Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 29 (18.7.1902)
- Date
- 1902-07-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 478 dr. Vlvch's WockMlchrifl. Nr. 29 Bon Herrn Josef Mandl für das israel. Altersversorgungshaus .K 10— für den israel. Handwerkerverein.„ 10'— für den israel. Studenten-Unterstützungsverein. „ 10 — für den israel. Waisenverein.„ 10 — Spenden im Gemeindebethause XV., Turnergaffe 22: Bon Herrn Director Alexander Hecht für die „Chewra- Kadischa" im XV. Bezirke.L 2 — t Herrn Max Kohn für die Verköstigung armer israel. Schulkinder., 4*— Des Weiteren wird mitgetheilt eine Zuschrift des Herrn kais. Rathes Adolf RuLieka, mit welcher derselbe sein Mandat als Obmann der Bezirkscommission für die Bezirke VI und VH mit Rücksicht auf seine geschäftliche Ueberbürdung zurücklegt. Der Präsident bemerkt hiezu, es empfehle sich, diese Demission nicht zur Kenntniß zu nehmen, vielmehr an Herrn kais. Rath RuLiöka das Ersuchen zu richten, das bisher in mustergiltiger Weise bekleidete Ehrenamt auch weiterhin im Interesse der Gemeinde zu behalten. (Allgemeine Zustimmung.) Die Mittheilung des Bethausvorstandes für die Gemeindetempel Stadt und Leopoldstadt, betreffend seine Neuconstituirung, nach welcher zum Obmanne desselben Herr Vice-Präsident Doctor Gustav Kohn, zum Obmann-Stellvertreter Herr Dr. Markus Spitzer gewählt wurden, wird zur Kenntniß genommen. Desgleichen die beifällig aufgenommene Erklärung eines Stipendisten der Dr. Adolf Sack s'schen Techniker-Stiftung, betreffend seinen Verzicht auf das Dr. Adolf Sack s'sche Stipendium per X 600.— p. a. mit Rücksicht auf ein ihm mittlerweile von der k. k. n.-ö. Statthalterei zugewendetes weiteres Stipendium. Seitens der k. k. n.-ö. Statthalterei ist eine Zuschrift eingelangt, daß der verstorbene Privatier Herr Julius Joachim Fcänkel letztwilllg ein Capital von Sechshunderttausend Gulden (1,200.000 Kronen) ö. W., von welchem seiner Gattin lebenslänglich der Fruchtgenuß zustehen soll, zur Errichtung von Stipendien im Betrage von fl. 200—500 für arme Studirende israelitischer Confession an der Wiener Universität, ohne Unterschied der Nationalität, gewidmet habe. Der Präsident erwähnt, er glaube sich mit den Anwesenden in Uebereinstimmung zu finden, wenn er der Dankbarkeit für den verewigten Testator Ausdruck gebe, und hebt hervor, daß diese hochherzige Widmung umsomehr zu begrüßen sei, als bisher nur eine verhältnißmäßig geringe Anzahl von Studenten-Stiftungen bestehe, bezüglich deren der Cultusgemeinde eine Jngerenz zustehe. Mehrere anwesende Herren Vorsteher, wie Herr Vicepräsident Dr. Kohn, Vertreter Ritter von T a u s s i g und Oberbaurath T a u ß i g schließen sich der Dankesäußerung an mit der Bemerkung, daß diese Stiftung erst nach dem hoffentlich in später Zeit zu erwartenden Ableben der Witwe zur Persolvirung gelangen werde. Im Präsidialberichte gibt der Präsident weiters rücksichtlich des abgelaufenen Halbjahres ein Bild des Standes der Finanzen der Gemeinde, sowie der Eingänge an Cultussteuern und Gebühren. Anläßlich einer an das Präsidium gelangten Zuschrift der Obmännin des Ehren-Damencomitss der Versorgungsanstalt der israelitischen Cultusgemeinde Frau Jda Diamant, welche den Antritt ihrer Urlaubsreise mittheilt,« hebt der Vorsitzende die mustergiltige Thätigkeit dieses Comitss und insbesondere der genannten Dame bei Ausführung dieses Ehrenamtes dankend hervor. UeberAntrag des Vertreter-Collegiums wird einer Aenderung des Statutes des Israelitischen Blinden-Jnstitutes in Wien, auf Grund des Referates des Ersten Secretärs kais. Rath Dr. Lieben die Zustimmung ertheilt. Namens des Vertreter-Collegiums referirt Herr Baurath von Goldschmidt in Spitalsangelegenheiten und beantragt die Ernennung eines Hilfsarztes für die medicinische Abtheilung im Sinne des Spital-Statutes. Die Plenar-Bersammlung beschließt, das Vertreter-Collegium zu ermächtigen, diese Angelegenheit im Einvernehmen mit der Spitalscommiffion der Erledigung zuzuführen. Namens der Schulcommiffion referirt Herr Director Simon über den Lehrplan für den israelitischen Religionsunterricht am Mädchen-Lyceum des Schulvereines für Beamtentöchter. Der vom Referenten ausgearbeitete und von der Schulcommiffion genehmigte Entwurf gelangt zur Annahme. Den wichtigsten Gegenstand der Tagesordnung bildeten die Anträge der Schulcommiffion, betreffend die Hebung des israelitischen Religionsunterrichtes an Mittelschulen und die Förderung des Jugendgottesdienstes für die Schüler dieser Lehranstalten. An das von Herrn Director Simon erstattete ausführliche und instructive Referat knüpft sich eine längere Debatte, an welcher sich die Herren Bezirksschulrath Dr. Spitzer, Ritter v. Taussig, Bice-Präsident Dr. Kohn und Ober-Finanzrath Dr. Rappaport betheiligen. Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit dieses Gegenstandes, weiters auf den Umstand, daß in der heutigen Sitzung nur zwanzig Vorstandsmitglieder anwesend seien, wird von mehreren Seiten die Fortsetzung der Berathung in einer für diesen Zweck besonders einzuberufenden möglichst vollzähligen Plenarsitzung gewünscht und wird demgemäß dieser Gegenstand vertagt. Entsprechend den Anträgen des Vertreter-Collegiums werden an Subventionen bewilligt: für den Turnverein „Zion" für das Jahr 1902 eine Subvention von L 100; für den Verein „Gemileth Chesed" im II. Bezirke eine Aushilfe von X 300, ohne Präjudiz für die Anerkennung dieses Vereines als Bethausverein; für den Tempelverein „Chewra Beth Hatfilah" im IX. Bezirke, zur Deckung des Deficites pro 1901 eine Nachtragssubvention von L 1200; für den israelitischen Tempelverein in Döbling zu der für das Jahr 1902 bereits ausgezahlten Subvention von L 1200 eine außerordentliche Subvention von weiteren X 1200 gegen die Verpflichtung des Vereines, den Gottesdienst bis Ende dieses Jahres aufrecht zu erhalten und die in seinen Diensten stehenden Functionäre bis dahin in bisheriger Weise zu honoriren. Des Weiteren gelangt das von Herrn Vicepräsidenten Dr. Gustav Kohn erstattete Referat über die Regelung des Verhältnisses der Cultusgemeinde zum Bethausvereine im XI. Bezirke unter den vom Vertreter-Collegium beantragten Modalitäten zur genehmigenden Kenntniß. Dem Ansuchen des Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judenthums, betreffend die Errichtung einer Koscherfleischbank im VI. Bezirke, wird unter den vom Referenten Herrn Dr. Alfred Berger vorgeschlagenen Modalitäten stattgegeben. Dem mit dem Vereine „Adass Jisroel“ zu schließenden Uebereinkommen, betreffend die Pauschalirung von Rückvergütungen für Schächtgebübren, wird die Zustimmung ertheilt. Das Ansuchen eines Vereines um Zustimmung zur Errichtung eines neuen Bethauses wird mangels der statutarisch vorgesehenen Bedingungen im Sinne des Antrages der Commission für Cultus- und rituelle Angelegenheiten abgelehnt. Eine anläßlich des Pessachfestes zur Ausgabe gelangte, nicht budgetirte Post für rituelle Verköstigung wird nachträglich genehmigt. Endlich wird eine Reihe von Steuer- und Personalangelegenheiten nach längerer Debatte, an welcher die Herren Vertreter Dr. Steiner, Ritter v. Taussig, kaiserl. Rath Hirsch, Gottlieb Taussig, Baurath Ritter v. Goldschmidt, Director Simon, Ober-Finanzrath Dr. Rappaport, Wilhelm Kuffner und Bicepräsident Dr. Kohn sich betheiligen, der Erledigung zugeführt. Das Amt von Berificatoren für das Protokoll dieser und der vorhergegangenen Plenarsitzung übernehmen auf Antrag des Präsidenten die Herren Cultusvorsteher Eltbogen und Ober- Finanzrath Dr. Rappaport, worauf die Sitzung um halb 9 Uhr Abends geschlossen wird. Wien. (Marcus Antokolskij.) Das jüdische Volk betrauert den Tod eines seiner größten Künstler, Marcus A n t o k o l s k i j's, dessen Heimgang aus Paris gemeldet wird. Antokolskij war seit mehreren Jahren krank; um seine erschütterte Gesundheit herzustellen, war er von Paris, wo er unfähig war, nach Homburg auf der Höhe gereist. Dort hat ihn der Tod ereilt. Die Leiche des Künstlers wird nach Paris gebracht, doch dürfte sie nicht in Frankreich begraben werden, da Czar Nikolaus, der den Hinterbliebenen ein in den herzlichsten Ausdrücken abgefaßtes Condolenztelegramm sendete, den Wunsch geäußert hat, daß die sterblichen Ueberreste des berühmten Künstlers in heimatlicher Erde ruhen mögen. In der Geschichte der bildenden Künste wird der russische Bildhauer Antokolskij jedenfalls einen Ehrenplatz erhalten; sein Name wurde in Rußland und Frankreich schon in den Siebziger-Jahren sehr bekannt und hochgeschätzt. England nahm bereits 1872 einen Gypsabguß seines ersten Hauptwerkes „Iwan der Grausame" unter die