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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-08-08 · 32 (8.8.1902) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
32 (8.8.1902)
Date
1902-08-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 530 Nr. 32 Dr. Bloch's Wochrnfchrrfi. Karlsruhe. Landesgerichtsrath Dr. I. Heinsheimer ist zum Oberlandesgerichtsrath ernannt worden. Gewitsch. (Todesfall.) Am 2. d. M. starb in dem benachbarten Curorte Rautka im hohen Alter von 80 Jahren Frau Johanna Schreier geb. Wolf, die Gattin des alten aeachteten Wiener Bürgers Herrn Josef Schreier. Die Dahingeschiedene, eine gebürtige Gewitscherin. war sehr geachtet wegen ihrer Bildung und ungewöhnlichen Herzensgüte, die in zahlreichen Acten stiller Wohlthätigkeit Ausdruck fand. Ihr Gatte, mit welchem sie 54 Jahre lang verheiratet war, verliert an der alten Frau eine Stütze seines Alters, ihre Kinder beklagen den Verlust einer aufopferungsvollen Mutter. Die Leiche der braven Frau wurde von Rautka nach Gewitsch überführt und hier unter überaus zahlreicher Theilnahme der Bevölkerung, sowie der Curgäste und Bewohner von Rautka bestattet, wobei Obercantor Moriz Fuchs die religiösen Functionen würdig und ergreifend verrichteten. Czaslau. Bei der Constituirung des neuen Vorstandes der Cultusgemeinde wurden gewählt: Herr Ed. Lustig als Vorsteher, JUDr. Karl Rubin als Stellvertreter, Ferdinand Müller als Caffier. Em. Doktor als Rechnungssührer und M. Beckmann als Tempelvorsteher. Nachod. Herr Jakob P i ck, Großindustrieller, Mitglied der Stadtvertretung und Vorsteher der israelitischen Cultusgemeinde in Nachod, feiert am 16. August d. I. in voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag. Utrecht. Dr. Ernst Cohen wurde zum Professor der Naturwissenschaften an der hiesigen Universität ernannt. Göttmgen. Herr H. Minkowsky, bisher Professor der Mathematik am Polytechnicum in Zürich, hat die ihm angebotene Lehrkanzel an der Universität Göttingen angenommen. Antwerpen. Herr Marcusi, ein gebürtiger Berliner und seit vielen Jahren hier als Porträtmaler ansäßig gewesen, hatte sich durch seine Kunst ein namhaftes Vermögen erworben. Vor Kurzem starb dieser Mann, der immer ein strenggläubiger orthodoxer Jude war, im Alter von 85 Jahren. Sein letzter Wunsch war, im heiligen Lande begraben zu werden, und er hat seinen langjährigen Freund dazu bestellt, diesen seinen Wunsch zu erfüllen. Dr. Sternheim ist bereits mit den irdischen Resten des fromnien Mannes auf dem Wege nach Jerusalem. Paris. In der ersten Sitzung des Centralcomites der israSüte universelle", die auf die Wahlen folgte, wurden ernannt: N. Leven zum Präsidenten, I. O p p e r t und S. R e i n a ch zu Vicepräsidenten. I. M a ch i e l s zum Schatzmeister und der Oberrabbiner Zadoc Kahn zum Ehrenpräsidenten. London. (Die Judenverfolgungen in Rumänien und die Intervention Englands.) Im Unterhause frägt Hayter an, ob das im März in Rumänien erlassene Gesetz, das die Beschäftigung jüdischer Arbeiter verbiete, sich in Uebereinstimmung mit den Bestimmungen des Berliner Vertrages befinde und ob die britische Regierung gegen das Gesetz Einspruch erhoben habe. Parlamentsuntersecreiär des Aeußern Cranborne erwidert, das in Rede stehende Gesetz beziehe sich auf alle Ausländer in Rumänien und erwähne nicht besonders die Juden, doch sei die Regierung, wenn das Gesetz lediglich gegen Juden angewendet werde, der Ansicht, daß das Gesetz mit Artikel XLIV des Berliner Vertrages nicht vereinbar sei. Der englische Gesandte in Bukarest habe über diesen Punkt der rumänischen Regierung in freundschaftlicher Weise Vorstellungen gemacht und werde f o r tfahren, im Interesse der Juden zu thun, was er könne. Feuilleton. Der Chairukateuchter. Von Babette Fried in Prag. (Fortsetzung.) ' IV. In der ärmlich eingerichteten aber blitzblanken Wohnstube des Sofer ging währenddem ein junges schlankes Mädchen mit unruhiger Miene umher. Es war des Kohen's Nichte und Pflegetochter Ella. Sie war in ein altes, verblaßtes, aber : a-waschenes und sorgfältig geplättetes Gewand gekleidet. Ihr schwarzes Haar war kronenartig um ihr schön geformtes Köpfchen gesteckt, was ihr ein gar liebliches Aussehen verlieh. Ella