Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 28 (11.7.1902)
- Date
- 1902-07-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/3020846-3021439-3021468--11911-3036475- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sette 462 Dr Bloch's Wochenschrift. Ar. 28 man sich nicht zu bekümmern braucht. Die Hauptsache ist, daß der aufgebotene Apparat von Gendarmen und Dragonern seine Aufgabe erfülle und daß nicht allzuviele Wähler zur Ausübung ihres Wahlrechtes gelangen. Herr Obercommiffär Ziemba war sichtlich froh, daß die legitimen Vertreter der Gemeinde aus der Wahlcommission schieden, und nachdem er zwei beliebige Wähler an ihre Stelle berufen hatte, ging die Geschichte um xJ.Jk Uhr aufs Neue an. Nachdem aber im Sinne des Gesetzes giltige Wahlen nur bei einer legal zusammengesetzten Commission vorgenommen werden können, muß dieses Vorgehen des leitenden Wahlcommisiärs als gesetzwidrig bezeichnet und aus diesem Anlasse die Nichtigkeit des ganzen Wahlactes ausdrücklich gerügt werden, wobei noch insbesondere darauf hingewiesen wird, daß auf dem Wahlprotokolle die Namensfertigung zweier Mitglieder der Wahlcommiffion, des Dr. Luczakowski und des Moses Rappaport, die doch bis x/22 Uhr am Wahlact betheiligt waren, fehlt — was ebenfalls eine Nichtigkeit des Wahlactes begründet. Das Bild, welches die Vorgänge nach der Unterbrechung im Wahllocal boten, blieb dem bereits vorher geschilderten ziemlich gleich, es wäre denn, daß die Zulassung der Wähler noch möglichst zurückhaltender gehandhabt wurde und das Treiben der freiwilligen und bezahlten Agitatoren des Dr. Dulemba noch viel drastischer und schwunghafter zur Geltung gelangte. Viele Wähler zogen unverrichteter Dinge von der am Nachmittag durch 10 oder 12 Gendarmen bewachten, kaum einen Meter breiten Eingangsthüre des Wahllocales, welche vier, im Thürstocke einander gegenüberstehende Gendarmen, durch die man sich kaum mit genauer Noth durchzwängen konnte, besetzt hielten, ab, und als um 7 Uhr der Eingang gänzlich abgesperrt wurde, befanden sich noch über 150 Wähler vor der Thüre, die durch die oben eingehend geschilderten Manöver ihres Wahlrechtes beraubt worden sind, nachdem sie vergebens den Commissär Dniestrzanski zugerufen haben, daß sie den ganzen Nachmittag gewartet haben und von ihrem Wahlrechte Gebrauch machen wollen. Die Richtigkeit aller bis nun angeführten Behauptungen beweisen wir durch nachfolgende Zeugen: Bürgermeister Dr. Luczakowski. Vicebürgermeifter Ludwig Puntschert, Gemeinderäthe Dr. Jakob Horowitz, Dr. Celestyn Blaustein, Sparcaffendirector Joses Ingwer, Anton Stachiewicz, Baumeister Josef Oczeret, Herman Pomeranz, Bernhard Sternschuß, Mose Rappaport, Abraham Hartmann, den städtischen Polizeicommiffär Josef Silka, ferner die Wähler: Landesgerichtsrath Hirsch Gut, Advocat Dr. Marek Parnas, Advocat Dr. Severin Daniowicz, Advocat Dr. Stanislaus Czykaluk, Mediciner Dr. Siegmund Weißberg, Med.-Dr. Birkenfeld, Advocaturscandidat Siegmund Eisenstädter, Rentier Carl Rappaport, die Sparcaffabeamten Leon Sommer, Anton Domardzki und Stanislaus Samoleivicz, den Kanzlisten Asriel Eibel. den Kaufmann Konrad Lang, den Restaurateur Schulim Schargel, und erklären uns bereit, im Bedarfsfälle noch Hunderte andere Zeugen beizustellen. Das war also der Liebesdienst, welchen die politische Behörde dem Dr. Dulemba in Tarnopol geleistet hat! Daß dies nicht wegen seiner schönen Augen geschehen ist, wird wohl Jedermann zugestehen müssen, aber ob es Staatsinteressen gibt, welche eine derartige Machination, eine derartige Vergewaltigung eines gesetzlich geschützten autonomen Gemeindewesens, einen derartigen offenkundigen Wahlraub, eine derartige Entwürdigung der staatlichen Autorität, eine derartige Mißachtung der verfassungsmäßig gewährleisteten Rechte beschönigen könnten, darüber wolle ein Hohes Abgeordnetenhaus das erlösende Wort aussprechen. Es erübrigt uns noch, auf manche andere Gesetzwidrigkeiten