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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-08-08 · 32 (8.8.1902) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
32 (8.8.1902)
Date
1902-08-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 32 Dr. Bloch's WochrnfchrM Teile 525 beizutragen zur Beschaffung dieses verhältnismäßig minimalen Fehlbetrages, damit ohne Säumniß an die Errichtung des jüdischen Tuberkulosenheims geschritten werden könne. Eduard Beer. Geadelte Kaufleute. Unter diesem Titel schreibt das „Neue Wiener Journal": Als vor bald dreißig Jahren der Chef des Hauses Bleichröder geadelt wurde, eregte dies in einem Theile der Berliner Gesellschaft ungeheures Aufsehen. Man sprach, der Religion des Nobilitirten wegen, von einein unerhörten Novum und vergaß, daß Friedrich Wilhelm III. schon 1810 den Bankier Ferdinand Moriz Levy Delmar Zum Freiherrn gemacht hatte, daß auch die von Friedrich Wilhelm IV. mit dem „von" bedachte, später baronisirte Familie Magnus ursprünglich gleichen Glaubens gewesen war. Jetzt zählt die deutsche Reichshaupstadt schon eine Reihe großer Bankfirmen, deren Häupter berechtigt sind, ihrem Namen die bedeutsamen drei Buchstaben vorzusetzen. Dagegen fehlt im Allgemeinen dem deutschen Geldadel der internationale Charakter, der ihm in anderen Ländern anhaftet, und in dem Heine frohlockend den Todeskeim des ihm verhaßten, an der Scholle klebenden Feudaladels erblickte. DieRothschilds sind, seitdem sie ihr Frankfurter Haus auflösten, in Preußen nicht mehr durch Familienmitglieder vertreten. Man sagt, auch bei ihnen ließe allmälig in der Heranwachsenden Generation das Interesse an dem Berufe nach, in dem sie eine Weltmacht geworden sind. Schon ist ein Rothschild in Paris als Arzt lhätig, Andere führen das behaglichere Leben millionenreicher Rentiers. Ob für dieses Erlahmen ihrer Spannkraft und das — wenigstens behauptete — Schwinden ihrer finanziellen Thatkraft und Begabung nicht auch eine Erklärung in dem Umstande zu suchen ist, daß sie jetzt bald hundert Jahre lang immer unter einander Berwandtenehen geschlossen haben, mag dahin gestellt bleiben. In den Fällen, in welchen Töchter des Hauses Rothschild ausnahmsweise nicht die Frauen ihrer Vettern oder Oheime geworden sind, haben auch sie Verbindungen mit Mitgliedern feudaladeliger Geschlechter geschlossen. Sie sind dadurch in recht nahe Verwandtschaft verschiedener regierender Häuser gekommen — auch ein Zeichen des alle Schranken niederlegenden Einflusses des Goldes. Freiin Bertha von Rothschild — von der Frankfurter Linie - wurde 1882 die Gemahlin des Fürsten und Herzogs von Wagram, Enkels des Marschalls Berthier. Dieser war mit einer bayrischen Prinzessin aus dem jetzt herzoglichen Zweige Pfalz-Birkenfeld, sein Sohn mit einer Clary, Nichte der Königin Dssirs von Schweden, vermählt. Hieraus ergibt sich für einige Abkömmlinge Meyer Anselm Rothschilds eine enge Blutsgemeinschaft mit Sprossen der Häuser W i t t e l s b a ch, Habsburg, Bernadotte, Bourbon. Die Rothschilds erlangten Adel und Freiherrnstand von Oesterreich, das ja einen sehr zahlreichen Finanzadel für sich aufzuweisen hat. Besonders freigebig mit Adelsbriefen an Größen der Handelswelt war jedoch eine Zeitlang der koburgische Hof, dem allerdings häufig das Mißgeschick passirte, seinen Standeserhöhungen im benachbarten Preußen die Anerkennung verweigert zu sehen. Auch der verstorbene Hofbankier Kaiser Wilhelms I., M o r i z C o h n, der Telegraphenkönig Reuter, der österreichische Großhändler D r e y f u ß, der Leipziger Buchhändler T a u ch n i tz, erhielten von Koburg ihre freiherrliche Würde. Wie schnell der Proceß der Verschmelzung zwischen dem jungen Geldadel und dem alten Grundadel vor sich geht, sei an zwei Beispielen gezeigt, deren eines eine preußische, das andere eine bayrische Familie betrifft. Den Kölner Bankier Simon Oppenheim, preußischen geheimen Commercienrath, baronisirte Oesterreich 1867. und Preußen erkannte die Erhöhung ein Jahr später an. Dieses ersten Freiherrn v. Oppenheim Enkelinnen — Töchter seiner beiden ältesten Söhne — haben sämmtlich in altadelige Familien geheiratet: sie heißen Baronin Plancy, Gräfin Bredow, Frau v. Frankenberg, Freifrau von Hamnierstein, Gräfin Arco, Gräfin Matuschka, Gräfin Pocci, und von ihren Brüdern ist der eine mit einerrussischen Gräfin, der andere mit einer Freiin aus altem bayrischen Rittergeschlecht vermählt. In Bayern verlieh König Max Josef I. seinem Hofbankier Aaron Elias Seligmann den freiherrlichen Namen „von Ehreuthal". Dessen Nachkommen — von einem nach Paris gelangten Zweige abgesehen — sind vollständig im alteingesessenen Adel Bayerns aufgegangen. Die Rachegebete von Rheneia. In den „Jahresheften des österr. archäol. Instituts" hat vor Kurzem Adolf Wilh elm zwei Inschriften, die beide lange bekannt sind und in der