Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 30 (25.7.1902)
- Date
- 1902-07-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 30 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 499 Gesellschaft, darunter zahlreiche Vertreter des galizischen Großgrundbesitzes mit Baron Berthold Popper de Podraghy und S. Edlen v. H o r o w i tz an der Spitze, sowie Repräsentanten der angesehensten Lemberger und Kiewer Familien waren nach Wien gereist, um der Trauung anzuwohnen. Die Trauung nahm der Rabbiner Dr. Caro aus Lemberg, einer der glänzendsten Prediger der Monarchie, vor, der in einer alle Anwesenden aufs Tiefste ergreifenden Rede einleitend) bemerkte, daß er, einem Herzensbedürfnisse Folge leistend, nach Wien geeilt sei. Er sei mit der Familie der Braut durch lange Jahre so innig verwachsen, daß er es als eine Pflicht gehalten habe, an einem so bedeutungsvollen Tage der jugendlichen Braut seine Segenswünsche mit auf den Lebensweg zu geben und einen Bund zu weihen, in welchem sich Tugend und Liebe vereinigen. In innigen Worten wies der Prediger die Brautleute aus das Beispiel ihrer Väter, die beide an der Stätte ihrer Wirksamkeit jederzeit bemüht gewesen seien, Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit in weitem Sinne zu üben und die sich durch Gründung eines Krankenhauses und eines Waisenhauses ein dankbares Andenken gesichert hätten. Meisterhafter Choralgesang, durch Obercantor Singer ausgeführt, endete die erhebende Feier. An zweitausend Telegramme, Zuschriften und Adressen bilden ehrende Zeugnisse der Sympathie und Verehrung, deren diese Familie sich erfreuen. Aus Anlaß der Vermählung ihrer Kinder haben beide Brautväter verschiedene Wohlthätigkeitsanstalten in munificenter Weise bedacht. Wien. (Trauungen.) Am 15. d. M. fand im Tempel des IX. Bezirkes die Trauung des Fräulein Jeanette Lab in, Tochter des Wiener Fabrikanten Herrn Cb. W. L a b i u, mit Herrn Robert G e r st m a n n, Buchverlagsbesitzer und Schriftsteller in Berlin, statt. Eine große Schaar von distinguirten Gästen wohnte der Feierlichkeit bei. Herr Gemeinderabbiner Dr. G e l b h a u s hielt eine erhebende Rede, in der er hervorhob, daß der Brautvater von hervorragenden jüdischen Gelehrten abstamme, welche dem Brautpaare als Ideale vorschweben mögen. Die Ansprache machte einen tiefen Eindruck. — Am 20. d. M. wurde in demselben Gotteshause die Eheverbindung des Frl. Irma D u b s k y, Tochter des Privatiers Herrn I. D u b s k y in Wien, mit Herrn Rudolf Hendel, Sohn des Herrn Leopold Hendel, Vorsteher des Bethausvereincs und Präsident des Bikur Cholim-Bereines im IX. Bezirk, vollzogen. Herr Rabbiner Dr. Gelbhaus würdigte in seiner Traurede die Verdienste des Vaters des Bräutigams und richtete einen Appell an das Brautpaar, auf den Wegen der Eltern zu wandeln. Die Rede war von begeisternder Wirkung. Obercantor Kläger trug mit Orgelbegleitung und assistirt von seinem gutgeschulten Chore bei beiden Functionen die Gesänge in vorzüglicher Weise vor. Wien. (Grabstein-Aufstellung.) Mittwoch den 15. d. M. fand die Aufstellung des von der israelitischen Cultusgemeinde Wien dem Andenken des seligen Amtsvorstandes Herrn Gustav Wiener gewidmeten Grabdenkmales auf der israelitischen Abtheilung des Centralfriedhofes statt. Der aus schwarzem Marmor geschmackvoll ausgeführte Obelisk stammt von der bekannten Firma Hch. Kunstadt u. Bruder in Wien, her. Wien. Se. Majestät der Kaiser hat dem Hofrath Doctor S. Grünhut das Comthurkreuz des Franz Josef-Ordens mit dem Sterne verliehen. Wien. Dem „Hilfsverein für die nothleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" sind in letzter Zeit nachfolgende Spenden zugekommen: Bon Herrn Wilhelm Frryberg, Wien, aus Anlaß der Genesung seiner Tochter X 400.— 4°/st-ige Ungar. Kronenrente; von dem Öbmanne der Ortsgruppe, Herrn S. Haas, Jungbunzlau X 30.— statt eines Kranzes auf das Grab seines verewigten Schwiegervaters; von den Herren Moriz Heller und Ludwig Eisenschimmel in Jungbunzlau je X 10 —; von Herrn Hermann Brust, Wien, X 200.—; von dem gründenden Mitgliede des „Hilfsvereines", Herrn Doctor Simon Schaff in Lemberg, aus Anlaß der Verheiratung seines Sohnes X 500.