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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-08-01 · 31 (1.8.1902) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
31 (1.8.1902)
Date
1902-08-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 512 VLvch*^ Wvnirnk ckirM- Nr. 31 von Gott abberufenen, herrlichen Sohnes, an welchem dieses Mntterherz mit tausend, tausend unzerreißbaren Fäden heißester Mutterliebe hing. Ja, der unaussprechliche Gram nagte solange an diesem Mutterherzen, bis endlich der erlösende Tod Mutter und Sohn mit einander vereinigt. Aber auch nach dem Scheiden dieser edlen Gattin und Mutter wird das, was noch weiters von unserer biblischen Stammmutter berichtet wird, auch hier sich wiederholen. Die Lamp e nämlich, die mit dem Tode Sarah's im Hause des trauernden Patriarchen erloschen schien, die fromme, edle Schwiegertochter Rebekka zündete sie wieder an. Und so wird auch hier eine edle, fromme, hochsinnige Schwiegertochter den Lichtspuren der Tiefbettauerten, zu Gott Heimgegangenen treulich nachfolgend, all' die edlen, großen Traditionen des Hauses unverkürzt forterhalten. -i° * * Der I. Bicepräsident der Cultusgemeinde Herr Doctor Alfred Stern, der zusammen mit der Frau Hofrath von Pfeiffer, umgeben von den Zöglingen des Mädchen-Waisenhauses, an den Sarg ttat, widmete der Verblichenen folgenden Nachruf: „Namens des Schutzdamen-Comitäs unseres Mädchen- Waisenhauses spreche ich der dahingeschiedenen Bicepräsidentin dieses Comites einen letzten Scheidegruß, ein letztes Abschieds¬ und Dankeswort. Als Vertreter des Waisenveretns-Vorstandes bei diesem Comite war ich seit Jahren steter Zeuge der aufopfernden Hingebung, mit welcher die edle Frau die freiwillig übernommene Pfl'cht erfüllte, der unermüdlichen Fürsorge, der unerschöpflichen Liebe und Güte, welche sie an unseren armen verwaisten Kindern übte, der Herzensfreude, mit welcher sie ihnen reiche Gaben spendete. Man mußte Zeuge sein, wenn am Chanukafeste den Kindern die Geschenke der Schutzdamen gereicht wurden, wie da diese gute, edle Schutzdame ihres Amtes waltete, wie ihr Glück und Freude aus den Augen leuchtete, da sie Freude um sich verbreitete. Daß dieses Waisenhaus zu jenen Institutionen in unserer Gemeinde zählt, welche in echt jüdischem, in religiösem Sinne und Geiste geführt und geleitet wird, dürfen wir der edlen Dahingeschiedenen — es war am letzten Sederabende, daß ich sie dort zum letzten Male sah und sprach — im Vereine mit dem edlen Manne, der, wenn auch fern von hier, doch im Geiste und im Herzen tiefgebeugt an dieser Bahre trauert, zu unverlöschlichem Verdienst rechnen. Die Waisenkinder, welche trauernd die Bahre umstehen, wissen und fühlen, daß ihnen eine zweite Mutter entrissen wurde. In ihnen, wie in uns Allen wird das Andenken an diese wahrhaft gute, fromme, edle Frau ein ewig unvergeßliches sein und bleiben. Es sei gesegnet!" Wien,22.Juli.(Jahresberichtder israelitischtheologischen Lehr an st alt.) Die israelitisch-theologische Lehranstalt hat soeben ihren 9. Jahresbericht für das Schuljahr 1901—1902 heraus gegeben. In der Einleitung beklagt sich der Rector der Anstalt Professor D. A. Schwarz darüber, daß die Mehrzahl der in das Rabbinerseminar eintretenden Studenten mit durchaus ungenügender Vorbildung auf dem Gebiet der jüdischen Wissenschaften versehen sind; die Aufnahme-Prüfungen fallen von Jahr zu Jahr kläglicher aus. Ebenso wie die Universität ohne Gymnasium nicht möglich ist, bleibt auch eine theologische Lehranstalt ohne eine zweckentsprechende Vorbereitungsanstalt ohne Fundament. Die jungen Leute, die sich dem Rabbinerberuf widmen wollen, müßten schon während ihrer Gymnasialzeit in eigens dazu errichteten Talmudthoraschulen gründlichen Unterricht in Bibel und Talmud erhalten und so die für den Eintritt in eine theologische Lehranstalt erforderliche Vorbildung erlangen. Die schon jetzt bestehende sogenannte Vorbildungsschule reicht dafür nicht aus, weil die Universitätshörer nicht genügend Zeit haben, um lange genug in dieser Schule zu sitzen. Im abgelaufenen Jahre haben 25 Candidaten die Lehranstalt besucht; von ihnen stammen 11 aus Galizien. 4 aus Böhmen, je 2 ans Rumänien, Mähren und Ungarn, je einer aus Bosnien, Oberösterreich, Bulgarien, der Bukowina und aus Deutschland. 