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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-07-04 · 27 (4.7.1902) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
27 (4.7.1902)
Date
1902-07-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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'«■ - jjiJMtfM.JlM.lHHIL.LHHH— Seite 44« Dr. Bloch's Wvchenschrrst. Nr. 27 nur durch Verleumdung, nur durch Denunciarion ward es ihr möglich, den Kampf gegen den Gegner zu einem siegreichen Ende zu führen. Das Denunciren ward ihm zur Gewohnheit, und die Wähler fanden an dem Denuncianten Geschmack. Herr Herzog, der seine verlassene Braut ins Criminal bringen wollte, ward ins Parlament entsendet; dort kämpft er wacker gegen die Liguori-Moral, gegen jüdische Corruption und erfüllt voll und ganz seine Pflichten als alldeutscher Mann. * * * Die Bilder aus dem alldeutschen Familienleben, die die Affaire Wolf-Seidl bot, sind durch den Proceß Herzog in anmuthiger Weise vermehrt worden. Die alldeutschen Bräute sind keineswegs um ihr Glück zu beneiden; die Art, wie Herr Wolf mit Frau Seidl, Herr Herzog mit seiner ehemaligen Verlobten verfuhr, ist äußerst sonderbar. Sonderbarer aber noch ist das Benehmen der nächsten Anverwandten jener Mädchen, die, irdischen Walküren vergleichbar, offenbar vom Schicksal den Beruf haben, das Leben der alldeutschen Helden zu versüßen. Herr Dr. Tschan und Frau Dr. Tschan, Vater und Mutter der Frau Seidl, bewundern nach wie vor Herrn Wolf; das kleine Abenteuer, welches Herrn Wolf um die Freundschaft des Herrn Schönerer brachte, vermochte nicht, ihm die Herzen der Schwiegereltern des Professors Seidl abwendig zu machen. Der Bruder jenes Mädchens, welches Herr Herzog eines so schändlichen Verbrechens beschuldigte, verkehrt mit diesem Ehrenmann freundschaftlichst weiter; kleine Denunciationen scheinen die Freundschaft unter Alldeutschen zu erhalten. Die Verführer der Mädchen werden von den Familien derselben hochgeschätzt und hochgeehrt, das ist die Anti-Liguori-Moral. wie sie sich in all- oder oftdeutschen Kreisen herausgebildet. * * * Die Wähler, die diesen Mann ins Parlament entsendet haben, verdienen ihr Schicksal; denn sie waren gewarnt worden, sie wußten, welch' ungeheuerliche Beschuldigungen gegen den Mann ihres Vertrauens erhoben worden waren. Und doch erschien ihnen Herr Joseph Herzog als der richtige Mann, um das Deutschthum vor seinen Feinden zu retten, um deutsche Art und Sitte würdig zu repräsentiren. Der Denunciant als Volksvertreter — das ist die antisemitische Specialität in unserem parlamentarischen Raritätencabinet. Die »Christlich-Socialen" haben Herrn Pfister die Salvator-Medaille verliehen, die »Deutschnationalen" wählen Herzog in den Reichsrath. Proseffor Spika — amovirt. Wie verlautet, ist der Proseffor am k. k. Staatsgymnasium im XVH. Wiener Bezirke, Johann S p i k a, welcher Ende December 1901 wegen Beleidigung der Familie K o p st e i n durch brutale antisemitische Schimpfreden zu einer Geldstrafe verurtheilt wurde, im Disciplinarwege von seiner Lehrtätigkeit an der genannten Anstalt enthoben worden. Die Judenverfolgungen in Rumänien. Eine Versammlung jüdischer Universitätshörer in Lemberg beschloß, eine Action zu Gunsten der rumänischen Juden einzuletten. und hat ihr Bedauern darüber ausgedrückt, daß die jüdischen Mitglieder des Abgeordnetenhauses die Judenverfolgungen in Rumänien bisher nicht zur Sprache gebracht haben. General-Oberst v. Lo« und der alte jüdische Husar. Der von General-Oberst v. Loö erwähnte tapfere alte Husar heißt Moses Bier und lebt hier als Viehhändler. Er war während des Feldzuges 1870/71 Ordonnanz bei General v. Strubberg. Zur galizischen Reichsrathswahl. Wenn man naive Seelen suchen will, reise man nach Galizien; dort wohnen Menschen die noch den Glauben haben, daß Wahlproteste was nützen und daß es überhaupt eine Gerechtigkeit gebe. Wir, die ältern und erfahreneren Leute, sind über diesen Glauben hinaus, wie gebildete Menschen über Ammenmärchen und Köhlerglaichen. Wir wiffen, daß seit der Schaffung des Polenclubs und Nationalisirung der Behörden die Wahlen aufgehört haben und an ihre Stelle die Nominirungen getreten sind. Der Polenclub, das ist der Convent, der alle' Zweige der Verwaltung beherrscht, indem er, mittelbar, den Statthalter, den Landmarschall, den Oberlandesgerichtsprästdenten, den Finanz-Landesdirector nominirt, den Landsmannminister designirt und Mandate vertheilt. Grocholski, ein robuster Charakter, hat den Grundstein zu diesem