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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-07-04 · 27 (4.7.1902) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
27 (4.7.1902)
Date
1902-07-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Str. 27 Dr. Sloch's Wochenschrift. Seite 453 Vertreter: der Schuhwaarenfabrikant Moriz F u ch s, I. Cassier Philipp Blau, Kaufmann; II. Cassier David K a r p e l e s, Werkführer; I. Schriftführer Adolf K o h n, Elektrotechniker; II Schriftführer Ignaz K o h n, k. k. Beamter; I. Revisor Jacob K a r p e l e s, Spielwaarenfabrikant; II. Revisor Max B a l a s ch, Tapezierermeister; Ausschüsse: Wilhelm F a n t l, Tempelvorstand im XVIII. Bezirk; Ignaz Blau, Privatbeamter; Alexander B e r g s in a n n. Manipulant; Karl Hacker, Geschäftsleiter. Der Verein erfreut sich durch seine zehnjährige Thätigkeit auf dem Gebiete der Humanität des besten Rufes und verdient die Unterstützung aller Glaubensgenossen. Wien. (L e i ch e n b e g ä n g n i ß.) Donnerstag den 26. d. M. fand am israelitischen Friedhöfe die Beerdigung des Herrn Nathan Königsberger, Adjunct der israelitischen Cultusgemeinde, Secretär des Bethausvorstandes und Armenrath des II. Wiener Gememdebezirkes, statt. Eine imposante Trauergemeinde füllte den Ceremoniensaal des Centralfriedhofes. Es hatten sich eingefunden: Der Vicepräsident der Cultusgemeinde Landesschulrath Dr. Gustav K o h n mit den Vorstandsmitgliedern Baurath R. v.G o l d s ch m i d t, Baurath S t i a ß n y, Bezirksschulrath Dr. Marcus Spitzer, die Bethausvorsteher Moor, T e l t s ch e r und W a s s e r v o g e l, der Beamtenkörper unter Führung des Ersten Secretärs Herrn kaiserl. Rath Dr. Theodor Lieben, Religionsschulinspector Prof. K a n i tz, Prof. S u lz e r, Dr. H e r z f e l d, mehrere Religionslehrer, die Obercantoren Singer und Bauer, die Ersten Cantoren Schiller, Blatt, Jurberger, Peterselka, die Cantoren Smotritzky, Pekarnik, Schleifer und Seifert, L ö w i t h, die Armenräthe des II. Bezirkes, Abordnungen der Vereine „Montefiore", „Nächstenliebe" und „Der Wiener Dienstmann" unter Führung der Obmänner u. v. A. Selbst tief ergriffen, stimmte Obercantor Guttmann, assistirt vom ErstenCantor Blatt und vom Tempelchore, in meisterhafter Weise die Trauergesänae an. Rabbiner Dr. S ch m i e d l hielt dem Dahingeschiedenen einen tiefempfundenen Nachruf, in welchem er des Psalmendichters gedachte, der da sagt: „Wenn der Pilger immer fort wandert von Land zu Land, da führt ihn sein Weg zuweilen in das Thal der Thränen; doch gibt es dort eine Quelle, die alle Pilger aufsuchen sollen, um sich an ihr zu stärken und zu laben." Ein Thal der Thränen ist unser menschliches Leben, die Quelle darin, die Religion. An sie zu halten, in ihr Trost zu suchen, empfahl der greise Redner der gramgebeugten Witwe, den Kindern, die um den Gatten und Vater trauern, der, mit Gaben des Herzens und des Geistes reichlich ausgestattet, im 46. Lebensjahre den Seinen entrissen wurde. Namens der Beamten sprach nun Herr Secretariatsadjunct Julius Braun die folgenden rührenden Abschiedsworte: „Im Namen der Beamtenschaft bringe ich Dir, theurer College, den letzten Gruß, den Gruß, mit welchem wir tieftrauernd von Dir Abschied nehmen. Die Trauer, die wir empfinden, läßt uns