu schaffen machen. Es sind dies Symptome, daß die Frage das Land selbst bedrückt und eine Wunde ist, die an den Kräften des Landes zehrt. Rumänien kann nicht zur Ruhe kommen, so lange es nicht zur Gerechtigkeit zurückkehrt, denn das Land trägt eine schwere Schuld, und jede Schuld rächt sich auf Erden. Aus den vielfachen Aeußerungen von rumänischen Staatsmännern und Publicisten in jüngster Zeit kann man auch das Bemühen heraushören, sich von dieser Schuld zu entlasten, sich als die Unschuldigen darzustellen und die öffentliche Meinung für sich umzustimmen. Der Grund für dieses Bestreben ist aber nicht ein ethischer, sondern ein materieller. Rumänien braucht Geld von Europa und weiß, daß ein discreditirter Schuldner, ein Wortbrüchiger, ein seine Verpflichtungen nicht erfüllender Staat keinen Anspruch machen kann, daß man neuerdings seinem Wort vertraue. Hieraus entspringt das Bemühen, die Welt glauben zu machen, Rumänien sei besser, als sein Ruf. Für den Mißerfolg, den diesePropaganda bisher erzielt hat, möchte man die Agitation der Juden verantwortlich machen und übersieht dabei vollständig, daß gerade in dieser Beschuldigung der vermeintlichen Gegner die schärfste Selbstanklage gelegen ist. Wenn wirklich die Juden alle Kraft aufwenden würden, durch die ihnen zu Gebote stehenden Mittel Europa davon zu überzeugen, daß Rumänien ein wortbrüchiger Staat ist — gäbe ihnen nicht Rumänien selbst die Beweise in die Hand, so müßte alle ihre Beredtsamkeit und all ihr Einfluß vergeblich bleiben. Weil aber jeder Schritt, den Rumänien auf der abschüssigen Bahn seiner inneren Politik unternimmt, den Beweis erbringt, daß die Juden das volle Recht haben, diesen Staat vor ganz Europa anzuklagen, und weil kein ehrlicher Richter es wagen könnte, diesen Angeklagten freizusprechen, ohne der Wahrheit und dem Rechte ins Gesicht zu schlagen, wird es mißachtet, hat es den Credit verloren. Unter den Argumenten, die am meisten gegen die Juden Rumäniens ins Feld geführt werden, spielt bekanntlich der Vorwurf, sie seien „Fremde", eine Hauptrolle. Es verschlägt nichts, wenn aus der Landesgeschichte nachgewiesen wird, daß die Juden länger im Lande wohnen, als die Rumänen selbst, es wird dennoch immer von Neuem wiederholt. Allein manchmal und sicherlich unwillkürlich dringt doch die Wahrheit auch aus eines Rumänen Munde und dann komnlt das Bekenntniß zu Tage, daß man die Welt mit der Behauptung, die Juden seien „Fremde" in Rumänien, angelogen hat. Aus freien Stücken würden sie dies Bekenntniß nicht ablegen, allein wenn Liberale und Conservative einander in den Haaren liegen, dann entschlüpft ihnen im Kampfe ein und das andere Wort, das die Wahrheit an den Tag bringt. Und möchten sie es auch gerne wieder uugesprochen machen — die Druckerschwärze hat es festgehalten, und wir versäumen gewiß die Gelegenheit nicht, für dieses Schuldbekenntniß der Rumänen ganz Europa zum Zeugen anzurusen. Wegen des berüchtigten Gewerbegesetzes in Rumänien, das trotz aller Ableugnungen des Ministers Sturdza den internationalen Verpflichtungen Rumäniens Hohn spricht, ist zwischen Liberalen und Confervativen ein Streit entbrannt, in welchem dem Ministerium Sturdza der Vorwurf gemacht wird, daß es die Landesinteressen preisgibt. Wir wollen aus diesem Streit nur hervorheben, daß von couservativer Seite eingestanden wird, daß die Juden nicht Fremde in Rumänien sind, sondern sich dort „ad antiquo“ aufhalten, und zwar wird dies unmittelbar darnach zugegeben, nachdem man sich damit gebrüstet hat, daß es ein Conservativer, Alexander Lahoväry war, der den Anforderungen des Berliner Vertrages gegenüber, der die Gleichberechtigung ohne Unterschied der Confeffion und der Race feststellte und somit allen Inden in Rumänien dieses Recht sichern sollte, den Ausweg ersann, die Naturalisation en masse sei durch die Naturalisation individuell zu ersetzen. Zur Begründung dieser Verletzung wird in naiver Weise das Geständniß gemacht, das wir hier wörtlich anführen:

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