fortificatorischen Bau gelegt, den Jaworski, ein feiner Kopf, ausgebauet; darin sitzen unangreifbar die polnischen Geheimräthe mit ihrer gutgedrillten Leibgarde und commandiren nach Oben und Unten, im Lande, im Landtage, im Reichsrathe und selbst die Ministerbank. Gab es doch eine Zeit, wo vier Polen im Ministerrathe saßen, ein Pole das Aeußere verwaltete, ein Pole die Verhandlungen des Reichsrathes leitete und wieder ein Mitglied des auf Gegenseitigkeit gegründeten Clubs an der Spitze der österreichischen Staatsbahnen stand! Und diesem Club oder seinem Statthalter soll eine von ihnen gewollte Wahl annullirt werden! Das gibt es einfach nicht; das wäre ja die Auflösung des Polenclubs, dessen meiste Mitglieder in Folge künstlicher Majoritäten und geschickter Escawotagen ins Parlament kamen! Wirklich schade um den gut gearbeiteten Protest und um die Kosten, die die Recherchen verursachten, und wenn ein galizischer Advocat noch so wenig Erfahrung hat, einen Wahlprotest gegen die Intentionen des reichsräthlichen Polenclubs einzubringen, der verdient nicht, gewählt zu werden! Die Todten die man gegen ihn geweckt, wandeln lustig unter den Lebenden, und die Lebenden die man eingesargt, sind, bis aus Steuerzahlung, politisch todt. Uns ist es übrigens egal, wer da hineinkommt. Uniformirt und disciplinirt sind sie Alle, ob es der Pfarrer von Bohorodzany oder der Wunderrabbi von Belz ist. Bei Wahlen in anderen österreichischen Ländern, wo es sich um Clericale, Nationale, Liberale, Feudale und wie sonst die Nuancen des zerfetzten Deutschthums heißen, handelt, ist der Kampf gerechtfertigt, denn es ist ein großer Unterschied, ob man durch einen Ehrenmann wie Dr. Kopp oder durch einen erbärmlichen Commandanten wie Wolf vertreten wird — in Galizien kommen die verschiedenen Qualitäten in dasselbe Bassin, ob sauer oder süß oder dumpfig. Alles wird im Club egalisirt und Ein Commando dirigirt Alle. Jaworski steht auf — Alle erheben sich. Jaworski bleibt sitzen — Alle, die da stehen, setzen sich nieder. Jaworski stimmt mit Ja oder Nein — der Chor fällt ein. Die Deutschen könnten sich ein Beispiel an dieser individuellen Selbstverleugnung zu Gunsten der Partei nehmen. Ich will damit nicht behaupten, daß es unter den jüdischen Clubmitgliedern nicht ganz tüchtige Männer gebe — Byk. Kolischer, Rappaport — aber sie sind nicht selbstständig; sie können nicht, was sie wollen, und dürfen nicht, was sie sollen; sie werden an der Leine geführt, mitunter von Männern die geistig unter ihnen stehen. Was liegt uns und dem Parlamente und der Regierung also daran, wer die Zahl des Polenclubs complettirt? Uebrigens kann man jahrelang im österreichischen Abgeordnetenhause sitzen und zehntausend Gulden Diäten einheben, bis über einen Protest entschieden wird. Eine Krähe hackt der Andern die Augen nicht aus und der betreffende Referent dürfte sich unter zwei Augen vertraulich sagen: »Bei meiner Wahl war es auch nicht anders; da erschienen die Todten und verschwanden die Lebenden". Baden bei Wien. Leo Herzberg-Fränkel. Arische Schwurgerichlsurtheile. Das von F. G. I l g e r herausgegebene und von Joseph Strecha redigirte Witzblatt »Kikeriki" hatte sich im vorigen Jahre eine ernste Rubrik eingerichtet, betitelt »Zur Judenfrage", in welcher es aus alten Jahrgängen antisemitischer Blätter längst widerlegte, zum Theil erlogene Geschichten reproducirte. Hiebei widerfuhr diesem Witzblatte, daß es eine im Jahre 1898 im »Deutschen Volksblatt" erschienene Mittheilung abdruckte, welche eine Reihe der schwersten Beschuldigungen gegen den Kaufmann Moritz Gutmann enthielt und wobei es übersehen hatte, daß diese Mittheilung im »Deutschen Volksblatt" Gegenstand einer Preßklage gewesen war und daß damals der Redacteur dieses Blattes, Hans Arnold Schwer Abbitte geleistet hatte und die Kosten bezahlen mußte. Herr Moritz Gutmann, welchem nachgesagt war, daß er vor 20 Jahren eine von der Taglöhnerin Johanna Samu gefundene Regimentscasse im Werthe von 130.000 Gulden dieser betrügerischen Finderin dadurch entlockt habe, daß er ihr jedesmal für 1000 Gulden zehn Gulden gab (die Taglöhnerin Samu habe Ziffern nicht lesen können) und daß an dem so erworbenen Vermögen das Blut des Hauptmannes Grafen Jennison, welcher, untröstlich über den Verlust, sich erschossen hatte, klebe rc. rc. — brachte durch Dr. Wilhelm Schneeberger die Preßklage gegen F. G. Jlger und Joseph Strecha.beim Wiener Schwurgerichtshofe ein, über welche am 32. November 1901 die

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