Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-08-15 · 33 (15.8.1902) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
33 (15.8.1902)
Date
1902-08-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021439-3021473--12002-3036571
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sette 548 Dr. Bloch's Wvchenfchrifk. Nr. 33 Wien. Der Festgottesdienst aus Anlaß des Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers im Bethausverein Wien, III., Untere Biaductgafse 13, findet Montag am 18. d. um 7 Uhr Abends statt. Die Festpredigt hält der Vereinsrabbiner Se. Ehrwürden Herr Dr. Armin Abeles. Wien. (Verlobung.) Fräulein Gisela Weißberger hat sich mit Herrn Wilhelm L ö w i n g e r, Mitinhaber der Firma Wohl und Löwinger, verlobt. Wien. Wir erhalten folgende Mittheilung: Bei einer Waisenstiftung, welche von dem Cultusvorstande zu verleihen ist, kam es letzthin vor, daß für zwei erledigte Stiftplätze tatsächlich nur zwei Bewerber einschritten. Allerdings sind die Stipendien selbst, mtt je K 58'— dotirt, nur gering; auch sind die Bedingungen des betreffenden Stiftbriefes, daß nur doppeltverwaiste Kinder von Angehörhen der Cultusgemeinde competenzfähig sind, ziemlich erschwerend. Nichtsdestoweniger ist kein Zweifel vorhanden, daß auch an Bewerbern, welche jenen Bedingungen entsprechen und denen auch das geringe Stipendium sehr zustatten käme, leider in Wien kein Mangel ist. Es zeigt sich eben hier, was sich bei vielen ausgeschriebenen Stiftungen der Cultusgemeinde im Laufe des Jahres gar oft wiederholt, daß den durch die jüdischen Zeitungen, durch Anschlag an den Gemeindebethäusern und sonst auf geeignete Art veröffentlichten Kundmachungen nicht die gehörige Beachtung geschenkt wird. Wien. (Todesfall.) Am 30. Juli verschied Frau Babette Hiller geb. Straß, eine durch regen Wohllhätigkeitssinn ausgezeichnete Dame, im 65. Lebensjahre. Um die Verblichene trauern zwei Söhne und zwei Töchter. Einer der Söhne ist Herr Max Hiller, Bezirksrath im IX. Bezirke. Floridsdorf. Montag den 18. August findet in unserem Tempel anläßlich des Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers um 5 Uhr Nachmittags ein Festgottesdienst mit Predigt statt. Luudendurg. Am 18. d. M. vollendet unser verehrter Rabbiner, Herr Dr. S. Groß, das 30. Jahr seiner Amtswirksamkeit in der hiesigen Gemeinde. Nachod. Am 11. August wurde der Gedenktag des Hinscheidens des Herrn Jsaac Mautner, Ritter des Franz Josef-Ordens und vieljährigen Vorstehers der israelitischen Cultusgemeinde in Nachod, in imposanter Weise gefeiert. Beim Morgengottesdienste waren der gesammte Vorstand und zahlreiche Mitglieder der Gemeinde anwesend. Nach dem Gottesdienste, bei welchem das Seelenheil für den Verstorbenen verrichtet wurde, begab sich die ganze Versammlung auf den Friedhof, wo am Grabe des Verstorbenen ein Gebet gesprochen wurde. Hierauf begab man sich in den Berathungssaal der israelitischen Cultusgemeinde, wo die Enthüllung des Bildes des Verstorbenen stattfand. Herr Rabbiner Dr. Brody hielt eine ergreifende Anrede, welche auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Dann entfernte der Vorsteher Herr Jacob Pick die Hülle des Bildes und sprach folgende Worte: .Die Züge dieses Mannes wollen wir in unserem Gedächtniß festhalten, denn aus diesen Zügen leuchtet uns seine edle Humanität, seine echte Frömmigkett und sein wohlthätiger Sinn entgegen. Und das Beispiel, das er uns gegeben, wollen wir als das von Jsaac Mautner auf uns gekommene Erbe betrachten. Wir wollen unermüdlich wie er für das Wohl unserer Gemeinde Sorge tragen, den jüdischen Charakter derselben wahren, ihre Institutionen, Vereine und Wohlfahrtsanstalten fördern, um so den Intentionen des edleu Dahingeschiedenen gerecht zu werden". Die Mitglieder der Familie, Herr Mautner jun., Herr Moriz Schur, Schwiegersohn des Verstorbenen, und Frau Adelheid Goldschmid. die Tochter des Hingeschiedenen, waren von diesem Acte der Pietät tief gerührt und dankten dem Herrn Vorsteher und dem Herrn Rabbiner herzlichst. Die Institution der Gemeinde, sowie auch die Armen wurden von den anwesenden Familienmitgliedern reichlich beschenkt. Neu-Raußuitz, 10. August. (Friedhofsregulirung. — Goldene Hochzeit.) Ein lange gehegtes Project, die Regulirung unseres mehrere Jahrhunderte alten jüdischen Friedhofes und Wiederaufrichtung alter, dem Verfalle nahe gewesener Grabdenkmäler, hat nunmehr unsere wackere Cultusvorstehung mit Herrn Richard Löw an der Spitze in dankenswerther Weise zur Ausführung gebracht. Tief ins Erdreich versenkte Grabsteine mit verwitterten Grabschriften präsentiren sich heute als pietätvolle Wahrzeichen einer bedeutenden geschichtlichen Vergangenheit und künden so aufs Neue die einstige Größe unserer Judengemeinde, die zu den sieben