den Schmerz begreifen, den die theure Gefährtin Deines Lebens, Deine geliebten Kinder empfinden. Unvergeßlich bleibt uns die treue Freundschaft, die Du Deinen Collegen geweiht hast, unvergessen bleibt Dein offenes, gerades Wesen, Deine stete Bereitwilligkeit, auch dem Geringsten zu helfen oder doch zu rathen, unvergessen bleibt Dein stetes Wohlwollen gegen Jene, welche die ärmliche Sorge des Tages niederdrückt. In diesem Bilde haben wir Dich stets festgehalten. In diesem Bilde wahren wir Dir ein liebevolles Gedenken. Ruhe sanft!" Namens des Vorstandes des „Montefiore-Vereines" sprach Rabbiner Dr. R o s e n f e l d und würdigte in schwungvollen Worten die Verdienste des Dahingeschiedenen um den genannten Verein. Am Grabe sprach Prof. N a s ch e r mit gewohntem Schwung, sowohl im Namen der Bürger des II. Stadtbezirkes, als auch namens der „Kinder des Elends, die an des Heimgegangenen väterlicher Brust so oft ihre Thränen geweint", tiefempfundene Worte des Abschiedes und schloß die ergreifende Grabrede mit den Worten: „Darum heftete Dein brechender Blick sorgerfüllt auf den Deinen .... Freund, Du darfst ruhig schlafen, wer seine Dienste unserer Großgemeinde, den edlen Kämpen für Gläubigkeit und Menschenthum unterstellte, der bedarf keines Appells aus Gräbern an solche Herzen, an solche Lichtgestalten, Du dientest der Gesamnitheit, Du dientest treu der unvergleichlichen Körperschaft — die man bewundernd nennt auf dem ganzen Erdenrunde — und wer wie Du unentwegt stand auf der Warte seiner Pflicht, der ist nicht verlassen im Leben und im Sterben, dessen Lieben sind nicht vereinsamt, wenn die Krone von ihren Häuptern fiel . . ." Namens des Vereines „Wiener Dienstmann" sprach noch Worte inniger Antheilnahme Herr Adler. Geradezu ergreifend war es, als die Mitglieder dieses Vereines die Bahre ihres Ehrenpräsidenten zu Grabe trugen. — Mit der Absingung eines Trauerchorals endete die erschütternde Feier. Floridsdorf. (Religionslehrerconserenz.) Zum letzten Male vor der Bereinigung mit Wien fand unter dem Vorsitze Sr. Ehrwürden des Bezirksrabbiners Dr. M. Rosenmann die Conferenz der an den Volks-, Bürger- und Mittelschulen wirkenden Religionslehrer der Cultusgemeinde statt. Eingeleitet wurde dieselbe durch ein vom städtischen Lehrer Herrn Karl Ehrenfest erstattetes lehrreiches Referat. Welche Partien aus der hebräischen Grammatik sind bei der Uebersetzung aus dem Gebetbuche und aus der Bibel besonders zu berücksichtigen. An der hierauf folgenden Debatte betheiligten sich außer dem Herrn Vorsitzenden, welcher eine geschichtliche Entwickelung des grammatikalischen Schul- Unterrichtes in interessanter Weise gab, die Herren Ehrenfest sen., Eigner, Loinger, Löw, Werdeschein und Zelinka. Anläßlich des Scheidens der auswärtigen Herren Religionslehrer infolge Einverleibung Floridsdorfs mit Wien richtete Se. Ehrwürden warme Abschiedsworte an dieselben und forderte sie auf, nach wie vor mit Eifer die heilige Sache zu pflegen, um die Zukunft des Judenthums zu sichern. Mähr.