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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-07-25 · 30 (25.7.1902) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
30 (25.7.1902)
Date
1902-07-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 30 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 491 Pisek, bei denen er als Zeuge fuugirte, hatte er Kerkerstrafen wegen Majestätsbeleidigung und Gotteslästerung abzubüßen, und so oft er sich dem Ende der Strafhaft näherte, beging er eine neue Majestätsbeleidigung, bis endlich die Untersuchung seines Geisteszustandes angeordnet wurde, auf Grund welcher vor Kurzem seine Abgabe an die Irrenanstalt erfolgte. Dieser Zelinger war einer jener Genossen, die am Tage des Mordes an Agnes Hruza auf dem Katharinenberge mit Hilsner Karten gespielt hatten. Der verkommene Bur'che starrte gewöhnlich vor Schmutz und es war von ihm notorisch, daß er sich wochenlang nicht wusch. Umso merkwürdiger war es, daß Vinc.-nz Zelinger in der Nacht des Mordes vom 29. auf den 30. März, gegen 3 Uhr Morgens ohne Hemd nach Hause kam. seine Quartiergeberin weckte und von ihr warmes Wasser zum Waschen forderte. Von diesem Factum ist weder in Kuttenberg noch in Pisek Notiz genommen worden. Ein Uebersehen, welches mindestens so befremdlich ist wie die Gleichgiltigkeit, welche -man den seltsamen Aeußerungen Karl Janda's über die Provenienz der an seinen Kleidern gefundenen Blutflecke eutgegensetzte. Der Dritte endlich, der vor Kurzem in die Nacht des Wahnsinns verfiel oder verfallen sein soll, ist Franz Jost, der Schwager des Karl Janda. Auch Jo§t wird als ein Trinker geschildert, und es ist nicht unmöglich, daß er vom delirium tremens befallen wurde. Allein in diesem Delirium hat Franz Jost Aeußerungen gethan, welche eine ganz merkwürdige Aehnlichkeit mit jenen des Karl Janda haben und die wohl geeignet sind, die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich zu lenken. Als die Tobsucht bei Jost ausbrach, begann er zu schreien: „Ich habe dieAneLkanichttodtgeschlagen! Jetzt kommen die Gendarmen auch zu uns! Wir werden Alle gehängt werden!" Als man der Schwiegermutter Jost's, der Frau Janda. die Nachricht auf das Feld brachte, daß ihr Schwiegersohn verrückt geworden sei, erbleichte sie und rief aus: „Mein Schwiegersohn hat nicht das Blut ausgesoffen! Das haben die Juden gethan." Es ist begreiflich, daß das hier wahrheitsgetreu Erzählte die Bevölkerung in Polna und Klein-Ves-ritz, ohne Unterschied der Confession, in Athem hält und daß sich daran mannigfache Combinationen knüpfen, die vorläufig noch nicht erörtert werden sollen. Sollte sich hier vielleicht das Sprichwort bewahrheiten, daß Kinder und Narren die Wahrheit sprechen? Vom Jahrmarkt des Levens. Glossen zur Tagesgefchichte. (Die Diäten des Herrn Geßmann. — Ein Attentat g e g en A l land. — Der angebliche Brief eines k. u. k. Officiers. — Eine offenkundige Erdichtung. — Bergani-Moral. — Die Vorgänge amSperl-Gymn a s i u m.) Herr Geßmann ist Landesausschuß und bezieht Diäten, wenn er reist. Böse Menschen behaupten, daß es unmäßig hohe seien. Herr Geßmann leugnete das kürzlich in offener Landtagssitzung; er habe im Ganzen 600 Gulden bekommen. Darauf verlangte der Abgeordnete Franz Hofer vom Landesausschußreferenten Schöffel die officiellen Daten über Herrn Geßmann's Diäten, und als Herr Schöffel dieselben in der Landtags-Sitzung bekannt gab. da stellte sich heraus, daß Herr Geßmann in den Jahren 1900 und 1901 im Ganzen 13 080 Kronen an Diäten bezogen hat. Herr G'ßmann war sehr wüthend, als derart klar wurde, daß er sich nur um circa 11.000 Kronen zum Vortheil seiner Conduite „geirrt" hatte, und da er nichts dagegen sagen konnte, fühlte er sich gedrängt, irgend etwas zu thun. Und er verlangte, Schöffel möge die Diätenbezüge aller Landesausschüffe angeben. U ,d als Schöffel diese verlas, ergab es sich, das der gegenwärtige Landesausschuß, der christlich-sociale Landesausschuß, um die Kleinigkeit von 26.000 Kronen mehr an Diäten bezog als der vergangene „liberale" der Legislaturperiode 1891 bis 1896. Ziffern sprechen bekanntlich. Diese Ziffern sprechen Bände! * * * In der Landtagssitzung vom Dienstag den 22. Juli, welche jenes niedliche Bild von der Profitwuth und Diätenschinderei der niederösterreichischen Landesausschüffe der Oeffentlichkeit enthüllte, hat Herr Dr. A d l e r auch den Antrag gestellt, die Heilanstalt „All and" in die