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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-07-18 · 29 (18.7.1902) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
29 (18.7.1902)
Date
1902-07-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 484 Dr, Vloch's Wochonschrrfk. Nr. 29 Treuesßn-Basn. Am 29. v. M. wurde hier die hundertvierzigjährige Jahreswende der Gründung der hierortigen Chewra- Kadischa gefeiert, an deren Spitze Herr Jakob Pollak als Präses, Herr Ignatz Donath und Herr Israel Feldmann stehen. Der Vorgänger des dienstvollen Präses war dessen Vater, Herr Samuel Pollak, unter besten Leitung der Verein zu besonderer Blüthe gelangte. Vorher stand der Bruder des Letzteren, Herr Marcus Pollak dem Vereine vor, unter dessen Präsidium bereits Herr Ignatz Donath in die Verwaltung gewählt wurde, der die Entwicklung des Vereines in besonderer Weise förderte. In diese Zeit fällt auch die Mitwirkung des Herrn Samson Diamant und des Herrn Hermann Löwenbein. Es wurde während dieses Zeitraumes der Gottesacker umfriedet, es wurden werthvolle kleh-kodesch, paroches u. s. w. angeschafft. Es ist selbstredend, daß die Thätigkeit des Vereines hauptsächlich auf Oiermtelü etieseä gerichtet ist. Die nun über ein Jahrhundert alte Synagoge der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, welche schon entschieden eine vollständige Restaurirung, die nahezu einem Neubau gleich kommen dürfte, erfordert, veranlaßte jedoch die Chewra-Kadischa zu diesem Zwecke 5000 Kronen zu widmen und wurde ungefähr die gleiche Summe von Mitgliedern der Gemeinde gelegentlich der Jubiläumsfeier freiwillig gezeichnet, welch' Beides freilich noch beiweitem nicht ausreicht. Die Feier selbst verlief bei prachtvollem Wetter programmgemäß und in schönster Weise. Um 3 Uhr Nachmittags versammelten sich die ganze Gemeinde und zahlreiche Gäste im festlich decorirten und beleuchteten Gotteshause, wo nach dem Mincha-Gebete Seine Ehrwürden Herr Bezirksrabbiner M. Reich eine herrliche Festrede, welche die seltene Feier nach allen Richtungen würdigte, hielt, in die der gewandte Redner zwei treffende Bemerkungen seines berühmten Großvaters Koppel Charis und seines unvergeßlichen Vaters Jechezkel Reich s. A. sinnreich einfügte. Nach dem Gebete für Se. Majestät und dem feierlichen Maskir verfügte sich die Versammlung in das Gemeindehaus, wo der Präses Herr Jakob Pollak die Festsitzung eröffnete, Herr Ignatz Donath in schönen Worten über die hundertvierzigjährige Vergangenheit sprach und sowohl er, als auch der sehr geehrte Präses der Cultusgemeinde, Herr Ignatz Ochs um weitere Förderung des heiligen Werkes durch fernere freiwillige Zeichnungen bat. Mit dem bis in die Nacht hinein andauernden fröhlichen, mit Toasten gewürzten Festbankette schloß die schöne und erhebende Feier, welche noch lange in den Herzen aller Theilnehmenden als angenehme Erinnerung nachklingen wird. _ Slatina (Slavonien.) Am II. Juli verschied hier hochbetagt Frau Marie Grünwald, Mutter unseres königlichen Bezirksarztes Herrn Dr. Moritz Grünwald. Am Leichenbegängniß waren sämmtliche Vereine und Korporationen unseres Bezirkes, sowie auch die Geistlichkeit verschiedener Konfessionen vertreten. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Kaufmann aus Virovitica hielt der Verewigten die Grabrede und schilderte in warmen Worten die Dahingeschiedene, die es verstanden hat, Bildung, Vornehmheit mit frommen religiösem Sinn zu paaren. Bonn. (General-Oberst v. Loe und der alte H u s a r.) Ueber den vom General-Oberst v. Loö erwähnten ehemaligen Husaren wird Folgendes berichtet: Der tapfere Husar Bier ist im Jahre 1846 in Meckenheim geboren, trat 1868 bei der fünften Schwadron ein. Schon während des Marsches nach Frankreich war er als Ordonnanz zu General Strubberg der 30. Brigade commandirt und der ersten Schwadron zugetheilt, er machte die Schlachten bei Gravelotte, St. Privat, die Einschließung und die Capitulation von Metz mit. Dann focht er bei Bertrancourt, wo ein Granatsplitter ihm den Stiefel vom Fuß riß, bei Amiens, bei Forcelles, bei Buchy, an der Hallue, bei Sapignies, bei Bapaume und bei Tertry-Pouillet, sowie bei St. Quentin, stets als Ordonnanzreiter unter den gefährlichsten Umständen. In der Schlacht bei Bapaume wurde sein Pferd von einer Granate gestreift und niedergeworfen. Bier Pferde des nebenfahrenden Munitionswagens wurden getödtet; trotzdem hat Bier eine wichtige Meldung an General v. Gäben und von diesem zurück glücklich befördert. Von General Strubberg und Loä öffentlich belobt, ist er im Herbst 1872 als Gefreiter abgegangen. Seitdem hat er sich als Handelsmann ernährt und erfreut sich unter seinen Mitbürgern allgemeiner Achtung und Beliebtheit. _ E. B. Oberhollabrunn. Unter