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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-08-01 · 31 (1.8.1902) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
31 (1.8.1902)
Date
1902-08-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 81 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 515 Bürgermeister richtete eine warme Ansprache an die Witwe, in der er versicherte, daß die bewundernde Erinnerung an ihren Gatten, „den Stolz und die Zierde Wilnas* innerhalb der gesammten Bürgerschaft sortleben werde. Auch in Dwinsk, Gatschina rc. wiederholten sich diese Kundgebungen, welche in Rußland noch nie einem Juden dargebracht worden sind. Der Leichnam traf morgens acht Uhr hier ein. Schon lange vorher strömten riesige Menschenmassen nach dem Warschauer Bahnhof. Nachdem die Witwe in Begleitung der Herren Baron Horace Günzburg, Dr. David Günzburg und M. Warschafsky eingetroffen war, wurde der schlicht-einfache Sarg, während Cantor und Chor den Psalm 91 vortrugen, aus dem Waggon gehoben und viele Tausende folgten dem Leichenzuge, der .sich nach der Synagoge bewegte. Letztere war bereits überfüllt, so daß kaum für die Angehörigen und die Deputationen Platz geschafft werden konnte. Unter den erschienenen Notabilitäten befanden sich der Vicepräsident der kaiserlichen Akademie der Künste, Graf I. I. Tolstoi, die Profefforen Reppin, Kasarin, Mattae rc. Nachdem der Sarg vor der heiligen Lade aufgebahrt worden war, intonirte der Chor unter Leitung des Cantors Schneider den Psalm 16, und im Anschluß daran ergriff Herr Rabbiner Dr. Drabkin das Wort, um, anknüpfend an Ezechiel 27, 31, der allgemeinen Trauer über den Heimgang des Künstlerheros Ausdruck zu geben und der Genugthuung, daß derselbe ein Sohn unseres Stammes gewesen. Nach abermaligem Chorgesang wurde die Leiche nach dem Nikolajewer Bahnhof, von da vermittelst Extrazuges nach der Station Obuchow und von letzterer nach dem eine halbe Meile entfernten Friedhof der hiesigen jüdischen Gemeinde getragen. Zwei fernere Extrazüge beförderten das Trauergefolge, das nach mehreren tausend Personen, Nichtjuden und Juden, zählte. Nachdem das Hazur tomim gesprochen und der Sarg ins Grab gesenkt war, widmeten Graf Tolstoi namens der Akademie der Künste, sodann der Kritiker W. Staffow, ferner die Herren I. O. Ginsburg, S. Mammontow und H. Grodetzki dem Heimgegangenen ehrende Worte des Nachrufs, in denen sie deffen Bedeutung als Künstler feierten. Attenkirchen (Deutschland), 24. Juli. In Hamm a. d. Sieg hat die antisemitische Rede des Abgeordneten Bindewald, die er dort vor einigen Wochen gehalten hat, rühmenswerthe Früchte getragen. Auf dem israelitischen Friedhofe daselbst wurden von ruchloser Hand achtzehn Grabsteine demolirt. Alle Bürger Hamm's sind sehr entrüstet darüber. Zur Ermittlung der Grabschänder sind von Juden und Christen namhafte Summen gezeichnet worden. Der erste Staatsanwalt von Neuwied konnte daher 950 Mark zur Ermittlung der Thäter ausschreiben. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien, I., Seilenstertengaffe 4, für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Salomon K o h n : Bon Herrn Emanuel Rauman, l., Heinrichsgaffe 2, K 25 —; Max Winternitz, I., Fleischmarkt 4, K 10'—; Frau Netty Kohn, IX., Hahngaffe 30, L 13'—. Zusammen K 48'—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Moses Bernstein: Von Herrn und Frau W. Bernstein, VII., Kaiserstraße 6, K 10*—. