Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 27 (4.7.1902)
- Date
- 1902-07-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 450 Dr Vloch's Wochsnfchrifk. Nr. 37 Francs, damit er sämmtliche Spesen der Fahrt decke. Die Leute erzählten fürchterliche Dinge von den bestialischen Rohheiten, denen sie in Rumänien ausgesetzt waren. Einer der Emigranten, Jankl R o v i s b a n, wies seinen Militärpaß vor, in welchem es heißt, daß der Genannte ein heldenmüthiger, tapferer Soldat war. Weinend erzählten die Leute, daß ihnen nichts so schmerzlich war, als der Abschied von den Gräbern, wo ihre Theuren den ewigen Schlaf schlummern. Bon den reichen rumänischen Juden erzählten sie die größten Unbarmherzigkeiten, so z. B. ließ der Verlader Bankier Berl Wechsler einen schönen Palast aufführen, beim Baumeister aber bedang er sich, daß ja kein jüdischer Arbeiter angestellt werde, denn er wolle ein treuer Sohn Rumäniens sein. U. W.^J Statistik der Juden in Ungarn. Hiesige Blätter melden: „Die letzte Volkszählung in Ungarn im Jahre 1900 hat ergeben, daß von den 19,254.559 Einwohnern Ungarns 851.378 sich zum Mosaismus bekennen. Demnach betragen die Israeliten 49/m Percent der gesammten Bevölkerung. Im letzten Decennium des abgelaufenen Jahrhunderts vermehrten sich die Israeliten Ungarns um 126.156 gleich 14'84 Percent. Gegenüber der vermehrten Volkszahl beträgt jedoch die Zunahme der Israeliten blos *7io Percent. (Im Jahre 1890 ergab die Volkszählung, daß Ungarn 725.222 Israeliten habe, welche 47» Percent der Gesammteinwohner bildeten.) Von den 63 Cvmitaten Ungarns steht in Bezug auf die Seelenanzahl der Israeliten das Pester Comitat mit seinen 199.139 Israeliten oben an. Die wenigsten Israeliten — blos 873 — zählt das Comitat Fogaras in Siebenbürgen. Das Pester Comitat hat somit 23*/,o Percent der gesammten Judenheit des Landes. — Von den Städten nimmt selbstverständlich die ungarische Haupt- und Residenzstadt Budapest mit ihren 168.985 Israeliten, beinahe dem fünften Theil der Gesammtzahl, die erste Stelle ein; und zählt man die Israeliten des an das Budapester Stadtgebiet unmittelbar sich ansckließ.nden, baulich mit der Stadt eng verbundenen Ujpest (Neupest) dazu, so wächst deren Zahl sogar auf 176.316. Die Zahl der in den meisten Städten wohnenden Israeliten lassen wir hier in alphabetischer Reihenfolge der Städte folgen: Arad 6086, Baja 2212, Baregszäsz 2770. Bärtfa (Barlfeld) 1715. Borsa 1792, Besztecza (N-usohl) 1316, Brafsü (Kronstadt) 1198. Debreczen (Debrezin) 6192, Decz 1840, Eperjes 2106. ErmihLlyfalva 1042, Esztergom (Gran) 941, Fßlkgyhäza 1018, F. Bisü (Märamaros^ 2499, Györ (Raab) 3317, Huszt 1807, Kasia (Kaschau) 5276, KolozsvLr (Klausenburg) 4730, Komarom (Komorn) 2296, KaposvLr 2271, Körösmezö 1626, Kisvärda (Kleinwardein) 2614, Leva (Lewenz) 1259, Losoncz 1990. Maros-BasLrhely 1658, Munkäcz 6567, Märamaros-Sziget 6375, N'gy-Mihäly 1419, Nagy-Bocskä (Märämaros) 1054, Nyiregyhäza 3008. Päcs (Fünfkirchen) 3973. SzatmLr-Nsmeti 5287. Szabadka 3024. Szeged (Szegedin) 5863, Sopron (Oedenburg) 2440, S. A. Ujhely 