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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-08-15 · 33 (15.8.1902) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
33 (15.8.1902)
Date
1902-08-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 83 Dr. Bloch's Wochrnschrifl. Sette 847 hier den Culminationspunkt.. Rasche Hilfe ist nöthig. „Bis dat qui cito dat.“ Burdiyeni, Jüd. Botosani. Rumänien. Das Comitä: Rabbiner L. M. Landau aus Botosani, Josef Markowicz, Doctor Berman, N. Horodniceanu, A. Wechsler, Beris Bercovic, S. Landau, Marcus Zalzberg, Haim Ruckenstein. Geldsendungen sind zu richten an Herrn Abraham Wechsler. Botosani, Rumänien. Netoyork. (Protest der orthodoxen Gemeinden.) Der Verband der orthodoxen Gemeinden der Vereinigten Staaten von Nordamerika und Kanada hat dieser Tage hier unter dem Vorsitz des Rabbiners Dr. H. Pereira Mendes eine Delegirtenversammlung abgehalten, die sich ausschließlich mit der auf der Rabbinerversammlung zu New-Orleans vorgeschlagenen Verlegung des Sabbaths auf den Sonntag beschäftigte. Nach längerer Berathung wurde folgender vom jRabbiner Meldola de Sola aus Montreal formulirter Protest gegen jenen Vorschlag beschlossen: „Der im Dekalog für den siebenten Tag festgesetzte Sabbath ist der Eckstein des Judenthums. Er ist ein „ewiges Zeichen" zwischen dem Gott Israels und seinem Volke, ein „immerwährendes Bündniß". Seine Beobachtung bedeutet die Anerkennung des Allmächtigen als Schöpfer des Weltalls, die Anerkennung der Wahrheit und Autorität seines Gesetzes. Ein Einwand gegen den Sabbath des Dekalogs ist Berrath am Gott Israels und Empörung gegen seine unwandelbaren Vorschriften. Der Verband der orthodoxen Gemeinden der Vereinigten Staaten und Kanadas protestirt gegen das Vorgehen der letzten Conferenz von Reformrabbinern zu New-Orleans, die eine Discussion über den Vorschlag einer Verlegung des Sabbaths auf den ersten Tag der Woche überhaupt zugelassen hat. Daß die Mehrheit der an der Debatte betheiligt gewesenen Mitglieder diese Verlegung bekämpft hat, kann die verderblichen Wirkungen dieser Discussion nicht beeinträchtigen. Sie hat dazu beigetragen, bei vielen unserer Brüder die Vorstellung über den obligatorischen Charakter der die Sabbathruhe vorschreibenden Gesetze zu erschüttern und der Welt eine irrthümliche Meinung beizubrmgen über die Stellung des jüdischen Volkes gegenüber dem Sabbath. Der Sabbath steht als eine göttliche Einrichtung unendlich erhaben über der Thätigkeit menschlicher berathender Körperschaften. Es ist der Gipfel der Vermessenheit, wenn Sterbliche daran zu rühren versuchen. Wir protestiren deshalb gegen jene Discussion über die Verlegung des Sabbaths, die mit dem Geiste des Judenthums absolut unvereinbar ist." New-Iork. Am 29. v. M. ist hier der Oberrabbiner der orthodoxen Gemeinden New-Aorks RabbiJakobJoseph, ein geborener Pole, in hohem Alter gestorben. Bei dem Begräbniß kam es leider zu schweren Unruhen. Etwa hunderttausend Leidtragende fanden sich bei der Synagoge in Henrystreet ein, und beim Erscheinen des Leichenwagens warfen sich Biele im Schmerz vor den Wagen. Die Polizei konnte nur mühsam dem Zuge den Durchlaß verschaffen, und viele Unglücksfälle kamen vor. Als der Conduct dann zu den Druckmaschinenwerken der Firma Hoe gelangte, warfen antisemitische Angestellte Kübel voll Wasser auf die Theilnehmer des Leichenzuges. Die entrüsteten Juden stürmten die Fabrik und demolirten das untere Stockwerk, während die Angestellten mit Hilfe der Feuerspritze die oberen Geschosse vertheidigten. Wertere Verwirrung entstand, als die Polizei eingriff. Ein entsetzliches Handgemenge entstand, wobei Hunderte zu Boden geworfen und getreten wurden. Viele Verwundete mußten zum Spital getragen werden. Zwei Polizisten und mehrere Juden wurden tödtlich verletzt. Die Firma Hoe sprach ihr tiefes Bedauern über den von ihren Angestellten verschuldeten Zwischenfall aus. Wie der Londoner „Expreß" meldet, herrscht unter den New-Iorker Juden große Entrüstung über die Polizei, die mit ihren Stöcken auf die Juden einhieb und die angreifenden Antisemiten wenig belästigte. Fast 150 Theilnehmer des Begräbnisses sind verwundet und bettlägerig im Spital oder zu Hause. Eine Massenversammlung wurde einberufen, an der sämmtliche jüdischen Vereine und viele Christen sich betheiligen wollen, um einen Protest an den Bürgermeister zu