Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 28 (11.7.1902)
- Date
- 1902-07-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Dr. Bloch's Wochrnsrtzrifk. Seite 463 -ir. 28 und Hersch Tabak, Geld für ihre Stimmen gegeben haben. 15. I o z e f M a j k a hat dem Jan Matwijczuk erzählt, daß er für seine Stimme fünf Kronen bekommen hat. 16. Bazyli B i e l a n i k hat angeblich demselben Zeugen und dem Mateusz Brykowicz erzählt, daß er zwei Kronen bekommen habe. 17. Marko Hamulewicz soll angeblich einem gewissen I u s k i e w i c z, dem Josef P o t i ch e und Simon Feinberg erzählt haben, daß er vierzig Kronen erhalten habe. 18. Stefan L i t w i n soll dem Mateusz Brykowicz erzählt haben, daß er zwei Kronen erhalten habe. 19. Mateusz Brykowicz behauptet, er hätte gesehen, daß der früher erwähnte Bazyli Szoldra im Wahllocale Legitimationskarten ausgetheilt hat, unter Anderen auch an einen Nichtwähler, den wiederholt abgestraften Schuster Gawrzecki. 20. I e d r z e j K r z e m i e n i e ck i soll angeblich statt seines Bruders gestimmt und dafür 2 Kronen erhalten haben. 21. Ein gewisser S e n i k, aus dem Vororte Gaje, soll angeblich seine Legitimationskarte dem Franciszek Puzak für zwei Kronen verkauft haben. 22. Jan Krzyry, 23. Daniel Michatowicz, 24. I ü z e f B r o j a k, 25. Babecki D m y t r o, 26. Wawrzyniec Ryzowski, 27. Jüzef Chmurko, 28. Grzegorz Kozduba, 29. Jedrzej Fatendysz, 30. Dmytro Fatendysz. 31. Jan R z e L n i c z e k und 32. Gabriel Litwin sollen angeblich Jeder für die Stimme, respective für die Legitim ativnslarte, eine Krone erhalten haben. 33. Michat Przydzimirski, 34. Wotrubiec Jan oder L u k a s z, 35. Jan L a s o ck i und 36. Szott Franciszek sollen angeblich ihre Legitimationskarten für 10 Kronen verkauft haben. Die Positionen von 20 bis 36 inclusive beruhen auf polizeilichen Recherchen und beziehen sich auf Personen, die als Wahlhyänen bekannt sind. Weitere polizeiliche Recherchen haben ergaben, daß 37. Franciszek Püzak.K 300.— 38. Jüzef Krajewski .- 200.— 39. Züdik Zeller.„ 50.— 40. Jüzef Scherer.. 30.— 41. David Krell.„ 10.— 42. Simon Fuchs. 2.40 43. Leisar Heller. 4.— 44. Schaja Rosenblum. 10.— 45. Jüzef Maruszczak., 30.— 46. Teodor Morcz. 25.— 47. Abraham Scharf. 10.— 48. Stanislar Kisilewski . . . „ 10.— 49. Grzegorz Drohut. 4.— 50. Jan Rudakowski. 5.— 51. Jgnacz Gawrzewski . . . . „ 5.— 52. Gabriel Litwin.* 5 — 53. Tomasz Luczkiewicz . . . . „ 5.— 54. Jan Kotowicz ..«, 5.— 55. Miko 1 aj Maksymovicz . . . „ 7 — 56. Tomasz Korczyüski . . . . , 4.— 57. Bazyli Wolaüski ., 8.— 58. Roman Korczyüski. 5.— 59. Jüzef Maciewicz .„ 10.— 60. Obere Jgnacy.„ 10.— 61. Jedrzej Rychlicki . 10.— 62. Jan Nowicki.„ 5.— aus dem Agitationsfonde des Dr. Dulemba zum Theile für ihre erbärmlichen Wahlstimmen,-zum Theile für ihre Legitimationskarten und zum Theile für ihre werkthätige Unterstützung durch die Beistellung anderer feiler Wähler und fremder Legitimationskarten erhalten haben. Als Zeugen für die Richtigkeit der letztangeführten Fälle, von 37—62, haben sich angeboten: Josef Potiche, Simon Feinberg, Gabriel Feinberg, Dawid Vogel und Hersch Sygall. Auf diese Weise wäre der Verlauf der Ergänzungswahl Tarnopol—Brzezany nach Möglichkeit dargelegt worden — wir können nun getrost zum Schlußworte übergehen. Es ist kein wesentlicher