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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-07-04 · 27 (4.7.1902) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
27 (4.7.1902)
Date
1902-07-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 442 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 27 mahne, so muß man ihm dies auch aufs Wort glauben. Man muß dies umsomehr, als Herr von Lo6 ausdrücklich betonte, daß er auch von seinem Standpunkt als Soldat alle Ursache habe, die Juden mit den Bekenneru des christlichen Glaubens auf gleiche Stufe zu stellen, und das ist nun die zweite Fabel, - die durch die interessante Rede des General-Obersten zerstört wird. Schon aus dem großen Werke des deutschen Generalstabes über den deutsch-französischen Krieg haben wir wiederholt eine Reihe von Stellen cttirt, in welcher der Disciplin, der Unerschrockenheit, dem Heldenmuthe der jüdischen Soldaten im deutschen Heere das glänzendsteZeugniß ausgestellt wird. Dieselben Erfahrungen hat man-auch-iu allen anderen Staaten mit den jüdischen Soldaten gemacht, nicht zum wenigsten in jenem Rumänien, welches die Juden als Fremdlinge, als Vagabunden behandelt, aber von ihnen die Blntsteuer fordert und es sich wohl gefallen ließ, daß im Befreiungskriege jüdische Soldaten im rumänischen Heere wahre Wunder de.' Tapferkeit verrichteten. Die Anerkennung des General-Obersten von Loö wiegt umso schwerer, als die deutsche Militär-Verwaltung den Vorurtheilen der christlichen Bevölkerung insoferne noch immer Rechnung trägt, daß die jüdischen Soldaten nicht zu Officieren avanciren können. Dem höchsten, durch das eiserne Kreuz gewürdigte» Verdienste steht demnach dort das höchste Unrecht gegenüber. Im österreichischen Heere war es lange Zeit anders, und mau hat hier die ausgezeichneten Qualitäten der jüdischen Soldaten sehr wohl zu schätzen gewußt. Es gab eine Anzahl jüdischer Stabsofficiere, welcher der höchsten Auszeichnungen theilhaftig wurden und geradezu als Muster soldatischer Strammheit und Tapferkeit gelten durften; nur freilich, zu Generälen konnten sie nicht aufrückeu. Nicht weil es ihnen an den erforderlichen Fähigkeiten dazu gebrach, sondern weil der Widerstand der cleriralseudalen Kreise gegen dieses Eindringen in eine von ihnen sorgsam behütete Domäne nicht zu brechen war. In den letzten Jahren haben antisemitische Strömungen leider auch in die Reihen der österreichischen Armee Eingang gefunden und unsere armen jüdischen Soldaten wissen von den Vorurtheilen, denen sie begegnen, ein trauriges Lied zu singen. Der Anstoß zu dieser Wendung kam nicht von Unten, sondern von Oben und deshalb muß mit besonderer Genugthuung das Lob verzeichnet werden, welches General - Oberst von Los als Dolmetsch der Gesinnungen seines Kaisers den jüdischen Soldaten im deutschen Heere zollt. Und noch eine dritte Fabel hat die Ansprache des deutschen Reitergeuerals zerstört. Die von den Jesuiten geflissentlich genährte Meinung, als ob die römische Curie, als ob der Papst als oberster Hüter des christlichen Glaubens die Feindseligkeiten gegen die Juden wünsche, oder fördere. Nach den Aufklärungen des Herrn von Loö kann kein Zweifel mehr darüber bestehen, daß Cardinal Rampolla im eigenen Namen, auf eigene Faust und im Namen der Jesuiten, aber nicht im Namen des Papstes handelt, wen er die Judenhetzer in aller Welt ermuntert und unterstützt. Der Papst, so sagt General-Oberst von Loö, umfaßt alle Andersgläubigen, die ehrlich sind, mit derselben Liebe und Achtung. Ueber die Frage der Ehrlichkeit erkennen wir unsere Feinde nicht als unsere Richter an. Sie haben die Blätter unserer Geschichte durchwühlt und sie haben, darin nichts finden können als Hunderttausende von Blutzeugen für unsere Treue zu Gott und zu jenen Fürsten, für deren Wohl sie in ihren Synagogeu beteten, während sie erbarmungslos niedergeschlachtet wurden. In allen Verfolgungen und Demütigungen der Jahrtausende war die Treue, die Hingebung und die Ehrlichkeit auf unserer Seite, die Lüge, der Verrath und die Unehrlichkeit auf Seite unserer Gegner. Wir wiederholen: Weder das Zeuguiß