Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 27 (4.7.1902)
- Date
- 1902-07-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 27 Dr. Bloches Wochsnfchrist. Seite 447 Mose XV, 6: „So wirst du vielen Völkern leihen, und du wirst von ££ schwer zu finden. Die Scythen, das sind die Schotten, bilden den Niemandem borgen. Du wirst über viele Völker herrschen, und überM Uebergang. Und während man bisher in den Nestorianern, Afghanen, dich wird Niemand herrschen." Hierzu stimmt wörtlich eine Ansprache,^ den Beni-Jsrael Indiens, den Karenen von Burmah, den Fidji-Jnsudie im Jahre 1878 der Marquis von Lorne als General-Gouverneur lanern und den amerikanischen Rothhäuten die verlorenen zehn Stämme von Canada vor einer Deputation französischer Canadier hielt. Er - Israels wiederzusinden geglaubt hatte, wird jetzt klar, daß sie nur sagte u. A.: „Wir beherrschen Franzosen in Canada und auf Mauritius, auf den britischen Inseln wohnen können. Dies sind die „Inseln der Spanier auf Trinidad und Gibraltar, Italiener auf Malta, Deutsche See", von denen Jesaias an vielen Stellen spricht, und das „nördliche auf Helgoland, Holländer in Südafrika, Chinesen in Hongkong — Land", das Jeremias erwähnt. Daß von diesen Inseln aus das Volk von den Millionen über Millionen Asiaten nicht zu reden. Aber wo ist sich ausbreiten und andere Länder colonisiren muß, prophezeite der kleinste Landstrich, auf welchem englisch sprechende Männer unter Jesaias, als er XLIX 20 schrieb: „der Raum ist mir zu enge, fremder Flagge leben und den Gesetzen eines fremden Gouverneurs - rücke hin, daß ich bei dir wohnen möge". Jesaias LX erwähnt noch gehorchen?" Diese Worte des ehemaligen General-Gouverneurs von einmal ausdrücklich die Inseln zusammen mit den Schiffen von Canada klingen wirklich so, als habe er obige Bibelstelle im Sinne Tarschisch, welche „deine Kininr von ferne herzubringen» sammt ihrem gehabt oder auch die Worte Genesis XVIII 18 von dem „großen und Silber und Gold". Tarschisch aber, so sagen die Ausleger*), ist ein mächtigen Volke", in dem alle Völker auf Erden gesegnet werden sollen. Seevolk, ein Handelsvolk, ein colonisirendes Volk, ein Industrie Ein noch dentlicherer Hinweis auf das britische Weltreich wird treibendes und ein kriegerisches Volk, Tarschisch ist Israel — zum in die Prophezeiung Genesis XXII > 7: „dein Same soll besitzen die T h o r e s e i n e r F e i n d e" gefunden. Diese „Thore seiner Feinde" sind die Kohlenstationen, die England in allen Welttheilen besitzt. Port Said wird als „Thor des Herrn" gedeutet. Constantinopel (das allerdings noch nicht englisch ist, aber wo England doch Einfluß hat) ist die „Hohe Pforte", Aden liegt am Bab-el-Mandeb (Thränenthor), Kapstadt ist das Eingangsthor von Südafrika. Bombay, Madras und Calcutta haben Britifch-Jndien eröffnet, und Weihaiwei ist der eine Flügel des Thores von Petschili. Der andere ist das russische Port Arthur. Die starke Zunahme der angelsächsischen Race, ihre Sonntagsheiligung und ihre religiöse Missionsthätigkeit werden auch als Thatsache angeführt, die im Alten Testamente prophezeit sind. Dann wird auf viele Bibelstellen hingewiesen, die auf die kriegerischen Neigungen des modernen England und auch auf seine Flotte Bezug haben. Die Schiffe von Tarschisch sollen den Einfall von Gog (Rußland) in Palästina znrückschlagen. (Ezechiel XXXVIII.) Und daß England die wüsten und verwüsteten Länder besitzen soll, steht Jesaia XLIX 8 zu lesen: „daß du das Land