zu verweisen, die bei dem angefochtenen Wahlacte vorgekommen sind und die die Nichtigkeit desselben darzuthun geeignet sein dürften. Wie bereits erwähnt, haben unbestellbare und zurückgelegte Legitimationskarten im gegenwärtigen Falle eine wichtige Rolle gespielt. Feile Individuen, die aus dem Geldsäckel des Dr. Dulemba geschöpft haben, trieben sich im Saale herum und hantirten besonders nach der Mittagspause, wo die Vertrauensmänner der Gemeindevertretung nicht mehr zugegen waren, mit denherrenlosen, ergatterten Legitimationskarten in der Weise, daß sie sie haufenweise auf den Commissionstisch legten, von wo sie, falls der Wahlzettel auf den Dr. Dulemba lautete, unbehindert in den Wahlact einbezogen wurden. Zu den Wahlacten konnten die Protesterhebenden keinen Zutritt erlangen, aber aus den Wahrnehmungen, die von den Wählern im Zuge der Abstimmung gemacht und notirt wurden und die wir hier anführen, können mit Leichtigkeit Schlüsse über den stattgehabten Unfug gezogen werden. 1. Abraham Goldberg wurde trotz vorgewiesener Legitimationskarte zur Abstimmung nicht zugelassen. Es hat sich nämlich yerausgestellt, daß irgend Jemand, dem offenbar ein Duplicat zugemittelt wurde, für ihn gestimmt hat. 2. M e i l e ch S e i d l e r ist bettlägerig, hat sich an der Wahl nicht betheiligt und dennoch hat Jemand für ihn die Stimme abgegeben. 3. H e r s ch F e l d m a n n ist in Amerika. 4. MechelDiwerin Wien. 5. Meier Adler st ein gestorben. 6. Benjamin Lauser war verreist. 7. Rubin Zellermaier ist vermißt. 8. JudaHirsch existirt nicht. 9. C h u n e Königsberg hat sich an der Wahl nicht betheiligt. 10. Jacob Halpern (Uhrmacher) war verreist. 11. Meilech Eisenklamm war verreist. 12. Jsak Rappaport 13. Israel Winkler 1 14. « b r a h a m R u m lBäck-y , fi(f| OTe an der Wahl nicht betheiligt. I 1 15. Dawid Flick 16. Markus Mauer 17. Koppel Landmann 18. Bielfeld Siegmund 19. Juda Hersch Klughaupt J 20. Mendel Jungfrau ist gestorben. 21. M e n d e l G r o ß ist gestorben. 22. I o s s e l R a ck e r ist in Amerika. 23. E l i e Salz existirt nicht, es ist eine Frau und heißt E t i e Salz. 24. G o l d e s Hirsch wohnt in Sniatyn und im Namen aller dieser 22 Leute wurde dennoch abgestimmt, offenbar durch Unberufene, die irgendwie in den Besitz der zurückgelegten Legitimationskarten oder der Duplicate gelangt sind. Als letztes und abscheulichstes Capitel lassen wir nun diejenigen Facta folgen, die sich als Stimmenkauf und gemeiner Wahlschwindel qualificiren und die dieser durch und durch anrüchigen Wahlaffaire die Krone aufsetzen. I. Eliasz Matwijczuk kommt in der Stimmliste vor, hat jedoch persönlich nicht gestimmt und offenbar Jemand an seiner Statt die Stimme abgegeben. 2 DemianLachman, 3. Jan Wierzbicki und■ 4. Stefan Bajdak haben ebenfalls persönlich nicht gestimmt. Es stimmten für sie ihre Söhne, und der Z e u g e Jan Matwijczuk wird bestätigen, daß der Sohn des Jan Wierzbicki, Jgnacy Wierzbicki, und der Sohn des Stefan Bajdak, Michal Bajdak, je zwei Kronen für diesen Liebesdienst erhalten haben. Derselbe Zeuge wird auch bestätigen, daß die Wähler 5. Mikosaj Szkolny, . 6. Jan Butryn, 7. Jan Nowicki, 8. Michal Rzezniczek und 9. Michal Litwin am Tage der Wahl Jeder zwei Kronen erhalten haben. 10. Tomasz Korduba und II. Stanislaw Szkwarkowski erhielten angeblich im Beisein des Bazyli Hladki, vom Diener des Vereines „Gwiazda" und von einem Manipulationsbeamten der Finanz- Bezirksdirection, jeder zwei Kronen. 12. Bazyli Szoldra, Amtsdiener oder Tagschreiber der Bezirkshauptmannschaft, soll angeblich eine Menge Wahllegitimationen bei sich gehabt und auch unter Anderen dem Jan Matwijczuk eine, und zwar die Wahllegitimation des Onufry Martinowicz, zu dem Zwecke übergeben haben, damit Jan Matwijczuk auf Grund derselben für Dr. Dulemba stimme. 13. Dem Jedrzej Laskowski und 14. dem Josef Karais (Sohn des Stefan) soll man nach den Behauptungen der Zeugen Antoni Juskiewicz