Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 30 (25.7.1902)
- Date
- 1902-07-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021439-3021470--11951-3036517- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 500 Dr. Bloches Wochvnschrist. Nr. 30 Jubilarin als gewissenhafte Lehrerin, als treue Collegin und gab dem Wunsche Ausdruck, sie möge noch lange Jahre zum Wohle der Anstalt, zum Segen der ihr anvertrauten Kinder und zur Freude ihrer Berufsgenosien ihres Amtes walten. Als Zeichen der aufrichtigsten Verehrung übergab er einen Ring. Sichtlich ergriffen dankte Frau Oborzil allen Erschienenen. Wolin. Herr Rabbiner Dr. L. Hirsch aus Wolin wurde zum Prediger und Religionslehrer nach Krumau in Böhmen berufen und tritt sein Amt am 1. September d. I. an. Wischau. Am 1. August l. I. feiert Herr Jakob Weinberger, Lehrer an der Volks- und Bürgerschule zu Wischau, sein 40jähriges Lehrerjubiläum. Nach Absolvirung der Realschule und Lehrerbildungsanstalt zu Brünn, trat er am 1. August 1862 m's Lehramt ein. Er wirkte an den öffentlichen Volksschulen zu Kanitz, Butschowitz, Skotschau und Brünn und seit l. Mai 1872 ununterbrochen an der allgemeinen Volks- und Bürgerschule zu Wischau und hat sich überall durch sein pffichtgetreues Wirken die größte Zufriedenheit der jeweilig Vorgesetzten Behörden erworben. Eine zahlreiche Anzahl von Schülern, die heute ehrenhafte Stellungen bekleiden, wird gewiß den Jubiläumstag ihres Lehrers freudig begrüßen. Vagujhely. Zur Ergänzung der in Nr. 28 Ihres geschätzten Blattes aus Vagujhely erschienenen Correspondenz theile ich Ihnen mit, daß das hohe k. k. Unterrichtsministerium, in Würdigung der großen Verdienste der Unterrealschule, die Eröffnung der V. Claffe bewilligte. Es ist wünschenswerth, daß die Erweiterung dieser einzigen jüdischen Realschule zur achtclaffigen Oberrealschule rasch hintereinander erfolge. Sarajewo. Bier Glaubensgenoffen haben vorige Woche Sarajewo verlaßen, um eine Fahrt nach Jerusalem anzutreten: der greise angesehene Kaufmann David Juda L e v i und seine Gattin, ferner die Witwe des Rabbiners E s k e n a s i und ein 13jähriger Knabe David K a t a n, der letztere, um in Jerusalem die dortige Rabbinerschule zu besuchen. Zahlreiche Glaubensgenoffen gaben den Pilgern das Geleite und verabschiedeten sich von ihnen in herzlich rührender Weise. München. Großes Aufsehen erregt hier der Concurs der Bayerischen Beamtencreditbank. Die »Münchener Neuesten Nachrichten" schreiben darüber: Man kann sich der Ansicht nicht verschließen, daß nicht nur bei der Organisation der Bank grundlegende Fehler begangen wurden, sondern daß auch die Handhabung der Geschäfte nicht der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns entspricht. In der Buchführung sind Unregelmäßigkeiten vorgefallen, die als direct strafbar erscheinen. Das Interessante bei diesem Concurs ist die Thatsache, daß der Begründer und Director der Gesellschaft, Wächter, dem die ganze Schuld an dem Ruin der Bank beigemessen wird, einer der e i f r i g st e n Antisemiten war. Also wieder Einer! Kattowitz, O.-S.» den 19. Juli 1902. Die Hochzeitsfeierlichkeiten unseres allverehrten Herrn Obercantors Simon Singer mit Fräulein Else Gräupner aus Beuthen, boten ein erquickendes Bild allgemeiner und herzlich freudiger Betheiligung seitens der hiesigen und der nachbarlich-örtlichen Notabilitäten. Die Synagoge in Beuthen, Oberschlesien, als dem Wohnsitze der Brauteltern, allwo die Trauung stattfand, war in allen Theilen festlich erleuchtet. Die Trauungsfeierlichkeit begann mit einem von der Stadlcapelle vorgetragenen Hochzeitsmarsch, worauf der Beuthener Obercantor D e Beer das Mincha-Gebet und den Miaddir mit sympathischer Stimme und weihevoller Nuancirung vortrug. In der hierauf folgenden Ansprache des Ortsrabbiners Dr. K o p f st e i n wies derselbe auf die von dem Brautpaare im Hause der beiderseitigen Eltern empfangene Tradition hin und rieth, die Befolgung dieser empfangenen Eindrücke als Vermächtniß ins eigene Haus hinüberzunehmen. Nach Vornahme des eigentlichen Trauactes recitirte der Bräutigamvater Herr Obercantor Singer aus Wien die Segenssprüche, und war es leicht begreiflich, daß die vor 29 Jahren in diesen Räumen gehörte, immer noch mächtige Stimme des allverehrten Meisters wie ein Gruß aus der goldenen Jugendzeit klang und die Zuhörer erschütterte. Dem Trauungsacte wohnten bei: Aus Kattowitz der königliche Musikdirector Professor Oskar M e i st e r; in Vertretung des im Bade weilenden Präses Herrn Stadtrath Wiener, der Vicepräses Herr Director Max Fröhlich mit den Vorstehern Herren Bergwerksbesitzer Silber st ein und Stadrath K l e e m a n n, den Gemeinderepräsentanten