philologischen Welt von jeher ein großes Interesse erregt haben, veröffentlicht und zum erstenmale ihre Zusammengehörigkeit, ihre Herkunft und ihr Alter mit Sicherheit festgestellt. Es sind dies die „Rachegebete von Rheneia", Inschriften auf zwei Grabsteinen, von denen der eine jetzt im Museum zu Bukarest, der andere im Nationalmuseum von Athen aufbewahrt wird. Sie stammen aus Rheneia, dem Begräbnißplatze der Bewohner des alten Delos. Im neuesten „Philologus" gibt nun der Heidelberger Orientalist Adolf Deißmann eine Erläuterung zu den beiden Texten, die die „Rachegebete von Rheneia" als ein überaus werthvolles Originaldvcument für die Geschichte der jüdischen Religion in der hellenischen Welt erscheinen laffen. Die „Rachegebete" sind nämlich jüdische Inschriften aus der Wende des zweiten und ersten vorchristlichen Jahrhunderts. Zn Grunde liegt ihnen folgende Thatsache: In der Judengemeinde von Delos sind zwei Mädchen ermordet worden. Niemand kennt die Mörder. So wird denn die Rache dem übertragen, der die Frevelthaten rächt. Am Versöhnungstage bringen die Hinterbliebenen ihre Gebete vor Gott und überantworten die Mörder der Rache des Allwissenden. Dieses Gebet wird dann auf den Gräbern der Ermordeten in Marmor verewigt. — Jüdische Inschriften aus vorchristlicher Zeit sind an sich schon sehr selten und schon deshalb sind die „Rachegebete" von Bedeutung. Aber sie bestätigen ferner die Existenz einerJudengemeindeaufDelos in der Diadochenz e i t und laffen außerdem im Einzelnen die Anpassung der Juden an ihre hellenistische Umgebung erkennen. Dafür, daß die Septuaqintabibel schon in alter Zeit bei den Juden in Gebrauch war, sind die „Rachegebete" ein Originaldvcument, das nur wenige Jahrzehnte jünger ist, als das berühmte Testimonium des Sirachprologs. lieber den Cultus der Diaspora sind wir nicht besonders gut orientirt, und darum ist gerade die Nachricht von der Feier des Bersöhnungsfestes 150 Jahre vor der Zeit, als der Apostel Paulus nach dem „Fasten" (d. h. dem Versöhnungstage) auf einem alexandrinischen Schiffe die Gewässer von Kreta befuhr, immerhin von Interesse. (Korrespondenzen. Wien. Wir erhalten vom Vorstande der Israelitischen Allianz zu Wien folgende Mittheilung: Da seit Kurzem von einem jüdischen Wohlthätigkeitsvereine in Wien, der sich mit einem Aufruf an die Oeffentlichkeit gewandt hat, Sammlungen für die aus Rumänien in Folge des neuen Handwerkergesetzes auswandernden unglücklichen Glaubensgenossen veranstaltet werden, so finden wir uns bemüssigt, zu erklären, daß diese Sammlungen mit dem organisirten Hilfswerke für die rumänischen Juden, welches ausschließlich von der Israelitischen Allianz in Verbindung mit auswärtigen Corporationen geleitet wird, in keinerlei Verbindung stehen. Der Vorstand der Israelitischen Allianz zu Wien: Dr. Alfred Stern. Dr. Wahrmann. Dazu wird uns noch des Weiteren mitgetheilt, „daß nur diejenigen Spenden, welche „an die Israelitische Allianz in Wien" (!., Weihburggasse 10) adressirt werden, der seit zwei Jahren vortrefflich geleiteten, organisirten Hilfsaction zu Gute kommen, während jede anderweitige private oder Vereinsunterstützung von rumänischen Emigranten nur dem unseligen Wanderbettel Vorschub leistet und dabei die von den großen europäischen Hilfscomites unter steter Mitwirkung der hiesigen Israelitischen Allianz im Interesse der Ersprießlichkeit der Hilfsaction getroffenen Maßnahmen in sehr bedauerlicher Weise stört. Die organifirte, von der Israelitischen Allianz in Oesterreich vertretene Hilfsaction functionirt gegenwärtig so vorzüglich, daß Woche fürWoche. ohne Inanspruchnahme der Mithilfe irgend eines anderen Vereines, 2—300 im Voraus avisirte Auswanderer von Functionären der Allianz an der Bahn empfangen, verköstigt und denselben Vormittag nach den fernen Hafenstädten befördert werden, wo sie ebenfalls erwartet werden, zur Einschiffung gelangen und unter bester Fürsorge einer geordneten Existenz im anderen Welttheile 'zugeführt werden." Die israelitische Abtheilung des Wiener Centralsried Hofes. Herr Redacteur! Der Wiener Jude wird, wenn er sich als Wiener und als Jude fühlt, immer mit berechtigtem Stolze von der sogenannten israelitischen Abtheilung des hiesigen Centralfriedhofes sprechen können. Haben doch das Genie gottbegnadeter Künstler wie Max Fleischer, Wilhelm Stiaßny, die pietätvolle Ovferwilligkeit der Gemeindemitglieder, vielleicht hie und da auch eine gewiffePrunksucht und von Seite des Cultusvorstandes verständnißvolles Eingehen auf die Forderungen unserer Zeit den Wiener jüdischen Friedhof zu einer Sehenswürdigkeit allerersten Ranges gestaltet. Gerade aber weil ich dieses „Haus des Lebens" niemals ohne heiligen Schauer, aber auch nicht ohne Gefühle dankbarer Bewunderung betreten kann, fühle ich mich gedrängt und be-

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