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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-07-25 · 30 (25.7.1902) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
30 (25.7.1902)
Date
1902-07-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 30 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 497 gütert ist, und W i t k o w i tz zugegen, wo seine industriellen Etablissements stehen. Nach einem vom Obercantor Singer mit verstärktem Chor unter Leitung des Professor Sulzer ergreifend gesungenen Choral wurde der Sarg auf den Leichenwagen gehoben, und in endloser Wagenreihe bewegte sich der Trauerzug zum Central-Friedhofe. Die Leichenhalle konnte kaum die Erschienenen fassen. Oberrabbiner Dr. Güdemann hob in seinem Nachrufe auf die Verstorbene hervor, wie diese seit dem Tode ihres einzigen Sohnes nur noch mit halbem Leben lebte, bis sie sich mit ihm vereinte. Dr. Güdemann, wie der nachfolgende Redner Rabbiner Dr. S ch m i d l gedachten mit warmen Worten der unermüdlichen Wohlthäterin, und dieser galt auch noch ein letztes Wort des Dr. Alfred Stern. Er sprach im Namen des Döblinger Waisenhauses der entschlafenen Vice- Präsidentin des Damen-Comit6s unvergänglichen Dank für Alles aus, was sie dieser Stiftung geleistet, der die Brüder Wilhelm und David v. Gutmann ein neues Heim geschaffen haben. Rings um die Bahre standen in ihren grauen Anzügen die kleinen Waisenmädchen, und ihr Schluchzen war von allen Nachrufen, die da gehört wurden, der beredteste und eindringlichste. Wien. (BaurathWilhelmStiaßny.) Die „N. Fr. Presse" meldet: Am 15. October vollendete Baurath W. Stiaßny sein 60. Lebensjahr. Er ist der Sohn eines Wiener Kaufmannes und trat im Jahre 1857 in das Wiener Polytechnicum ein, das er mit vorzüglichem Erfolg absolvirte. Schon während seiner Studien überreichte er im Vereine mit mehreren College» ein Memorandum, in welchem er eine gründliche Umgestaltung des Lehrplanes der Technik verlangte und mehrere diesbezüliche Reformvorschläge machte. Später setzte Stiaßny seine Studien in der Akademie der bildenden Künste unter der Leitung van der Nüll's, Siccardsburg's und des Freiherrn v. Schmidt fort. Im Jahre 1866 etablirte er sich als selbstständiger Architekt und wurde 1867 vom Handelsministerium zur Pariser Weltausstellung entsendet, um als Beisitzer der internationalen Jury für Arbeiterwohnungen zu fungiren. Während der folgenden Jahre war Stiaßny bei verschiedenen Unternehmungen als Fachmann beigezogen, und wurde 1873 mit dem goldenen Verdienstkreuze mit der Krone ausgezeichnet. Bon den Bauten, die durch ihn ausgeführt wurden, seien genannt: das Rothschild-Spital, das Blinden-Jnstitut auf der Hohen Warte, zahlreiche Palais in der inneren Stadt und andere Wohngebäude in Wien, ferner das Kaiser Franz Jofiph-Regierungs- Jubiläums-Hospital für arme Israeliten in Karlsbad, das eben der Vollendung entgegengeht, die Synagogen in der Leopoldsgasse in Wien, in Weinberge bei Prag, in Gablonz, Czaslau, Wiener-Neustadt, Malaczka und andere hervorragende Gebäude. Baurath Stiaßny gehörte dem Wiener Gemeinderathe von 1878 bis 1900 an; außerdem war Stiaßny langjähriges Mitglied der Donau-Regulirungs-Commission. Derzeit bekleidet der Jubilar die Stelle eines Vertreters der israelitischen Cultusgemeinde, ist Präsident des Donau-Clubs, der Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums (Jüdisches Museum), des Vereines zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender, sowie Mitglied von Curatorien der humanitären und kulturellen Vereine. Frau Julie Schlesinger, Ehrenpräsidenlin des Allgemeinen österreichisch-israelitischen Taubstummen-Jnstitutes in Wien. Mit Frau Julie Schlesinger ist am 20. d. M. ein Typus echtjüdischer Philanthropie zu Grabe getragen worden. Nicht aus Sentimentalität, nicht einer plötzlichen Regung des Herzens folgend, sondern planmäßig, von der Erkenntniß einer heiligen Pflicht getrieben, bethätigte diese edle Frau ihre ein großes Gebiet umfassende Nächstenliebe und Menschenfreundlichkeit. Als emeritirter Lehrer obgenannten Institutes, der das segensreiche Wirken biefer Dame durch mehr als ein Vierteljahrhundert zu beobachten Gelegenheit hatte, sehe ich mich verpflichtet, einige Züge aus ihrem Walten als Vorstandsmitglied dieser musterhaft geleiteten Anstalt den Lesern dieses geschätzten Blattes mitzutheilen. Daß Frau Schlesinger das Institut durch Jahresbeiträge und gelegentliche Spenden auch pecuniär unterstützte, ist selbstverständlich; daß sie dem Institute unausgesetzt neue Gönner und Förderer, sowie durch Veranstaltung alljährlicher Theatervorstellungen zu Gunsten der Anstalt dieser bedeutende Geldsummen zuführte, sei nur nebenbei bemerkt; ihr Hauptverdienst war und bleibt ihre unermüdliche Fürsorge für das Gedeihen dieser Anstalt, sowie für die Zöglinge