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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-08-01 · 31 (1.8.1902) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
31 (1.8.1902)
Date
1902-08-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 31 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 517 wiffensoisse zu verdrängen, bis mein Werk sie auf einmal mächtig anfachte, indem es an dem hochheiligen Tage vor dem ganzen Zibur vor mir niederfiel, gleichsam um anzuzeigen, daß ich unwürdig bin, den Namen Gottes, den ich durch Meineid entweiht babe, niederzuschreiben. Seit diesem Tage habe ich kein Pergament mehr zur Hand genommen und meine Feder auf immer niedergelegt. Mit Dorsgehen habe ich mein Leben gefristet, und mein getreues Pflegekind ist mir getreulich zur Seite gestanden und hat mir ermuthigend zugelächelt, wenn ich müde und erschöpft nach Hause gekommen bin, damit ich ja nicht sehe, wie sehr sie sich um meinen Sohn gräme. Ich bin mit meiner Erzählung zu Ende, ehrwürdiger Herr! Urtheilen Sie selbst, ob ich es würdig bin, das Wort Gottes und seinen heiligen Namen niedei-zuschreiben, ich, der so schwer gesündigt hat." Der Sofer hatte seine Erzählung beendet und blickte ängstlich auf seinen Zuhörer, der ihm regungslos gegenüber saß und, den Kopf auf die Hand gestützt, in tiefes Nachdenken versunken war. Die Erzählung des unglücklichen, von Gewissellsqualen gefolterten Mannes hatte ihn lief ergriffen, und er strengte sein Denkvermögen an, um einen Modus zu finden, auf welche Weise dem alten Manne eine Erleichterung zu verschaffen wäre. Doch vergebens. Vor dem Worte: „Meineid" wurde auch er wie im Fieber geschüttelt. Für das gab es keine Milderung, jede scheinbare wäre Sophisterei gewesen. Doch da kam dem Rabbiner plötzlich wie ein Blitzstrahl ein Gedanke, und er rief hastig aus: „Kohen, gestehen Sie die Wahrheit! Sie sind der Spender der Tausendgulden-Banknvte?" Furchtbare Verlegenheit bemächtigte sich des Gefragten. „Ich verstehe Sie nicht, ich weiß von nichts", stammelte er ganz verwirrt. „Sie täuschen mich nicht, Sie sind es. Alles spricht dasür. Läugnen Sie es nicht, es würde Ihnen mir gegenüber nichts nützen. Darum also haben Sie Alles zu Gelde gemacht, sogar Ihren Chanukaleuchter verkauft, um diese für Ihre Verhältnisse enorme Summe aufzubringen? Warum haben Sie meinen Worten diese von mir unbeabsichtigte Deutung gegeben? Warum rhaten Sie das? Mußte es sein?" Der Sofer senkte den Blick zu Boden, ohne auf all' diese hastig hervorgesprudelten Fragen eine Antwort zu geben. „Sie haben Unrecht gethan, sich derart zu ruiniren. Mit Geld sühnt man keine derartige Schuld. Doch bin eigentlich ich selbst der Schuldige. Meine unbedachten Worte haben Sie zu diesem großen Opfer veranlaßt. Darum halte ich es für meine Pflicht, Alles aufzubieten, um Ihre Lage zu verbessern. Bitte, lieber Freund, befreien Sie mich von dem Vorwurse, den ich mir mache, Ihren materiellen Ruin herbeigeführt zu haben. Thun Sie es m i r zu Liebe, übernehmen Sie die Bestellung und führen Sie sie gut aus." „Darf ich es denn thun?" „Sie dürfen es. armer Kohen, und sie müsien es l Denn nur in der Arbeit findet der Mensch Erlösung von Herzensqualen. Arbeit allein vermag das innere Gleichgewicht her-ustellen, welches durch außerordentliche Ereignisse gestört wird." „Wer ist der Besteller dieses Sefer? Und wieso ist er gerade auf mich verfallen? Bin ich doch ein so unbedeutender Mensch, der niemals von sich reden machte, der selbst niemals in irgend einer Zeitung inserirte oder irgend welche Reclame machte?" „Was Ihre zweite Frage betrifft, diese vermag ich zwar selber nicht zu beantworten, jedoch Ihre erste findet eine einfache Lösung, denn der Name steht ausdrücklich in oem Briefe geschrieben; Janes Fantes aus Chicago in Amerika, stammend aus Ckyn bei Winterberg in Böhmen, ist der edelmüthige und gewiß auch fromme Besteller der Sefer Thora. „Und jetzt ahne ich auch den Grund dieses Auftrages", fiel der Sofer ein. Dieser Fantes war es ja, welcher meine Menorah kaufte und mit sich nach seiner entfernten Heimat führte. Ich hatte bei der Prager Firma Michael Goldschmied all' mein bißl Silberzeug zu dem Ihnen wohlbekannten Zwecke verkauft, und der wollte mir die kunstvoll gearbeitete Menorah nur nach dem Silberwerthe taxiren. Dies wollte ich mir nicht gefallen lassen, schon aus bem Grunde, weil ich fürchtete, das Familienstück könnte, ungeachtet seines Kunstwerthes, eingeschmolzen werden, und ich begab mich damit zu meinem alten Geschäftsfreunde Wolf