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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-07-25 · 30 (25.7.1902) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
30 (25.7.1902)
Date
1902-07-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 498 dr. Vloch's WoüMfchrM. Nr. 30 In Nr. 12 und 13 vom 13. Februar 1902 unseres Blattes war von unserem damaligen Baseler Correspondenten an leitender Stelle ein Artikel »Hinter den Couliffen der Congreßcomödie" veröffentlicht worden, der die Mittheilung enthielt, Dr. Max Nordau habe für sein Auftreten auf den Zionistencongressen Entgelt erhalten. Wir erklären hiemit, daß uns weder bekannt ist, daß Dr. Nordau für fein Auftreten auf dem Congreß ein Entgelt bekommen habe, noch besitzen wir irgend welche Anhaltspunkte für eine derartige Unterstellung. Wir nehmen deshalb diese Behauptung mit dem Ausdruck lebhasten Bedauerns zurück und erklären ausdrücklich, daß es uns fern lag, der persönlichen Ehrenhaftigkeit des Herrn Dr. Nordau zu nahe zu treten oder demselben unlautere Mottve zu unterschieben oder unlautere Handlungsweise vorzuwerfen. Die zionistischen Blätter publiciren überdies nachstehendes Protokoll vom 10. Juli 1902. Verhandelt in Mainz. Zwischen den Unterzeichneten. Herrn Rechtsanwalt Doctor Schauer als Anwalt der jüdischen Colonialbank in London, Herrn D. Wolffsohn als Vorsitzendem des Directoriums dieses Institutes, Herrn Gerichtsaffeffor Dr. Friedemann als Vertreter des Centralcomitss der Zionisttschen Vereinigung für Deutschland einerseits, Herrn Oskar Lehmann, Chefredakteur des »Israelit" in Mainz, ist heute zum Zwecke der Erledigung der Privatklage in Sachen Wolffsohn und Genoffen gegen Lehmann folgender Vergleich geschloffen worden: Herr Lehmann hat sich davon überzeugt, daß alle in seinem Blatte gegen die geschäftliche Leitung des Jewish Colonial Trust erhobenen Anschuldigungen jeder Begründung entbehren und nimmt dieselben unter dem Ausdruck lebhaften Bedauerns zurück. Herr Lehmann verpflichtet sich demgemäß, die anliegende Erklärung in der nächsten Nummer des »Israelit" an auffallender Stelle zu veröffentlichen. Herr Lehmann verpflichtet sich weiter, von dem Verfasser bezw. Einsender der gegen die Bank gerichteten Artikel keinerlei schriftstellerische Erzeugnisse, von dem Verfasser des Anfangs des Jahres erschienenen Artikels: »Der Zionismus und die Judenmiffion" in Zukunft keinerlei gegen den Zionismus gerichteten Artikel zu veröffentliche. Herr Lehmann verspricht ferner, in Zukunft in der Kritik der zionistischen Bestrebungen loyal vorzugehen. Ec zahlt für einen von den Klägern zu bestimmenden Zweck eine Geldbuße, übernimmt auch sämmtliche Kosten des Verfahrens einschließlich der den Privatklägern erwachsenen nothwendigen Auslagen. Die Privatkläger nehmen nach Veröffentlichung der Erklärung im »Israelit" die Klage zurück. V. g. u. g:z. D. Wolffsohn gez. Oskar Lehmann. » Dr. Schauer » Dr. Friedemann. Aus Amerika wird uns geschrieben: Christen und Juden in Amerika beschäftigen sich fortdauernd mit den aus Rumänien, Rußland und anderen Ländern in großer Zahl sich flüchtenden jüdischen Einwanderern. Jedes Einwandererschiff bringt einen früher niemals gekannten Percentsatz jüdischer Einwanderer mit. Hat man ja auf dem deutschen Dampfer »Breslau" es für der Mühe werth gehalten, für eine Verpflegung der jüdischen Zwlschendeckspaffagiere mit koscherem Fleisch zu sorgen, und der Capitän hatte ihnen für den Sabbathgottesdienst einen besonderen Raum zur Verfügung gestellt. Da es unrathsam ist, daß die jüdischen Flüchtlinge alle in New-Aork bleiben, hat man beschlossen, in Milwaukee ein Centrum zu schaffen, von welchem aus sie über den ganzen Staat Wisconsin vertheilt werden sollen. Man will den Ankömmlingen Stellen auf Farmen oder in Läden sichern und sie aus dem New-Aorker Ghetto nach Milwaukee bringen, wo sie bis zur definitiven Anstellung umsonst beherbergt und verpflegt werden sollen. Die nöthigen Gelder sind ausschließlich von Juden aufgebracht worden. Trotzdem die amerikanischen Juden sich sonach selbst bemühen, New-Iork von der jüdischen Einwanderung zu entlasten, sieht man dort vielfach scheel auf die jüdischen Einwanderer. Da ist es interessant, zu hören, wie ein katholischer