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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-08-15 · 33 (15.8.1902) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
33 (15.8.1902)
Date
1902-08-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 542 Dr. Bloch's WmtzVnMrrM. Nr. 33 Ueberzeugung vorgetragen werden. Mir selbst ist es vor einem Jahre passirt, daß mir ein solcher Principienmensch, der unter keinen Umständen von der hebräischen Sprache wissen wollte, zurief, ich verstände nichts davon. Nicht eine dritte Sprache „aufbürden" wollen wir, sondern, wie bereits gesagt, fähigen und lernbegierigen Knaben die Gelegenheit geben, einen gründlicheren Unterricht in der hebräischen Sprache zu erhalten. Dies müßte schon im Interesse der vielen jungen Leute geschehen, die sich jahraus, jahrein dem Rabbiner- und Lehrfach widmen und in die betreffenden Lehranstalten eine erschreckende Unkenntniß in Hebraicis mitbringen. Als vor Kurzem in Preußen das Mittelschulwesen reformirt wurde, galt es als selbstverständlich, daß ohne Absolvirung eines humanistischen Gymnasiums der Besuch der theologischen Facultät unmöglich sei. Auch auf das Griechische wollte man nicht verzichten, damit die Geistlichen die evangelischen Bücher in der Ursprache lesen sollen. Was das Griechische für die christliche Kirche bedeutet, muß doch das Hebräische für uns bedeuten. Und doch, wie viel von den jüngeren Rabbinern können die Bibel in der Ursprache lesen? Bon unseren Lehrern gar nicht zu reden — da verlangt man es schon gar nicht. Will man nun zugeben, daß in großen Gemeinden die Gelegenheit zur Erlernung des Hebräischen gegeben werden müßte, so stehen wir vor der Frage der Unterrichtsmethode. Ich glaube wohl, daß mir ein Urtheil in solchen Dingen zusteht, und nun spreche ich meine Ueberzeugung aus, daß die hebräische Sprache viel leichter zu erlernen ist, als die beiden classischen Sprachen, weil sie in der Syntax viel einfacher ist, und gerade die Syntax macht den meisten Schülern Schwierigkeiten. Man mache die Probe auf's Exempel. Ein durchschnittlich begabter Quartaner, dem wir die lateinischen Bocabeln Wort für Wort erklären, ist noch immer nicht im Stande, einen etwas schwierigen Satz im Lateinischen zu verstehen. Wenn ich aber einem Anfänger im Hebräischen die Bocabeln einzeln übersetze, versteht er gleich den Zusammenhang des Ganzen. Nur die Unterrichtsmethode ist bei uns veraltet und schlecht. Und merkwürdig! Die Methode ist veraltet, aber nicht alt. In früheren Jahrhunderten wurde bei uns unterrichtet, indem man die Schüler gleich mit dem Uebersetzen der Bibel beschäftigte, ohne sie vorerst viel mit der Grammatik zu bepacken. So schlecht ist diese Methode gewiß nicht. Kein Geringerer als John Stuart Mill hat auf diese Weise im frühesten Alter die beiden classischen Sprachen erlernt. In früheren Jahren erzielte man dies dadurch, daß das Hebräische im gewissen Sinne Muttersprache wurde. Unter den obwaltenden Verhältnissen wird man die Methode etwas ändern müssen, und die Elemente der hebräischen Grammatik kann man nicht mehr entbehren. Es heißt dabei nur recht umsichtig sein und eine richtige Wahl treffen. Durchaus verkehrt ist aber die jetzt angewandte Methode, indem man wie in früherer Zeit mit dem Uebersetzen beginnt, aber nicht biblischer Stücke, sondern der Gebete. Das führt zu nichts. Die Gebete sind entweder schwere Poesien (wie z. B. der Sabbathpsalm), die man keinem Anfänger geben kann, oder nachbiblische liturgische Stücke, die wiederum sprachlich Schwierigkeiten bieten. Der Unterricht muß mit der guten erzählenden Prosa unserer biblischen Schriften beginnen. Man könnte auch vielleicht für Unterrichtszwecke eine Auswahl tristen. Jedenfalls steht es fest, daß da eine Reform dringend nölhig ist. In der bisherigen Weise wird auch nicht ein Schüler wirklich die hebräische Sprache erlernen. Dr. S. B e r n f e l d. Die Mabchen-Ablheilimg der israelitischen Erziehungsanstalt Ahlem. Das für die Aufnahme von Mädchen in Ahlem errichtete Gebäude ist nahezu vollendet und soll im Herbst dieses Jahres die ersten Kinder aufnchmen. Es möge daher gestattet sein, die Ziele, die dieser Mädchen-Abtheilung gesteckt sind, hier in großen Umrissen zu kennzeichnen. Schon bei Errichtung dieser Anstalt bestand die Absicht, den Mädchen unserer ärmeren Glaubensgenossen die entsprechende Erziehung für das praktische Leben in ähnlicher Weise angedeihen zu lassen wie den Knaben. Inzwischen haben die Zeitverhältniffe die Erstrebung dieses Zieles immer wichtiger erscheinen lasten. Bon