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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-07-18 · 29 (18.7.1902) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
29 (18.7.1902)
Date
1902-07-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 29 Dr. Bloch's Wochrnfthrifk. Sette 483 Der Secretär der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union", Herr Siegfried Fleischer, verliert in dem Dahingeschiedenen den einzigen, heißgeliebten Bruder. Wien. (Commercialrath Alois Reich.) Sonntag den 13. d. M. fand die Ueberführung des am 11. d. M. in Krasna verstorbenen Commercialrathes Alois Reich unter imposanter Betheiligung der Behörden, der Gemeindevertretungen der ganzen Umgebung, sowie der deutschen und stavischen Vereine und aller Kreise der Bevölkerung nach Wien statt. Am 14. d. M. fand die Beerdigung in Anwesenheit von mehreren Abgeordneten, Gemeinderäthen, hohen Ministerialbeamten, Vertretern des Gewerbehygienischen Museums, des Kunstgewerbevereines, des Export- und anderer Vereine, deren langjähriges Ausschußmitglied der Verstorbene gewesen war; ebenso waren zahlreiche Großindustrielle, insbesondere die Repräsentanten der Glas-Industrie vollzählig erschienen. Die cantorale Function versah Obercantor Gnttmann, assistirt vom Chor des Leopoldstädter Tempels, in vorzüglicher Weise, und hielt der greise Oberrabbiner Dr. Schmied! dem Heimgegangenen eine die zahlreichen Trauergäste ergreifende Nachrede. Alois Reich, der 1830 geboren war, absolvirte sein Studium an der Wiener Technik und trat dann in das von seinem Vater (1813) begründete Unternehmen ein, welches zu jener Zeit fünf Glasfabriken umfaßte. 1865 übernahm er die Leitung des Werkes Krasna, das er zu einer der hervorragendsten Glasfabriken der Monarchie umgestaltete. 1877 übersiedelte er nach Wien, um die Centralleitung sämmtlicher Unternehmungen der Firma zu übernehmen, welche er bis zu seinem Ableben innehatte. Er erwarb auch die Glasfabrik Zawiercie, die gegenwärtig zu den bedeutendsten Werken Rußlands zählt. Alois Reich gehörte dem Staatseisenbahnrathe an, fungirte wiederholt als Juror bei Ausstellungen und wirkte ersprießlich als Experte bei Abschluß der Handelsverträge. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Firma S. Reich Lr Co. zu der größten ihrer Branche in Oesterreich- Ungarn. In zehn Glasfabriken und zwei Raffinerien beschäftigt sie heute gegen 5000 Arbeiterund überdies einige Hundert inderLand- und Forstwirthschaft, speciell auf ihrem Gute Groß-Karlowitz. Die Neffen und die vier Söhne des Verstorbenen führen die Firma fort. Wien-Mariahilf. Herr Obercantor Dünmann hat durch das am 8. d. M. erfolgte Ableben seiner Gattin Rosa geb. Schäfer, einen schmerzlichen Verlust erlitten. Die große Beliebtheit, deren sich Herr Obercantor Dünmann in den Kreisen der Mariahilfer Bevölkerung zu erfreuen hat, zeigte sich bei dem am 10. d. M. am Centralfriedhofe stattgefundenen Leichenbegängnisse, dem eine Deputation des Vorstandes des Mariahilfer Tempelvereines, mit dem Präsidenten Herrn Architekten Max Fleischer an der Spitze, beiwohnte; man sah weiters Herrn kaiserl. Rath Josef To ffler, die Herren Collegen Jurberger, Silbermann, Pekarnik, und viele andere Berufsgenoffen des Leidtragenden, die Angestellten und viele Mitglieder des Mariahilfer Tempelvereines u. v. A. Die Trauergesänge wurden