-Weißkirchen. Am 23. Juni d. I. begann am hiesigen k. k. Staats-Obergymnasium unter dem Vorsitze des Herrn k. k. Landesschulinspectors Kuöera die mündliche Maturitätsprüfung. Unter 21 Abiturienten waren acht Juden, welch Letztere alle ein Zeugniß der Reife, theilweise auch mit Auszeichnung, erhielten. Unter den acht jüdischen Maturanten sind einige Wiener Kinder; es wird aus diesen Umstand mit dem Bemerken hingewiesen, daß diejenigen Eltern in Wien, welche ihre Kinder in der Stadt des schönen Betschwathales studiren lassen wollen, sich um Auskunftertheilung an den Bezirksrabbiner Herrn Doctor Jacob Rabbinowicz wenden können. Neusatz. Die Neusatzer israelit. Einwohnerschaft gründet unter dem Titel: Ujvidäker „Elisabeth" Humanitäts-Verein eine Vereinigung, deren Ertrag zu wohlthätigen Zwecken verwendet werden soll. Der Verein hat folgende wohlthätige Zwecke: Bekleidung armer Schulkinder, Unterstützung nothdürftrger Witwen, Ausbildung und Erziehung armer zurückgebliebener Waisen, Unterstützung hiesiger und zugereister Armen und Kranken, Linderung aller vorkommenden Nothlagen bei armen Familien. Die provisorische Leitung hat folgende Beiträge festgestellt: Einschreibegebühr 60 Heller. — Monatlicher Beitrag 40 Heller. Es ist vorauszusetzen, daß der humane Zweck sowie die geringen Beiträge eine groß; Anzahl von Mitgliedern sammeln werden, wodurch es ermöglicht wird, den Verein je eher ins Leben zu rufen. Die Constituirung des Vereines, Einschreibung der Mitglieder, sowie Bildung der Statuten erfolgt erst nach Einlauf von 100 Unterschriften. Kattowitz (Ober-Schlesien). Mittwoch den 16. Juli, Nachmittags 3 Uhr, findet in der Synagoge zu Beuthen (Ober- Schlesien) die Trauung des Herrn Simon Singer, Sohnes des Obercantors Herrn Joses Singer in Wien, mit Fräulein Else Gräupner aus Beuthen statt. Feuilleton. Gm Zeitbild. Nach wahren Begebenheiten erzählt von Richard Rolfs. (Fortsetzung.) Einige Monate waren verstrichen, Poldi hatte Wort gehalten, es war seither keine Klage wieder über ihn gekommen, daß er seine israelitischen Mitschüler durch Worte oder Thaten behelligt hätte, obgleich er nicht ausgehört hatte, im Geheimen die Gehässigkeit der Andern zu schüren und zu Tätlichkeiten zu reizen. Persönlich hatte er sich daran jedoch nicht mehr betheiligt und hatte den Kameraden offen erklärt, daß er durch die Krankheit seines Vaters gezwungen wäre, den Judenbengel zu schonen, dessen niederträchtiges Getratsch seine Familie brotlos machen könnte. Sein Vater war nämlich noch immer krank, und soviel Einsicht hatten selbst seine arischen Mitschüler, daß ein Kranker sich nicht um einen anderen Posten bewerben könne. Außerdem hatte er doch auch noch einen anderen Grund, den Judenbengel zu schonen, der ihm behilflich war bei seinen Schularbeiten, die er jetzt stets fehlerlos vorzeigen konnte. Doch trotz der scheinbaren hochherzigen Schonung seines arischen Schulnachbarn hatte Alfred Kohn durch die rohen Ausschreitungen seiner Mitschüler, die durch die unfläthigen Witze und Späße des bereits erwähnten Lehrers mehr und mehr ausgestachelt wurden, unendlich viel zu leiden. Es war in der Pause vor Begmn der letzten Schulstunde, Poldi stand mit zwei seiner intimsten Freunde in einem Winkel des Corridors im Schulhause, alle drei in eifrigem, jedoch leise geführten Gespräch. „Das wird eine Hetz' geben", flüsterte der Eine, indem er sich vergnügt die Hände rieb, „was der Profeffor nur wieder für Witze machen wird über die alten Juden, die schon vor

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