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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-07-25 · 30 (25.7.1902) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
30 (25.7.1902)
Date
1902-07-25
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 508 Br- Lloch's Wochenschrift. Nr. 30 Krrefkasten. S. Die Virtuosen der arisch-germanischen Moral taxiren sich gegenseitig. Der deutschnationale Abgeordnete Herzog sagt in Bezug auf sich und Herrn Wolf: »Herzog mag als junger Mensch, als Student vor 15 Jahren, gegen seine Braut gefehlt haben. . . Aber dieser jugendliche Fehltritt fällt gar nicht in die Wagschale gegenüber dem Fehltritt Wol f's, der nicht blos als Ehemann und Abgeordneter ein junges Mädchen entehrte, sondern noch dazu die »Kaltblütigkeit" besaß, die von ihm Geschändete selbst als Trauzeuge einem Freunde und Gesinnungsgenossen als Braut zuzuführcn und dem betroffenen Freunde den heuchlerischen Bruderkuß auf die Lippen zu drücken." Zweifellos sind sie Beide die berufensten Vertreter des arisch-germanischen Moral-Protzenthums. L. Daß die Tochter des Herrn Georg Schönerer sich in einen jüdischen Oberlieutenant verliebte, ist auch eine Art Nemesis der Geschichte. Herr Schönerer versagte seine Zustimmung und zeigte wuthschnaubend den Oberlieutenant beim Regimcnte an, das jedoch das Vorgehen des Officiers billigte. Fräulein Schönerer klagte ihren Vater auf Herausgabe ihres Erbtheiles an. So hat also eine Sprossin Schmul Leb Kohn's wieder den Weg zum Judenthum gefunden. Bezeichnend ist aber der Starrsinn Schönerer's, der seine Weigerung trotz der peinlichen Situation seiner Tochter aufrecht erhält. K. Unsere reichgewordenen jüdischen Renegaten haben ihre Vorbilder in manchem Schwarzen in Amerika. Mr. Malcolm Wellmann aus Chicago, ein Neger von schönstem Ebenholzschwarz und Besitzer ungezählter Millionen, der durch seine Excentricitäten schon wiederholt von sich reden machte, läßt sich gegenwärtig einen Salonwagen bauen, der bisher wohl noch nicht seines Gleichen gesehen hat. Er zeichnet sich nicht nur durch seine Pracht, sondern mehr noch dadurch aus, daß er eine vollständige Schneiderwerkstatt enthält. Mr. Wellmann besitzt nämlich eine Leidenschaft für schöne und zahlreiche Kleider und reiste auch bisher nie, ohne fünf bis sechs Dutzend Anzüge mitzunehmen; da er sich früher jedoch auf Reisen nicht mit der Vermehrung seiner Garderoben beschäftigen konnte, so trachtet er danach, diesem Uebelstand auf dem vorerwähnten Wege abzuhelfen. Da er es nun liebt, unterwegs überall großartige Feste zu veranstalten, so soll der Salonwagen die sämmtlichen Theile eines prächtigen großen Zeltes sowie eine Anzahl zusammenzuklappender Stühle, eine Speisetafel und das ganze zu einem Festmahl nöthige Service an Porcellan, Glas und Silber, ferner Unmengen von Conserven enthalten. Die in der Schneiderwerkstatt beschäftigten Leute genießen, während der Salonwagen gebaut wird, gleichzeitig eine sorgfältige Ausbildung im Kochen, Bedienen, wie in mancherlei Handwerken, damit sie gelegentlich der Feste anderweitige Arbeiter überflüffig machen können. Man sieht, Mr. Malcolm ist ein praktischer Mann! Den Schluß jedes Festes soll die Besichtigung des Salonwagens und besonders der kostbaren Garderobe seines Eigenthümers bilden. Uebrigens hat Mr. Wellmann die Marotte, keine Neger, überhaupt keinen Farbigen in seinen Dien st zu nehmen. Mr. Malcolm, der sich als Neger »nicht zu erkennen geben" will, erinnert lebhaft an die Erzählung der Jugend, wo ein Neger die bekannte Erklärung abgibt: „Well, ich bin aus der semitischen — Pardon, äthiopischen Race ausgeschieden." Es ist übrigens eine bekannte Thatsache, daß die Neger Nordamerikas so sehr die übertünchte Höflichkeit und Unhöflichkeit der Weißen schätzen, daß sie den Umgang ihrer Stammesgenoffen meiden und es für die größte Schmeichelei ansehen, wenn man ihnen sagt, sie sähen gar nicht wie Neger aus. R. „Die Arier haben in ihren classischen Vertretern, (den Griechen) das Leben zu erklären und zu verschönern versucht, die Semiten haben es in ihren ebenfalls classischen Vertretern, (den Israeliten oder Juden), zu versittlichen und zu h e i l i g e n, d. h. zu heilen, zu bessern, zu vervollkommnen versucht. Die Einen hatten an der Welt ein objectives, theoretisches, die Anderen an ihr ein subj ecti v es, p raktisch e s Intere sse." So zu lesen bei. M. Heß. Dynamische Stofflehre, I. Kosmischer Theil 1877. (S. 38). S. in Br. In seinen »Histor. und polit. Aufsätzen" (I. S. 648) schreibt T r e i t s ch k e mit Bezug auf L e s s i n g's „Nathan" und mit Bezug auf die Verhältnisse, aus denen diese Dichtung herausgewachsen ist: „Auch die Dichtung, welche diesen Kämpfen entsproß, ragt hinaus über das Verständniß seiner, und, soll ich nicht auch sagen — unserer Zeit. Denn wohl in tausend Herzen lebt jenes