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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-08-08 · 32 (8.8.1902) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
32 (8.8.1902)
Date
1902-08-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 82 Dr. Bloch's Wochrnschrifk. Seite 527 auf, durch eine rege Theilnahme an der Versammlung und an dem zu ernennenden Comitö dieses Liebeswerk zu unterstützen. Das provisorische Hilfscomite. Die solcher Art einberufene Versammlung hat trotz mäßiger Betheiligung dennoch, wie zu erwarten stand, zu dem gewünschten Ergebniß geführt. Es hat sich ein Comite von Damen und Herren gebildet, welches dafür sorgen will, daß den Ankömmlingen die nöthigen Erfrischungen, Nahrungsmittel, Schlafgelegenheit und ärztliche Hilfe zugewiesen werden, und bereit ist, den Auswanderern etwaige Spenden zu verabfolgen. Anläßlich dieser Versammlung gaben die „Basler Nachrichten" nachstehendem „Eingesandt" Raum: „Die Völker Europas haben in alter Zeit sich des jüdischen Volkes bemächtigt, haben dieses unglücklichste zersprengte Volk in ihre Mitte ausgenommen und hier auferzogen. Europa ift. die Pflegemutter des heutigen Jndenthums! Ich richte an die ehrlichen Kinder Europas die Frage: Hat Europa an den Juden jemals mütterlich gehandelt, hat Europa auch nur eine einzige seiner Mutterpflichten erfüllt? Und darauf muß Jeder antworten: Nein! Im Gegentheil, verfolgt, bedrückt und geschlagen wurden die Juden in Europa von jeher. Ein Erbarmen gegen Juden hat man nie gekannt — oder seit etwa 50 bis 60 Jahren nur geheuchelt. Wo sind alle die glänzenden Zeugnisse europäischer Cultur, wenn es sich um Juden handelt, geblieben? Wo ist das christliche Mitleid, die vielgepriesene Nächstenliebe zu finden? Gegen die Juden wird sie nicht ausgeübt, das zeigt die rumänische Auswanderung zu craß. Alle Völker sehen dieser barbarischen, mittelalterlichen Auswanderung achselzuckend, unthätig zu. Wo ist der aufgeklärte Liberalismus hingerathen? Er verschweigt Alles, was von jüdischem Elend handelt, und sucht es den Augen und Obren seiner Anbeter geflissentlich zu verheimlichen — das zeigt am besten der größte Theil der reichsdeutschen liberalen Presse, mit der alleinigen (?) Ausnahme der „Frankfurter Zeitung", welche hin und wieder etwas energücher vorgeht. Wo ist die große, völkerumfassende Bewegung des Socralismus, wenn es sich um das Elend des jüdischen Proletariats, des ärmsten der Welt handelt? Auf dem letzten Pariser internationalen Socialisten - Eongreß wurden Proteste ausgesprochen gegen die Unterdrückung aller leidenden Nationen, der Polen, Finnen, Buren, Armenier, ja sogar der Chinesen-, die Unterdrückung der Juden, insbesondere in Rumänien, bat man mit keiner Silhe erwähnt! Europa nimmt sich der ganzen Welt an. aber der eigenen Einwohner gede> kt es nicht, es schämt sich allzu sehr der vielen am Judenthum begangenen Verbrechen und verheimlicht alle beschämenden Vorgänge im europäischen Familienhause! Und die europäischen Mächte, die Führer der Völker, was thun sie für das Volk der Juden? Seitdem sie den Berliner Vertrag geschrieben, aber nur geschrieben haben, glaubten sie, schon zu viel gethan zu haben. E r n st l i ch hat man nie auf Einhaltung des Vertrages in puncto Juden gedrungen. Denn wohlaemerkt. nicht so sehr Rumänien hat den Vertrag gebrochen, als die Großmächte. Denn wenn Jemand auf einen abgeschlossenen Vertrag keinen Werth legt, wenn er nur pro forma. d. h. zur Täuschung Anderer abgeschloffen wurde, dann