Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 33 (15.8.1902)
- Date
- 1902-08-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Mr. 33 Dr■ BIOCll S Jahrgang XIX Centralorgsn für die gesammten Interessen des Iudenthums. Wie«. 15. August 1902. -- Erscheint jeden Freitag. - .»•<. - Brief-Adresse: Wien, IX/1, Berggaffe 39. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. * % K. ft. Postsparraffen-Arnt Clearing-Verkehr Nr. 610.976. Lrdartion und Adminiprsttor» w ien IX/1, Berggaffe Nr. 39. Talephon Nr. 14.847. m ■ -*=-■ .-m ®E|U0Bprei* für Srstrrrrtch Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 56 Heller, Für'» Ausland: Halbjährig 16 Krone«. Ganzjährig 26 . Anzeigen: Die4malgespaltene Petitzeile 24 Heller. . .. =m Inhalt: Leitartikel: Inden als Rheder und Seefahrer. — VomJahrmarktdesLebens: Glossen zur Tagesgeschichte. — Unterrichtsfragen. — Die Mädchen-Abtheilung der israelitischen Erziehungsanstalt Ahlem. — Zur rumänischen Judenfrage. — Korrespondenzen: Wohnungsnachweisämter der Commune Wien. Wien. Christlicher Zionismus. Budapest, München, Paris, Bukarest, Botosani, New-Pork. —Vermischtes: Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien. Wien, Wien-Mariahilf, Floridsdorf, Lundenburg, Nachod, Neu-Raußnitz, Budapest, Berlin — Feuilleton: Der Chanukaleuchter. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Eingesendet. — Danksagung. — Inserate. Juden als Rheder und Seefahrer. Von Dr. Max Grunwald, Hamburg. In der Hamburger „Vermischten Bibliothek", Band II 1744, S. 847 berichtet Propst Harenberg über eine Unterhaltung, welche er gelegentlich einer Reise mit einem Juden aus Königsberg gepflogen hat, und an die Thatsache, daß dieser Jude die Reise von Königsberg nach Amsterdam lieber zu Lande als zu Wasser zurücklegt, knüpft sich eine Erörterung über die Gründe, „warum die Juden nicht gern zur See reisen". In der That ist noch heute über eine Bethätigung der Juden alsSeefahrer oder gar als R h e d e r im Allgemeinen wenig bekannt. Um so mehr fallen einzelne Belege dafür aus verschiedenen Zeiten ins Auge, welche sich gelegentlich wohl noch vermehren lassen. Die Betheiligung der Israeliten an der Seeschifffahrt beschränkte sich in ältester Zeit naturgemäß auf diejenigen Stämme, welche unmittelbar an der Küste wohnten. Inwieweit diese Meeranwohner, wie Sebulon, Dan und Asser, selbstständig oder im Anschluß an die Phönizier Handel und Schiffahrt betrieben haben, ist aus den davon handelnden Schriftsteflen (I. Mos. 49, 13; B. Mos. 33, 19; Richter 5, 17) nicht klar zu ersehen. Mit Phonizien standen die Israeliten schon frühzeitig durch Küstenschiffahrt in Verbindung (2. Chron. 2, 16). Nachdem die idumäischen Häsen Elath und Etsiongeber erobert worden waren, richtete Salomo mit Hilfe der seekundigen Phönizier von dort aus die Handelsfahrten nach Ophir ein (1. Kön. 9, 26 f.; 10, 22). König Josaphat von Juda rüstete später in dem letzteren Hafen selbstständig zehn Tarsisschiffe aus. Sie wurden jedoch, bevor sie noch ausgelaufen waren, von Stürmen zertrümmert. Dadurch ließ sich der König so entmuthigen, daß er den Vorschlag Asarjas von Israel, mit ihm gemeinsam eine neue Handelsflotte zu bauen, ablehnte (1. Kön. 22, 49; 2. Chron. 