vom Herrn Obercantor Singer, der sich dieser Function in collegialster Weise widmete, wahrhaft ergreifend zu Gehör gebracht, während der ehrwürdige Seelsorger der Mariahilfer Gemeinde, Herr Gemeinderabbiner Dr. T a g l i ch t, der Verblichenen in gewohnt meisterhafter Weise einen Nachruf hielt, der alle Anwesende auf das Tiefste erschütterte. Wien. (Mädchen - Unterstützungs-Verein.) An den Privatschulen dieses humanitären Vereines hat das Schuljahr mit sehr gutem Erfolge abgeschlossen. Aus dem Handels- Lehrcurse gingen 48, aus der Fachschule für Schneiderei 16 Schülerinnen hervor, 18 stiegen in den II. Jahrgang derselben auf. Die Fortbildungsschule war von 60, die Fachschule für Weißnähen war von 32, diejenige für Sticken von 16 Schülerinnen besucht. Am Maschinnähcurse nahmen die Schülerinnen der Fachschule für Nähen, Kleidermachen und Sticken theil. Der Unterricht wurde in allen Classen unentgeltlich ertheilt. Die Einschreibungen für das neue Schuljahr beginnen am 14. September in der Schulkanzlei: II., Kaiser-Josefstraße 32. Wien. (Humanitärer Verein „81 kur-6 üan11ni".) Mittwoch den 2. Juli d. I. fand im Restaurant Guth, II., Stefaniestraße, eine Versammlung, behufs Beschlußfassung zur Gründung des Humanitären Vereines „Likur-Oblmlim", statt, nachdem die Gemeinschaft einiger Mädchen nach mehrwöchentlicher, provisorischer Thätigkeit im Allgemeinen Krankenhause die Nothwendigkeit der Gründung eines solchen Vereines einsah. Trotz schlechter Witterung war die Versammlung gut besucht. Nach der Erklärung der Tendenz des Vereines bietet derselbe den jüdischen Mädchen und Frauen ein neues Feld für die Bethätigung ihres jüdischen Sinnes. Armen, leidenden Schwestern und Brüdern soll Trost und Labung zu theil werden; die Schmerzen armer, jüdischer Kranker, die ihr Leiden doppelt schwer empfinden, weil sie dieselben allein, inmitten einer ihnen fremden Umgebung tragen müssen, sollen gelindert werden durch die warme Theilnahme von Stammesgenossinnen; das Zusammengehörigkeitsgefühl und das Bewußtsein, in ihrem Schmerze nicht ohne Mitfühlende zu sein, soll diesen Aermsten der Armen neuen Lebensmuth einflößen. Aber nicht mit leeren Händen wollen diese Mädchen zu den Kranken kommen, auch Erfrischungen sollen ihnen verabreicht werden. Nach Verlesung der Statuten wurde ein Counts gewählt, das mit der Führung der Agenden bis zu der für Ende September laufenden Jahres in Aussicht genommenen, constituirenden Generalversammlung betraut wurde. In das Comitä wurden gewählt: Fräulein Kohn Gisela als Obmännin; Fräulein Korall Anna als Obmann-Stellvertreterin; Fräulein Goldbaum Helene, Frau Bienenfeld Erna als Schriftführerinnen; Fräulein Schallinger Paula als Cafiierin; Fräuleins Kauftheil Regine, Korall Malvine, Kornmehl Therese. Rand Lotte. 0. K. Wien. (Spende.) Für die delogirte ehemalige Cafetiersfamilie S. H. G. sind uns unter I. B. Wien K 3.