Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 32 (8.8.1902)
- Date
- 1902-08-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 528 Dr. Bloch's Wochvnschrifl. Nr. 32 nicht dafür. Der Gerichtshof kam zu einem freisprechenden Erkenntniß, da ein Zusammenhang zwischen den beiden Artikeln nicht nachgewiefen fei. Bad Ems. Von der Leutseligkeit und Judenfreundlichkeit Sr. Majestät des Königs Oskar von Schweden dürfte nachfolgende Begebenheit beredtes Zeugniß ablegen. Der König, ein treuer Curgast unseres Platzes, nahm in diesen Tagen Veranlassung, verschiedene jüdische Geschäfte zu besuchen. Unter Anderen fragte er bei dieser Gelegenheit den hiesigen israelitischen Juwelier B.: »Wollen Sie nicht mein Hofjuwelier werden?", und auf die bejahende Antwort des Geschäftsinhabers wurde demselben der Titel eines Königlich Schwedischen Hofjuweliers verliehen. — Am gleichen Tage besuchte der König die Buchhandlung des Herrn Kchb., eines bekannten Liebhabers seltener Alterthümer. Se. Majestät ließ sich in die Privatwohnung des Herrn K. führen, besichtigte dessen Antiquitäten, trank, neben K. auf dem Sopha Platz nehmend, ein Glas Wein auf das Wohl des Herrn K. und äußerte den lebhaften Wunsch, einem Gegenbesuch des Herrn K. in der Hauptstadt Schwedens recht bald entgegensetzen zu dürfen. Herr K. versprach, dem Verlangen seines hohen Gastes recht bald nachzukommen. Paris. (Ein Brief Alfred Dreyfus'.) Seit dem Proceß von Rennes taucht von Zeit zu Zeit die Legende auf, Alfred Dreyfus habe zwar nicht an Deutschland, wohl aber an Rußland militärische Geheimnisse verrat h e n. Auch General G a li f f e t hat dieses Märchen gesprächsweise colportirt, und Alfred Dreyfus, der durch Joseph Rein ach davon unterrichtet wurde, protestirte in einem Briefe an die Zeitung »Radical" aufs Neue gegen diese »abscheuliche Lüge". Galiffet antwortete im »Journal des Debats", er ließe sich nicht dazu gebrauchen, die Affaire wieder aufleben zu machen, »da Dreyfus sich durch die Unterzeichnung seines Gnadengesuches schuldig beton n t b a b e". Der alte General Galiffet, der damals Kriegsminister war, scheint sich an alle Einzelheiten, die ihm in dieser seiner Stellung bekannt sein mußten, nicht mehr genau erinnern zu können. Dreyfus stellte in einem Briefe an das »Journal des Debats" den richtigen Sachverhalt fest. In dem Briefe heißt es: Ich habe nie ein Gnadengesuch unterzeichnet. Wie könnte ich mich eines Verbrechens schuldig bekennen, das ich nie begangen? Am 9. September 1899 wurde ich in Rennes verurtheilt. Am selben Abend unterschrieb ich meine Berufung gegen das Urtheil an das militärische Revisionsgericht. Aber in der Nacht vom 11. auf den 12. September kam mein Bruder Mathien in Rennes an mit einem Briefe des Generals Galiffet an General Lucas. General Galiffet. damals Kriegsminister, ersuchte den General Lucas, meinen Bruder sofort in meine Zelle einzu lassen, da dieser mir eine dringende und höchst wichtige Mittheilung zu machen hätte. Am 12. September, um 6 Uhr Morgens, war mein Bruder in meiner Zelle. Er sagte mir, daß die Regierung am 11. September beschlossen habe, mich zu begnadigen. Wenn ich mich des abscheulichsten Verbrechens schuldig bekannt hätte, .wäre dann dem Kriegsminister Galiffet und seinen Kollegen je die Idee aufgestiegen, drei Tage nach meiner Verurtheilung dem Präsidenten der Republik meine Begnadigung vorzuschlagen? Aber die Regierung fand sich in ihrer Absicht, mich unmittelbar zu begnadigen, aufgehalten durch die Berufung, welche ich .eingelegt hatte. Mein Bruder war also gebeten worden, von mir die Zurücknahme meiner Berufung zu erlangen, und nur damit mein Bruder mich dazu bewegen konnte, hatte Galiffet an Lucas geschrieben, ihn unverzüglich bei mir vorzulaffen. Alfred Dreyfus fetzt dann weiter auseinander, daß er erst nach langer Discuffion mit seinem Bruder die Berufung zurückzog, da dieselbe doch rein formal gewesen wäre. Auch malte Mathien den Eindruck einer unmittelbar nach der Verurtheilung erfolgenden Begnadigung aus. Dreyfus sagt ferner, daß sein Gesundheitszustand und das Bedürfniß, nach fünf Jahren der Trennung seine Familie wiederzusehen, bestimmend auf ihn gewirkt haben. Er habe also seine Begnadigung nicht angesucht, sondern blos angenommen. Holland. (Die Iud pn auf dem Schlachtfeld.) Mit dem Dampfschiff »König Willem I", das voraussichtlich am 9. n. M. aus Indien zurückkehrt, kommt auch M. Cohen, Wachtmeister der Cavallerie, geboren in Goes (Provinz Zeeland) wieder nach der Heimat. Dieser wackere Unterofficier war etwa sechs Jahre in indischem Dienst. Er wurde mit königlichem Beschluß vom 6. März 1899 für seine muthige Aufführung in Lombvk als Cavallerist ehrenvoll erwähnt. Als Corpora! wurde er am 13. Juli 1900 zum