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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-07-18 · 29 (18.7.1902) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
29 (18.7.1902)
Date
1902-07-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 29 Dr. Bloch's Wochvnfthrifl. Seite 477 richtige und maßgebende. Alle gesetzlich erlaubten Strafen sollen Besserungsmittel sein, und der Lehrer soll nie und nimmer das Recht haben, sie in einem anderen Sinne anzuwenden, als zur Besserung und Veredlung des auf Abwege gerathenen Schülers. Alles, was eine falsche Auffassung des jugendlichen Geistes und Gemüthes herbeiführen könnte, muß vermieden werden. Die körperliche Strafe erzeugte stets nur Trotz und Bitterkeit im Herzen des gestraften Schulkindes, hatte aber nie die angehoffte Besserung zur Folge. In früheren Zeiten bediente man sich bei uns, wie in allen Staaten, der körperlichen Strafe, und dennoch blieb die Zahl der Entarteten stets dieselbe. Wenn die Schnlstrase für die braven, fleißigen und charaktervollen Schüler, in deren Gegenwart sie auferlegt wird, eine Vorbeugungsmaßregel ist, so ist sie dagegen für den renitenten, gegen die Schuldisciplin handelnden Schüler ein Hemmungsmittel. Die Schulzucht (nicht die entehrende Körperstrafe) wird den sittlich herabgekommenen Schüler heilen. Zahlreich sind die Schwierigkeiten, die den Lehrer umgarnen, so oft er in die Lage kommt, von seinem Rechte Gebrauch zu machen. Er wird Herr seiner unerquicklichen Situation nur durch die bestehenden Schulgesetze, die über ihm stehen, die keine körperliche Strafe zulassen, die seiner Vernunft als Führer in der größten Aufregung, seinem Geiste als Leuchte dienen und ihn gegen strafgerichtliche Verfolgungen und gegen unangenehme Verantwortungen schützen. In der Erziehungslehre heißt es: „Der Kreis, innerhalb dessen die Schule ihre Strafen zu wählen vermag, muß sorgfältig gewählt und ausgemessen werden. Es können Leibes-, Freiheits- und Ehrenstrafen angewendet werden. Jede derselben berührt einen im Schüler stark wirkenden Trieb. Aber jede hat auch in ihrer Anwendung Schwierigkeiten und Gefahren. Sie müssen daher mit großer Vorsicht angewendet werden. Eine Ehrenstrafe setzt voraus, daß der Schüler sich der innerlichen Unehrenhaftigkeit seiner Handlung bewußt ist. Dadurch erscheint die Strafe als Ausdruck des Urtheils seines inneren Richters. Eine Freiheitsstrafe ist angezeigt, wenn der Schüler gerade diejenige freie Zeit, welche er zu Arbeiten für die Schule hätte gebrauchen sollen, zu Müssiggang oder Schlechterem mißbraucht hat. Daß die Körperstrafe unter allen Züchtigungen dieienige sei, welche den Schüler am meisten erniedrigt und herabwürdigt, ohne ihn zu bessern, ist unleugbar". Der Grund zu diesem höchst betrübenden Phänomen ist in dem Umstande zu suchen, daß die körperliche Strafe den ungehorsamen Menschen nicht nur körperlich herunterbringt, sondern auch moralisch erniedrigt. Seinerzeit hat man für die Beibehaltung von Torturen eben so plaidrrt, wie eben jetzt im mährischen Landtage für die Wiedereinführung der körperlichen Schulstrafe, und dennoch sehen wir, daß die öffentliche Moral in der gegenwärtigen Zeit weit höher steht, als sie in jener Zeit stand, wo man sich der Tortur als Mittel zur Erzwingung von Geständnissen bediente. Und soll denn wirklich eine gründliche Besserung, eine moralische Besserung, eine Besserung im wahren Sinne des Wortes durch körperliche Strafen, welche das theilweise verstockte Herz eines Schülers ganz verstocken, hergestellt werden? Eine gründliche, vollständige Besserung kann vielmehr durch Anregung und Belebung des sittlichen Bewußtseins, durch Stärkung der inneren moralischen Kraft des Schülers gelingen. Ich bin also der festen Ueberzeugung. daß die Moral in dem Maße wächst, wie die Zahl der dem Volke vor Augen gehaltenen abschreckenden Beispiele — zu welchen die im gedachten Landtage angeregte körperliche Strafe zählt — abnimmt. Wien-Josef st ad t, 8. Juli 1902. Dr. Adolf Hahn, Rabbiner. Johann Gottiieb Seume und das Studium der hedraifchen Sprache. (Literarische Skizze.) Das Erwachen und die allmälige Ausbreitung des hebräischen Sprachstudiums zur Zeit