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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-07-04 · 27 (4.7.1902) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
27 (4.7.1902)
Date
1902-07-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. 27 Dl*■ BIOCH’S Jahrgang XIX Centralorgsn für die grssmmten Interesten des Iudenthums. #= £ TS. k. Pofifparraffen-Arni Clearing-Verkehr Nr. 810.976. Lrdartion und Ndministratwm Wir» IX/1, Brrggassr Nr. 39. Ttlephon Nr. 14.847. - — —— -- Wie«. 4. J«U 1902. Erscheint jeden Freitag. -■>— fr- Brief-Adreste: Wien, IX/1» Berggasse 39. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift» Wien. »r;ugsxrri» str Srstrrrrtch Halbjährig 8 Krone«. Einzelexemplare SO Heller, F2r'» Anslaud: Halbjährig 10 Krone». Ganzjährig 20 » Anzeige«: Die 4mal gespaltene Pglitzeile 24 Heller. £- Inhalt: Leitartikel: Eine Mahnnng zum Religionsfrieden. — Rumänischer „Pflanz". — Ein Wahlbild aus Galizien. — Religiöse Strömungen in England. — Correspondenzen: Der Denunciant als Volksvertreter. Professor Spika amovirt. Die Judenverfolgungen in Rumänien. General-Oberst v. Loe und der alte jüdische Husar. Zur galizischen Reichsrathswahl. Arische Schwurgerichtsurtheile. Brünn, Budapest. Rumänische Auswanderer in Budapest. Statistik der Juden in Ungarn. Bischof und Rabbiner. Orahovica, Berlin, München, Bukarest, Montreal, Lutzk. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chcwra- Kadischa" in Wien. Wien, Floridsdorf, ■ Mähr.-Weißkirchen, Neusatz, Kattowitz. — Feuilleton: Ein Zeitbild. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Wir ersuchen unsere geschätzten Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der lautenden Abonnementsgrbühr, damit dir Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Zur Einsendung der Beträge wolle man die in voriger Nummer beigelegten PosteHagscheine benützen. Die Administration der „Oesterr. Wochenschrift." M«r Mahnung;nm Religionsfrieden. Zu der merkwürdigen Rede, mit welcher Kaiser Wilhelm in Aachen der Welt von seinen guten Beziehungen zum Papste Kunde gab, gesellt sich eine nicht minder merkwürdige Kundgebung über die Stellung des Kaisers und des Papstes zum Antisemitismus. Derselbe General-Oberst von Loö, welcher dem Kaiser die Lobsprüche Leo's XIII. überbrachte, richtete bei der Bonner Feier des XXV. Regierungs-Jubiläums des Papstes eine Ansprache au die Festversammlung, in welcher er vor dem deutschen Erbfehler der elenden confessionellen Zänkereien warnte und zum treuen Zusammenhalten von Protestanten, Katholiken und Israeliten aufforderte. Der General-Oberst sagte, er nenne von dieser Stelle die Israeliten mit Vorbedacht, weil er weiß, daß er damit im Sinne des Stifters der christlichen Religion spreche, welcher das Vorbild der Duldsamkeit sei, ferner im Geiste seines kaiserlichen Herrn und im Sinne des Papstes, welcher alle Andersgläubigen, welche ehrlich sind, mit derselben Liebe und Achtung umfasse. Er nenne die Israeliten aber nicht allein als Christ, sondern auch als Soldat. Unter seinen israelitischen Husaren befinde sich einer der Tapfersten, ein Bonner Kind, der für seine Tapferkeit mit dem eisernen Kreuz geschmückt wurde. Wir sind über den Standpunkt längst hinaus, daß wir uns für die Ehrlichkeit der Juden und für die Menschlichkeit des jüdischen Glaubens Zeugnisse andersgläubiger Autoritäten holen müssen, die Bibel und die Geschichte des jüdischen Volkes sprechen deutlicher und überzeugender als alle Päpste, alle gekrönten Häupter und alle General-Oberste. Wenn wir von der Rede des Freiherrn von Loö dennoch an erster Stelle Notiz uehnien, so geschieht es nicht für uns, sondern für unsere geehrten Feinde, die Antisemiten. Der Antisemitismus ist ein christlich-germanisches Gewächs. Nirgends ist die christliche Lehre der Duldung so sehr mit Füßen getreten worden, als in Deutschland, kein Volk der Erde hat ein solches Meer von Jammer über nnsere Glaubensgenossen gebracht, als das germanische. Die Kreuzzüge und Judenverbrennungen des Mittelalters, deren Urheber Fürsten und Geistliche waren, haben sich im 19. Jahrhundert in moderner Form wiederholt, und mit Vorliebe reclamiren die Antisemiten auch jetzt deutsche Fürsten und deutsche Priester für sich und ihren Judenhaß. Der Bismarck-Cultus ist ja von Schönerer ausgegangen, um schließlich zur blödesten und ödesten Judenhetze zu gelangen. Als der edle Kaiser Friedrich seinen Ausspruch von der Schmach des Jahrhunderts that, da betrachtete man ihn als einen Auswuchs an dem Stamme der Hohenzollern, und je weniger dieser menschenfreundliche Fürst für die antisemitische Sache zu gebrauchen war, umsomehr beeilte man sich, seinen Sohn, den gegenwärtigen Kaiser Wilhelm II. zum Gesinnungsgenossen eines Stöcker, Ahlwardt und Liebermann von Sonnenberg zu stempeln. Diese Fabel ist, wie die Wiener Antisemiten jammern, nun gründlich zerstört. General-Oberst v. Lo6 ist in der Aachener Rede des Kaisers Wilhelm als dessen verläßlicher Vertrauensmann bezeichnet worden, dessen Bericht über die Aeußerungen des Papstes auch nicht mit dem leisesten Gedanken angezweifelt werden dürfe. Man darf daher voraussetzen, daß Freiherr v. Loe mit derselben Treue und Genauigkeit, mit der er dem Kaiser die Gesinnungen des Papstes verdolmetschte, nun auch dem deutschen Volke die Gesinnungen des Kaisers über den Antisemitismus vermittelt, und wenn der General-Oberst erklärt, er spreche durchaus im Geiste seines kaiserlichen Herrn, wenn er zu gegenseitiger Duldsamkeit, zu festem Zusammenhalten zwischen Protestanten, Katholiken und Israeliten

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