Landesverwaltung zu übernehmen, und da der Statthalter und der antisemitische Landesausschuß Steiner den Antrag unterstützten, wurde er einstimmig angenommen. Das ist eine sehr unangenehme Bescheerung. An der Gründung der Heilanstalt A l l a n d waren Juden hervorragend betheiligt, nahezu dreiviertel der Spenden für die Zwecke dieser Heilanstalt hat man bei Juden aufgebracht. Bis nun war diese Anstalrinterconfkffionell, in Al land wirken auch jüdische Aerzte, und jüdische Kranke fanden Aufnahme und Pflege. N den einer katholischen Capelle sieht man dort auch ein jüdisches Betzimmer für die Kranken eingerichtet. Diese Anstalt nunmehr in die antisemitische Landesverwaltung von Niederösterreich zu übergeben, ist geradezu ein Rechtsbruch, ein Betrug, verübt gegen die Stifter und Spender, welche ihre Mittel zur Gründung dieser Anstalt in der Voraussetzung hergegeben haben, daß der interconfessionelle Charakter der Heilanstalt unangetastet bleibt. Dr. Adler hat wiederum einmal gezeigt, wie wenig Scharfblick er besitzt für die thatsächlichen Verhältnisse. — Die jüdischen Finanzmänner und Reichen sollten wenigstens daraus die Lehre ziehen, künftighin ihre Spenden ausschließlich jüdischen Instituten zuzuwenden. Denn die sogenannten intercoufessionellen Gründungen verwandeln sich alle, früher oder später, in rein antisemitische. Hoffentlich wird die derzeitige Leitung des Vereines „A l l a n d" auf Mittel sinnen, die Gefahren des Antrages Adler abzuwenden. * * * Die Kumpane, die im Dienste des Ernst Vergani für den ihnen kärglich genug bemeffenen Gehalt täglich neue Lügen ersinnen müssen, durch die in der Bevölkerung der Judenhaß geschürt werden soll, kennen in der Niedertracht, zu der ihr dickwanstiger Brotgeber sie dressirt hat, keine Grenze mehr. Sie haben jeden Maßstab dafür, wie weit sie in ihrer Infamie gehen dürfen, verloren, und die nichtswürdigsten Fälschungen sind ihnen bereits zur täglichen Gewohnheit geworden. Vergani und seine Gesellen sind aber bereits dabei angelangt, das Andenken eines erlauchten Prinzen, an dessen edle Erscheinung die Völker Oesterreichs mit inniger Liebe und Verehrung zurückdenken, in den K^eis ihrer Denkungsart herabzuzerren. Sie haben sich erkühnt, dem Kronprinzen Rudolf eine Gesinnung und eine Handlungsweise anzudichten, deren nur sie selbst fähig sind. In der Jnfanterie-Truppen-Division, die Kronprinz Rudolf commandirte, sollen bei den Schlußprüfungen der Einjährig- Freiwilligen im Jahre 1889 die Namen der Juden in der Liste auffallend roth unterstrichen gewesen sein. Einer der prüfenden Officiere, und zwar soll dies nach Angabe des „Deutschen Volksbtatt" der Gewährsmann sein, der ihm diese Mittheilung angeblich gemacht hat, habe sich vertraulich über die Bedeutung der rothen Striche erkundigt und als Antwort sei ihm der Wunsch ausgesprochen worden, sämmtliche Juden durchfallen zu lassen. „Endlich für mich ein Fressen", soll der betreffende Off-cier, seiner Mittheilung zufolge, gedacht haben, „endlich ein Wink von Oben!" Der angebliche Gewährsmann erzählt weiter: „Alle Hebe! wurden in Bewegung gesetzt, um diesem Wunsche in der ausgiebigsten Weise zu entsprechen — leider gelang uns dies nicht ganz." Zunächst ist nun, wie die „Neue Freie Presse" schon bemerkt hat, zu constatiren, daß Kronprinz Rudolf am 30. Jänner 1889 aus dem Leben geschieden ist, zu einer Zeit also, in welcher von den Schlußp üfungen desselben Jahres noch lange nicht die Rede sein und eine Prüfungsliste nicht Vorgelegen sein konnte. Wenn also wirklich in der Liste der Einjährig Freiwilligen die Namen der Juden roth angestrichen gewesen wären, so hätte dies nicht unter dem Commando des Kronprtnjen geschehen sein können. Daraus ziehen wir aber noch eine ganz andere Folgerung. Abgesehen von der unerhörten schamlosen Frechheit, dem erlauchten Prinzen zuzumuthen, daß er eine ungerechte P.üfung angeordnet hatte, ist schon aus den Zeitangaben allein ersichtlrch, mcht blvs, daß der Kronprinz einem solchen Vorgänge gänzlich ferne stand, sondern daß die angeblich an das „Deutsche Volksblatt" gerichtete Zuschrift eines O ff'ciers überhaupt nicht existirt. daß sie in der Werkslätte des ,D ulschen Volksblattes" fabricirt wurde, um den verewigten Kronprinzen als Antisemiten erscheinen zu lassen, dessen Beispiel in der Richtung anregend wirken müsse, den Antisemitismus in der Armee einzubürgern.

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