Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 33 (15.8.1902)
- Date
- 1902-08-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 538 Dr. Blvch's Wochenfttzrifk. Nr. 33 pellier und Narbonne mit dem Orient vermitteln (Saige G., Les 5uiks du Languedoc, Paris 1881, p. 3, 6). Ein Jude wird auch als Eigenthümer eines Schiffes genannt, welches von Nizza nach Marseille fährt (Heyd, Geschichte des Levantehandels, 1,139). Jbn Kordadieh, ein arabischer Postmeister im 9. Jahrhundert, berichtet mit Angabe der Einzelheiten von einem zum großen Theil zur See von Juden unterhaltenen Handelsverkehr vom Frankenland bis nach China. In Lyon bildeten, nach Falke (Gesch. d. deutschen Handels, I 36), die jüdischen Handelshäuser den stattlichsten Theil der Stadt. Als Karl der Große einmal (a. a. O. 34) die Nordküste Frankreichs streift und Schiffe in Sicht kommen, werden diese von seiner Begleitung für jüdische Kauffahrteischiffe gehalten. Zwischen Köln und England pflegten Juden eifrige Handelsbeziehungen.*) Deutsche Juden finden wir auf den Märkten zu Amalfi, Pisa, Venedig. Waaren aus Constantinopel brachten sie die Donau herauf nach Regensburg. Zahlreiche Juden unternahmen nach dem Muster des Weltreisenden Benjamin von Tudela im 12.Jahrhundert weite Reisen über See. Die einen trieb kaufmännisches Jntereffe, andere die Sehnsucht nach dem Lande der Väter und seinen geweihten Stätten, andere wiederum suchten die verlorenen zehn Stämme Israels, über welche die abenteuerlichsten Fabeln umgingen. Bei vielen war es auch einfach die Lust, Neues zu sehen und Abenteuer zu erleben. Benjamin von Tudela trifft überall, wohin er kommt, Glaubensgenoffen. Die deutschen Kreuzfahrer werden vor den Juden im Orient gewarnt, weil diese meist Deutsch verstünden. Vasco de Gama begrüßt an der Küste Indiens ein Jude aus Polen. Es ist „der jüdische Pilot Gaspar", wie ihn Peschel (Gesch. d. Zeitalters der Entdeckungen) nennt, der den nachfolgenden portugiesischen Flotten als Lotse wesentliche Dienste leistet. Ueberhaupt spielen, nach Kayserling, die Juden als Matrosen und Lotsen bei den Entdeckungs- und Eroberungsfahr.en der Portugiesen, Holländer und Engländer eine nicht unbedeutende Rolle. Der Schiffsarzt der Expedition des Christoph Columbus war ein Jude, ein Jude soll es gewesen sein, der zuerst Laud entdeckt hat, ein Jude hat zuerst auf dem neuentdeckten Boden eine Niederlassung gegründet. Juden berichteten Heinrich dem Seefahrer von ihren Reisen nach dem Osten und festigten in ihm den Entschluß, den Seeweg nach Indien zu suchen. Vasco de Gama bedient sich jüdischer Seefahrer, ein Jude ist der stete Begleiter Alfonsos d'Albuquerque. Schon Jayme IV., der letzte König von Mallorca, bezeugt 1334, daß der Jude Juceff Faquin aus Barcelona die ganze damals bekannte Welt umsegelt habe. Bei der portugiesischen Expedition, welche 1415 Mauritanien einnahm, befanden sich mehrere Juden. Ein sprachenkundiger Jude begleitete 1601 den Capitäu James Lancaster auf der ersten Unternehmung der Lst-India Company und leitete die Verhandlungen mit dem Sultan von Atschin auf Sumatra. Jüdische Seeräuber suchten 1521 die spanischen Schiffe an der Bereinigung mrt der venetiamschen Flotte zu hindern. Die Matrosen, welche zur spanischen Armada ausgehoben werden, hatte unter andern Dr. Rodrigo de Castro, später in Hamburg, zu untersuchen. Es wird hervorgehoben, daß er alle Bestechungsversuche zurückgewiesen habe. In Hamburg haben die portugiesischen Juden, wie der Senat wiederholt öffentlich anerkennt, vor Allem den Handel mit Spanien und Portugal, auch mit Ostindien und Holland sehr verdienstlich gefördert. In einer staatlichen Urkunoe aus dem Jahre 1648 heißt es, daß sie „ansehnliche Handtierung und Kaufmannsgewerbe in diese Stadt geführet und noch ühben,' insonderheit aber die höchst nöhtige Schiffarth guetentheils erhalten und befördern". 1623 stirbt, nach Ausweis seines Grabsteines, in Amsterdam der jüdische Capitän Ribeiro. Aus demselben Friedhof zu Oudekerk zeigt ein Stein ein Schiff, wie auf dem Friedhof der Hamburger Portugiesen in Altona ein Anker als Wappenzeichen der Familie Ferro („Anker") zu sehen ist. 1628 baut der Hamburger Jude Paulo Melao in Glücksstadt, wo, wie um dieselbe Zeit in Emden, die Juden als Rheder sich frei bethätigen durften, ein Schiff. Er läßt es in Hamburg von einem ftemden Meister vollenden und ruft damit einen Streit zwischen *) In den „Recessen nnd anderen Acten der Hansetage 1256 bis 1430" Bd. Hl a95, heißt es: Dar wart ok verhalet, wo en to synne were, dat de prince an de van Hamborch hadde gescreven, umme to betalende de vorgesereven Bartunschen schepe, wente se up synen ströme genomen weren, so he screffi, darup he dechte to verdegedingende beiden unde Joden, dat se velich dar wesen Salden.... der Schiffbauerzunft und der Behörde hervor, welcher vor dem Reichskammergericht zum Austrag kommt (St.