bedeutendsten Mährens gezählt hat. Die Grabschriften mancher der ältesten Steine, bei 350 Jahre alt, sind nun lesbar gemacht worden und verrathen ein Stück jüdischer Culturgeschichte, die es verdient, von berufener Seite gründlich erforscht und festgehalten zu werden. Aber auch die Grabsteine der letzten Decennien sind durch die Anlegung von Zugangswegen bequem erreichbar und werden den Gräberbesuchern aus der Ferne rasche Orientierung gewähren. — Heute feiert dajelbst das allseits geachtete Ehepaar Moriz W l a ch und Fanny W l a ch geb. Bauer, eine Schwester unseres Bürgermeisters Emanuel Bauer, das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Beide Jubilare haben vor Jahren schwere Krankheiten glücklich überstanden und erfreuen sich heute an ihrem Jubeltage, Dank göttlicher Gnade, wieder ihrer Gesundheit. Dieser freudige Anlaß versammelte eine große Anzahl Familienangehöriger von Nah und Fern, um dem kinderlos aber zufrieden mit einander lebenden Ehegatten ihre Werthschätzung zu bezeugen. Budapest. Am sechsten August feierte der durch seinen Wohlthätigkeitssinn allgemein geachtete Vorsteher der Wohltätigkeitssection der Pester israelit. Religionsgemeinde, Eommercienrath Siegmund S. B r e i t n e r, seinen sechzigsten Geburtstag. Der Jubilar, welcher einer alten, weitverzweigten Familie entstammt, ist leitendes Mitglied fast aller größeren Wohlthätigkeitsvereine. Seit Jahren leitet er mit der größten Hingabe den Concordia-Verein, leistete Ersprießliches in der Cbewra-Kadischa, deren Vorsteher er eine geraume Zeit war, betheiligt sich in seiner geräuschlosen Weise an allen größeren Wohlthätigkeitsactionen. So mancher armen Familie half er wieder auf und in der uneigennützigsten Weise leitet er das Armenwesen der Gemeinde, obzwar er als Leiter einer großen Firma und auch als Eensor der Oest.-ung. Nationalbank viel beschäftigt ist. Den Ovationen, welche seine zahlreichen Verehrer und Vereine ihm bereiten wollten, entzog er sich in seiner Bescheidenheit, machte aber namhafte Stiftungen für humanitäre und culturelle Zwecke, deren Veröffentlichung er untersagte. Berlin. (Ein Zeuge im Konitzer Processe.) Der Tagwerker Bernhard Masloff, der im Konitzer Processe als Hauptzeuge gegen Lewy auftrat, wurde wegen Meineides zu zwei Jahren Zuchthaus verurtheilt. Kaum hatte er den Kerker verlaffen, gerieth er mit seinem Hauswirth wegen rückständiger Miethe in Streit und brachte ihm mit einem Knüttel schwere Schädelverletzungen bei; er wurde heute deswegen zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilt._ Feuilleton. Der Chaimkalerrchler. Von Babette Fried in Prag. (Fortsetzung.) V. Jones Fantes war wirklich ein gebürtiger Böhme, welcher in seiner Jugend schon mit seinem Vater auf einem Segelschiffe übers Wasser hinübergezogen, damals als die Verarmung im Böhmerwalde, woher er stammte, derart überhandgenommen hatte, daß die Bewohner nicht mehr das trockene Brot aufzubringen vermochten, mit welchem sie sich bei ihrer bekannten Frugalität zufrieden geben mußten. Von der Heimat aus augewohnte Sparsamkeit, verbunden mit einem eisernen Fleiße, hatte den Alten bald aus kleinen Anfängen zu einem reichen Manne gemacht und klein Jones verstand es, das von feinem Vater übernommene Vermögen zu erhalten und zu vermehren. Aber auch etwas Anderes, das er von seinem Vater ererbt hatte, wußte er mit pietätvoller Hingabe festzuhalten — die Liebe zu dem Gotte Israels, die Verehrung seiner heiligen Lehre, die Zusammengehörigkeit mit dem Volke, dem er entsprossen war und dessen Sohn zu sein er sich rühmend bekannte, während doch andere, reich gewordene Einwanderer mit ihrer früheren Armuth und durch diese nothwendig gewordenen Einfachheit und Schlichtheit in den meisten Fällen auch ihre früher gepflegte Religiosität und fromme Lebensweise ablegten. Fantes machte eine rühmliche Ausnahme. In seinem in der Nähe von Chicago sich palastähnlich erhebenden Wohnhause, welches er sich in nächster Nähe seiner Fabrik erbaut und mit allem möglichen Comfort ausgestattet hatte, befand sich auch eine kleine Synagoge, welche er schön mit allem Röthigen ausgerüstet hatte. An jedem Sabbath- und Festtage, sowie wenn Jemand nach den Eltern Jahrzeit hatte, versammelte sich das jüdische Beamten- und Arbeitspersonal feines Etabliffements in dieser Synagoge, um den Gottesdienste beizuwohnen. Ein russischer Auswanderer, welcher aus seiner Heimat vertrieben und einstmals hungernd und frierend in die Fantes'sche Fabrik gebracht wurde, versah den Posten eines Hauscaplans. Es war dies ein Mann von bewundernswerther Gelehrsamkeit, der außerdem die Gebete mit besonderer Wärme vorzutragen verstand, der aus dem Pentateuch sehr gut vorlesen (leinen) konnte und auch hie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.