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Sophie v. Gutmann: Von Herrn Dc. Strauß, L 6'—. Wien. Der Präsident der Cultusgemeinde Herr kaiserlicher Rath Heinrich Klinger hat einen mehrwöchentlichen Erholungsurlaub angetreten. Die Leitung der Präsidialgeschäfte während dieser Zeit hat der Erste Vice-Präsident Herr Dr. Alfred Stern übernommen. Wien, 27. Juli. Im Rahmen des gestrigen Morgengottesdienstes fand in altherkömmlicher Weise die Barmizwah- Feier des Sohnes des Herrn Cultusvorsteher Generaldirector Theodor Ritt, von T a u s s i g statt. Im Tempel in der Seitenstettengaffe waren zum Festacte erschienen Herr und Frau Theodor Ritter von T a u s s i g nebst allen Familienmitgliedern, ferner der Religionslehrer des Hauses Herr Jnspector Kanitz, sowie zahlreiche Festgäste. Nachdem der Vater des Barmizwah, sowie der älteste Bruder und Schwager des Letzteren zur Thora aufgerufen wurden und namhafte Spenden leisteten, bestieg der Confirmand als Maftir die Tribüne und sprach mit lauter und vernehmlicher Stimme die Segenssprüche, worauf Herr Obercantor Singer den üblichen „Mischeberach" recitirte und Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann die Einsegnung in deutscher Sprache vornahm. Der Confirmand recitirte hierauf die Segenssprüche und den schwierigen Maftir-Abschnitt mit verständnißinnigem Bortrage. Die Feierlichkeit machte einen wahrhaft erhebenden Eindruck und lieferte den Beweis, daß, insolange die Großen unseres Volkes solche religiöse Familienfeste begehen, Geist und Inhalt unserer Gebräuche noch lebendig in unserer Mitte fortleben. Wien. (Verlobung.) Der bekannte Director des „Hotel de l'Europe*, Herr Sigmund L o e w y, hat sich mit Fräulein Ludmilla Fuchs, Tochter des Herrn Ignatz Fuchs, Privatier aus Prag, verlobt. Wien. Herr Heinrich Neurath, von der Firma Michael Neurath, ist zum k. k. handelsgerichtlich beeideten Sachverständigen und Schätzmeister für alte und rohe Metalle und deren Abfälle ernannt worden. Wien. Herr Rabbinatscandidat Jacob Kramer, ein Sohn Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Moritz Kramer, wurde dieser Tage an der Straßburger Universität zum vr. phil. promovirt. Der junge Gelehrte hat sich mit einer sehr bemerkenswerthen wissenschaftlichen Arbeit, deren Besprechung wir uns Vorbehalten, recht vortheilhaft in die Gelehrtenwelt eingeführt. Krems a. d. D. Fräulein Irma Karpfen, Tochter des israelitischen Cultusvorstehers Herrn Leopold Karpfen in Krems, hat sich mit Herrn Dr. Richard Lichtenstern, Hof- und Gerichts-Advocat in Wien, verlobt. Innsbruck: (Trauung.) Freitag den 15. August l. I. um 3 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Bethause zu Innsbruck die Trauung von Fräulein Alice Bauer, Tochter des Herrn Louis Bauer, mit Herrn Sigmund Braun aus Wien statt. Saaz. Dienstag den 29. Juli fand die feierliche Einweihung der von dem allgemein als Wohlthäter und Philanthropen bekannten Herrn Leopold Bechert, Fabrikant, und deffen Gattin Frau Sofie Bechert aus eigenen Mitteln erbauten, im secesfionistischen Style ausgeführten Ceremonienhalle auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe statt. Der Spender, Herr Leopold Bechert übergab in schlichten, aber zu Herzen gehenden Worten diesen Bau der Chewra-Kadischa. Der Vorsteher dieser heiligen Bruderschaft, Herr Moritz Grünfelder, sowie der Cultusvorsteher- Stellvertreter und kaiserlicher Rath Herr Lederer dankten in erhebenden Worten dem edlen Spenderpaare für diese hochherzige Spende. Der gesammte Cultusvorstand und der größte Theil der Beerdigungsbruderschaft nahmen an der kurzen, aber höchst würdevollen Feier theil. Feuilleton. Der Charmkateilchter. Von Babette Fried in Prag. (Fortsetzung.) III. Der Sofer begann: „Wie Euer Ehrwürden gewiß wiffen, habe ich mit meiner längstverstorbenen Schwester Hindel das von unseren Eltern ererbte Häuschen am Ende der Khille gemeinschaftlich bewohnt. Mein Schwager, ein Flickschneider von Beruf, war ein braver, ehrlicher, wenn auch ganz einfacher Mensch. Ich selber arbeitete für den Buchhändler Wolf Pascheles in Prag. Tefillin und Mesuses, welche ich ihm dutzendweise lieferte, besorgte auch die Schreibereien für unsere Gemeinde und auch andere. Ich hatte nur ein Kind,

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