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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-08-15 · 33 (15.8.1902) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
33 (15.8.1902)
Date
1902-08-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 36 Sette 543 Dr. Bloch's Wochrnschrifk. kannt war, gegründet und geführt werden sollte. Infolge dessen waren vor einigen Wochen die Herren Oberbürgermeister, Stadtsyndicus und Stadtbaumeister von Caffel in Ahlem, um die Anstalt einer gründlichen Besichtigung zu unterziehen. Die Herren haben sich sämmtlich sehr zufrieden geäußert und es nur natürlich gefunden, daß der Geber gerade Ahlem ihnen als Muster bezeichnet hat. Gegenwärtig sind in Ahlem zwei Lehrer der Baron Hirsch- Stiftung aus Galizien, welche die hier geübte praktische Erziehungsweise kennen lernen sollen, um sie später in den Baron Hirsch-Schulen in Galizien einzuführen. Voraussichtlich werden in der Folge auch noch aus anderen außerdeutschen Ländern Lehrer und Lehrerinnen sich zu dem gleichen Zwecke dort aufhalten. Es handelt sich eben in Ahlem nicht mehr um Experimente, sondern um praktisch erprobte Erziehungsmethoden, deren Resultate höchst erfreulich sind. Die normal veranlagten Knaben, welche nach Vollendung ihrer Lehrzeit die Anstalt verlassen, haben nicht nur in Deutschland, sondern auch im Auslande ein gutes Unterkommen gefunden. Die Jewish Cultural and Industrial Aid Society, welche verschiedene junge Leute, die in der Nähe von New-Iork Stellung gefunden haben, kennen gelernt hat, hat der Anstalt geschrieben, daß nach derartigen Gärtnern mehr Nachfrage als Angebot ist. Es ist begründete Aussicht vorhanden, daß die die Anstalt besuchenden Ausländer später einmal den Kern von Colonien in den Vereinigten Staaten bilden, und daß dann ein Theil ihrer Landsleute, angereizt durch den Erfolg, sich veranlaßt sieht, ihrem Beispiel zu folgen und dadurch am besten das Elend dieser gemildert und das Vorurtheil gegen die jüdische Einwanderung beseitigt wird. Es wäre wünschenswerth, wenn recht viele unserer Glaubensgenossen, namentlich während der jetzigen Reisezeit, die Anstalt zu Ahlem in Augenschein nehmen wollten. Die Anstalt ist vom Bahnhofe in Hannover in einer halben Stunde zu erreichen, und es lohnt wohl die Mühe, auf der Sommerreise einen kleinen Umweg zu machen, der bei der centralen Lage Hannovers in vielen Fällen nur unbedeutend st in wird. Noch einem anderen Wunsche möchten wir schließlich Ausdruck geben: Durch die Erweiterung des Erziehungswerkes hat die Anstalt eine nicht unerhebliche Schuldenlast und Verpflichtungen übernommen, die in der Folge bedeutend größere laufende Ausgaben als bisher erfordern; wir wünschen, daß in allen Kreisen, die Herz und Berständniß für derartige Erziehungsbestrebungen haben, — und wo wäre solches mehr vorhanden, als in jüdischen Kreisen — auch der Wohlthätigkeitssinn sich regen möge, so daß es der Anstalt ermöglicht wird, den neuen Anforderungen auch in jeder Beziehung gerecht zu werden. Zur rumänischen Iudeufruge Der rumänische Ministerpräsident Sturdza hat den Wiener Schriftsteller Dr. Hugo Ganz in Bukarest empfangen und durch denselben in der „Frankfurter Zeitung" in ähnlicher Art die rumänische Judenpolitik vor Europa vertheidigen lassen, wie jüngsthin im Wiener „Vaterland". Herr Sturdza sagte: „Ich erwähne, daß man im Auslande von besonderen Verfügungen rede, durch welche dem proletarisch-jüdischen Elemente der Erwerb jeder höheren Cultur unmöglich gemacht werde. Nichts ist ungerechter. Der rumänische Unterricht ist, die Hochschule mitinbegriffen, gänzlich kostenlos. Der Staat bringt dafür die größten Opfer. Ist es da billig, zu fordern, daß den Fremden die Schulen geöffnet, den eigenen Landskindern aber gesperrt werden? Man kann doch den Fremden nur so viel Platz einräumen, als die Landeskinder übrig lassen, und noch sind die Israeliten weit über ihren Percentsatz der Bevölkerung in den Schulen vertreten. Das Handwerksgesetz? Ein Gesetz der Reciprocität, in keiner Weise gegen die Juden gerichtet. Wie sollte das auch sein. Vor Jahren hat hier ein ausländischer Jude, ein Bankdirector Herr v. Frank, seine Tochter verheiratet; rumänische Fürstentöchter waren die Kranzeljungfern. Ein Parteigenosse, der Bankier Blank, ist Jude, Staatsbürger, ein Intimus der Intimsten. Aber um es dahin zu bringen, muß man doch zuvor gelernt haben, rumänisch zu denken und zu