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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-07-11 · 28 (11.7.1902) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
28 (11.7.1902)
Date
1902-07-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 468 Dr. Blockes Wochenschrift. Nr. 28 sammte Arbeiterschaft der Fabrik, der Veteranenverein aus Gewitsch, der unter dem Protectorate des Feldmarschall-Lieutenant Prinz Lamoral von Thurn-Taxis steht, dessen Ehrenmitglied der Verewigte war, mehrere Feuerwehrvereine, die Lehrerschaft der ganzen Umgebung, die Baron Königswarter'sche Beamtenschaft von Schebetau. n. s. w. Tief ergriffen stimmte Herr Cantor Fuchs, affistirt vom Tempelchor, in musterhafter Weise die Trauergesänge an. Herr Rabbiner David Keßler hielt dem Dahingeschiedenen einen tiefempfundenen Nachruf, sowohl in Hausbrunn als auch am Friedhöfe in Gewitsch, indem er die Verdienste des Dahingeschiedenen um seine Firma, die ihm anvertraute Arbeiterschaft, die Menschheit, die Gemeinde in trefflichem Bilde schilderte, bis er zur Schlußfolgerung kam, daß der Verblichene den Namen Moses stets in würdiger Weise getragen, seinen Kindern eine Erziehung angedeihen ließ, wie es das Judenthum erfordert. Ein Arbeiter trat inmitten der Menge entblößten Hauptes hervor und sprach in czechischer Sprache namens der Arbeiterschaft in kn zen aber tiefempfundenen Worten ihren Lenker, Leiter den innigstgefühlten Dank aus. Herr Dr. Törk als Cultusvorsteher verabschiedete sich am offenen Grabe im Namen der Cultusgemeinde, sodann wurde der Leichnam der Mutter Erde übergeben, mit welchem leider ein Theil unserer Gemeinde abgebröckelt wurde. Wolin, 2. Juli 1602. Sanistag den 28. Juni starb in Wällischbirken Frau Rosa Popper, Gattin des Productenhändlers Herrn Heinrich Popper im Alter von 63 Jahren plötzlich an Schleimschlag. Die Verblichene gehörte zu jenen still wirkenden jüdischen Frauen, deren Herz voll Liebe und Treue für den Glauben der Väter stets erglühte. Fromm erzogen, fromm gelebt und fromm gestorben, damit ist ihr Lebensweg gezeichnet. Sie war eine stille Woh'lthäterin, die in edler Weise für alles Gute wirkte und schaffte. Das Leichenbegängniß gab denn auch Zeugniß von der großen Liebe und Hochachtung, deren sich gute Menschen stets erfreuen. Herr Rabbiner K r a n o aus Woduan schilderte in ergreifenden Worten die Tugenden der Verschiedenen. An ihr möge sich das herrliche Wort erfüllen: „Es werden ihre Werke in den Thoren ihr Lob verkünden immerdar!" Pisek. Am 15. Juli findet im israelitischen Tempel zu Oderberg die Trauung des Fräulein Jda Friedländer, Tochter unseres langjährigen Mitarbeiters rc. Herrn Rabbiner Dr. Friedländer in Pisek, mit Herrn Josef G r u b n e r, Chef der Firma Schenker u. Grnbner in Bielitz, statt. Tachau. (Todesfall.) Am 3. Juli starb hier der langjährige verdienstvolle Vorsteher der hiesigen Cultusgemeinde Herr Nathan Steiner nach kurzem, schwerem Leiden. Die Beerdigung fand unter großer Betheiligung am 6. d. M. statt. Bazn. Am 29. Juni d. I. feierte die hiesige Gemeinde das 140jährige Jubiläum der „Chewra-Kadischa", aus welchem Anlaß zahlreiche schriftliche und telegraphische Glückwünsche uns zukamen; u. A. sandten Telegramme die Herren Rabbiner Reich (Budapest), Reich (Baden bei Wien), Duscht nszky (Nameszto), Duschinszky (R.-Palota). die „Chewra-Kadischa" Baden, die „Chewra-Kadischa" Trenczen, die Herren Bernarth Truka, Roth, Schwarz, Zachmann, D i am a n t u. s. w. Schriftlich gratulirten u. A. Ehrwürden Herr Rabbiner I. Reich (Mrtorkesz), Herr Leopold Schönhauser und besonders Herr Adolf Bänhegyi (Wien). Programmgemäß fand eine Festfeier in der Synagoge statt, an welche sich ein Bankett im Gemeindehause schloß. Krakau. Herr Professor Josef R o s e n b l a t t ist zum Präsidenten der 295 Mitglieder umfassenden Advocatenkammer Westgaliziens gewählt worden. Diese angesichts des hier grasiirenden Antisemitismus doppelt bedeutsame Wahl ehrt in gleicher Weise den Gewählten wie seine Wähler. Pars. Oberst Valabregue ist zum Director der Artillerieschule ernannt worden. Berlin, 1. Juli. Wie man mittheilt, ist in der letzten Sitzung des Curatoriums der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums Herr Dr. I. Elbogen vom Collegio Rabbinico in Florenz zum Docenten gewählt worden. Derselbe wird seine Stellung schon am 1. October d. I. antreten. New-Pork. (Salomon Schnur's Eltern aus Schmach und Noth befreit.) Dr. Marcus Neustädter, der