4789, Szombathely (Steinamanger) 2635, Szolnok 1952, Szerencs 898, Szeben (Hermannstadt) 874, IzekesfehervLr (Stuhlweißenburg) 2788, Temesvär 5916, Ujvidek iNeusatz) 2079, UngvLr 4560, Väcz (Waitzen) 815, Zombor 882, Zsolna (Sillein) 1024. Bischof und Rabbiner. Aus Sanct-Georgen wird uns geschrieben: Am 26. d. ist Bischof Dr. Medard Kohl auf seiner Firmungsreise hier eingetroffen. Im Namen der Bürgerschaft vielt Bürgermeister JLnvska v. Gyulai eine Begrüßungsrede. Bischof Kohl empfing mehrere Deputationen, darunter auch die der israelitisch-orthodoxen Gemeinde. Rabbiner Samuel Rosenbaum richtete an den Bischof eine Ansprache, in welcher er u. A. sagte: „Nachdem unsere talmudiscken Weisen uns Israeliten es zur heiligen Pflicht gemacht haben, so wir eine welch' Glaubens immer von hoher Gottesgelehrsamkeit und himmlischer Weisheit erfüllte kirchliche Autorität von Angesicht zu Angesicht zu sehen bekommen, über ihn den Segen auszusprechen: .Gelobt seist Du, Ewiger, der Du einen Theil von Deiner göttlichen Weisheit einem menschlichen Wesen mittheiltest", so komme ich hiemit, Ew. bischöfliche Eminenz zu begrüßen, mit dem besagten Segen und mit Hinzufügung folgender Worte des königlichen Psalmisten David: .Gesegnet seien Sie beim Einzuge in unsere löbl. Stadt und gesegnet beim Auszug aus derselben." Bischof Kohl dankte dem Rabbiner für den Segen, wechselte mit 'hm mehrere Worte und verabschiedete sich mit den Worten: .Gott verleihe Ew. Ehrwürden ein hohes Alter." Um 4 Uhr Nachmittags verließ Bischof Kohl in Begleitung des Bicegespans Bartholomäus Klempa die Stadt, um sich nach Preßburg und Gran zu begeben. Orahoviea (Slavonien). Sonntag den 22. Juni weilte Se. Eminenz der Erzbischof von Agram Dr., P o s i l o v i c hier. Beim Empfange einkr Deputation der hierörtigen israelitischen Cultusgemeinde erwiderte Se. Eminenz die von Sr. Ehrwürden Herrn M. Tauber au Ihn gerichtete Begrüßungsansprache in sehr herzlicher und liebevoller Weise. Auch bei dem ihm zu Ehren veranstalteten Bankette bethätigte Se. Eminenz seine tolerante Gesinnung, indem der hochverehrte Kirchenfürst auf den gelungenen Toast des Herrn Tauber in seiner Antwort hervorhob: .Daß er die .Nächstenliebe", die sowohl im Alten Testamente geboten, als auch im Neuen Testamente vom Stifter der Religion als Fundament aufgestellt, nicht nur gepredigt, sondern auch bethätigt hat, und es freue ihn, Einigkeit und Harmonie zwischen den Confessionen in unserem Orte wahrzunehmen." Berlin. Unter dem Titel .Das Handwerk unter d e n I u d e n" ist ein sehr.interessanter und inhaltsreicher Vortrag soeben erschienen, der von Herrn Dr. Julius M o s e s im hiesigen „Verein selbstständiger Handwerker jüdischen Glaubens" gehalten wurde. Wir entnehmen demselben die folgenden allgemein interessirenden Mittheilungen: Anfang März d. I. hat der Verein einen Fragebogen über die Lage der jüdischen Handwerker in Berlin herausgegeben, der zur' Behandlung des angegebenen Themas reiches Material geboten hat, obwohl nur eine geringe Zahl jüdischer Handwerker denselben ausgefüllt hat. Ueber den