allen Seiten hört man die Klage, daß so sehr wenige jüdische Mädchen Lust haben, als Köchinnen, Wirthschafterinnen rc. Stellungen anzunehmen, daß sie anscheinend Berufe vorziehen, die zwar geringe körperliche Anstrengungen erfordern, aber der Gesundheit nachtheiliger sind (Schneiderin, Putzmacherin, Ladnerin). Bekanntlich sind die Löhne hierbei sehr gering, und da angemessene gute Kleidung verlangt wird, ist ohne entsprechenden Zuschuß die Deckung der Bedürfnisse in der Regel nicht zu erreichen. Bisher fehlte uns eine geeignete Anstalt, in der die jüdischen Mädchen sowohl den Unterricht einer guten Volksschule erhalten, wie auch im frühen Alter, gleichsam spielend, an die Besorgung aller häuslichen Arbeiten, an ländliche Arbeiten, die für Frauen geeignet sind, wie Gemüsebau, Milchwirthschaft, Geflügelzucht u. s. w., gewöhnt werden und dadurch Lust zu der die Gesundheit mehr fördernden körperlichen Arbeit erlangen. Auf solche Weise erzogene Mädchen können später nicht nur tüchtige Köchinnen und Wirthschafterinnen, sondern auch tüchtige Hausfrauen für Handwerker, Gärtner und Ackerbauer werden. Dem Mangel in letzterer Hinsicht ist hauptsächlich der Mißerfolg eines großen Theiles bisheriger jüdischer Ansiedelungen zuzuschreiben. Hier muß daher der Hebel für den späteren Erfolg angesetzt werden. Es ist beabsichtigt, auch bereits erwachsene Mädchen aufzunehmen, um diese, ähnlich wie dies in anderen landwirthschastlichen Haushaltungsschulen geschieht, gründlich in allen häuslichen und solchen ländlichen Arbeiten auszubilden, die dem weiblichen Geschlecht angemessen sind. Und gerade wie die Ahlemer Knabenanstalt bisher in ihrer Art die erste und einzige jüdische Anstalt ist, in der die Knaben von Kindheit an für die Berufe erzogen werden, die vorzugsweise körperliche Thätigkeit erfordern, und wie die Anstalt als solche vorbildlich wirkt, so hoffen wir, wird auch diese Mädchenanstalt auf ihrem Gebiete Pionnierdienste verrichten. Es handelt sich bei den Mädchen wie bei den Knaben um die Entwicklung von geistigen und körperlichen Anlagen, die unter der Ungunst der Verhältnisse zu verkümmern drohen; was wir an solchen Fähigkeiten zur Entfaltung und zur Bethätigung bringen, das wird nicht nur jenen Bedrängten zum Segen gereichen, es wird auch uns selbst, unseren Kindern und Enkeln zu. Gute kommen. Ahlem gewährt eine vorzügliche Oertlichkeit für ein derartiges Unternehmen. Das Grundstück war vorhanden; in der bestehenden Knabenschule können die Mädchen bis zum 14. Jahre, wie dies in den Volksschulen kleinerer Plätze der Fall ist, gemeinsam mit den Knaben unterrichtet werden, was doppelte Lehrkräfte erspart. Die hierzu erforderliche Genehmigung der königlichen Regierung ist bereits ertheilt worden. Der vorhandene Verwaltungsapparat tritt ohneweiters in den Dienst der neuen Anstalt. Mit Freuden haben der Vorstand, das Curatorium und vor Allem die Mitglieder des Damencomites sich bereit erklärt, auch die Arbeiten für die Mädchenanstalt zu übernehmen, überzeugt, damit einen weiteren nothwendigen Schritt auf dem Wege zu thun, der zu der socialen Neuordnung der wirthschaftlichen Verhältnisse unserer armen und bedrängten Glaubensgenossen führt. Das neue Gebäude ist bei Vermeidung jedes Luxus nach allen Regeln der Hygiene erbaut und nach dem Urtheil aller Sachverständigen äußerst praktisch eingerichtet. Der Bau ist einfach, aber dennoch geschmackvoll, und infolge seiner erhöhten Lage bildet er eine Zierde der ganzen Gegend. Mit dem Haupthause durch einen verdeckten Gang verbunden liegt das geräumige Waschhaus mit Trockenräumen rc., sowie Stallungen für Kühe, Ziegen und Hühner. Gemüse- und Obstgarten werden an einem Abhange unmittelbar am Hause terrassenförmig angelegt. Wie schon erwähnt, soll das Haus im Herbst dieses Jahres eröffnet werden. Anmeldungen von schulpflichtigen Mädchen für die nach den Feiertagen zu eröffnende Mädchen-Abtheilung sind unter Einsendung ärztlicher Atteste und Schulzeugnisse baldigst zu richten an die „Israelitische Erziehungsanstalt Ahlem bei Hannover". Bei dieser Gelegenheit werden einige Mittheilungen über die jetzt im zehnten Jahre bestehende Knaben-Abtheilung das Interesse unserer Leser finden. Ein im Ausland lebender reicher Casseler Herr hat seiner Vaterstadt zur Errichtung eines interconfessionellen und internationalen Waisenhauses ein Capital von 5 Millionen Mark überwiesen und ausdrücklich die Bestimmung getroffen, daß dieses Waisenhaus nach dem Muster der Ahlemer Anstalt, die ihm be-

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