Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 33 (15.8.1902)
- Date
- 1902-08-15
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 550 Dr. Blvch's WochenschrM Nr. 33 "b8ivv nrav ip j'2'i,T niois naiwa «mia na'ia nrrm« Es wird also lediglich erzählt, daß die Gemeinde Nahardea bis zur Zerstörung unter R. Nahman ununterbrochen bestand. Eine Lesart: ,i2’tP’2 — wonach von einer Lehrthätigkeit seit Jojachim die Rede wäre, ist abzuweisen, wie schon der Zusammenhang lehrt (vgl. übrigens Glossen meines Großvaters B. Kamma p. 80a). 2. ib.: Daß R. Jehuda B. B'thera in der That um das Zahr 69 bereits wirkte, scheint mir keineswegs ausgemacht. Bekanntlich finden wir ihn in Controversen mit den Jüngern Akiba's. Nach einer agadischen Quelle (vgl. Leder badorot s. v. Abba) stand er im Verkehr mit dem Vater Samuel's. Man greift wohl zu dem Verlegenheitsmittel, zwei Judas vorauszusetzen. Andere jedoch (s. piniö m® I, Nr. 2, Ende) beziehen die Stelle Pessach p. 3 b, wo vom Opferdienste die Rede ist, auf die vorhadrianische Zeit, in der, nach ihrer Ansicht, der Cultus wieder eingeführt wurde. Ich weiß nicht, ob es sich lohnt, die letzterwähnte Frage noch einmal aufzunehmen; ich möchte nur Folgendes der Erwägung anheimgeben. Hat Barkochba Jerusalem eingenommen (vgl. Graetz IV, 2. Aust., 147, Derenbourg, Lssai sur l’histoire p. 288, Note 1) so wird er Wohl auch den Versuch gemacht haben, den Opferdienst einzuführen. Wie ich an anderer Stelle angedeutet habe (BEI, 39, S. 40, 6) scheint aus der Mischnah Sanhedrin p. 89 hervorzugehen, daß um jene Zeit auch das große Synhedrion wieder in Action treten sollte. 3. S. 21 Anm. Ueber die Stellung unserer Alten zum Handel vgl. noch die Parallelstelle Midr. rabb. Lev. e. XXII ypip ib tri" ,iiv bna ban *]b p« i«b C8v i»r' 4. S. 24. Zur Stellung der Frau in Babylon, wäre besonders der Umstand heranzuziehen gewesen, daß die Gemeinde für eine Witweupension ihrer Functionäre in ganz moderner Weise sorgte. Vgl. b. Kethuboth p. 65 a Wenn wir auch bei den Lehrern (vgl. Nachttag S. XX) keine Polygamie finden, geht doch aus Stellen wie b. Joma p. 18b und Parall. hervor, daß auch ihre Auffassung der Monogamie keine allzu rigorose war. 5. S. 28. Daß die babhl. Gelehrten den Proselyten nicht abhold waren, beweist klar eine Stelle wie b. Berakoth p. 17 b R. Josef sagt: „Du erkennst (ihre Hartherzigkeit) daraus, daß nie von ihnen ein Neubekehrter hervorging". Aehnlich auch R. Asche (ib). Zur Proselytenfrage im Allgemeinen, (die Funk noch Nachtr. XX aufnimmt) sei bemertt, daß — allem Anscheine nach — besonders in Rom in der ersten amoräischen Zeit Gerim zu finden waren. So erkläre ich den Ausspruch R. Josua b. Levis (jer. Ta'anioth I) „Fragt man Dich: wo ist Euer Gott, so antworte: in der großen Stadt Rom". Josua b. Levi findet bekanntlich auch den Messias in Rom (vgl. b. Sanh., p. 98 a). 6. S. 33. Der Exilarch scheint auch eine Leibgarde (nach Art der des Patriarchen) gehabt zu haben, vgl. die '8113 im Dienste R. Nahman's, des Angehörigen des Fürstenhauses b. Kiddusch p 33a. 7. S. 42. Bezeichnend für die Verhältnisse vordem Eintteffen Rab's ist die Erzählung b. Berakoth 58 a von R. Lila, wenn der Vorgänger Samuel's gemeint ist. 8. ib. Anm. 2. Ich glaube nicht, daß man mit Funk 82’18 als „der Große" erklären kann; sicherlich hat Arjok, das Attribut Samuel's, nichts damit zu thun. Vgl. skr. aryaka und den Eigennamen Ariok bei Justi „Iranisches Namenbuch" s. v. S. 23 a. 9. S. 43 ff. Ueber die Frage des Aufenthaltes Rab's