allgemeinen Antheil der Juden am Berufsleben Berlins standen dem Vortragenden folgende Zahlen zur Verfügung: Handel und Verkehr 17.605, häuslicher Dienst, Tagelohn 209, öffentlicher Dienst, freier Beruf 2763, ohne Beruf 5590, Gesinde 798. In dem 4. Bande der vom Verein für Socialpolitik herausgezebenen Untersuchungen über die Lage des Handwerks in Deutschland befindet sich eine umfangreiche Studie über das Tischlergewerbe in Berlin. Dort heißt es, daß der Antheil der Juden, sowohl an den Selbstständigen wie an den Angestellten in der Holzindustrie größer ist, als Mancher vielleicht erwartet hätte. Das jüdische Element in der H o l z i n d u st r i e ist in der Vermehrung begriffen, und zwar besonders das der Angestellten. Ueberhaupt ergebe die letzte Berufsstatistik in Deutschland überall einen Rückgang des percentuellen Verhältnisses der Juden im Handel und rinen Fortschritt in der Theilnahme der Juden in der Landwirthschaft und namentlich im Handwerk! Nach dem letzten Berzeichniß der wahlfähigen Mitglieder der jüdischen Gemeinde zu Berlin waren 1068 jüdische Handwerker zu constatiren, wobei natürlich die Zahl der letzteren keineswegs die der thatsächlich Vorhandenen erschöpft, da mindestens noch 500 jüdische Handwerker als nicht steuerpflichtig zur jüdischen Gemeinde zugehörig anzunehmen sind. Von diesen 1068 steuerpflichtigen Handwerkern sind 252, also beinahe ein Viertel, Schneider. Die nächste Gruppe ist die der Werkmeister und Werkführer mit 108, dann folgen Kürschner 89, Buchdrucker und Schriftsetzer 82, Fleischer 43, Baumeister 40. Schuhmacher 39, Cigarren- und Cigarettenmacher 36, Elektrotechniker 35, Tapezierer 24, Goldarbeiter 22, Maler, Glaser, Uhrmacher je 21, Schlosser 19, Schmiedemeister, Buchbinder, Zahntechniker,Klempner je 16, Tischler, Chemiker je 15, Architekten 13, Färber 12, Photographen, Töpfer je 10, Mechaniker 9, Maurermeister und Bildhauer 8, Bäcker, Gärtner je 6, Drechsler, Zimmermeister je 4, Bürstenmacher, Vergolder, Sattler je 3, Gürtler 1. Von 150 steuerpflichtigen selbstständigen jüdischen Handwerkern nun beantworteten die Frage: „Waren sie bei einem Juden oder einem Christen in der Lehre?" 87 damit, daß sie bei einem Juden, 55 damit, daß sie bei einem Christen gelernt hatten; als Geselle resp. Gehilfe haben 51 nur bei Christen, 24 nur bei Juden, 63 bei beiden gearbeitet. Diese 150 jüdischen Handwerker beschäftigen in ihrem Gewerbe nur 22 jüdische Lehrlinge, nur 29 jüdische Gesellen gegen — man höre — 83 christliche Lehrlinge und 625 christliche Gesellen resp. Gehilfen (auch weibliche). Also diese jüdischen selbstständigen Handwerker beschäftigen viermal so viel christliche Lehrlinge als jüdische, und über zwanzigmal so viel christliche Gesellen als jüdische! Unter den vielen ungenauen, kaum zu verwerthenden Antworten befinden sich auch einige ganz eigenartig erscheinende: so z. B. die eines Drechslermeisters, daß es jüdische Drechslergesellen überhaupt nicht gibt. (??) Ob nun in der That an und für sich so wenig jüdische Handwerksgesellen vorhanden sind, ob solche in so geringem Maße