derselben, denen sie im wahren Sinne des Wortes die mütterliche Zärtlichkeit und Pflege zu ersetzen suchte. Wenn sie das Institut inspicirte, so durchforschte sie nicht nur alle Räume vom obersten bis zum untersten Geschoß, ob überall die nöthige Ordnung und Reinlichkeit, sowie die gewissenhafteste Pflichterfüllung des Personales herrsche, sondern sie kam auch in den Lehrsaal, ging von Classe zu Classe und hatte die Geduld, besonders wenn eine neue Lehrkraft ausgenommen wurde, stundenlang in einer Classe zu verweilen und aufmerksam dem ganzen Verlauf des Unterrichtes zu folgen. Es war Anfangs der Siebziger-Jahre, als die Verpflegung der Zöglinge, welche bis dahin von der Gattin des Jnstitutsdirectors gegen ein Pauschale besorgt wurde, in eigene Regie übernommen werden sollte. Da kam Frau Schlesinger ein ganzes Jahr hindurch Tag für Tag gegen 10 Uhr Vormittags in das Institut und verweilte da in der Küche und in den Wirthschaftsräumen, bis die Zöglinge abgespeist waren, um einen Maßstab für den Aufwand und Betrieb während eines Jahres zu gewinnen und festzustellen. Nun könnten Fernestehende denken: Die gute Dame wurde von Langeweile geplagt und wußte sich keinen besseren und billigeren Zeitvertreib. Diesem gegenüber sei bemerkt, daß Frau Julie Schlesinger zu den geistreichsten, feingebildetsten und liebenswürdigsten Damen der Residenz zählte, daß sie mit Künstlern. Schriftstellern und den Spitzen der hohen Gesellschaft im regsten Verkehre stand und gewiß um einen angenehmeren Zeitvertreib nicht verlegen war. Aber die edle Frau sagte sich: »Du bist Vorstandsmitglied einer Anstalt, die der Erziehung und Bildung der unglücklichsten Menschenkinder gewidmet ist. Du darfst es nicht blos dem Namen nach sein, sondern Du mußt Dir Einsicht und Kenntniß von dem ganzen Getriebe in diesem großen Hause der Barmherzigkeit verschaffen, um bei jeder Gelegenheit rathend und helfend mit Erfolg eingreifen zu können." Dadurch verschaffte sie sich auch die höchste Achtung und Beachtung bei ihren Vorstandscollegen, und ihre Stimme war auch wirklich bei jedem wichtigen Beschlüsse ausschlaggebend. Und als die edle Dame in die hohen Jahre kam und ihre Kräfte nicht mehr für die große Aufgabe ausreichend fand, da wußte sie mit ihrem feinen Spürsinn Nachfolgerinnen zu gewinnen, die ihr gutes Werk in ihrem Sinne mit der gleichen Begeisterung und Mühewaltung sortsetzen. So wird das Andenken dieser edlen Frau für und für zum Segen gereichen; denn ihr Vorbild wird gewiß auch bei allen späteren Geschlechtern in der Verwaltung des Allgemeinen österreichisch-israelitischen Taubstummen - Institutes zur segenspendenden Richtschnur dienen. Ehre ihrem Andenken! Friede ihrer Asche! Wien den 21. Juli 1902. Michael Berger. Lemberg. (Hebräische Ansprache eines Bischofs.) Großes Aufsehen erregt in hiesigen jüdischen Kreisen die Thatsache, daß der neugewählte Erzbischof, Graf Szepitzki, die Juden in der heiligen Sprache angesprochen und so den Beweis erbrachte für die hohe Sympathie, die er für die hebräische Sprache und die heilige Lehre empfindet. Der Erzbischof machte nach Antritt seines Erzbisthums eine Rundreise durch die seiner Diöcese zugehörenden Gemeinden und kam auch nach Strozow, wo er von der jüdischen Bevölkerung, wie üblich, unter Entgegentragen der „Sefer Thora" unter einem Baldachin empfangen wurde. Bei dieser Gelegenheit hielt der Schuldirector Taubeles eine Ansprache an Se. Eminenz. Wie erstaunte aber die Deputation, als der Erzbischof ihnen im correctesten Hebräisch Folgendes erwiderte: 'pbx *n “pai bz br-u asn wy ,cmm ana-n! 'ms,, : pins bv ins-ca aan# -pab mn pna -an psm a-aun aa-msa -i:mm aan-nn aapb« irpbx irpbx aa’pbs!*n "pna aibtr .vbzb nnn an n^.-i.wn« a'.in *6n .crmatö lrniso .irniaca “hxrn ba Ueber den erhabenen Sinn dieser Erwiderung viel Worte zu machen, erachten wir für unnöthig, da aus jedem Worte Friede, Eintracht und priesterliche Milde spricht. Mainz. Zwischen der Redaction des „Israelit" und den Vertretern der Zionisten kam in der Angelegenheit des Processes ein Vergleich zustande, demzufolge die Zionisten ihre Preßklagen zurückzogen und der „Israelit" in Nr. 56 vom 14. Juli folgende Erklärung publicirt: „In Nr. 23 dieses Blattes vom 20. März 1902 war eine Korrespondenz Berlin, 16. März 1902, mit der Ueberschrift „Die Bilanz der jüdischen Colonialbank" abgedruckt. Nach Einsicht und Prüfung des uns auf unser Ansuchen zur Verfügung gestellten Materials haben wir uns davon überzeugt, daß die in genanntem Artikel enthaltenen Mittheilungen über die „Jewish Colonial Trust" jeglicher Begründung entbehren und bedauern es lebhaft, einer derartigen Zuschrift Raum gegeben zu haben. Wir werden von dem Einsender des Artikels, der uns falsch informirt hat, keinerlei Einsendungen mehr aufnehmen.

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