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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-08-15 · 33 (15.8.1902) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
33 (15.8.1902)
Date
1902-08-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 33 Dr. Blvch's Wochsnschrifi. Sette 541 abgeschlossenen Verträge sei. Der Protest wurde darauf dem italienischen Gesandten übergeben, der bei der rumänischen Regierung vorstellig geworden ist und anfragte, ob der Artikel 95 des Handwerkergesetzes aus italienische Staatsangehörige zur Anwendung gelangen solle. Es verleitet, daß andere auswärtige Mächte in Bukarest einen gleichen Schritt zu thun gedenken." Dem „Bukarester Tagblatt" entnehmen wir folgende Mittheilung : „Eine aus 6 Gewerbetreibenden, .unter der Führung des Herrn Toma Georgescu, des Präsidenten der Gesellschaft der Handwerker, bestehende Delegation hat sich im Kriegsministerium eingefunden, um beim Ministerpräsidenten Herrn Sturdza Aufklärungen bezüglich der Anwendung des Handwerkergesetzes einzuholen. Herr Georgescu bat den Ministerpräsidenten, den Handwerkern zu sagen, wann das Gesetz zur Anwendung gelangen werde, da man nach dem Austritte des Herrn Missir aus dem Ministerium nichts Präcises mehr darüber wisse. Der Ministerpräsident hat nun, wie die „Cronica" meldet, daraufhin Folgendes geantwortet: „Als Sie in die Kammer kamen, sagte ich Ihnen auf mein Wort als alter Mann, daß das Handwerkergesetz votirt werden würde, und so geschah es auch. Jetzt verspreche ich Ihnen abermals, auf mein Wort als alter Mann, daß das Gesetz zur Anwendung kommen wird. Wir werden einen Ministerrath halten müssen, um eimge Bestimmungen des Reglements zu discutiren, welche so ausgearbeitet werden müssen, daß sie das Ausland nicht verletzen. Theilen Sie den Handwerkern mit, daß sie ruhig sein und sich nicht von den Worten von Leuten beeinflussen lassen mögen, welche nicht in der Lage sind, von den Entschließungen der Regierung Kenntniß zu haben. Trachten Sie, durch Ihr Betragen in der Zukunft die in der Vergangenheit begangenen Fehler zu verbessern." Die Delegation dankte dem Ministerpräsidenten für die erhaltene Antwort und zog sich zurück." Offenbar versucht das rumänische Ministerium neuerdings das Ausland zu hintergehen und zu betrügen, indem zu dem reactionären juden- und fremdenfeindlichen Handwerkergesetz einige freundliche Ausführungsbestimmungen angehängt werden. Das ist der nackte Betrug. Denn die ministeriellen Ausführungsbestimmungen ermangeln jeder legalen Basis, sie sind von den Vertretungskörpern nicht berathen und beschlossen worden und können den materiellen Inhalt des Gesetzes nicht aufheben. Die Handelskammern brauchen sich um diese Ausführungsbestimmungen nicht zu kümmern und sind in der Lage. , vor jedem Gerichte ihre Giltigkeit mit Erfolg anzufechten. Und selbst wenn es Herrn Sturdza gelingen sollte, um dem Auslande Sand in die Augen zu streuen, die Respectirung seiner Ausführungsbestimmungen durchzusetzen, wer bürgt für die Zukunft und für seine Nachfolger. 4- * * Auch König Karl, unter dessen Schutz die rumänische Judenheit den grausamen Verfolgungen einer raffinirten Ausrottungspolitik sich ausgeliefert sieht, hält es an der Zeit, sich als Freund der Juden, wenigstens nach einer gewissen Richtung hin zu bekennen. Aus Bukarest wird nämlich über eine Audienz des einstens aus dem Lande verjagten, gegenwärtigen Oberrabbiners der Portugiesischen Gemeinde in London Herrn Dr. M. Gaster beim König Carol im Schlosse Pelesch gemeldet. Danach hat sich der König mit Herrn Gaster über den Zionismus unterhalten. Was die zionistische Bewegung anbelangt, so war der König, welcher dieselbe als eine religiöse Bewegung gehalten hatte, befriedigt, zu erfahren, daß sie einen politisch-nationalen Charakter habe. Seine M a j e st ä t erklärte sich als Anhänger dieser von einem Ideale getragenen Bewegung und billigte die Bestrebungen für die Wiederherstellung des alten Vaterlandes der Israeliten. Der Bericht füzt hinzu, daß der König Herrn Dr. Gaster ermächtigt habe, seine Worte zu wiederholen. 