war es nicht gewöhnt, müßig zu gehen, immer gab es etwas für sie zu thun, wovon sie glaubte, daß es das Behagen des Onkels fördern werde. Sie hatte es ihm im Geiste längst vergeben, daß er damals ihre Verbindung mit Rudolf gehindert hatte, ja ihr Zartgefühl ging so weit, daß ihr ganzes Leben eine stille Abbitte war dafür, daß sie es war, welche seinen einzigen Sohn aus der Heimat vertrieben hatte, daß dieser fortgegangen war, ohne seither etwas von sich hören zu lassen. Aus diesem Grunde umgab sie d.m alten Mann mit einer kindlichen Fürsorge und ertrug ohne Murren alle Entbehrungen, welche ihr die veränderten Bermögensverhältnisse des Oheims auferlegt. Heute war es ihr unmöglich, irgend eine Arbeit zu verrichten. Eine innere Unruhe hatte sich ihrer bemächtigt, und aufgeregt ging sie vom Fenster zur Thüre und wieder von da zurück. Seit Vormittags, wo die Einladung an ihren Onkel ergangen war, den Rabbiner im Laufe des Tages zu besuchen, hatte sich ihrer eine bange Ahnung bemächtigt. Sie glaubte nicht anders, als daß der Rabbiner an ihren Oheim einen traurige Botschaft zu hinterbringen habe, vielleicht gar eine Todesnachricht. Ella schauderte. Endlich, endlich sah sie vom Fenster aus den Onkel heimkehren, und mit einem Sprunge war sie zur Thüre heraus dem Erwarteten entgegen. „Was ist's, Onkel!" rief sie demselben schon von ferne zu. „Komm nur in's Zimmer hinein, Kind, draußen läßt sich sowas nicht erzählen." Nachdem sich der Onkel an seinem gewöhnlichen Platz niedergesetzt hatte, brachte ihm Ella den für ihn vorbereiteten Nachmittagskaffee und sagte: „Trinken Sie Ihren Kaffee, lieber Onkel, und dann erzählen Sie, was Ihnen der Rabbiner sagen wollte, wenn ich es nämlich wissen darf. Wenn es nur nicht etwas Unangenehmes ist!" „So seid ihr Frauenzimmer alle. Gleich wittert Ihr etwas Unangenehmes. Meine selige Gitel war auch so. Niemals war ihr der Gedanke gekommen, daß ich vielleicht ein gutes Geschäft mache oder eine große Bestellung übernommen habe, wenn ich einmal über die Gebühr ausgeblieben bin, immer glaubte sie, es wäre mir ein schreckliches Unheil widerfahren und ängstigte fick halbkrank. Nein, mein Kind, Unangnehmes ist mir heute nicht passirt, eher etwas sehr Gutes, wenn auch Räthselhaftes. Der Sofer schlürfte bedächtig seinen Kaffee, dann erzählte er seiner aufhorchenden Nichte sein Gespräch mit dem Rabbiner, soweit er es für paffend hielt. Von dem Eidschwur und Allem, was damit zusammenhing, schwieg er wohlweislich. Auch Ella's erste Frage galt dem Namen des Bestellers. Als der Onkel ihr denselben sagte, schüttelte sie ungläubig das schöne Köpfchen und sagte: „Wissen Sie gewiß, daß der Name kein fingirter ist und daß sich hinter ihm nicht jemand ganz Anderer verbirgt?" „Ich glaube nicht", meinte der Sofer, „welchen Grund hätte er denn, seinen wahren Namen zu verleugnen? Der damalige Ankauf der Menorah stellt einen gewissen Zusammenhang her. Pascheles dürfte ihm gesagt haben, daß diese Menorah ein Erbstück sei, dessen ich mich nur aus Noth entäußere, und da wollte er vermuthlich ein gutes Werk stiften, indem er mir Arbeit und Brot gab. Das liegt auf der Hand." „Und doch kann ich die sich mir aufdrängende Hoffnung nicht von mir weisen, daß jemand Anderer dahintersteckt, den wir Beide so schmerzlich vermissen." „Du denkst an Rudolf, Kind?" „Ich möchte nicht gerne Hoffnungen in Ihnen erwecken, lieber Onkel, deren Nichterfüllung auf Sie schmerzlich wirken müßte." „Du glaubst wirklich, daß Rudolf unter einem falschen Namen der Besteller ist? Dieser Annahme muß ich mich leider verschließen. Herr Fantes ist, nach Pascheles damaliger Beschreibung, ein alter Herr, klein und dick, mit einer großen Nase und einer Glatze, während Rudolf — nun Du kennst ihn auch", sagte der Sofer mit schalkhaftem Lächeln. „Das glaub' ich schon", antwortete beharrlich das Mädchen, „daß ein Herr Fantes, auf den diese Beschreibung paßt, in Prag war und daselbst Ihre Menorah kaufte, die er sich als Andenken an Europa mit nach Hause nahm. Aber kann nicht Rudolf mit diesem Herrn befreundet sein, der aus Gefälligkeit für den Freund seinen Namen zu dieser Bestellung hergegeben hat?"

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