Unterschied, ob Dr. Dulemba oder Dr. Landau in den Reichsralh gelangt wäre, eine neue Aera würde im Parlamente weder mit dem Eintritt des Einen, noch des Anderen anbrechen. Beide sind ganz gewöhnliche, einander vollständig ebenbürtige Dutzendmenschen, um die es sich in der ganzen Affaire gar nicht handelt. Andere Fragen werden durch diesen Protest auf's Tapet gebracht; Fragen, welche die Allgemeinheit betreffen, welche für den gesammten Staatsorganismus, für das Kronland, aus welchem dieser Schrei der Entrüstung und dcs Schmerzes sich entwindet, für die öffentliche Moral, für die Autorität der Verfassung, des Gesetzes und der Executive von der actuellsten Bedeutung sind. Wir wollen mittelst dieses Protestes herausbringen, ob wir in einem Rechtsstaate leben, od die verfassungsmäßig gewährleisteten Rechte an den Grenzen Galiziens ihre Wirksamkeit zu behalten haben, oder ob sie nach dem Belieben einer Clique gehandhabt und wann nöthig über's Knie gebrochen werden dürften? Wir wollen wissen, ob es sich mit der Moral eines constitutionellen Staatswesens in Uebereinstimmung brmgen läßt, daß Abgeordnete nominirt und der Wählerschaft zweier Städte mit Gewalt bei Anwendung von W a h l r a u b, Wahlschwindel und Stimmenkauf aufgedränzt werden? Wir wollen wissen, wer den galizischen Machthabern das Recht eingeräumt hat, das verfassungsmäßig verbriefte Bürgerrecht der städtischen Wählerschaft abzutrotzen, und ob es denn gar keine Hoffnung mehr darauf gibt, daß dieser maßlosen Willkür, dieser Vergewaltigung der Constitution und dieser Verhöhnung jeglichen Rechtes und jeglicher Moral ein Ende bereitet werde? Das ist der Zweck dieses Protestes — das ist der Grundgedanke, der ihn belebt! Wir wollen, daß dieser Willkür und diesem Unfug, welche das Land vergiften und zersetzen, ihm den schweren Vorwurf moralischer Verkommenheit einbringen und die eigentliche Ursache von allem Hader, aller Zerfahrenheit und allem politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Verfalle sind, wenigstens vor den Mauern unserer Städte ein Halt geboten werde! Wir wollen dies und hoffen, daß uns ein hohes Abgeordnetenhaus seine Hilfe in dieser Richtung nicht versagen und behufs Statuirung eines Exempels die angefochtene Wahl, als nichtig und mit widergesetzliche unmoralischen Mitteln erschlichen, aufheben wird. CorresoondMzen. Die Razzia gegen die jüdische Geschäftswelt. Der Nationalitätenstreit und die Racenhetze, die schon nahezu ein halbes Jahrhundert an dem Marke des vielgeprüften Staates Oesterreich zehren, haben schließlich eine eigenartige Form angenommen. Der Kampf schädigt überall die' jüdischen Kaufleute, die die Rechnung bezahlen müssen. Befinden sich die jüdischen Kaufleute in einen gemischtsprachigen Bezirk, in welchen die Deutschen prävaliren, werden sie von den Czechen angefeindet, wenn sie in politischer Richtung zu den Deutschen halten. Die Deutschen aber sind grundsätzliche Antisemiten und Gegner der Juden aus dem Standpunkte der Racentheorie. Deutsche sowohl als auch Czechen sind somit einig in der Befolgung des Grundsatzes: „Der Jude wird verbrannt". Der Jude ist es immer, der das Bad ausgießen muß. Da die Juden in denjenigen Kronländern, die von dem Nationalitätenstreite heimgesucht sind, im Handelsstande das größte Contingent stellen, so ist es begreiflich, daß