18 6 § r i m. U«terrichtsfragen i. Wenn man sich damit befaßt, die einzelnen Unterrichtsgegenstände in den jüdischen Religionsschulen zu erörtern, so mag wohl bei der „Gründlichkeit" der Untersuchung das Verständniß für das Ganze verloren gehen. Nur so kann ich mir es erklären, daß bei uns in Deutschland bis jetzt noch kein befriedigendes Ergebniß erzielt worden ist, trotzdem man doch schon seit Jahrzehnten damit beschäftigt ist, den Religionsunterricht in die Höhe zu bringen. Es wäre durchaus nöthig, daß man sich darüber früher schlüssig würde, was der jüdische Religionsunterricht bezweckt und was erreicht werden kann und soll. In früheren Jahren ging die allgemeine Strömung dahin, die hebräische Sprache aus dem Gottesdienste zu verbannen. Angeblich hieß es, man könne eine „todte" Sprache nicht erlernen, und wenn man sie auch erlernt habe, so sei sie eben eine todte Sprache, die keine Erbauung biete. Die Gebete wirken nur in der Muttersprache erhebend. In Wahrheit mögen Einzelne auch so gedacht haben, im Großen und Ganzen aber drückt sich darin die assimilatorische Bestrebung aus. Da in der evangelischen Kirche deutsche Gebete und Gesänge eine so bedeutende Rolle spielen, so müffen auch bei uns solche eingeführt sein. Es ist dies die Theorie von dem „Nasenring", die in Berlin vor einigen Jahren von einem Hauptvertreter der Assimilation vertheidigt worden ist. „Wenn unsere christlichen Mitbürger Ringe an ihren Nasen trügen, dürften wir ihnen auch darin nicht nachstehen." In solchen Dingen ist aber die Erfahrung werthvoller als alle Theorien. Trotzdem nun dem neuen Geschlecht seit Jahrzehnten die Gelegenheit geboten wird, sich bei „orthographischen Gebeten" zu erbauen, ist es doch nicht auch nur um ein Haar religiöser geworden; im Gegentheil hat der Verfall in der letzten Zeit einen solchen bedrohlichen Charakter angenommen, daß die Leute doch stutzig geworden sind. Freilich gibt es bei uns noch immer „principienfeste" Männer, die lieber das Judenthum eingesargt und begraben sehen möchten, als ihre Principien preiszugeben. Aber die Zeit schreitet über sie hinweg, und in Wahrheit sind diese Apostel des Fortschritts so rückständig, wie nur irgend möglich. In Berlin ist nun seit einigen Jahren der hebräische Sprachunterricht, der früher abgeschafft gewesen war, wieder eingeführt. Die Verhältnisse liegen aber so. In den öffentlichen Schulen, wo wir jetzt in Preußen den obligaten jüdischen Religionsunterricht für jüdische Schüler und Schülerinnen im schulpflichtigen Alter haben, kann nicht hebräisch unterrichtet werden. Zum Theil ist dies auch nicht gut möglich, zum Theil will die Unterrichtsverwaltung nicht den Unterricht in einer „tobten" Sprache gestatten. Jedenfalls läßt sich dagegen nichts machen. Der hebräische Unterricht wird somit nur in den sieben Religionsschulen, die unsere Gemeinde unterhält, und in den vielen privaten Religionsschulen, die größtentheils von der Gemeinde subventionirt sind, ertheilt. Ein festes Lehrprogramm haben diese Schulen nicht; in der Regel hängt es lediglich von dem guten Willen, Eifer, von der pädagogischen Fähigkeit der Lehrer und zu guter Letzt auch von den Schülern ab, wie weit da hebräisch gelehrt und gelernt wird. In der Hauptsache ist der Wunsch nach dem hebräischen Sprachunterricht von den Eltern der Schulkinder ausgegangen. Daher war er in den privaten Religionsschulen früher, als in jenen der Gemeinde, deren Behörden sich eigentlich nur dazu haben drängen lassen. Nun wurde in früheren Jahren von vielen Lehrern behauptet, daß in der kurzen Zeit doch nicht viel gelernt werden könne und die wenigen Stunden lieber auf solche Gegenstände verwendet werden sollten, bei denen ein ersprießliches Ergebniß zu erwarten wäre. Andererseits aber war es stets der Wunsch der Eltern, soweit sie sich überhaupt um den Religionsunterricht gekümmert haben, daß die Kinder hebräisch beten lernen sollten. Welchen Zauber die hebräische Sprache als Gebetssprache bei den Juden noch immer ausübt, ersehen wir aus dem Umstande, daß nunmehr in der hiesigenReformgemeinde das Kadischgebet wieder hebräisch gesprochen wird, wie überhaupt in dieser Gemeinde, der man gewiß keine rückschrittlichen Gelüste zuschreiben wird, in der letzten Zeit ein Zug nach Wiederherstellung der hebräischen Sprache in der Liturgie zu beobachten ist. Es soll zugegeben werden, daß man sich bei dem größten Theil der Schüler und Schülerinnen der Religionsschulen damit zufrieden geben muß, wenn ihnen das bloße Lesen und das mechanische Uebersetzen einiger Gebete beigebracht wird. In kleineren Gemeinden, wo überhaupt nur nothdürstig eine jüdische Religionsschule unterhalten werden kann, wird man sich kein höheres Ziel stecken können. Anders liegen die Verhältnisse in Berlin, wo Hunderte von fähigen und lernbegierigen Knaben vorhanden find, die neben der beiden classischen Sprachen, die sie in den Gymnasien lernen, recht gerne und leicht auch hebräisch lernen würden. In den öffentlichen Versammlungen, die bei uns alle drei Jahre vor den Gemeindewahlen abgehalten werden, wird diese Frage immer wieder erörtert. Aber stets kommen die „Pädagogen" und machen uns mit der Bemerkung todt, man könne nicht die dritte „todte" Sprache der Jugend aufbürden. Gegen diese Bornirtheit kämpft man vergebens, zumal in Versammlungen, wo faustdicke Dummheiten Beifall finden, wenn sie nur im Brustton der

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