Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 32 (8.8.1902)
- Date
- 1902-08-08
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 534 Dr. Bloch's Wochvnschrifk. Nr. 32 dehnten und von denen sich auch manche in den unseren Talmudausgaben beigedruckten Tosafoth vorfinden. Er verfaßte auch eine Schritt über die Anordnung der Philacterien (Tikun Tefilin), sowie ein Buch unter dem Titel: „Analecten" . (Sefer Likutin) und über die Einschaltungen (Sod haibur); ebenso einige Rechtsgutachten und synagogale Poesien. Er starb im Jahre 1184 als Märtyrer noch beim Leben seines Vaters, der auch als berühmter Tosafist bekannt ist. Den Commentar zum Tractat Aboda sara verfertigte Rabbi Elchanan, zwei Jahre vor seinem Tode (4962 -- 1182). Bon größerer Bedeutung ist die zweite Schrift, die neuen Rechtsgutachten des Rabbi Jsak bar Schescheth (worin einige Gutachten seiner Zeitgenossen) nach einer Leydener Handschrift zum erstenmale veröffentlicht und mit Anmerkungen des Editors (David Frankel) versehen. Das Werk enthält 35 Nummern. In Nr. 27 befindet sich das Gutachten des durch großen Scharfsinn und tiefe Gelehrsamkeit ausgezeichneten Cbisdai ibn Grescas *) welcher, trotzdem er ein freundlicher Genosse des Lar Schescheth war, in der Angelegenheit eines Scheidebriefes gegen ihn entschied und die Scheidung als ungiltig erklärte; und diesem Urtheil schlossen sich andere fünf Zeitgenossen (Nr. 28—32) an. Das Buch ist allen tüchtigen Fachmännern zu empfehlen; denn die Darstellung der Rechtsgutachten dürfte unfern zeitgenössischen Rabbinern mustergiltig sein und die Art der Auseinandersetzung bietet viel Belehrung und Anregung. Die Anmerkungen des Herausgebers verdienen volle Anerkennung und die Ausstattung ist recht befriedigend. Wir sehen weiteren ähnlichen Publicationen des verdienstvollen Vereines und seines gelehrten Leiters mit Sehnsucht entgegen. Der Uniou-Kalender. Am 1. August erschien der neu* Jahrgang (5663, 1902/1903) des von der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" herausgegebenen „Kalenders für Israeliten". Derselbe weist gegen seine Vorgänger eine Reihe wesentlicher Verbesserungen und Ergänzungen auf. Im kalendarischen Theile ist neben der astronomischen Zeitangabe des Sabbath- Einganges auch jene des Sabbath-Ausganges ausgenommen worden, und eine übersichtliche, durch praktische Beispiele erläuterte Zrittafel ermöglicht es unseren Glaubensgenossen in den verschiedenen Theilen der Monarchie, die mittlere Ortszeit, nach welcher jene Angaben berechnet sind, sowohl auf die betreffende Ortszeit, als auch auf die mitteleuropäische Zeit (Bahnzeit) umzurechnen. — Der schematische Theil des Kalenders ist einer vollständigen Neubearbeitung unterzogen worden, durch welche viele veraltete Daten eliminirt und ein möglichst genaues Verzeichniß der österreichisch-ungarischen Cultusgemeinden, ihrer Vorstehungen, Functionäre und rituellen Institutionen geschaffen wurde. Neu ausgenommen wurde eine Anzahl werthvoller Daten, wie Seelenzahl der Gemeindemitglieder, Zahl der Cultussteuerträger, Einnahmen und Ausgaben der Cultusgemeinde, Stiftungen und die im Gemeindegebiete bestehenden Minjan-Bereine. — Der literarische Theil bietet eine populär-wissenschaftliche Abhandlung aus der glänzenden Feder des Wiener Oberrabbiners Dr. M. G ü d emann, ferner eine spannende Erzählung aus dem jüdischen Leben von dem rühmlichst bekannten Verfasser des „Gabriel" S. K o h n. — Auch die typographische Anordnung des neuen Jahrganges ist eine handlichere und übersichtlichere geworden. So glauben wir denn, daß der neue „Union-Kalender" in seiner eleganten Ausstattung allen praktischen Bedürfnissen genügen und seinen Ruf als unentbehrliches Haus- und Hilfsbuch für jede jüdische Familie auch diesmal rechtfertigen wird. Der billige Preis (K 1.50) ermöglicht auch dem Minderbemittelten die Anschaffung. Der „Union-Kalender" kann von jeder Buchhandlung, ferner vom Bureau der „Oesterreichischen Union", L, Dorotheergafle 12 bezogen werden. Die auffallend häufige« Krankheitserscheinungen der jüdischen Raee. Bon Med.