in Palästina hat jüngst Epstein (LEI. 44, S. 45 f) gehandelt, nach seinen Ausführungen wird Funk zu berichtigen sein. Folgendes sei noch betont: Rab hat beim Sikarikongesetze gestimmt (b. Gittin p. 59). Konnte er dies als Nichtordinirter? War er aber bereits ordinirt, so muß er vor der Abstimmung im Beth-din Rabbi's schon in Babylon gewesen sein, denn die vielcttirte Stelle (b. Sanhedr. p. 5 a) spricht von einer Ordination vor der Abreise. Zwei Grade von ,12'öd anzunehmen, liegt kein Grund vor, da jeder Ordinirte auch selbstständig lehren konnte (vgl. Levi j. Jeb. XII u. s.) Beachtenswerth ist b. Berakoth p. 45 b, wo der Talmud zur Zeit Rab Huna's Gelehrte in Babylon voraussetzt, die bei Rab Unterricht genossen haben vor seiner Auswanderung (b22b rrnn rropa 2iv mb P'ötn). Bei dem Verhältnisse Rab's zum persischen Hofe (zu Funk, S. 45) bleibt sein Ausspruch b. Joma p. 10 a. “o'2»inö '1'2 vianir Dia ni'nj?„ nicht wenig auffallend. Es klingt fast wie ein Wunsch. 10. S. 48, Anm. 4. Auch im Persischen heißt der Ort piav8 vergl. das von den jüdischen Schriftstellern wenig benützte „Dictionnaire giogr. de la Perse“ par Barbier de Meynard (Paris 1861, p. 39): "r8p1iaiv8.. „bourg du territoire de Merw. ou de Thaläqän.“ 11. S. 55. Ich weiß nicht, wie Funk dazu kommt, das Latb- Löl: „mein Sohn Hanina begnügt sich mit einem Kab Johanuisbrod" aus eine» Sohn Rab's zu deuten. In Ta'anith p. 24 b setzt der Zusammenhang direct den bekannten Hanina b. Dosa voraus, auch Ber. p. 17 b tjat Ms. Münch, nun1 T*? .Tb jtdö t2,h pa2„. 12. S. 58. Ueber die Bewerthung der medicinischen Kenntnisse Samuel's, vgl. jetzt Schapiro (LEI 42, p. 14 ff); es ist im Uebrigen gewagt, zu behaupten, daß Samuel an seiner Jesiba Medicin als Disciplin gelehrt habe. So weit rituelle Fragen in Bettacht kommen, haben auch Frühere prattische Anatomie betrieben (vgl. Bekhor 37 b und p. 45, Nidda p. 30). 13. S. 59. Ueber das Verhältniß Samuel's zu Hananja, dem Neffen R. Josua's, ist erwähnenswerth, daß wir recht häufig im Talmud in seinem Namen finden: 8'33H2 rpbn vgl. Ta'anith p. 10 a Chol: p. 79 b und sonst. 14. S. 66 f. Ueber die Stellung der Juden zu den Feueranbetern vgl. b. Kid.: p. 72 a a'^n b"8 d'dib 181.1 ibb '21 b«„ "nban '28b»b p»ii .D'ian '38-.1 b"8 in n'2 bt® mb"nb Es ist übrigens klar, daß wir es hier mit Juda II zu thun haben (vgl. schon Rapoport, Kerem chemed VII Nachtrag ad. S. 156). Möglicherweise ist das Bild: „die Heerschaaren des Hauses David's" ein Hinweis auf die Garde des Patriarchen (vgl. LEI, 39,47, Amu. 3, 4) Die Phrase stammt wohl aus b. Kiddmim, p. 76 b; vielleicht bat sie übrigens auch schon Samnel auf die Leibwache Juda's II. bezogen vgl. b. Ros ha-sana p. 18 a. 15. S. 75. Der Haß der Rabbinen gegen Palmyra ist umso auffallender, als um jene Zeit in Palmyra Juden lebten. Sie wurden sogar von den Palmyrenern geachtet (vgl. Levy, „Jahrb. f. Gesch. d. Juden", II, 1861, p. 293). Ueber jüdische Familien in Palmyra vgl. de Vogue Inscriptions p. 47 u. 65; angeblich fand sich auch eine Synagogeninschrift in den Ruinen (vgl. jetzt Mittwoch in „Beiträge zur Assyriologie" von Haupt und Delitzsch IV. II., S. 203 f). Jüngst entdeckte Inschriften weisen hebräische Namen auf (vgl. Simon b. Abba, bei Sobernheim ib. S. 218). 16. S. 77. Ueber die Nasr.-Dynastie in Hira wäre die eingehende Studie Rothstein's „Die Dynastie der Lahmiden in Hira" (besonders S. 41 ff) zu berücksichtigen gewesen. 