aufrichtest und die verstörten Erben einnehmest". Die Bibel ist seit Jahrhunderten bekannt. Zehntausende von Theologen haben sich die Jahrhunderte hindurch bemüht, in die Prophezeiungen der Bibel Einklang zu bringen und haben es nicht vermocht — es fehlte ihnen das nöthkge grundlegende Schema, wonach sie die Prophezeiungen ordnen und dadurch periländlich machen konnten. Erst seit Gott das britische Weltreich mit seinen zahllosen Eolouirn hat entstehen lassen, Gott den Engländern die „Pforten ihrer Feinde" gegeben, sie mit dem Zeichen der Sabbath-Heilignng versehen hat und „Pölker und Völkerhanfen" England unterthan geworden sind, haben sich alle Schwierigkeiten der Bibelauslegung gehoben und die einzelnen Prophezeiungen harnzoniren wunderbar mit einander. So argumentiren die Mitglieder und Freunde der ,,Lritisd l8iael Association“, und Tausende von bibelfesten Engländern hören diese Botschaft und glauben daran. Die „Lritisb Israel Association“ geht aber über diese weit verbreiteten Glaubenssätze noch weit hinaus. Sie lehrt, daß die Erfüllung der alttestamentlichen Prophezeiungen durch die Engländer gar nicht möglich gewesen wäre, wenn die Engländer nicht selbst von den alten Israeliten abstamniten und selbst die eigentlichen modernen Israeliten wären. Hier geht diese Glaubensrichtung vielleicht über das hinaus, was die Mehrheit des englischen Volkes für glaubhaft hält. Doch die zahlreichen Leser des „Banner of Israel“ und der Monatsschrift „Ibe Covenant People“ glauben auch . dies. Und als vor wenigen Jahren im „Morning Herald“ eine Discussion über diese Fragen eröffnet tvurde. vertrat eine ganze Anzahl Einsender mit fester Ueberzeugung die Ansicht, daß England mit Israel identisch sei. Ein Geistlicher in Wolverhampton, Fredcrik A st o n, schreibt: „Das in den Prophezeiungen verheißene große und mächtige Reich ist ein wirkliches, nicht blos ein geistiges Reich. Wenn wir nicht dieses Reich sind und wenn wir nicht für Gottes woblthätige Zwecke in der Welt wirken — welches Reich ist es dann? Alle die Israel gegebenen Prophezeiungen von Weltmacht, Reichthum Colonisation, Größe und Gedeihen sind an uns erfüllt. W i r evangelisiren als Gottes Zeugen die Welt, wir senden das Wort Gottes und Missionäre in alle Zonen, ganz wie es Israel verheißen wurde. Wenn wir nicht Israel sind, dann hört die Nothwendigkeit aller dieser Dinge für uns auf. Ich für meinen Theil glaube daran, daß wir es sind, und in dem Glauben genieße ich zugleich das Behagen, zu wissen, daß alle continentalen Nationen uns hassen." Die Niederlassung Tausender polnischer und ruffischer Juden in Whitechapel und Maida Vale wird ein bedeutungsloses Ereigniß, wenn man die weit größere und historisch ungleich wichtigere Einwanderung der Angelsachsen in England mit Hilfe des Handbuches „British-lsrael-Truth“ als die eigentliche israelitische Einwanderung betrachten lernt. Unter Jerobeam und Rehabeam trennten sich die zehn Stämme Israel, Ephraim genannt, von dem Hause Judah, das in Jerusalem regierte. Das Haus Judah sündigte, kam in die babylonische Gefangenschaft, kehrte zurück unter Esra und Nehemiah, nachdem es sich mit syrischem und arabischem Blute vermischt hatte. „Die zehn Stämme aber", schreibt Josephus, „kehrten nicht zurück, sie leben jenseits des Euphrat noch heute und find in ungeheurer Zahl". Von „jenseits des Euphrat" bis England ist der Weg nicht Unterschiede von Judah, und das Haus Israel istGroßbrrtannren. Nebenbei muß auf zwei