richten. Dieser hat bereits eine strenge Untersuchung angeordnet. Folgendes Schreiben wurde vom Mayor dem Polizeicommiffär Partridge zugesandt: „Ich ersuche Sie, mir einen genauen Bericht über die gelegentlich des Leichenzuges des Rabbiners Joseph vorgkkommenen Ruhestörungen zu erstatten. Ein derartiger Vorfall verunglimpft unsere Stadt, und ich wünsche einen umfassenden Bericht über die Entstehungsursache, damit ich in den Stand gesetzt werde, so weit als möglich darauf zu achten, daß Diejenigen, welche die Verantwortung tragen, zur Rechenschaft gezogen werden." Die Veröffentlichung dieses Briefes wirkte beruhigend auf die erregten Gemüther im Ghetto. Die von der Polizei mißhandelten Bürger gewannen die Ueberzeugung, daß der Mayor in unparteiischer Weise die Untersuchung leiten und auf Bestrafung der Schuldigen dringen werde. In den zahlreichen Versammlungen, welche infolgedessen in allen Theilen der Ostseite stattfanden, um Protestbeschlüsse gegen das Benehmen der Polizei, welche der Brutalität beschuldigt wird, zu fassen, wurde das Vorgehen des Mayors lobend erwähnt und die Zuhörer ermahnt, fich zu gedulden, dis die Untersuchung zum Abschluß gelangt ist. In einer in Seminole Hall, Nr. 414 Grand Str., abgehaltenen Jndignationsversammlung, die äußerst stürmisch verlies, während in dem anstoßenden Gebäude, der New Windsor Hall, eine gleiche Versammlung stattfand, wurde ein Comitc von Anwälten ernannt, das täglich in Seminole Hall zu sprechen sein wird, um Klagen und Beweise entgegenzunehmen und bedürftigen Opfern des Aufruhrs unentgeltlichen rechtlichen Beistand zu geben. Ebenso wurde ein Boycott gegen die Hoe Co. beschlossen durch Einsetzung eines Comites, das in Erfahrung bringen soll, welche Tenementhäuser auf der Ostseite im Eigenthum der Hoe Co. stehen, um die Miether zum Ausziehen zu veranlassen. Die Polizei wurde auf das Schärfste verurtheilt. Andere Jndignationsversammlungen fanden in Cooper Union und Pacific Hall, Nr. 29 East Broadway, statt. In letzterer Versammlung wurde eine Liga zu Schutz und Trutz organisirt, um die Thäter der Justiz zu überliefern und die jüdische Bevölkerung vor ähnlichen Thaten des Terrorismus zu schützen. Es sollen Zweigligas in verschiedenen Stadttheilen organisirt werden. Zu Beamten der Liga wurden gewählt: Charles Dushkind, Präsident; Israel Adlermann, Bicepräsident; Vorsitzer der Executive Moses Mintz; Secretär Mooris Weiß. Der Mayor und der Polizeicommissär sollen ersucht werden, eine Untersuchung des scandalösen Vorfalles anzustellen. In den Versammlungen ertönte stets Beifall, so oft der Name des Mayors genannt wurde, während bei der Erwähnung der Namen Croß und Jerome allgemein gezischt wurde. In einer Versammlung, welche in No. 215 East Broadway stattfand, wurden 500 Dollars Belohnung ausgesetzt für Ermittlung und Bestrafung der Anstifter des Krawalls, resp. der Polizisten, welche ohne Provocation von ihren Knüppeln Gebrauch machten. Vermilchtes. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien, I., Seitenstertengasse 4, für arme kranke A Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des ' seligen Herrn Oskar Schall: Von Herrn Leib Schall, II., Ferdinandsstraße 13, X 10'—. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Charlotte Rindskopf: Von Familie Dreh, X 6'—. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Flora Springer: Von Herrn Wilhelm Kaufmann, II., Herminengasse 21, X 2--. Wien. Aus Anlaß des Allerhöchsten Geburtsfestes Seiner Majestät des Kaisers Franz Joseph I. findet am 18. August 1902 im Stadttempel um 9 Uhr Vormittags und im Leopoldstädter Tempel um 10 Uhr Vormittags ein feierlicher Gottesdienst statt. Wien. Anläßlich des Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers findet Montag den 18. August a. c. um halb 10 Uhr Vormittags iw Tempel, XV., Turnergaffe 22, ein feierlicher Gottesdienst statt. Wien. (Synagogenverein „Beth Israel", II., Leopoldsgaffe 29.) Anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät findet Montag den 18. August l. I., um 9 Uhr Bormittags, in der Synagoge des Vereines „Beth Israel" ein Festgottesdienst statt. Wien-Mariahilf. Aus Anlaß des Allerhöchsten Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers findet Montag 18. d. M., Y,8 Uhr Früh, im Tempel, VI., Schmalzhofgaffe 3, ein feierlicher Gottesdienst statt.

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