17. S. 16, Anm 1. Ueber das Verhältniß Rabbi's zur Misnah ist b. Kethub. p. 43 b charakteristisch, «an jb DTID «Nil« 2381» "'212 pn’anöi, als ob der Redactor nicht mit Rabbi identisch wäre. 18. S. 105, Anm. 1. wird ,1lia durch wzurg groß erklärt. Man müßte demnach eine Transposition vornehmen, die umso unnöthiger erscheint, als Warzak als n. pr. vorkommt vgl. Justi 1. e. S. 35? a. 19. S. 115. Es scheint doch in den amoräischen Jeschibas gewisse fixe, dem ganzen Lehrhause angehörige Traditionen gegeben zu haben. So erklärt sich das nicht seltene 81D31 ,Tatra (b. Pess. p. 115); v l. auch b. Erub. p. 67 a. 83abi8i .Tatra 12 pan a 21 ia« (s. noch Arachin p. 28 b "«aabini ,1'atra '»« 12 8"N T„ was für den jerusalem. Verfasser dieses Tractates beachtenswerth ist. Babyl. rrab'« jerus. ’abn u. sonst). 20. S. 116. Auch bei den tanai'tischen Jüngern gab es diametral entgegengesetzte Traditionen über eine Halacha vgl. b. Nedar, p. 25 b, Leb. p. 26 a von Schülern Rabbi's und Rab's. (vgl. Bloch „Einblicke" p. 39, 66.) 21. S. 118. Zum Verhältnisse R. Chasba's zu R. Huna wären die Stellen heranzuziehen gewesen, in denen es heißt: 8ian t b«° "“[a'D 831,1 21 'J72 8mi8bl ,12 j'T b'i ,121b (z. B. B. M. p. 18 b u. Par. Jebam. p. 61 b) Hieraus ist ein Verkehr zur Zeit der Lehrthätigkeit Huna's ersichtlich (vgl. noch Sanh. p 23 a Rasch: u. Tosaph.) Da von Rabba die Rede ist, wird wohl der Anfang der Herrschaft Huna's nicht in Betracht kommen. 22. S. 131. Ueber das Einzelrichten in Civilsachen vgl. die Theorie R. Chija's ,'i'H' p 838 p3D (b. Sanh. p. 5 a); in praxi pflegte er jedoch einen Jünger heranzuziehen s. jer. Sanh. p. 18 a b. 23. S. 143 f. Mit Recht hebt Funk hervor, daß R. Juda hauptsächlich aus socialen und öconomischen Beweggründen das Auswandern nach Palästina verbot. Wie sehr er selbst mit Liebe am heiligen Lande hing, vgl. b. Berak. p. 43 b. 82'2N1 ,111,1' 211 ,1'3'a 12« ."b8ii»' p8 ,i’b 24. Note II. Ueber babyl. Traditionen sei Nachstehendes betont. Es scheint daß wir im Talmud Baraithas haben, die aus der Schule Nathan des Babyloniers stammen. Als äußerliches Kennzeichen kann der Umstand gelten, daß in ihnen Rabbi nicht mit diesem Ehrentitel, sondern Jehuda ha-nassi genannt wird, und seine Meinung nach der R. Nathan's vorgetragen wird, vgl. b. Kamma, p. 99b. 1»18 8'tMn ,111,1' T 1218 jna T, ebenso b. metzia p. 48 b, 50 b, b. bathra p. 145 a, Sabb. p. 35 Ib. In den Baraithas dagegen, die aus der Schule Juda's hervorgingen, wird dieser stets Rabbi (---Meister) genannt und rangirt in der Regel vor R. Nathan, vgl. Kiddusin p. 64 a, Pessah p. 93 a (eine Ausnahme bildet allerdings b. Sabb. p. 32 b). Beachtenswerth ist übrigens, daß in Baraithas, in denen der Mischnahredactor als Jehuda ha-nassi vorkommt, selbst Zeitgenossen ihm vorangestellt werden. Vgl. Sabb. p. 32 b Eleazar b. Simon vor Juda ha-nassi (dagegen Cholin p. 102 b, Ta'anith p. 12 a, Menah. p. 72 a Rabbi vor Eleazar. Joma p. 36 a freilich Rabbi nach Eleazar, weil er seinen Worten etwas hinzufügt). Seine Jünger trieben den Respect so weit, daß sie die Ansicht ihres Meisters Rabbi, auch der älterer Lehrer vorangehen lassen. Vgl. B. K. p. 87 b Rabbi vor b. Azai, Joma p. 37 a Rabbi vor Chananja, dem Neffen Josua's! — Ich glaube, daß das behandelte Kriterion uns das Mittel an die Hand geben kann, Sammlungen Rabbi'scher Schüler von denen Nathan's zu unterscheiden.*) Wien, 25. Juli 1902. _ Dr. H. P. CHajes.- *) Wenn ich nicht irre, hat auch Jacob Brüll in s. „Llebö hamischnah“ die Frage in ähnlicher Weise behandelt. In der Ferialzett ist mir seine Schrift nicht zugänglich.