—. Wien. (JüdischerSchulverein X.Bezirk.) Sonntag den 13. Juli fand im Jüdischen Schulverein eine Schulschlußfeier statt, bei welcher das Bild des verdienstvollen Obmannes Herrn Jacob Straßberg in feierlicher Weise enthüllt wurde. Zu diesem Feste waren Vertreter aus verschiedenen Vereinen erschienen. Die Feier nahm folgenden Verlauf: Der Obman begrüßte zunächst die Vertreter der Cultusgemeinde Herrn Neligwnsschulinspector Dr. Langfelder und Herrn Adjuncten Braun, den Obmann des Tempelvereines X. Bezirk Herrn Carl Seligmann, die Vertreter des Humanitätsvereines X. Bezirk, des Zweigvereines „Zion", des Gesangvereines „Jvrya", des Vereines „Ansche-Emes" und ertheilte sodann Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Mandel das Wort, der einen kurzen Rückblick auf die Leistungen des verflossenen Jahres warf, die regsame Betheiligung des Vorstandes der Schule hervorhob und die Kinder zu stetem Fleiße aufforderte. Herr Cantor Weißmann trat hervor und sang mit den Kindern die Volkshymne. Nach Absingung derselben ergriff der Obmannstellvertreter Herr Moriz Faltitschek das Wort, um die Verdienste und Opferwilligkeit des Obmannes hervorzuheben, dem es zu verdanken ist, daß die Schule auf solch hohem Niveau steht. Aus Dankbarkeit ließ der Vorstand das Bild des allverehrten Obmannes anfertigen, welches Redner sodann enthüllte. In sichtlicher Erregung dankte der Obmann für die ihm erwiesene Ehre und Unterstützung des Vorstandes in seiner Thätigkeit und stattete dem Leiter der Schule Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Mandel und dem Lehrer Herrn I. Pick für ihre Leistungen und Mühe Dank ab. Nun betrat noch Herr Adjunct Braun das Podium und hielt eine kurze Ansprache an die Kinder, deren zahlreiches Erscheinen ein beredtes Zeugniß für die Thätigkeit der Schule ist, ermahnte sie, daß sie die Lehren der Schule in sich aufnehmen mögen, um gute Juden zu werden. Es wurden nun die Schulausweise vertheilt und hiemit schloß diese erhebende Feier. Wien. (Kaiser Franz Josefs-Ferienheim.) Der Verein „Ferienheim", welcher nicht nur erholungsbedürftige Kinder in Feriencolonien, sondern insbesondere kranke Kinder in Heilbäder und Sommerfrischen entsendet, hat in dieser Woche den Serienwechsel durchgeführt. Aus dem „Kaiser Franz Josefs- Ferienheim" in Tischnowitz trafen 115 Mädchen, die als Rrconvalescente in die Borcolonie entsendet waren, wieder in Wien ein. Dienstag Früh gingen 124 Knaben nach Tischnowitz, Mitwoch 50 Mädchen nach Petrau ab. Ende dieser Woche kehrt die Mädchencolonie aus Bad Hall zurück und wird durch eine Knabenserie ersetzt. Eine Neuerung hat dieser eminent humanitär wirkende Verein eingeführt, indem er eine Sondercolonie für herzkranke Kinder installirte, die sich glänzend bewährt. Wien. Am 23. Juli wurde unter großer Theilnahme Herr Ignatz Lunzer zu Grabe getragen. Derselbe war lange Jahre ein eifriges, geschätztes Mitglied des Vorstandes der Schiffichul (Ada88 Jisroel) und des Bet-Hamidrasch Thora Ez Chaim, Im Trauerhause würdigte Herr Rabbiner Fürst in tief ergreifenden Worten den musterhaften Lebenswandel dieses wahrhaft frommen, durch besondere Herzensgüte ausgezeichneten Mannes, dessen ganzes Wirken außer seiner Familie noch den Armen gewidmet war und der mit besonderer Hingebung für Thora, Aboda und Gemiles Chesed thätig war. Am Grabe sprach Herr Rabbiner Baumgarten wehmuthsvolle Worte des Abschiedes von diesem Menschenfreunde im vollsten Sinne. Karlsbad. In der Nummer vom Sonntag berichtet das hiesige „T a z b l a t t" : Eine Rohheit seltener Art hat gestern Abend das Publicum in der Kaiser Franz-Straße in Erregung gebracht. Ein ruhig des Weges gehender polnischer Jude wurde ohne jede Veranlassung von einem Arbeiter ins Gesicht geschlagen, so daß er blutete. Ein Wachmann verhaftete den Angreifer; derselbe riß sich jedoch los, wurde aber unter großem Auflauf seitens des Publikums wieder gefangen. Das sind die Früchte jener scrupellosen Agitation. die den Ruf und das Wohl der Stadt Karlsbad gewiß nicht zu fördern geeignet find. Bielitz. D:e Schlußfeier an der israelitischen Volksschule stand im Zeichen des Jubiläums, denn mit Schluß des Schuljahres beendete Frau Sophie O b o r z i l ihre 25jährige Thätigkeit als Claffenlehrerin der I. Claffe. Unter den Anwesenden waren k. k. Bezirksschulinspector T e r l i tz a, Präses der Cultusgemeinde, P o l l a k, Vertreter der einzelnen Schulen und viele Andere. Schüler und Schülerinnen der Jubilarin brachten in herzlichen Worten ihre Glückwünsche dar und überreichten eine goldene Kette, ein Geschenk einiger ehemaliger Schülerinnen. Dann ergriff Präses Pollak das Wort und wies darauf hin, daß bei den Juden schon in den ältesten Zeiten die Achtung vor den Lehrern gleich derjenigen der Eltern gehalten wurde und ihn daher die festliche Stimmung und die dankbaren Gefühle der gewesenen Schüler und Schülerinnen nicht überraschen. Der Beruf eines Lehrers sei schwer, so daß bei den Griechen der Ausspruch galt: „Wen die Götter Haffen, den machen sie zum Lehrer." Um so schwerer muß aber dieser Beruf gerade für eine Frau sein; doch habe die Jubilarin an Fleiß. Ausdauer und Erfolgen nie den männlichen Collegen nachgestanden und so den Beweis für die Gleichwerthigkeit der Frauen auch in diesem Stande gebracht. Mit dem Wunsche, daß Frau Oborzil noch das 40. Jubiläum in ungeschwächter Kraft feiern möchte, überreichte er im Namen des Vorstandes ein Los. Oberlehrer Goldberg pries die