der Reformation hatte zur Folge, daß sich ein reger Wechselverkehr zwischen den Gelehrten beider Glaubensbekenntnisse bildete. Christliche Philologen und Theologen, die nach einer gründlichen Kenntniß der hebräischen Sprache und Literatur Verlangen trugen, verkehrten gerne mit Juden und suchten Belehrung bei ihnen; sie correspondirten bei ihnen und bewunderten ihr reiches und tiefes Wissen umso mehr, je schwieriger ihnen selbst das Studium der hebräischen Sprache ward. Und so entstand ein intimer Umgang zwischen jüdischen Meistern und christlichen Jüngern, doch blieb derselbe in der Regel nur auf das Studirzimmer beschränkt.*) Erst in der nachlutherischen Zeit, namentlich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in der sogenannten Humanitätsperiode, traten Männer, die die deutsche Nation mit Stolz die Ihren nennt, zu einer heiligen Allianz zusammen, um die herrschenden Vorurtheile in Religion, Philosophie und Kunst zu zerstreuen und zu vernichten. Es sind dies namentlich jene Geistesheroen, die außerhalb des Judenthums standen, die sich aber den Männern eng anschlossen, die innerhalb des Judenthums eine sittlich-veredelnde Wirkung ausübten. Bon diesen Sternen am deutschen Literaturhimmel, wie z. B. von Leffing, Herder, Goethe. Dohm, Zschokke u. A. m., zu reden, hieße Bekanntes wiederholen. Doch scheint es mir zur Charakteristik des damaligen Geisteslebens und des Studien ganges auf den deutschen Hochschulen von nicht geringer Bedeutung zu sein, einen Ausspruch Seume's aus seiner Autobiographie zu citiren. „Des Hebräischen", so läßt er sich wörtlich vernehmen,**) „hörte ich bei Dathe sehr viel und sehr fleißig, und ich erinnere mich, daß ich damals Dutzende Psalmen und ganze Capüel aus den anderen Büchern auswendig wußte. Es war blos Bedürfniß des Wissens, um nicht hinter den Anderen zurückzubleiben.Oft hatte ich einen großen, schweren hebräischen Codex, ich glaube von van der Hoogt, an dem ich hin und her schwitzte. Und Jedermann, der mich so Hebräisch treiben sah, mußte glauben, ich würde wenigstens der zweite Michaelis ***) werden, oder gar ein neues, eigenes morgenländisches Licht; es dauerte aber nicht lange, und seit der Zeit habe ich diesen Artikel so ganz vergessen, daß ich kaum mehr weiß, was Schwa und Mappik und Kal und Hitphael ist; denn ich glaube, ich habe seit 1780 kaum wieder eine hebräische Zeile gelesen." So hatte auch der „Spaziergänger nach Syraeus", dem guten Ton der damaligen Gelehrtenwelt folgend, eine Zeit lang das Studium der hebräischen Sprache, wenn auch als Dilettant, eifrig gepflegt, um neben dem Griechischen des Neuen Testaments auch das Alte im Urtext lesen und interpretiren zu können. B i s e n z. Rabbiner D r. Josef Hoff. Correspondenzen. Aus der Plenarsitzung des Barstandes der israelitischen Cultusgemeinde Wien vom 10. Juli 1902, unter dem Vorsitze des Präsidenten kaiserl. Rath Klinger. Beginn der Sitzung um 5 Uhr Nachmittags. Aus dem Einlaufe werden zur Kenntniß gebracht an Spenden: Bon Herrn Josef Siebenschein, an die „Israelitische Allianz" für die rumänischen Emigranten . . L 200'— „ Herrn Julius Weiß, für den Verein „Chewra Kadischa" in Wien .. 50'— „ Herrn Emil Pollak in Palermo, für die israelitische Armen-Anstalt.. 10'— „ Bon Frau Cilli Bexger, für arme Waisenkinder „ 6'— Aus den Sammelbüchsen im Stadttempel für die israelitische Armen-Anstalt.. 173'42 für die Chewra-Kadischa.. 110'86 Spenden im Gemeindebethause I., Seitenstettengaffe 4: Von Herrn Dr. Philipp Türket für die österr.-israel. Allianz.K 10*— für das israel. Blinden-Jnstitut.. 10'— „ Herrn Salomon Kohn für das israel. Taubstummen-Jnstitut.. 25 — für den ifrael. Waisenverein.. 25 — „ Herrn Bernhard Hirsch für das israel. Taubstummen-Jnstitut.. 10'— für den israel. Waisenverein.. 10 — *) Vgl. Ludwig Geiger: „Das Studium der hebr. Sprache in Deutschland". Breslau 1870. **) M. G. Seume: „Mein Leben". Seite 43 f. Berlin. Hempel'scher Verlag. ***) Johann David Michaelis (gest. 1764) Orientalist, Professor an der Universität Göttingen, bekannt durch die Uebersetzung der Bibel (13 Bde.), zu der er durch Lesstng veranlaßt wurde.

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