des Papstes, noch die Anerkennung des deutschen Kaisers können uns besser machen als wir sind, aber es ihut doch wohl, inmitten einer Welt von Gehässigkeit und Niedertracht, inmitten von Schimpf und Uuglimpf auch einmal die Wahrheit von berufener Seite zu hören. Die Antisemiten freilich werden weder durch die Berufung auf den duldsamen Geist des Stifters ihrer Religion, noch durch Kaiser und Papst eines Besseren belehrt werden, weil sie nicht belehrt sein wollen. Rumänischer „Man;". Vor wenigen Wochen hat der rumänische Ministerpräsident Sturdza die Zusage gemacht, er werde seine Meinung über die „Judenfrage in Rumänien" bekanntgeben und dadurch den Beweis liefern, daß und wie er diese Frage zu lösen beabsichtige. Nun ist der Schleier des Geheimnisses gelüftet. Merkwürdigerweise ist es das „Vaterland", von welchem Herr Sturdza diesmal sich interviewen ließ, um sein Licht in die Oeffentlichkeit zu bringen. Auch der Ort, wo er seine Gedanken preisgibt, ist beachtenswerth. In früheren Zeiten hat er mit liberalen Blättern geliebäugelt. Es scheint, daß er es fühlt, er passe in diese Gesellschaft nach der von ihm eingenommenen Haltung nicht hinein, da er sich unter die Flagge eines reactionären Blattes begibt. Er ist Fleisch von ihrem Fleische. Wir können nicht sagen Geist von ihrem Geiste — denn es ist bei ihnen nichts davon zu bemerken. Auch die neueste Enunciation des Herrn Sturdza enthält nichts, wonach man ihn wenigstens als geistreichen Mann bezeichnen könnte, selbst wenn man die Unwahrheit seiner Behauptungen oder die Leerheit seiner angeblichen Zusagen nicht in Betracht ziehen wollte. Da er aber rumänischer Ministerpräsident ist, auf die Geschicke seines Landes Einfluß übt, das Wohl und Wehe der Bewohner dieses Landes beeinflußt und da er — wie er sagt — ein Judenprogramm entwickelt, so müssen wir uns mit seinen Herzeusergießungen, die er dem Busen des „Vaterland" auvertraut har, befassen. Selbstverständlich leitet er seine Auseinandersetzungen mit finanziellen Bekenntnissen ein, denn das Geld ist dem Rumänen die Hauptsache und er gibt sich den Anschein judenfreundlich zu sein, weil er von den jüdischen Banquiers Geld haben will, wenngleich er es leugnet! Wenn man ihm Glauben schenken wollte, wäre Rumänien ein reicher Staat. Er versichert, daß er kein fremdes Geld braucht. Nicht einmal zur Rückzahlung der 1904 fälligen 175-Millionen-Anleihe braucht er Hilfe. Er wird sie niit eigenen Mitteln decken. Aber seine Rechnung hat ein Loch. Er weist bis l.904 eine Einnahme von nicht mehr als 30 Millionen auf und verlangt eine Verlängerung seines Sparsamkeitsbudgets bis 1909, um weitere 50 Millionen aufzubringen. Es müßte ihm also nicht blos zugewartet werden — wiewohl er stolz sagt, er gedenke nicht an die Thüre eines Banquiers im Auslande zu pochen — und er hätte denn auch erst 80 Millionen, d. h. um 95 Millionen zu wenig. Wie er diesen Fehlbetrag beschaffen wird, verschweigt er klüglich. Da er aber zwei jüdische Bukarester Banquiers als „Rumänen" in die Wolken hebt, wird er wohl an ihre Thüren, statt an die „Thüren der fremden Banquiers im Ausland pochen". Inzwischen aber will er das Volk „zur Sparsamkeit erziehen". Sturdza als Erzieher — wäre ein prachtvolles Sujet, wenn es sich nicht um Rumänen handeln würde. Sturdza ist nun seit mehr als 30 Jahren Staatsmann — aber sein Volk hat er noch immer nicht erzogen. Die „Gewohnheiten" der Rumänen, ihr Lebenswandel, ihre „ethischen" Anschauungen, ihr politisches Treiben haben trotz seiner bisherigen „erzieherischen" Thätigkeit noch keine Wandlung zum Guten erfahren. Und was die „sittliche Erstarkung" der rumänischen politischen Parteien anbelangt, braucht man nur Sturdza's Reden nachznschlagen, in denen er als Oppositionsmann die Conservativen bekämpfte, oder die der Conservativen, wenn sie ihn aus dem Sattel heben wollen, um Beider Werth ganz richtig zu taxiren. Mag sich Sturdza nur an seine „volkserzieherische" Thätigkeit erinnern, als er Se. Heiligkeit den Mettopoliten — absetzen ließ. Klingen ihm die Vorwürfe, die

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