Unterschiede hingewiesen werden: erstens auf den Unterschied zwischen Judah und Israel, und es muß betont werden, daß nur Judah, nicht Israel, in der Blbel als „Juden" bezeichnet wird. Zweitens wird darauf hingewiesen, daß wesentliche Unterschiede zwischen Engländern und Deutschen bestehen. Deutschland ist anders regiert als England, das Zeitwort hat im Deutschen eine andere Stellung als im Englischen, und überhauvt haben die Angelsachsen bei ihrer Auswanderung nach England keine näheren Verwandten auf dem Continente zurückgelaffen. Wäre dies Alles nicht der Fall, so könnte man zu dem Schluffe kommen, daß die Prophezeiungen des Alten Testamentes auch auf die Deutschen anwendbar seien. Zuzufügen ist nur noch die Thatsache, daß die heraldischen Thiere Löwe und Einhorn, die das Wappen des Pereinigten Königreiches von Großbritannien und Irland halten, die heraldischen Embleme der beiden Häuser Judah und Ephraim waren. Micha V, 7 heißt es in Bezug auf den (britischen) Löwen: „Ja, die Uebrigen aus Jacob werden unter den Heiden bei vielen Völkern sein, wie ein Löwe unter den Thieren im Walde, wie ein junger Löwe unter einer Heerde Schafe, welchem Niemand wehren kann, wenn er dadurch gehet, zertritt und zerreißet." Und noch deutlicher wird vom britischen Einhorn gesagt, Deuteronomium XXXIII, 17: „Seine Herrlichkeit ist wie ein erstgeborener Ochse, und seine Hörner find wie Einhörners Hörner; mit denselben wird er die Völker stoßen zu Haufen bis an des Landes Ende. Das sind die tausend Ephraim und die tausend Manasse." („Franks. Zeitung".) Correspondenzen. Der Denuneianl als Volksvertreter. (Zum Proceß Herzog.) Wien, 28. Juni. Herr Joseph Herzog, der als echter Alldeutscher doch gewiß in Gottes- und Gerichtssaalfurcht auferzogen ward, hat in einem schwachen Augenblick das Dogma seiner Partei, den Gerichtssaal zu ehren und zu scheuen, vergessen. Er ließ sich hinreißen, jene Stätte zu betreten, auf der sich so mancher seiner Gesinnungsgenossen so schmerzliche Niederlagen geholt hat; ungewarnt durch die abschreckenden Beispiele des Proceffes Pattai contra „Volksblatt" und Bergani contra Wolf, wagte er das Abenteuer. Beschuldigt, ein abscheuliches moralisches Verbrechen begangen zu haben, appellirte der alldeutsche Erwählte des Volkes an die Richter des Volkes. Er hat das Schlachtfeld fluchtartig geräumt, da er sah, daß es für ihn keine Rettung gäbe. Trotzdem der Proceß nicht zu Ende geführt wurde, war doch der gestrige Tag kein verlorener. Was wir aus den Niederungen — beinahe könnte man sagen: aus den Raderungen — unseres öffentlichen Lebens erfuhren, bildet eine sehr werthvolle Bereicherung unserer Kenntnisse. Wir haben wiederum gesehen, welche große, ja entscheidende Rolle bei jenen Parteien, die Ehrlichkeit, Treue, Anständigkeit gepachtet haben, Verleumdung und Denunciation spielt; wir haben gehört, daß der Spion und Angeber die wichtigste Persönlichkeit im politischen Kampfe geworden ist; wir haben eine förmliche Bande von Delatoren an der Arbeit kennen gelernt. Das Denunciantenthum steht in voller Blüthe, der Naderer ist wieder, wie in den Zeiten des schlimmsten Absolutismus, eine stehende Institution geworden. Daß die widerlichste Abart der volksverhetzenden Demagogie, der Antisemitismus, das Nadererthnm auf eine ungeahnte Höhe brachte, das ist eine selbstverständliche Erscheinung. Der Verleumder, der Druunciant hat diese Partei groß gemacht; denn *) Vergl. Dr. Aldersmith „Fulness of Nations", S. 188—193.