Ritter des. »Militär-Willemsordens" IV. Claffe ernannt, wegen seines tapferen und tactvollen Benehmens bei der Ueberwältigung der feindlichen Stellung auf dem Tjot Kala (Atjeh) am 14. November 1899, bei welchem Gefecht er einen verwundeten europäischen Wachtmeister, der vom Pferde gefallen und dadurch zurückgeblieben, unter heftigem Feuerregen und in einem Hagel von Steinen auf sein eigenes Pferd hob und dasselbe, zu Fuß daneben gehend, mit großem Geschick zu der Hauptmacht führte, wodurch dem Wachtmeister das Leben gerettet wurde. Dieser tüchtige Unterofficier wird zu Nmucden von dem Capitän- Commissär der heimkehrenden Truppen begrüßt werden, während man hier am »Handelskade" einen feierlichen Empfang für ihn vorbereitet. Petersburg. (Die russischen Juden als Sol" d a t e n.) Ein Ukas des Czaren bestimmt die Zahl der im Jahre 1902 im gesammten Rußland auszuhebenden Soldaten auf 318.640 gegen 308.000 des vorigen Jahres. Auf Grund dieses Befehles veröffentlichen nun die einzelnen Gouverneure die Zahl der von ihren Gouvernements zu stellenden Soldaten. Danach werden die 25 Gouvernements des Ansiedlungsrayons, sowie die beiden von Juden verhältnißmäßig stärker bevölkerten Gouvernements Kurland und Lievland 119.745 Soldaten gegen 128.000 des Vorjahres zu stellen haben. Obgleich also die Zahl der vom gesammten Czarenreich für das Jahr 1902 zu stellenden Soldaten die des Vorjahres um mehr als 10.000 übersteigt, haben die.von zahlreichen Juden bewohnten Gebiete über 8000 Soldaten weniger zu leisten. Das auffallende Minus hängt unmittelbar mit der Judenverfolgung zusammen, deren Beginn bekanntlich in das Jahr 1881, d. h. in dasselbe Jahr fällt, in welchem die jetzt militärpflichtig werdende Generation geboren wurde. Die durch die Judenkrawalle hervorgerufene Auswanderung russischer Juden hat die Zahl der Bevölkerung des Ansiedelungsrayons plötzlich so wesentlich herabgesetzt, daß die damalige Bevölkerungsabnahme 20 Jahre später in dem Rückgänge der Zahl der militärpflichtigen Personen ihren adäquaten Ausdruck findet. New-Iork. Im vorigen Jahre hat die »New-Iork Tribüne" in einem Artikel anerkennend auf die bemerkenswerthe Thatsache hingewiesen, daß so außerordentlich viele jüdische Schüler, darunter Kinder ganz armer, oft erst vor Kurzem eingewanderter Juden, die ersten Preise, die oft recht ansehnliche Stipendien bedeuten, bei den Prüfungen erhalten. Auch in diesem Jahre sind sehr viele jüdische Schüler in den Vereinigten Staaten, sowie auch in Canada mit ersten Preisen bedacht worden. Unter Anderen hätte auch ein Abiturient des Dewitt Clinton-Gymnasiums (High School), Namens Sidney Bernheim, einen Preis erhalten sollen, der für den Unterhalt während eines vierjährigen Üniversitätsstudiums ausreicht. Da trat er plötzlich freiwillig von der Bewerbung zurück, um seinem Freunde Harry Swartz Ehre und Geld zu lassen. Der junge Beruheim erklärte sein Verhalten damit, sein Vater sei sehr wohl im Stande, ihn studiren zu lassen. Darum sei er zu Gunsten des Swartz. der einer seiner liebsten Kameraden sei, von der Bewerbung zurückgetreten. — Antisemiten werden erstaunt sein, daß ein jüdischer Jüngling so viel Geld opfert, andere Leute werden noch mehr erstaunt sein, daß ein so junger Mensch auf die Ehre des ersten Preises verzichtet. Die Erfolge der jüdischen Schüler in Toronto gaben dem »American Jsraelite" Gelegenheit, einem Antisemiten in Toronto heimzuleuchten. In Toronto hatten nämlich Schüler jüdische Hausirer belästigt und der »Toronto Teleg." in einem Artikel es gebrandmarkt, daß die Schüler durch ihr Betragen Schmach über die Stadt brächten. Darauf hatte ein »Vorurtheilsloser" gefragt, was denn die Juden Canada nützten. Der »Jsraelite" fragt nun, indem er die Erfolge der jüdischen Schüler, von denen viele Söhne erst vor Kurzem Eingewanderter sind, mit denen der christlichen Kinder aus alten canadischen Familien, die jüdische Hausirer mit Steinen bewarfen, vergleicht, den Vorurteilslosen, was solche ungezogene Schüler Canada nützen können. Die Presbyterianische Kirche in Amerika hat den Beschluß gefaßt, die Juden nicht mehr mit Missionären zu beglücken. Und zwar, weil doch nur sehr wenige Juden sich taufen lassen, die Getauften ausschließlich den ganz verarmten und verbrecherischen Claffen angehören und, kaum getauft, fortwährend Geldansprüche an die Kirche machten, fast durchwegs auch ohne jede Begabung als Geistliche oder wenigstens Prediger wirken wollten und in einemfort zu Scandalen Anlaß gäben. Das ist ein vernünftiger Schritt der Presbyterianer, denn wahrlich das Geld, das für die Judenmission ausgegeben wird, kann weit praktischer zu christlicheren Zwecken verwendet werden» so meinen unsere christlichen Mitbürger. Ueberhaupt hat die