Pascheles, dem ich ohnehin meine letzte Arbeit abliefern wollte. Auf seinen Rath ließ ich die Menorah in seinem Locale zurück, und Pascheles erbat sich, mir einen reellen Privatkäufer ausfindig zu machen. Als ich vor meiner Rückreise dort wieder vorsprach, händigte er mir eine große Summe Geldes dasür ein. eigentlich nicht baares Geld, sondern eine Anweisung an ein Bankhaus, ausgestellt von Janes Fantes aus Chicago. „Also sehen Sie, lieber Kohen, wie Gott, gelobt sei er, Alles zum Guten wendet. Wie hätten Sie das Recht, seine gnadenspendende Hand, welche er Ihnen zur Rettung von Seelenpein und materieller Bedrängniß reicht, von sich zu stoßen? Also fangen Sie getrost an, und Gott stärke Sie zu diesem ihm gefälligen Unternehmen, schenke Ihrer Hand Sicherheit und Ihren Augen Schärfe, auf daß Ihr Werk einst dastehe zu Seiner Verherrlichung, Ihrem eigenen Ruhme und zum Heile aller Jener, welche weise Lehren und Gotteserkenntniß daraus schöpfen werden. Amen! (Fortsetzung folgt.) Kleralnr. Die rumänischen Finanzen, Zahlen und Thatsachen für die Besitzer rumänischer Papiere. Von ***. Berlin 1902, Verlag von H. S. Hermann. Diese kleine Broschüre rührt sichtlich von einem über die wirthschaftliche Lage Rumäniens sehr gut orientirten Verfasser her. Die wirthschaftliche Lage Rumäniens ist keine rosige und bedroht die auswärtigen Gläubiger dieses intereffanten Staates mit ernsthaften Verlusten, wenn es nicht gelingt, eine solidere Finanzgebahrung durchzusetzen. Das bequeme Mittel, alte Deficits immer wieder durch neue Anleihen zu tilgen, muß schließlich zum Staatsbankerott führen. Die gegenwärtige Staatsschuld Rumäniens ist bereits unverhältnißmäßig groß; sie beziffert sich auf 628,735.000 L i (1 Lei i Franc) zu 5 Proc. verzinslicher und 729.295.100 Lei zu 4 Proc. verzinslicher Anleihen. Das bedeuret bei einpr Bevölkerung von rund 5.912.000 Seelen eine Schuldenlast von 239 Lei per Kops. Berücksichtigt man, daß die Schuldenlast Rußlands 129 Francs per Kops, die Bulgariens rund 80, die Serbiens rund 170 Francs beträgt, so sieht man, daß die Rumänen allen ihren osteuropäischen Culturgenossen, mit denen sie allein in Parallele gestellt werden können, im Schuldenmachen weit überlegen sind. Nahezu 700 Millionen Lei sind von den rumänischen Schulden für Eisenbahnbauten contrahirt; aber die Einnahmen aus den Eisenbahnen reichen nicht annähernd aus, um die Eisenbahnschuld zu verzinsen. Da Rumänien ein vorwiegend ackerbautreibender Staat ist. so werden seine Finanzen von jeder Mißernte auf das Empfindlichste getroffen. In den letzten fünfzehn Jahren trat vier Mal, und zwar in den Jahren 1887. 1894, 1897 und 1899 eine Mißernte ein, die sich im Staatsbudget meistens während zweier folgender Jahre durch ein erhebliches Deficit bemerkbar machte. Aber auch in den Zeiten einer guten Ernte ist es für die rumänische Landwirthschaft kaum möglich, sich aufzurichten, weil sie durch Hypothekenschulden erdrückt ist. Aus Consulatsberichten werden in der vorliegenden Broschüre darüber interessante Einzelheiten mitgetheilt. In deutschen Consulatsberichten aus dem Jahre 1901 heißt es u. A., daß in Rumänien der Zinsfuß für private Hypotheken zwischen 8 und 10 Proc. schwanke, daß derselbe gelegentlich bis auf 36 Proc. für das Jahr hinaufgehe und daß die Großgrundbesitze für den ihnen gewährten Credit bei Bankiers in der Regel 24 Proc. zahlen. „Die ländliche Bevölkerung Rumäniens". so heißt es in der Broschüre danach mit Recht, „wird also bei fortlaufend guten Ernten und bei rationeller Wirthschast — zwei Voraussetzungen, die allzu optimistisch sind, als daß man fest auf ihnen bauen könnte — nur äußerst langsam dazu gelangen können, consumkcäftiger und gleichzeitig steuerkräftiger zu werden. Die ländliche Bevölkerung, die die Hauptmasse Rumäniens ausmacht, rund 70 Proc., wird erst in einer ferneren Zukunft für den Staat, wie für die industrielle und Handelsentwicklung eine zuverlässige Stütze werden können." Es ist nicht unwahrscheinlich, daß man versuchen wird, sich aus der drückenden finanziellen Klemme, in der sich der rumänische Staat jetzt einmal wieder befindet, durch neue Anleihen zu befreien. Und diese neuen Anleihen werden auch nöthig sein, obgleich das letzte Budget einen Ueberschuß aufweist. Unter solchen Umständen liegt gerade ein besonders dringendes Jntereffe vor, den rumänischen Staatslenkern etwas genauer auf die Finger zu sehen und den überschuldeten Staat auf seine wirthschaftliche Zukunft zu prüfen.

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