kgl. Notar Dr. E p st e i n und Banquieur N o t hm a n n, Ortsrabbiner Dr. K o p f st e i n und in Vertretung des verreisten Kattowitzer Ortsrabbiners Herr Dr. Cohn, dessen Stellvertreter Herr Dr. Braunschweiger; eine Deputation des schlesischen Cantorenbundes, Obercantoren D a w i d s o h n (Gleiwitz), Sußm an n (Tarnowitz) und der Verein junger Kaufleute durch die Herren Wiener, Heilborn und Rappaport aus Kattowitz. Nahezu an 400 Glückwunschtelegramme waren eingetroffen, u. A. gratulirten Kammervirtuose Grünfeld, Kammersänger D e m u t h, Oberrabbiner Dr. Güdemann, Dr. Bloch, Stadtrath Wiener, Rabbiner Dr. Cohn, Rabbiner Dr. Rosenthal (Breslau), Rabbiner Dr. Grunwald (Hamburg), Dr. K ö n i g st e i n, die Vicepräsidenten Dr. Alfred Stern und Landesschulrath Dr. Gustav K o h n, Cultusvorsteher Architekt Max Fleischer, die Rabbinen: Doctor S ch m i d l, Dr. G e l b h a u s, Dr. Bach, Dr. T a g l i ch t, Majersohn, Kramer und Fürst, Lector Friedmann, Director Heller, Professor S t r a k o s ch, kaiserl. Rath Doctor Th. Lieben, der Oesterreichisch-ungarische Cantorenverein, der Beamtenkörper der israel. Cultusgemeinde Wien, Prof. Sülze r,Professor Kanitz, Professor P o l l a k, Prof. Julius E p st e i n, Directionssecretär G u c i m a n o, Secretär Fuchs. Die von einzelnen Korporationen und Gemeindemitgliederu gesendeten Geschenke speciell anzuführen, übersteigt den Raum dieses Berichtes. Doch müssen das werthvolle Silbergeschenk des Kattowitzer Vorstandes, sowie zwei herzliche Zuschriften seitens des Wiener Eultus- und Bethausvorstandes mit Anerkennung genannt werden. M. S. Feuilleton. Der Chanukaleuchter. Von Babette Fried in Prag. (Fortsetzung.) II. Dem soeben geschilderten Neujahrsfeste war ein überaus strenger Winter gefolgt. Schwere Anforderungen mußten an die Wohlthätigkeit der Gemeindemitglieder gestellt werden, um dem Elend des ärmeren Theiles der Gemeinde nur einigermaßen zu steuern, und diejenigen, welche es ihrem Stolz nicht abringen konnten, um sich zum Almosennehmen zu entschließen, mußten während des langen harten Winters Vieles entbehren, sich vieler ihrer Effecten und Habfeligkeiten entäußern. Besonders hart wurden die sogenannten Dorfgeher betroffen, welche in der Stadt selbst kein Einkommen hatten und sich ihren Lebensunterhalt in den benachbarten Dörfern durch Ankauf von Landesproducten und Verkauf allerhand billiger Waaren erwerben mußten. Durch überaus heftige Schneefälle, denen ein sehr starker Frost folgte, war die Verbindung zwischen Stadt und Land oft tagelang abgeschnitten, die Wege für die mit einem schweren Pack beladenen Dorfgeher ungangbar geworden. Und was hätten sie auch draußen thun sollen? Die Bevölkerung hatte sich in ihre Chaluppen zurückgezogen, Thüre und Fenster verrammelt, damit ja kein kalter Lufthauch von Außen hineindringe und die wohlige Wärme verscheuche. Lust zum Einkäufe hatte ohnehin Niemand, denn der rauhe Winter hatte ihnen so manchen Schaden zugefügt, und mit banger Sorge sah Alles der Zukunft entgegen. Es war ein langer, trauriger Winter gewesen, doch jetzt schien es, als ob es Frühling werden wolle. Im Rabbinerhause zu N. war anläßlich des herannahenden Pessachfestes großes Reinmachen angesagt gewesen und daher alle Räume des Hauses für den Hausherrn verbotenes Terrain. Seine kleine Studierstube war der einzige Raum, woselbst der alte Gelehrte noch weilen konnte, ohne von Scheuertuch und Staubbürsten incommodirt zu werden. Unruhig ging er in diesem kleinen Raume auf und ab, der ihm zu klein schien, um alle seine Freude, seine Glückseligkeit zu fassen. Er kam sich in seinen vier Wänden wie ein gefangener Löwe vor. Hinausstürmen hätte er mögen ins Freie, um es in alle Welt hinauszurufen, welches Glück ihm heute widerfahren sei, hätte gerne alle gefiederten Sänger des Waldes aufgefordert, mit ihm aufzujubeln und Lob- und Dankeshymnen dem gnadenreichen Gotte anzustimmen. Jetzt aber durfte er nicht fort. Er erwartete einen Gast, den er sich hieher geladen hatte. Wie. unendlich lange schien ihm die Zeit des Wartens. So jugendlich ungeduldig konnte nur Jemand sein, der selber erst eine frohe Nachricht empfangen hatte und diese jemand anderen mittheilen sollte. Jetzt klopfte es an die Thüre. Der Rabbiner hielt in seinem Gange durchs Zimmer inne und die Blicke erwartungsvoll auf die Eingangsthüre gerichtet, rief er ein lautes: »Herein!" Er hatte sich nicht getäuscht. Eine ehemals schlanke, hohe, jetzt aber gebeugte Gestalt war mit einem ehrerbietigen Gruße ins Zimmer getreten. Der Rabbi reichte dem Gaste mit einem freundlichen „Borucb habu!“ die Hand und forderte ihn zum Sitzen auf. Als sich die beiden Herren in der Höhe des offenen Fenster,