Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-07-18 · 29 (18.7.1902) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
29 (18.7.1902)
Date
1902-07-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3021439-3021469--11929-3036494
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 29 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 479 Copien der berühmten Meisterwerke der Sculptur aller Zeiten und Völker im Kensington-Museum auf; in Deutschland kannte und bewunderte man den genialen Mann seit dem Jahre 1892, da München ihm in seiner sechsten internationalen Kunstausstellung einen hervorragenden Platz, einen großen Saal einräumte. Antokolskij wurde im Jahre 1842 als Kind armer jüdischer Eltern zu Wilna geboren; er beschäftigte sich in seiner Jugend mit der Kunst des Holzschnitzens und trat in seinem 21. Lebensjahre als Schüler in die Petersburger Akademie der bildenden Künste. Hier erhielt er 1864 seine erste Auszeichnung, die kleine silberne Medaille, für ein Hochrelief in Holz. Im folgenden Jahre verlieh ihm die Akademie für ein anderes in Holz und Elfenbein geschnitztes Bildwerk die große silberne Medaille. Diese beiden, durchaus realistisch aufgefaßten und durchgeführten Arbeiten lenkten die Aufmerksamkeit der akademischen Behörden auf den talentvollen jungen Künstler, und man gab ihm ein kleines kaiserliches Stipendium, das er, der fortwährend mit Noth und Mangel zu kämpfen hatte, sehr gut brauchen konnte. Er verließ nun seine bisherige Specialität, begann in Gyps zu modelliren und erhielt im Jahre 1867 für ein Modell nach der Natur die erste Prämie. 1868 reiste er nach Berlin, dann hörte man fünf Jahre lang nichts von ihm, und erst später erfuhr man aus seinen autobiographischen Aufzeichnungen, daß er schwer mit Widerwärtigkeiten aller Art und manchen Entbehrungen kämpfen mußte. In dieser für ihn so traurigen, von Noth und Krankheit ausgefüllten Zeit schuf Antokolskij fein erstes großes Meisterwerk, »Iwan der Grausame". Endlich war er fertig, aber vergebens bat er seine Lehrer, sich in sein kleines Atelier in einer kleinen Gasse Petersburgs hinaufzubemühen. Da faßte der der Verzweiflung nahestehende Künstler den Muth, sich an den Fürsten Gagarin. den damaligen Bicepräfidenten der Petersburger Akademie, zu wenden. Dieser kam, und der Eindruck, den das Werk auf ihn machte, war ein mächtiger. Gagarin veranlaßte die Herzogin von Leuchtenberg, »Iwan" zu besichtigen. Nachdem diese die geniale Arbeit gesehen und dem Künstler die Hand gedrückt, veranlaßte sie auch ihren Bruder, den Czaren Alexander H., das Werk in Augenschein zu nehmen. »Gut, sehr gut!" lautete des Kaisers Urtheil, und damit war dem Künstler seine weitere Laufbahn geebnet. Gleichzeitig mit seinem »Iwan" componirte er noch zwei Skizzen aus dem Leben und der Geschichte der Juden, deren eine von der Großfürstin Marie Nikolajewna erworben wurde. In der weiteren Folge beschenkte Antokolskij die russische Kunst mit den werthvollen Statuen »Peter I.", »Jaroslaw der Weise", »Dimitrij Donskoj" und »Iwan lll.". Sein »Christus vor dem Bolksgericht", welchen Alerander II. für seine Privatgalerie ankaufte, begründete den Weltruf Antokolskij's als hervorragendsten Bildhauer der neuen Zeit. Die von dem Verstorbenen in Paris gemeißelten Statuen »Sokrates' Tod", »Der letzte Seufzer" und »Johann des Täufers Haupt" brachten Antokolskij die Ehrenlegion ein. Sein Ruf steigerte sich nach der Ausstellung seines berühmten Wandbildes »Spinoza", das, wie ein berühmter Kritiker sagte, die ganze Weltanschauung dieses Denkers wiedergab. Von ebensolcher Lebenswahrheit und schöpferischer Kraft sind seine Standbilder »Jermak", der Eroberer von Sibirien, und »Nestor", der erste russische Chronist. Die letzte Arbeit des genialen Bildhauers war das Standbild »Inquisition", das jedoch unvollendet blieb. Wien. Sehr geehrter Herr Redacteur! Sie haben schon so oft die Güte gehabt, meinen Klagen darüber Ausdruck zu geben, wie schwer es Einem gemacht wird, unglücklichen und armen Glaubensgenossen eine hilfreiche Hand zu bieten, daß ich auch diesmal an Ihre Güte appellire, meinem Unmuthe in Ihrem geschätzten Blatte Raum geben zu wollen. Es betrifft dies die von mir unternommenen Anwerbungen unter unseren Glaubensgenossen, als unterstützende Mitglieder des Rechtsschutzvereines der Haufirer in Wien, aus deren Beiträgen die Licenzgebühren für die Hausirbewilligungen der unbemittelten Händler, bestritten werden. Nicht darüber beklage ich mich, daß es mir nur möglich geworden, unter circa 14.000 Cultusgemeindemitgliedern deren blos ungefähr 700 ä 3 Kronen Jahresbeitrag erlangt zu haben, sondern darüber, daß genau die Hälfte derselben sich nicht bestimmt zu finden vermag, den Beitrag zuleisten und häufig bei mehrfachen bittlichen Aufforderungen stolz erklärt, aus dem Vereine auszutreten! 