Evangelium der Duldung Nathan des Weisen. Aber von diesem Werke am schmerzlichsten empfinden wir, daß die besten Männer unseres Volkes Helden des Geistes waren; hier gerade thut sich vor uns auf eine unselige Kluft zwischen den Gedanken unseres Volkes und seinem politischen Zustand. Erst wenn die Ideen des „Nathans" in unserer Gesetzgebung sich vollständig verkörpert haben, dann erst dürfen wir uns rühmen, in einer gesitteten Zeit zu leben." St. Das gehört zu den Unbegreiflichkeiten, die wir nicht verstehen. Antisemitische Propaganda mit jüdischem G e l d e betreibt die „Ungarländische Landwirthschaftliche Vereinigung" (^Orszägos Llagyar Gazdasägi Egyesület“) in Budapest. Diese Körperschaft, die ihrer Judenfeindschaft ein agrarisches Mäntelchen umhängt und an der Spitze der sogenannten „antimerkantilistischen" Bewegung einherschreitet, welche durch Schaffung antisemitischer Consumgenoffenschasten Tausende von jüdischen Existenzen auf dem flachen Lande zugrunde gerichtet hat, besteht zu einem Viertel aus jüdischen Mitgliedern. Nicht weniger als 800 Juden gehören, dem »Egyeulöseg" nach, dieser Vereinigung an, ohne daß deren offen bethätigter Antisemitismus diese 800 Mitglieder zum Austritte oder auch nur zur Beschwerdeführung veranlaßt hätte. Die jährlichen Vereinsbeiträge der jüdischen Mitglieder belaufen sich auf 16.000 Kronen, die zum guten Theile judenfeindlichen Zwecken dienen. Das ist noch nicht dagewesen. F. Abgeordneter Molkenbuhr (Soc.) bemerkte imReichstag in Berlin: Das Aufblühen der nordamerikanischen Confection sei nicht auf McKinley und die Dingley-Bill, sondern auf die Einwanderung russischer Juden zurückzuführen. K. Der Erwählte der Karlsbader Antisemiten Josef Hofmann, wird von der „Bohemia" als Redner folgender Weise gezeichnet: Die Abgeordneten aller Parteien schaarten sich um ihn, damit ihnen nur ja keine Silbe entgehe. Denn jeder Satz enthielt eine Weisheit von unschätzbarem Werth, jede Wendung, jedes Wortgefüge war ein Schmuckstück von unwiderstehlichem Reiz. Der ganze Landtag war außer sich vor Freude, in Hofmann eine so großartige Entdeckung zu machen. Er ist der größte Humori st, der vielleicht je in die böhmische Landstube seinen Einzug gehalten hat. Seine ganze lange Rede war eine schier endlose Kette köstlicher Wippchenwitze; es ist im Hause und in den Couloirs schon lange nicht soviel gelacht worden wie gestern. Abgeordneter Hofmann ist ein Radikaler, und er scheint den nationalen Gegnern mit radicalen Mitteln an den Leib rücken zu wollen; sie platzen schier vor Lachen, wenn sie ihm zuhören. Sein Radicalismus ist erschütternd, zwerchfellerschütternd. Geschmackvolle Wortspiele scheinen das eigentliche künstlerische Bethätigungsfeld Hofmann's zu sein. Der schönste Ausspruch Hofmann's aber, den man, um ihn voll zu genießen, langsam Wort für Wort lesen muß, ist der folgende: „Alkibiades hatte einst einen Hund gekauft, der 70 Goldstücke gekostet hat. Er war in politischen Dingen thätig, wollte aber die Aufmerksamkeit von sich ablenken und da ist er nun darauf verfallen, diesem kostbaren Hund den Schwanz abzuhacken. Das Volk hat ihn für einen Narren und gefährlichen Menschen gehalten Sehen Sie! Dieser Schwanz des Hundes, das ist das, was uns die Differenz zwischen 1 Krone 40 Hellern und 2 Kronen ist. Das ist dieser abgehackte Hundeschwanz, an den die Lehrer denken sollen, damit sie nicht vergessen, daß vor ihnen Comödie gespielt worden ist." Den Karlsbader Deutschnationalen ist jedenfalls zu gratuliren. Danksagung. Die ergebenst Gefertigten erlauben sich dem wohllöblichen Vorstande und Bethausvorstande der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, den wohllöblichen Vorständen und Repräsentanten- Collegien der Kattowitzer und Beuthener Gemeinden in Ober- Schlesien, sowie allen hochverehrten Notabilitäten, Corporationen, Freunden und Bekannten, die gelegentlich der Verehelichung unseres lieben Sohnes Simon, Obercantor der Synagogengemeinde in Kattowitz, Ober-Schlesien, mit seiner nunmehrigen Frau Else geb. Gräupner, durch Wort und That freundlichst sich unser erinnerten, innigen und ergebenen Dank auszusprechen. Obercantor I. Singer u. Frau, Wien. Zur gefälligen Beachtung! Wir ersuchen diejenigen unserer Abonnenten, welche noch mit der Abonnementsgebühr m Rückstände stnd, die xur Einkrebung derselben von uns versendeten Uostanftrage gelälligst honoriren zu wollen. Die Administration. ÜHoeh-!! Zeiten mit besonderen Bequemlichkeiten als: Bahnverkehr sehr günstig, Restauration mit neuem grossen Speisesaale in nächster Nähe des Bahnhofes, Tempel im Hause, vorzügliche bestrenommirte, streng rituelle Küche, exquisite Getränke und civile Preise, empfiehlt sich zu übei nehmen Hochachtend Jacob Fried IAH Restauration IAH Mähr.-Budwitz an der Nordwestbahn.

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