-Dr. Martin Engländer, praktischer Arzt, betitelt sich eine kleine im Verlage von I. L. Pollak, XV., Mariahilferstraße 140, erschienene Broschüre, Preis 60 Heller. Dieselbe ist ein in Druck gelegter' Vortrag des genannten Arztes. Verfasser zeigt an der Hand der Werke der berühmtesten und ersten Nervenärzte der Gegenwart in Deutschland und Oesterreich *) Verfasser des Dogmenbuches „Or Adonaj“ — worin er einen Angriff gegen die Maimunische Dogmenaufstellung ausführte und seinem Schüler Rabbi Josef Albo Gelegenheit gab, das bekannte Dogmenbuch „Ikkarim“ in populärer Darstellung auszuarbeiten. (in erster Linie Prof. Kraffi-Ebbing), die ebenso wichtige als ernste Thatsache, daß der Percentsatz der Nervenkrankheiten, in erster Linie Neurasthenie, und geistigen Erkrankungen bei den Juden Europas in den letzten Jahrzehnten in auffallender Zunahme begriffen ist. Bei den Juden Osteuropas sind die tristen physischen Verhältnisse aus den traurigen socialen Verhältnissen leicht erklärbar. Bei den Juden Westeuropas kommen aber diese nur wenig in Betracht. Bedenkt man, daß Alkohol und Geschlechtskrankheiten beim Juden nur geringe Opfer fordern, so gibt diese Thatsache, die als physische Decadenz bezeichnet wird, sehr zu denken. Die Ursache liegt hier in der von Jugend auf unermüdlichen, aber auch übermäßigen Ueberanstrengung des beim Juden besonders regsamen Geistes. Hier wird von Kindheit auf gesündigt, die Tragfähigkeit des Gehirnes durch Privatstunden, Sprachen, Musik u. s. w. schon im zartesten Alter überlastet. Später fortwährendes, hastendes Arbeiten ohne Ruhe und Rast. Gegen die vom hygienischen Standpunkte hochwichtige, dem Juden zuerst gelehrte Sabbathruhe, sündigt dieser am meisten. Viel Interessantes, Wichtiges, Werthvolles wäre aus dem kleinen Büchlein noch anzuführen. Wer Interesse hat, lese nach. Es wird Jedermann, in erster Linie dem jüdischen Familienvater, zur Lectüre wärmstens empfohlen. Ueue Kncher. M. Grunwald. Portugiesengräber auf deutscher Erde. Beiträge zur Cultur- und Kunstgeschichte. Hamburg 1902. Alfred Ianssen. Briefkasten. L. in Petersburg. Wir können die Thatsache bestätigen. Der gefeierte Schriftsteller Maxim Gorki erhielt kürzlich von einem Verein jüdischer Mädchen im Flecken Tschudnowo (Wolhynien) ein Schreiben, worin er gebeten wurde, seine Werke der Bibliothek des Vereins, die von Jedermann kostenlos benutzt werden könne, zu schenken, da dessen Mittel nur gering seien. Go*ki erfüllte die Bitte sofort in liebenswürdigster Weise. Er beantwortete den Brief mit folgenden Zeilen: „Die Bücher werden Ihnen aus Petersburg zugesandt werden. Ich habe deswegen dorthin geschrieben. Gott gebe, daß sie das Licht des Wissens in unserem Volke verbreiten!" Wenige Tage darauf traf aus Petersburg eine Bücher-Sendung ein, die außer den Werken Gorki's noch vierzig Schriften enthielt. Alles populäre Werke aus den verschiedensten Gebieten des Wissens, die mit großer Sorgfalt ausgesucht sind. K. Am letzten Burenkriege haben zahlreiche Juden theilgenommen. Von Herrn Sydney Mendelssohn ist in der Synagoge zu Kimberley eine künstlerisch ausgestattete Gedenktafel der im letzten Kriege gefallenen jüdischen Soldaten errichtet worden. Dieselbe umfaßt 117 Namen, darunter diejenigen von 13 Officieren. F. Die Firma T h i e r y's (Adolf) Limite d-B alsam- FabrikinPregrada beiRohits ch-S auerbrunn bekennt sich öffentlich in einem Inserat znm Antisemitismus, wovon unsere Glaubensgenossen Kenntniß nehmen wollen. K. Die Wuth und die Verlegenheit der antisemitischen Tintenkulis gegenüber den großen deutschen Bankproceffen ist an sich begreiflich und wird noch durch die unbequeme Thatsache erheblich verschärft, daß der Mann, dem das ausschließliche Verdienst gebührt, zuerst auf die dunklen Machenschaften dieser Banken in der Presse aufmerksam gemacht zu haben — Cohnstaedt heißt. L. Maximilian Harden plaudert in seiner bekannten Weise in der letzten „Zukunft" über die Sanden und Gesinnungsgenossen und weist insbesondere hin, mit welcher drakonischen Strenge jüdische Schwindler bestraft werden, während christlich-germanische mit einem blauen Auge davonkommen. Er sagt: „Und meine Frau schrieb gestern aus Franzensbad: Ein Glück, daß kein Jude dabei ist!" — „Das letzte Glas auf das Wohl Ihrer weisen Gattin! Sie hat ja so recht. Es wäre anders gekommen, wenn die Mobilmachung gegen jüdische Bankdiebe gerufen hätte. Wolff und Sommerfeld waren doch Läppereien im Vergleich mit den neuesten Niederbrüchen; und welcher Lärm damals! Leipziger und Löwy Zuchthaus, der alte Wolff zehn Jahre Gefängniß. Jetzt ist kein einziger Sohn Abrahams auf der Strecke. Der Dessauer Cohn, dem die Zeugenaussage nicht zu ersparen gewesen wäre, starb noch zur rechten Zeit und ist inzwischen ein kleiner Heiliger geworden, aus dessen geruchlosem Nachlaß die deutsche Kunst gefördert wird. Höre Israel und jauchzet alle Lande! Feine Sache. Die Antisemiten können nur auf umflorten Hörnern Trauerchöre blasen, und unsere herzigen Judenblätter knirschen zwar grimmig, die Moabiter Strafen seien zu gering, dürfen aber nicht generalisiren, sondern müssen nach jedem Urtheilsspruch die „moralische Atmosphäre" für gereinigt erklären. Trotzdem glaube ich nicht, daß die Racenverwandtschaft die Richter milder stimmt; nicht