120 dieser Herren, welche sich mit ihrer Unterschrift verbanden, dem Rechtsschutzverein als unterstützende Mitglieder beizutreten, haben diese Erklärung nie mit einem Heller noch honorirt, wohl aber die arme Vereinscaffe diese Erklärung mit nutzlosen Porti- und Druckauslagen und Erlagsscheinen per Kopf büßen lassen! Und welche Namen unter den edlen Wohlthätern! Die Frage, wie ich zu den restirenden 1000 Kronen kam, die 350 Mitglieder bisher noch nicht bezahlt haben, wofür ich 50 Hausirern die Lizenzbücheln erhalten kann, vermag ich nicht zu lösen, vielleicht kommen diese Zeilen den Schuldigen zu Gesichte und gibt das ihnen einen wohlthätigen Ruck, daß sie ihre edlen Gesinnungen auch durch die Zahlung und nicht blos durch die Beitrittserklärung beweisen? Hochachtend Jg. Zucker, k. k. Commercialrath. Wien. »Sehr geehrter Herr Doctor! Ihre geschätzte Wochenschrift bringt in der letzten Nummer eine Notiz, in welcher für die Auswanderung von Juden nach Südafrika Propaganda gemacht wird. Als Aufsichtsrath der einzigen großen österr.-ungar. Unternehmung in Südafrika mit den dortigen Verhältniffen durch directe private Berichte sehr vertraut, kann ich nicht laut genug davor warnen, daß fich's Jemand einfallen lasse, derzeit seinen Weg nach Südafrika zu nehmen. Es stehen ihm die größten Enttäuschungen bevor. Abgesehen davon, daß keinem Nichtengländer gestattet wird, von Capstadt ins Innere weiter zu fahren, da selbst Engländer und Capländer nur in limitirter Zahl und mit specieller Erlaubniß der englischen Regierung nach dem Innern, insbesonders dem Transvaal reisen dürfen, gibt es Weiße — Europäer — en masse dort, welche jede noch so schwere Arbeit anzunehmen bereit sind, ohne solche zu finden. Wohl werden jetzt Minenarbeiter ausgenommen, doch das können nur Schwarze, Kaffern und sonstige eingeborene Stämme sein, da nur diese die schwere aufreibende Arbeit in den Tausende Fuß tiefen Goldminen auszuhalten vermögen. Ergebenst: Eduard Glaser. Berlin. Eine scharfe Zurückweisung eines Renegaten finden wir in dem soeben erschienenen Juni-Hefte der Holdheim'schen »Monatsschrift für Handelsrech t- und Bankwesen", der vornehmsten handelsrechtlichen Zeitschrift Deutschlands. Daselbst veröffentlicht Professor Heinrich Dove, wie wir der »Neuzeit" entnehmen, einen Aufsatz: »Zur Revision des Börsengesetzes" »eine Erwiderung". Dove widerlegt hierin die vom preußischen Regierungsrath Dr. Günther Freund in der Zeitung »Der Tag" Nr. 205 vom 3. Mai uud Nr. 209 vom 6. Mai d. I. veröffentlichten Artikel: »Die Bestrebung für eine Reform des Börsengesetzes". Die juristischen Auseinandersetzungen Dove's interessiren die Leser dieses Blattes nicht. Nur die persönliche Charakteristik Freund's durch Dove soll nachstehend zum Wiederabdrucke gelangen. Dove schreibt: »Ich habe den Gründen für diese Abneigung eines Reichsbeamten gegen einen einzelnen Erwerbsstand und Diejenigen, welche er als seine Helfershelfer hinstellt, welche gewisse ihm nicht verständliche »Moralieu" — um dieses Ueberwort bereichert Herr Doctor Günther Freund die deutsche Sprache — für erlaubt halten, nicht nachzugehen. Wenn er früher Siegfried Freund, dann Siegfried Günther Freund literarisch firmirt haben soll, um nun zum einfachen Günther Freund überzugehen — was kümmerts mich, weshalb aus dem Recken Siegfried ein elegischer König Günther geworden? Vielleicht, daß ihn die Schlechtigkeit der Welt, in speeie der Börse und ihrer Freunde so gestimmt hat, vielleicht auch, daß der Zorn noch einmal einen grimmen Hagen aus ihm macht. Ich bin mehrfach aus den Kreisen der berufsmäßig Bank- und Börsengeschäfte Betreibenden mit dem Ausdruck des Erstaunens darauf aufmerksam gemacht worden, daß Herr Regierungsrath Dr. Freund selbst den Berufskreisen entstamme, welche er vom hohen Pferde seiner patentirten »Moralien" herab glaubt abkanzeln zu dürfen. Mich gehen die Familienverhältnisse des Herrn Dr. Freund gar nichts an. Ich kann auch das Erstaunen nicht theilen. Es hat stets Leute gegeben, welche eine Veränderung ihrer socialen Position, die sie für eine Verbesserung halten, dadurch markirten, daß sie zu den Scheiterhaufen, die die vorhandenen Vorurtheile ihrer neuen Kaste den Angehörigen ihrer früheren errichten, Holzscheite oder in deren Ermangelung doch Strohwische herbeischleppen. Ich weiß es, daß der Bolksmund diese Art von Legitimation nicht liebt: er spricht — Plebejer, wie er ist — von Vögeln, die ihr eigenes Nest beschmutzen. Auch ich ziehe ja die Methode jener Kaufmannstochter am Hofe Friedrich Wilhelm's IV. vor, die auf die Frage eines Höflings, womit doch ihr Vater gehandelt habe, schlagfertig erwiderte: »Stets mit Verstand", worauf der König zustimmte: »Und die Tochter setzt das Geschäft mit Glück fort". Aber das find Geschmackssachen."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.