20, 35 f.). Zur Zeit der Makkabäer war Joppe durch Simon's Eroberung ein jüdischer Seehafen geworden (1. Makk. 14, 5). An dem Denkmal, welches dieser Fürst seiner Familie errichtete, waren weithin sichtbare Darstellungen von Schiffen ausgehauen. Auf Münzen des Alexander Jannai, Alexanders II. und des Herodes, der übrigens auch Caesarea zum Hafen hatte ausbauen lassen, sieht man einen Anker. Des Herodes Sohn Archelaos ließ eine Münze prägen, welche außer dem Anker noch einen Dreizack aufweist. Doch deuten diese Symbole nur den Besitz von Hafenstädten, nicht etwa Schiffahrtsbetrieb an.*) *) Ein Mastbaum war das Siegel Rabba bar Huna's. Inwiefern die Juden in alter Zeit überhaupt weite Seereisen übernommen haven, läßt sich im Einzelnen nicht mit Bestimmtheit sagen. Auffallend ist die Leichtigkeit, mit welcher sich der Prophet Jona zur Reise nach Tarsis entschließt, und die Lebendigkeit der Schilderung einer Seefahrt in Psalm 107, 23 f., welche auf ein eigenes Erlebniß schließen läßt. Von Schiffahrt auf dem See Genezareth weiß uns das Neue Testament Manches zu berichten. Ja, die ganze Scenerie versetzt uns mitten unter das Fischervolk, welches aus diesem See seine Nahrung holte (Matth. 4. 21; 13, 2; Joh. 21, 3; Luk. 5, 3 u. s. w.). Nach Josephus („Jüdischer Krieg" III 10, 1. 9) hatten die Bewohner von Tarichäa gegen die Römer, welche sich dadurch auch genöthigt sahen, eine kleine Flotte zu bauen, viele Schiffe ausgerüstet. Derselbe Geschichtsschreiber berichtet (a. a. O. II 21, 8) von 230 mit je 4 Ruderern bemannten Schiffen, welche die Juden auf diesem See hielten. Gelegentlich erzählt er auch (III 9, 1) von jüdischen Seeräubern, welche ihre Schiffe im Hafen von Joppe ausrüsteten. Eine genaue Vertrautheit mit Seefahrt und Schiffseinrichtung verräth der Talmud an mehreren Stellen. Kleine, muldenförmige Kähne wurden zum Getreidetransport auf dem Jordan benutzt. Große Schiffe wurden damals in Palästina nicht gebaut. Sie galten als bedeutend, wenn sie beim Besteigen nicht ins Schwanken geriethen. Der Talmud kennt bereits ein Seerecht. Es heißt in einer Boraita Baba Kamma 116 b: „Wenn ein Schiff einer Handelsflotte ohne Verschulden des Eigenthümers zu Grunoe geht, so müssen die Besitzer der anderen Schiffe dafür aufkommen. Wenn mehrere ein Schiff befrachten und ein Sturm zwingt, einen Theil der Ladung über Bord zu werfen, dann ist der schuldige Ersatz nach dem Gewicht, nicht nach dem Werth der ausgeworfenen Güter zu bemessen." Bekannt ist Rabba bar Chana's Matrosenlatein. Die Pesiqta rabbati sagt geradezu, die Feste seien dazu da, die Seefahrer nach Haus zu locken. In Alexandrien blühte frühzeitig jüdische Schiffahrt. Juden übten dort, nach Josephus contra 4pionern II 5, im Dienste der egyptischen Regierung eine gewiffe Aussicht über die Schifffahrt auf dem Nil aus. Kieffelbach will auch die bisher meist dem Arrian zugesckriebene Periplus, die Schilderung einer Seefahrt über das erythräische Meer und an den Küsten Borderasiens entlang aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert, einem jüdischen Kaufmann aus Alexandrien auf Rechnung setzen. In Südfrankreich begegnen uns schon im sechsten Jahrhundert jüdische Großhändler, welche ihre eigenen Schiffe auf dem Mittelmeer halten und hauptsächlich den Handel von Mont-