fühlen, rumänische Cultur angenommen haben, entschlossen sein, mit dem Volke zu leben und zu leiden. Aber die Juden sondern sich ab, bilden ein Volk für sich. Sie massenhaft recipiren, hieße einfach, eine Fremdherrschaft im Lande etaburen. Denn man müsie doch auch bedenken, daß die bäuerliche Masse der Rumänen noch auf sehr tiefem Niveau stehe und in gar keiner Hinsicht den wirthschaftlicken und politischen Kampf mit der jüdischen Race aufnehmen könne. Rumäniens Zukunft bestehe im strengen Nationalismus; denn wenn Rumänien beispielsweise bulgarische Bevölkerung hätte, wäre es längst im slavischen Meere verschwunden." Demgegenüber haben wir an Folgendes zu erinnern. Vor dem reichen Juden haben noch alle Antisemiten ihre „Grundsätze" suspendirt. Die Herren Vergani in Wien, Doctor Böckel und Ahlwardt in Deutschland, Drumond und Morös in Frankreich sind nach dieser Richtung ganz in derselben Weise verfahren, wie die Gesinnungsgenossen in Rumänien. Alle nehmen sie auch von Juden. Mn ölet war immer der moralische Grundsatz der Arier. Die Niedertracht besteht darin, daß man die eingeborenen Juden, deren Vorfahren seit Jahrhunderten im Lande ansäßig waren, einfach für „Fremde" erklärt und von ihnen „Naturalisation" fordert. Darin concentrirt sich der Rechtsbruch. Man hat durch einen wahrhaft beispiellos in der Rechts- oder vielmehr in der Unrechtsgeschichte dastehenden Cynismus den Begriff der Fremdschaft auf die seit Jahrhunderten in Rumänien angesessenen Juden angewendet und sie auf solche Weise aller Bürgerrechte entkleidet. Doch, wohlgemerkt, hat man diese angeblichen „Fremden" Rumäniens gleichwohl der dortigen allgemeinen Wehrpflicht unterworfen. Armenier und Zigeuner hat man als „Einheimische" erklärt, die Juden, die längst noch unter türkischer Herrschaft ihr Heimatsrecht besessen haben, erklärte man plötzlich als „Fremde". Ihre Söhne dienten beim Militär, kämpften im Heere; sie bleiben dennoch fremd. Und gegen diese „Fremden" wurde ein ganzes System von Ausnahmsgesetzen ersonnen, welches dem Erfindungsgeist der Bosheit alle Ehre macht. Rumänien verhöhnt die völkerrechtlichen Verträge, spottet allen Grundsätzen der Gerechtigkeit und Moral und stützt sich einzig auf die Gewalt des Stärkeren. Allein Rumänien ist ein kleines Volk, umgeben von starken und mächtigen Nachbarn. Es könnte geschehen, daß es selber bald genöthigt sein wird, die Grundsätze der Gerechtigkeit Mzurufen. Völker und Staatsmänner sollten auch an solche Wendung des Geschickes denken. Herr Sturdza dagegen beklagt sich über die Juden: „Die Juden hetzen gegen Rumänien: das Wort „Alliance israßlite“ fällt. Die Organe der Alliance wollen den Credit Rumäniens ruiniren. Sie üben eine Pression auf das Land aus, daß es den Artikel 7 seiner Verfaffung abändere." Bald aber erhebt er dieselbe Anklage gegen die rumänische Opposition, daß sie den Landescredit schädige. „Man sucht den rumänischen Credit zu erschüttern. Wer ist man? Es circuliren Broschüren im Auslande. Von wem rühren sie her? Von Take Jonescu. Die Gegner Rumäniens haben es sehr leicht, wenn sie das Land schädigen wollen. Sie brauchen nur von der Publicistik der jeweiligen Opposition Gebrauch zu machen. Doch nicht der jeweiligen. Der Sünde des Vaterlandsverraths macht sich nur die conservative Opposition schuldig. Die Conservativen appelliren immerfort an's Ausland." „Die Conservativen erschüttern aus Parteibosheit den Credit Rumäniens, und die deutsche Presse benützt die oppositionellen Auslassungen, um Stimmung gegen Rumänien zu machen. Aber alle Feinde des Cabinets werden sich verrechnen. Man glaubt Rumänien in die Enge zu treiben, indem man ihm erschwert, Anleihen beim Auslande zu machen. Gut. Rumänien wird überhaupt keine Anleihe machen. Sturdza wird zeigen, daß er ausländisches Geld nicht braucht. Er wird lediglich durch solide Gebahrung Jahr für Jahr Ueberschüsse ausweisen und hat sich nach dieser Richtung auch durch feierliche öffentliche Erklärungen schon gebunden. Es ist viel gesündigt worden; man hat zu viele Sinecuren geschaffen; es zehren zu viel Parasiten am Budgetkuchen. Sturdza hat durchgegriffen und den Beamtenstatus auf die Hälfte reducirt. Die Verwaltungsausgaben leiden darunter nicht." In den inneren Parteistreit wollen wir uns nicht mengen. Die Wahrheit ist, daß beide Parteien ohne neue Anlehen im Ausland nicht regieren können; die Majorität

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