Vorsitzend<des Comitss, welches den jungen Salomon Schnur nach Oesterreich gesandt hat, um die der Ermordung des Knabens angeklagten Eltern desselben von dem schrecklichen und ungerechten Verdachte zu reinigen, führte bei einer Sitzung des Comitßs, welche in der Synagoge der galizischen Gemeinde in der Attorney Str. stattfand, den Vorsitz. Louis Zeltner, der den jungen Schnur nach Oesterreich gebracht hatte und kürzlich zurückgekehrt war, legte den Anwesenden eine Bescheinigung der Wiener Behörden vor, daß der Knabe richtig abgeliefert worden sei. Ihm wurde der Dank des Comitäs in warmen Worten votirt. Rabbiner Dr. H. Pereira Mendes, der Schatzmeister des Fonds, hielt eine längere Ansprache, in der er darauf hinwies, daß die Israeliten in Amerika nicht ruhig zuschauen würden, wenn einer der Ihrigen in Europa mißhandelt würde. Dr. Neustädter berichtete, das Comitä habe Dollars 180.— gesammelt, indessen Dollars 225.— verausgabt, so daß noch ein Deficit zu decken sei. Z-rimr». Nach wahren Begebenheiten erzählt von Richard Rolfs. (Schluß.) Es war am Abend des Begräbnißtages. Der Schmerz der Witwe war unermeßlich, dennoch durfte sie sich demselben nicht vollständig überlassen, denn schwere Sorgen drückten ihre Brust. — Nicht nur der Gatte, der Geliebte ihres Herzens, war ihr entrissen, auch den Ernährer der Familie hatte sie verloren, an ihr war es nun, Brod zu schaffen für sich und ihre Kinder — Mit gerungenen Händen saß sie da und starrte verzweiflungsvoll vor sich nieder und hörte schwerlich die tröstenden Worte, die Wiesner in der ihm eigenen milden Weise an sie richtete. Da ward an die Thür geklopft und auf das einladende „Herein"' des ältesten Sohnes trat ein hochgewachsener Herr von ehrfurchtgebietendem Aeußern in das Zimmer. „Verfluchter Jud'!" murmelte Poldi, ohne sich von seinem Sitze zu erheben, seine Mutter aber sprang auf und eilte laut schluchzend dem Ein getretenen entgegen. „Herr Kohn! Herr Kohn! Sie haben so viel für ihn gethan, wie kann ick Ihnen danken? —" Sie neigte sich und wollte seine Hand an ihre Lippen ziehen, er aber zog sie rasch zurück. „Nicht, nicht, Frau Meier! — Ein solcher Barbar werde ick doch nicht sein, mir von einer Dame die Hand küssen zu lassen. — Ich wollte nur nicht länger zögern. Ihnen mein innigstes, aufrichtigstes Beileid auszusprechen. — Niemand kann es besser wie ich ermessen, wie viel Sie verloren haben — habe ich ihn doch auch verloren!" „Er ist mit allen Fasern seines Herzens an seinen hochverehrten Chef gehangen", schluchzte die Witwe. „Auch ich habe ihn hochgeschätzt", entgegnete Kohn. „zehn Jahre hat er bei mir gearbeitet mit musterhaftem Fleiß und strengster Rechtlichkeit." „Er war von seltener Pflichttreue", fiel Wiesuer ein. Herr Kohn nickte zustimmend. „Wer ihn gekannt hat, muß ihm das Zeugniß geben. Meine Familie, die gegenwärtig in Reichenhall weilt, hat mich ersucht, Ihnen, meine liebe Frau Meier, auch in ihrem Namen die wärmste Theilnahme auszudrücken, ganz besonders hat mich meine Frau darum ersucht. Sie läßt Ihnen sagen, Sie möchten sich nicht allzu schwere Sorgen machen, die seltene Rechtlichkeit des Verewigten werde seinen Hinterbliebenen ein Fürsprecher sein. Und wenn Sie vielleicht Näharbeit wünschen, möchten Sie sich nur immer an meine Frau wenden —" »Ihre Frau Gemahlin ist so gütig", flüsterte die Witwe, „so sehr gütig, ich nehme ihr edles Anerbieten mit vielem Dank an". Kohn schüttelte den Kopf. „Ich habe Ihnen auf Wunsch meiner Frau ihr Anerbieten mitgetheilt, daß Sie es jedoch ohneweiters annehmen, sagt mir nicht zu. Näharbeit ist sehr anstrengend und wird zu schlecht bezahlt. Um sich und Ihre Familie durch Nähen zu ernähren, müssen Sie voraussichtlich allzuoft einen nicht geringen Theil Ihrer Nachtruhe opfern —" Sie zuckt die Achseln, „das läßt sich nicht ändern, ich muß meine Kinder ernähren." „Aber vielleicht ließe sich eine weniger anstrengende und besser honorirte Beschäftigung für Sie finden, würden Sie mir einen flüchtigen Einblick in Ihr Haushaltungsbuch gewähren?" „Gerne. Lisi, gib das Buch dort Herrn Kohn." Die Kleine gehorchte und Kohn schlug es auf. „Aber das ist ja ganz kaufmännisch geführt", sagte er sichtlich überrascht, „und Ihre Schrift ist superb, Sie haben eine vollständig ausgeschriebene Hand." „Ich war vor meiner Verheiratung drei Jahre Caffierin in einem bedeutenden Confectionsgeschäft und drei Jahre Correspondentin."

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