kann unmöglich von den Vertragsparteien, insbesondere von dem angeblich Verpflichteten, die Erfüllung des Vertrages gefordert werden. Eine rechtliche Verpflichtung bestand nicht, sonst hätte man auf deren Einhaltung gewirkt, vorausgesetzt, daß es sich der Mühe lohnte . . . Aber, wendet man ein, den Buren haben die Großmächte auch nicht geholfen! Wohl richtig. Aber die großen und kleinen Völker selber haben gezeigt, daß man einem anderen Volke helfen könne auch ohne beifälliges Nicken der Diplomaten. Alle die vielen Proteste, alle die Hilfssammlungen, alle Frauenkundgebungen waren ein deutlicher und ernster Beweis der Antheilnahme an der Burensache, und wahrlich, sie gereichen den europäischen Völkern nicht zur Unehre. Aber, nicht wahr, das ist etwas anderes, wenn es sich um die Juden handelt? Nein, beileibe, das ist nicht vornehm, den Juden hilfreich die Bruderhand zu reichen! Niemand rührt sich. Alle bleiben kalt. Kaum wagen es die westeuropäischen Juden, etwas zu thun. Entsetzt wenden sie sich ab ob all' dem Grauen und danken Gott, daß er ihnen eine bessere, gesittetere Heimat verliehen! Sie wagen nichts oder nicht viel zu thun. Denn sie befürchten, man verdächtige ihren Patriotismus, wenn sie sich ihrer Blutsverwandten aus dem Osten annehmen — und werden so „gute" Patrioten! Kann man aber Patriot sein, wenn das eigene Fleisch und Blut von den Mitbürgern in Unehre gelassen, verspottet und vertrieben wird? In den Ländern, wohin die Juden ihre Zuflucht nehmen wollen, in den freien Ländern englischer Zunge, in Großbritannien und Amerika, ist man im Begriffe, um das Ueberfluthen mit jüdischen Einwanderern zu verhindern, Einwanderungsverbote zu erlassen. Wohin sollen sich die Juden dann wenden? Trostlos ist die Gegenwart, fast noch finsterer die nächste Zukunft. Ihr Völker Europas, wißt Ihr nun, wo die Quelle der Noth und des Elends der jüdischen Einwohner und vor Allem der Wanderer ist? Warum protestirt Ihr in diesem Falle nicht gegen das Vorgehen der rumänischen Regierung und das Treiben ihres Volkes? Und Du, edles Schweizervolk, auch Du läßt diese Schmach des ruhigen Mitansehens auf Dir ruhen?" Auf diese entrüstete Kundgebung, welche, trotz einzelner starker Uebertreibungen, in Bezug auf die Theilnahmslofigkeit der nichtjüdischen Oeffentlichkeit gegenüber den rumänischen Greueln und betreffs des schwächlichen Verhaltens der Signatarmächte des Berliner Vertrages leider im Rechte ist, erfolgt in der heutigen Nummer der „Basler Nachrichten" folgende Antwort: „Das „Eingesandt" in Nr. 201 Ihres geschätzten Blattes ist herzlich wohlgemeint, wird aber leider an den maßgebenden Orten ebenso ungehört verhallen, wre seinerzeit alle Hilferufe zu Gunsten der Armenier oder der Buren. Die Diplomaten — soweit sie nicht in den wohlverdienten Sommerferien weilen — haben eben Anderes zu thun, als sich um die Ausführung des § 44 des Berliner Vertrages zu kümmern. Deshalb rathe ich dem verehrlichen Einsender, sich einmal an eine G r o ß m a ch t zu wenden, die ihm näher steht als die übrigen, vielleicht hilft's, vielleicht — auch nicht. Vor mir liegt ein Prospect vom November 1899 für ein königlich rumänisches Anleihen von 175,000.000 Fr. In oder unter diesem Prospect figuriren u. A. theils als Negocianten des Anleihens, theils als Subscriptionsstellen die Namen: S. Bleichröder in Berlin, M. A. von Rothschild & Söhne in Frankfurt a. M., L. Behrens & Söhne und M. M. Marburg & Co. in Hamburg. E. Heimann in Breslau, Sal. Oppenheim jr. & Co. in Köln, Lippmann, Rosenthal & Co. in Amsterdam. Mes Leute, die sich über ihre europäische Nährmutter nicht beklagen können. Wie wär's nun, wenn diese „Mächte" den edlen Rumänen beim nächsten „Pump" den Brotkorb, resp. den Kaffenschrank etwas höher hängen würden? Aber da wird leider ebenso wenig zu erwarten sein, wie von den Diplomaten. Ein charaktervolles, festes Auftreten zu Gunsten ihrer Glaubens- und Stammesgenoffen war nie die starke Seite dieser Leute." Soweit jene Zuschrift, die im Wesentlichen mit den Anträgen übereinstimmt, welche in der Generalversammlung der Wiener „Israelitischen Allianz" von Dr. Bloch schon vor 3 Jahren gestellt worden find. Im Uebrigen ist zu bemerken, daß die (mitterweile bekanntlich aufgelöste) Firma M. A. von Rothschild u. Söhne und das Bankhaus M. M. Marburg u. Co. vor länger als zwei Jahren aus dem Rumänen-Consortium ausgeschieden find und daß von den Inhabern der Firmen L. Behrens u. Söhne und Sal. Oppenheim jr. u. Co. Keiner mehr dem Judenthum angehört. Berlin. Das Stipendium für 1902|3 der Ersten Michael B e e r' s ch e n Stiftung, bestimmt für Maler aller Fächer jüdischer Religion, ist durch den im Juni erfolgten Tod des Maler Moses (genannt Mose), welcher aus der Concurreuz im Frühjahr als Sieger hervorgegangen war, frei geworden. Der Wettbewerb wird jetzt von Neuem eröffnet. Die für ihn bestimmten Bilder müffen in Oel ausgeführt sein; die Wahl des darzustellenden Gegenstandes bleibt dem eigenen Ermeffen des Concurrenten überlaffen. Die Ablieferung der Concurrenzarbeiten nebst schriftlichem Bewerbungsgesuche an das Bureau der königlichen Akademie der Künste. NW. 7, Univerfitätsstraße Nr. 6, muß bis 31. Oktober, Nachmittags 3 Uhr, erfolgt sein. Berlin. (Angebliche Antisemitenbeleidigung.) Wegen Beleidigung einer Anzahl Personen, welche in der antisemitischen Bewegung eine „hervorragende Rolle" spielen, hatte sich kürzlich der Redakteur Max Klausner vor der vierten Ferienstrafkammer des Landgerichts l zu verantworten. Wie erinnerlich sein wird, hatte die „Staatsbürgerzeitung" eine Reihe von Gutachten veröffentlicht, welche über den Rilualmord von zumeist dem Gelehrtenstande angehörigen Personen abgegeben worden waren. Klausner hatte die Verfasser dieser Gutachten in der von ihm herausgegebenen „Israelitischen Wochenschrift" scharf kritifirt. Darauf stellten acht der Angegriffenen Strafantrag wegen Beleidigung. In der „Israelitischen Wochenschrift" vom 25. April nannte der Angeklagte die Namen der acht Strafantragsteller und knüpfte daran die Mittheilung, daß am 10. Mai Termin in dieser Sache anberaumt worden sei. Auf derselben Seite der Nummer aber befand fich folgende Mittheilung: „Im benachbarten Städtchen Trebbin hat der Prediger Disselhof gegen 200.000 Mark Kirchen- und andere Gelder unterschlagen und in liederlicher Weise verpraßt. Disselhof war eine Säule des Antisemitismus. „Aber so sind sie Alle, Alle. Die Strafantragsteller erblickten in der Gegenüberstellung der beiden Arttkel einen Hinweis darauf, daß die Bemerkung „So find fie Me, Me" fich auf fie beziehen sollte. Der Angeschuldigte bestritt dies entschieden. Es liege lediglich ein Zufall bei der technischen Herstellung des Blattes vor. Wenn er seinen Gegnern etwas Unfreundliches sagen wolle, so thue er dies direct und nicht auf Umwegen, eS würde seiner Natur widerstreben. Im Uebrigen wisse er auch nicht, ob die Strafantragsteller als „Säulen" des Antisemitismus zu bezeichnen seien, er halte fie

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