— zugekommen. Floridsdorf. (Abfall.) Herr Dr. Markus Halphen, Advocat hier, ist mit Frau und Kindern aus dem Judenthum ausgetreten. Jaroslau. Zum ersten Stadtphysikus in Jaroslau wurde Dr. Salo Roßberger, Zahn- und Ohrenarzt daselbst, ernannt. Prerau. Die Trauung des Realitätenbesitzers Herrn Leopold Hochberg mit Frl. Elisabeth Schwarz, Tochter des Juweliers Herrn Berthold Schwarz aus M. - Ostrau. versammelte am 13. Juli im Tempel zu Prerau eine illustre Gesellschaft. Wir bemerkten in der großen Zahl der Erschienenen: Herrn Obercantor Prof. Lazarus aus Budapest, die Realitätenbesitzer Adolf. Sigmund, Berthold und Heinrich Hochberg, Oberingenieur Emil Hochberg, Werksiättenleiter in Serajevo, Cultusrath Herrn Leopold Langer und Gemahlin, Fabrikant Fuchs aus Politschka 2c. Den Tranungsact nahm in sehr weihevoller Weise der Onkel des Bräutigams, Rabbiner Dr. Tauber in Prerau. vor. Die gemüthsinnige Trauungsrede über das vorbildliche jüdische Familienleben der Eltern des Brautpaares erhob die Seele Aller. Budapest. Der König von England hat dem hiesigen britischen Consul Dr. Ignaz Brüll „in Anerkennung seiner langen und werthvollen Dienste" zum Mitgliede des St. Michaels- und St. Georgs-Ordens ernannt. Es ist dies umso bemerkenswerther, als dieser Orden nur in äußerst seltenen Fällen einen Ausländer verliehen wird. Brünn. Der Bicepräsident der hiesigen Cultusgemeinde, kaiserl. Rath Hermann Epler, der. wie in Nummer 27 unseres Blattes gemeldet wurde, am 5. d. M. das fünfzigjährige Jubiläum seines Dienstantrittes bei der Nordbahn begehen sollte, ist am 2. Juli nach längerem, schweren Leiden gestorben. Sein Hinscheiden hat nicht nur in der hiesigen Judenschaft, die an dem Verblichenen einen ihrer bewährtesten Führer und einen ihrer treuesten Anhänger verliert, sondern auch in den weitesten Kreisen der Landeshauptstadt aufrichtige Trauer hervorgerufen. Ein tragisches Geschick hatte ihn vor längerer Zeit auf das Krankenlager geworfen und ihm vor wenigen Wochen die treue Lebensgefährtin, mit der er nahezu fünfzig Jahre in glücklicher Ehe lebte und die ihm an seinem Schmerzenslager in zärtlicher Fürsorge als Pflegerin und Trösterin zur Seite stand, geraubt. Nun hat es ihn selbst, drei Tage vor seinem 50jährigen Dienstjubiläum, aus der Mitte seiner Kinder und zahlreichen Freunde gerissen. Kaiserl. Rath Hermann Epler war einer der ältesten und geachtetsten Beamten der Kaiser Ferdinands-Nordbahn. Am 7. April 1830 zu Szobotist in Ungarn geboren, absolvirte Hermann Epler in den Jahren 1847 bis 1851 die technischen Studien in Wien und trat Anfangs Juli 1852 in die Dienste der Nordbahn. Nachdem er sowohl bei der Bahnerhaltung wie beim technischen Betriebe längere Zeit thätig gewesen, übertrat er zum Verkehrsdienste. Vor etwa dreißig Jahren kam er als Stationsvorstand nach Brünn, welche verantwortungsvolle Stelle er mit nie erlahmendem Elfer und mit seinen gediegenen fachmännischen Kenntniffen in einer sowohl vom Publicum als auch von der Verwaltung der Nordbahn vielfach anerkannten Weise bis zu seinem Ableben bekleidete. Seine humane Denkweise bethätigte kaiserl. Rath Epler durch viele Acte der Wohlthätigkeit, und in der hiesigen Cultusgemeinde. deren Pcäfidentstellvertreter er seit vielen Jahren war, hat er sich durch sein erfolgreiches, gemeinnütziges Wirken die wärmsten Sympathien und allgemeine Hochachtung errungen. Der Kaiser würdigte die vielfachen Verdienste Eplers durch Verleihung des kaiserl. Rathstitels und des goldenen Berdienstkreuzes mit der Krone. Außerdem war kaiserl. Rath Epler Inhaber des Medschidje-Ordens dritter Classe. Sein Ableben beklagen fünf Söhne und vier Töchter, sowie eine große Enkelschaar; sein ältester Sohn, Herr Adolf Epler, weilt, wie bekannt, seit Jahren in Johannesburg (Südafrika).

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