-Arch.). Im 18. Jahrhundert betreiben Juden von Altona aus eine schwunghafte Grönlandfahrt. In der Schlacht bei Doggersbank am 5. August 1784 zeichnet sich der Jude Almeida als Capitän eines Kaperschiffes aus (Koenen, Geschiedenis der Joden in Nederland). Der siebenjährige Krieg veranlaßte viele Juden, von Holland und Hamburg nach Kopenhagen überzusiedeln, um von dort aus, da directer Handel nicht stattfinden konnte, nach China, West- und Ostindien zu exportiren. Auch im nordamerikanischen Unabhängigkeitskriege brachte die Neutralität Dänemarks den dortigen jüdischen Großkaufleuten bedeutende Vortheile. In Randers wurde, nach dem „Randers Avis", Mai 1875, im Anfang des neunzehnten Jahrhunderts von den Juden A. Meyer und Simon nach Altona und Amsterdam Rhederei betrieben. Das erste von ihnen erbaute Schiff, vom Volke die „Judengaleasse" genannt, brachte gelegentlich auch Getreide nach England. Die Firma Meyer hatte in Hamburg und New-Iork Filialen. Ph. Re u. Co. und S. M. Levin annonciren, als Vorsteher der Gesellschaft für das Kaperschiff „Nils Ebesen", die erste Tour ohne Prise gemacht zu haben. Erwähnt wird ferner das Schiff „Den raske jüde“ („Der forsche Jütländer") im Besitz der Rheder Salomon Levin, Israel Carl Wulf und Nils Trap. Derselbe Israel Carl Wulf, Inhaber einer Gerberei und Tuchfabrik, kauft 1808 das Schiff „Fortuna" (15 Tons) und verhandelt es 1815 weiter. Er läßt auch ein Luftschiff auf Touren nach Fridericia laufen. Eine Lustyacht „Den gode yensigt", die 700 Tonnen Korn fassen konnte, hatte er in Norwegen bauen lassen, aber später verkauft. Phil. Hartwig Rse aus Aarhus, später in Hamburg, ein Oheim des bekannten Hamburger Schulleiters und Reichstagsabgeordneten Dr. Anton Ree, betrieb einen erheblichen Wollhandel mit Hamburg. 1830 strandet sein Schiff „Therese", den 23. October 1831 läuft eines seiner Schiffe vom Stapel, 1834 wird eines von ihm in Bau gegeben, im August 1836 schickt er zwei Schiffe mit Wolle nach Amsterdam und Antwerpen. Sein höchster Bestand waren fünf Schiffe. Unter den ersten jüdischen Ansiedlern in Nordamerika begegnen uns Schiffseigner, wie Ahron Lopez aus Newport, welcher vor dem Unabhängigkeitskriege eine Flotte von 30 Fahrzeugen sein eigen nannte. Amerikanische Juden betrieben auch schon im 18. Jahrhundert Handel mit Westindien sowie mit Amsterdam und Venedig. Im ganzen Mississiptgebiet war keine Firma bekannter als Rlac & Mc Cune, die Besitzer des Northern Mississippi Steamship Line. Markens („The Hebrews in America“, New-York 1888) nennt eine ganze Anzahl jüdischer Officiere in der amerikanischen Marine, so Albert A. Michelson, David M. Cohen. Joseph B. Nones, Levi Myers Harby, Louis P. Levy, vor Allem Uriah P. Levy, welcher den Rang eines Commodore, den höchsten in der Seemacht der Vereinigten Staaten, bekleidete. Er starb 1862. Seme Grabschrift erwähnt die Thatsache, daß er die Prügelstrafe in der Marine abgeschafft hat. Im Jahre 1765 gestattet Friedrich der Große, um reiche Juden aus Holland herüberzuziehen, den Amsterdamer Juden Aletrino, welche mit Westindien handeln, in Emden, nach Ausweis des dortigen Stadtarchivs, die Rhederei zu betreiben. Dahingegen verbietet er es, bis auf ein Schiff, welches bereits im Bau begriffen, zwei Königsberger Juden tm Jahre 1782 (Baasch, Seeschiffbau) trotz des überaus freisinnigen Gutachtens des Generalfiskals d'Anieres. Darin heißt es u. A.: „Freiheit und Concurrenz sind überhaupt die Säule des Handels und aller Gattungen von Gewerbe; daß diejenigen, die eine Nahrung treiben, es nicht gern sehen, wenn andere sich auch damit abgeben wollen, ist ganz natürlich; ein jeder Mensch und eine jede Gattung von Menschen, die zusammen ein Fach bearbeiten, suchen aus Gewinnsucht und Faulheit Monopolia zu erschleichen, da aber Gewinnsucht und Faulheit die festesten Stützen des Staates nothwendig untergraben, so muß auch der Staat so wenig als möglich die Monopolia begünstigen." Hierzu bietet eine intereffante Folie eine Urkunde im Hamburger Staatsarchiv. Lion von Embden und Sohn hatten auf einer öffentlichen Auction das Hamburger Schiff „Maria Elisabeth" erstanden und bereits befrachtet, als ihnen, als Juden, die Pässe verweigert werden. Sie verweisen nun in ihrem Protest auf Dänemark, England und Frankreich, unter deren Flaggen viele Schiffe jüdischer Rheder führen. So trügen die dänische Flagge zahl-