zahlreicher Betheiligung der P. T. Eltern der hiesigen Schul- und Gymnasialjugend und unter Anwesenheit unseres allverehrten Präses Herrn Max Wallisch sammt den Ausschußmitgliedern Herren Max Herzog und Johann Nanzenhofer fand Samstag den 12. d. M., 5 Uhr Nachmittags, der Schulschlußgottesdienst statt. Herr Cantor und Religionslehrer S. Jellinek executirte das Minchagebet, hielt an die Schuljugend eine Rede über die Bedeutung der Religions- und Glaubenslehre, welche auf alle Zuhörer einen begeisternden Eindruck machte. Nach Vollendung derselben, sprach Herr Neligionslehrer bei offener Bnndeslade das Kaisergebet, und mit der Volkshymne, welche von allen Anwesenden stehend mitgesungen wurde, schloß diese erhebende Feier. Kiek. Die von verschiedenen jüdischen Blättern vor einiger Zeit gebrachte Mittheilung, daß der jüngst nach Ablauf seiner Amtsperiode zurückgetretene Rector unserer Universität Professor Pappenheim getaufter Jude sei, entspricht nicht den Thatsachen. Derselbe ist heute noch Jude und stammt aus einer angesehenen Familie Berlins. — Privatdocent Dr. M. O p e t ist zum Amtsrichter des Oberlandesgerichtes Kiel ernannt. Zwittau. (Mähren). Die hier vor 7 Jahren ins Leben gerufene Landes-Oberrealschule erfreut sich in den maßgebendsten Kreisen, wie auch hier so in der Umgegend, des besten Rufes. Dieses beweist der. Zuzug fremder Schüler, darunter viele Israeliten, nach der hiesigen Anstalt. Von 11 Maturanten, die sich Heuer zur Ablegung der Reifeprüfung an der hiesigen Landes-Oberrealschnle meldeten, erhielten 10 das Zeugnis; der Reife (darunter 4 mit Vorzug) und einem wurde bewilligt, die Nachprüfung in einem Gegenstände nach den Ferien zu machen. Israelitische Schüler finden hier in anständigen Privatfamilien liebevolle Aufnahme und gewissenhafte Aufsicht und Nachhilfe zu mäßigen Preisen, so daß bei der Wahl einer passenden Realschule unsere Anstalt allen P. T. israelitischen Eltern und Vormündern aufs Wärmste empfohlen werden kann. Auch ist der -Unterzeichnete gerne bereit, israelitischen Schülern, respective deren Eltern mit Rath und That beizustehen. Dr. Felix Kanter, Rabbiner. Korneuburg. Sonntag den 6. d. M. fand die jährliche Schulprüfung der Religionsschule für hier und Umgebung statt, zu welcher unser allverehrter Bezirksrabbiner Dr. M. Rosenmann aus Floridsdorf, der Präses des Ortsschulrathes Advocat Dr. Kladiwo, der Schulinspector Director Lux. sowie zahlreiche Eltern und Kinderfreunde erschienen. Nach vollzogener Prüfung, die überaus befriedigende Resultate ergab, lobte Herr Rabbiner Dr. Rosenmann den Fleiß und das Wissen der Schüler und sprach dem Religionslehrer für sein ersprießliches und tüchtiges Wirken besondere Anerkennung aus. Gloggnitz. Von den wenigen der jüdischen Confeffion angehörigen Lehrern, welche aus dem Lande an öffentlichen allgemeinen Volksschulen angestellt sind, ist auch einer davon Herr Adolf Lemberger, der auch als Neligionslehrer an der Volks¬ und Bürgerschule in Gloggnitz wirkt. Dieser Herr begann vor 25 Jahren an der allgemeinen öffentlichen Volksschule in Schlöglmühl seine Lehrthätigkeit, wo er noch heute lehrt. Anläßlich der 25. Wiederkehr seines Dienstantrittes wurden ihm seitens der Bevölkerung und des Ortsschulrathes viele Ehren zutheil. Der Ortsschulrath erschien am Sonntag den 13. Juli in der Wohnung des Lehrers. Der Obmann Herr Dr. Pratter gratulirte ihm im Namell der Bevölkerung, pries seine Lehrthätigkeit, die auch von anderer Behörde wiederholt anerkannt wurde, und überreichte ein kostbares Ehrengeschenk. Feuilleton Ue«-Ier«s>»lem. /Einer der Vorfahren unseres Kaisers, j Joses der Zweite oder Franz der Erste, besuchte auf seiner galizischen Reise die Stadt Brody und wurde selbstverständlich mit Jubel begrüßt. Als der Kaiser auf den Balcon des Hausner'schen Hauses trat, in dem er wohnte, um sich der angesammelten Menge zu zeigen nndkZuden, nichts als Juden in ihrer damaligen Tracht, langen Talaren und hohen Pelzmützen, sah, sagte er zu seiner Umgebung: „Jetzt weiß ich, daß mir der Titel König von Jerusalem rechtlich gebührt." Damals war Brody in der That die größte, fast ausschließlich von Juden bevölkerte Stadt und überdies durch die Zollgrenzen, welche es als Freihandelsgebiet umschlossen, gewissermaßen exterritorial — ein Judenstaat. Es waren eigenthümliche Verhältnisse, deren ich mich noch sehr wohl entsirme^/und bei denen ich einen Moment verweilen will,' bevor ich weiter gehe. lUnter dem zahlreichen Handelsstand jener Zeit gab es blos fünf christliche Kaufleute (Hausner, Rieger, Stein, Dinzel, Sarrachioti), die jedoch keine offenen Läden hatten. Detailgeschäfte christlicher Eigenthümer gab es gar nicht, so daß an Samstagen

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