Geistlicher, Dr. Thomas A. Hendrick von der St. Bridget's Kirche in Rochester, sich der russischen und polnischen Juden annimmt. Er schreibt u. A. in Erwiderung auf eine Beschwerde über angebliche Unfreundlichkeit der Juden im Osten New-Iorks gegenüber Katholiken: er wohne seit elf Jahren in einem Stadttheile von Rochester, der von mehreren tausend russischen und polnischen Juden bewohnt sei, und er könne sich nicht erinnern, daß auch nur ein einziges Mal ein Katholik von Juden durch Wort oder That ungebührlich behandelt worden sei. Er sei zu jeder Tages- und Nachtzeit mit den russischen und polnischen Juden zusammengekommen und habe Gelegenheiten gehabt, das Familienleben dieser Verbannten kennen zu lernen, wie sie nicht vielen katholischen Geistlichen vergönnt seien. »Ich habe Gelegenheit gehabt, zu ihnen zu gehen, um ihre Mithilfe zu erbitten, zur Besserung der Lage entweder von Juden oder anderen Leuten oder speciell Katholiken. Ich kann mich nicht erinnern, jemals anders als mit Höflichkeit empfangen worden zu sein, und ich benutze diese Gelegenheit, öffentlich anzuerkennen, daß ich den Juden von Rochester für unzählige Gefälligkeiten zu Dank verpflichtet bin. In ihrer Gesammtheit sind die Juden gesetzliebende Bürger. Sie sind gerne bereit, mit Geld oder persönlich Anderen beizustehen. Natürlich gibt es bei ihnen, zumal bei den Jüngeren, auch unordentliche Menschen. Vergleicht man aber die Zahlen, dann findet man, daß das Verhältniß im Vergleich zu den Unordentlichen der übrigen Stadtbevölkerung ein für die Juden außerordentlich günstiges ist. So viel ich weiß, sind nur Juden von Leuten, die sich Christen nennen, insultirt worden. Sie hatten sogar viel zu leiden, und sie haben es mit musterhafter Geduld ertragen. Wo immer ich in den Vereinigten Staaten gewesen bin, bezeugten Priester, daß die Juden überall sehr wohlthätig sind und namentlich auch katholische Wohlthätigkeitsanstalten unterstützen, während die Juden äußerst selten von Anderen als ihren Glaubensgenossen Beiträge für. ihre Wohlthätigkeitsanstalten erbitten. Unter den Juden gibt es wenige gänzlich Verarmte (paupers). Die häuslichen Tugenden der Juden sind wohl bekannt. Zwischen Eltern und Kindern herrscht ein bewundernswerthes, inniges Verhältniß, das Andere sich zum Muster nehmen sollten. Die Kinder auch der Aermsten sind in der Regel anständig gekleidet. Die Juden arbeiten angestrengt, sind sparsam, lernbegierig u. s. w." New-Pork. (Leon ard Lewinsohn's Kinderfolgen den Fußtapfen ihres Vaters.) „Während meines Lebens gab ich aus meinen Mitteln genügend zu wohlthätigen Zwecken, darum vermache ich nichts für Wohlthätigkeit und überlasse es meinen Kindern, aus meiner Hinterlassenschaft solche Gaben auszusetzen, als es ihnen angemessen erscheint." Durch diesen Paragraphen in seinem Testamente überließ Leonard Lewinsohn es der Discretion seiner 9 Kinder, welchen Betrag selbe aus der Hinterlassenschaft für Wohlthätigkeit hergeben wollen. Er starb am 5. März d. I. in London; er war einer der Kupferkönige dieses Landes. Dem Winke, der in ihres Vaters letzten Willen lag, Folge gebend, beschlossen die 9 Kinder, jedes hunderttausend Dollars, zusammen 900.000 Dollars zum Andenken ihres seligen Vaters zu stiften für wohlthätige Zwecke. Die Details der Vertheilung sind jetzt unter Berathung. Man schätzt die Hinterlassenschaft des Herrn Leonard Lewinsohn zwischen 20 bis 30 Millionen Dollars. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien, I., Seilenstertengaffe 4, sür arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Sophie Kuffler: Bon Frau Marie Teleky, I., Wollzeile 6, L 10'—; F. Z., Przemysl, L 4-'—. Zusammen L 14-'—. Wien. (Trauung.) Sonntag hat im israelitischen Tempel der Seitenstettengaffe eine Trauung aus den vornehmsten Lemberger Gesellschaftskreisen stattgefunden. Das Brautpaar waren Herr Marcell Schaff, Sohn des Großgrundbesitzers und Bicepräsidenten der israelitischen Cultusgemeinde in Lemberg I. U. Dr. Simon Schaff, und Fräulein Clara Sachs, die Tochter des Großindustriellen und Ehrenbürgers M. R. Sachs in Kiew. Der Tempel war in einen Blumenhain verwandelt, erstrahlte in einer Fülle elektrischen Lichtes, und eine glänzende

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