14 Hörer haben aus den Schorr'schen Stiftungen Stipendien von je 600 Kronen bezogen, aus der Königswarter-Stiftung wurden zwei Stipendien von je 936 Kronen ausgezahlt, außerdem kamen noch drei Stipendien zu 160 Kronen, zwei zu 200 Kronen, zwei zu 100 Kronen, eins zu 200 Kronen und eins zu 89 Kronen zur Bertheilung. Neben den Rabbinatscandidaten haben 11 in Wien amttrende Bolksschullehrer die Vorlesungen des Seminars besucht. An Subventionen hat die Anstalt im abgelaufenen Schuljahr erhalten: von der österreichischen Regierung 10.000 Kronen, vom Vorstand der jüdischen Gemeinde in Wien 8000 Kronen, vom Curatorium des mährisch-jüdischen Landesmassafonds 2000 Kronen, vom Vorstand der jüdischen Gemeinde in Prag 1300 Kronen, vom Vorstand der Landesjudenschaft des Königreiches Böhmen 1260 Kronen, vom Vorstand der jüdischen Gemeinde in Lemberg 1000 Kronen. Die Herren Bergrath Max Ritter von Gutmann und Rudolf Ritter von Gutmann haben je 500 Kronen Jahresbeitrag gezahlt. Das Curatorium der Anstalt setzt sich zusammen aus den Herren: Moritz Karpeles (Präsident), Moritz Edler von Kuffner, Dr. Emil Byk, Theodor Ritter von Tanssig, Hofrath Professor Dr. K. S. Grünhut, Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemann, David Ritter von Gutmann, kaiserlicher Rath Heinrich Klinger, k. k. Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, Wilhelm Freiherr von Königswarter, Dr. Moritz Lichtenstern in Prag, Landesrabbiner Dr. B. Placzek in Brünn, Dr. Arnold Rosenbacher in Prag, Rabbiner Doctor A. Schmied! und Dr. Adolf Stein. Das Schuljahr 1902—1903 beginnt am Dienstag, 21. October; die Aufnahmeprüfungen, zu denen nur die vorher schriftlich Angemeldeten zugelaffen werden können, finden am 21. und 22. October statt, die Vorlesungen fangen am Sonntag den 26. October an. Dem Bericht über die Thätigkeit der israelitisch-theologischen Lehranstalt ist ein umfangreicher, sehr gelehrter Aufsatz von Professor Dr. Adolf B ü ch l e r beigegeben, der den Titel führt: Das Synhedrion in Jerusalem und das große Beth-Din in der Quaderkammer des jerusalemischen Tempels. Floridsdorf. Als Präludium für die kommenden Landtags- und Gemeinderathswahlen brachte das hiesige Antisemitenblatt einen Brandartikel: „Die Bibel und der Schulchan Aruch", in dem in geheuchelter Aufrichtigkeit die Unkenntniß des Schulchan Aruch zugestanden wird, dagegen aber aus der Bibel Citate — natürlich gefälscht — angeführt werden, die angeblich den Juden zur Ausbeutung der Christen aneifern sollten. In überaus anerkennenswerther Weise unterzog sich unser Herr Bezirksrabbiner Dr. M. R o s e n m a n n der Aufgabe, diese Angriffe in der fortschrittlichen „Floridsdorfer Z-itung" mit nachfolgendem Schreiben zu widerlegen: „Von befreundeter Seite auf den im hiesigen Antisemitenblatt erschienenen Artikel „Bibel und Schulchan Aruch" aufmerksam gemacht, las ich denselben und war erstaunt und indignirt über den Lügengeist, der sich in ihm kundgibt und der sich zuletzt erkühnt, das Heiligste, was Juden, Christen und selbst Mohammedaner gemeinsam verehren, die Bibel, in schamloser Weise zu begeifern und zu besudeln. In dem citirten Artikel wird mit dem Worte „Goi" als Bezeichnung für „Nichtjude" herumgeworfen, um so den Haß der Leser gegen Bibel und Judenthum zu erregen. Demgegenüber sei constatirt, daß in der ganzen Bibel an keiner einzigen Stelle der Nichtjude als „Goi" bezeichnet wird, sondern nur als „Nochri" oder „Ger", d. h. „Fremder". Und gerade bezüglich des „Ger", „des Fremden" heißt es 3. Mose Cap. XIX, V 34. „Wie der Eingeborene unter Euch, sei Euch der Fremdling, der bei Euch weilet, und Du sollst ihn lieben, wie Dich selbst; denn Fremdlinge wäret Ihr im Lande Egypten. Ich, der Ewige, bin Euer Gott". Bedarf es bei dieser klaren, unzweideutigen Fassung dieses Bibelverses, wozu noch der später ins Neue Testament übernommene Ansspruch: Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst (3. Mose Cap. XIX, Vers 18) hinzukommt, bedarf es — so möchte ich jeden vernünftig und vorurtheilslos Denkenden befragen — noch einer besonderen Widerlegung jener Verdrehungen, Entstellungen und Mißdeutungen, von denen der angeführte Artikel geradezu wimmelt? Nur zwei veritable Fälschungen des Gotteswortes, die sich der Artikelfchreiber zuschulden kommen ließ, mögen hier festgenagelt werden, wobei ich mich hiermit bereit erkläre, den Nachweis für diese meine Behauptung auch gerichtlich zu erbringen. Erste Fälschung lautet: „Uns, den Gottlosen, aber wird prophezeit. 5. Mose 28, V. 33 und ff. Die Früchte Deines Landes und alle De ne Arbeit wird ein Volk verzehren, das Du nicht kennst und wirst Unrecht leiden und zerstoßen werden Dein Leben lang". Die Fälschung besteht darin, daß der antisemitische Artikelschreiber diesen Satz, wie auch den ganzen Abschnitt, der Strafenandrohungen für Israel im Falle der Nichtbefolgung der göttlichen Gebote enthält, in crasser Lügenhaftigkeit auf Nichtjuden bezieht. Zweite Fälschung lautet: In Vers 53 heißt cs, „Du wirst die Frucht Deines Leibes fressen, das Fleisch Deiner Söhne und Töchter", Darin eben besteht das Wesen des Realcredits, ... daß die Kinder und Kindeskinder in den Zustand der Verschuldung und Hilflosigkeit hineingeboren werden". Für Jeden, der die vorhergehenden oder nachfolgenden Verse im hebräischen Urtexte oder in lateinischer, griechischer, deutscher oder irgendwelcher Uebersetzung liest, muß es klar werden, daß auch dieser

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