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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-06-27 · 26 (27.6.1902) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
26 (27.6.1902)
Date
1902-06-27
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Sette 438 Dr> Vwaps Wochen Ar. 26 „Schema Iisroel". Eine Episode aus meinem Soldatenleben. Es war im Kriegsjahre 1866. Ich war soeben als ^neugebackener" Recrut zum Ergänzungs Cadre in St ... . eingerückt, wo ich meine militärische Ausbildung erhalten sollte, und fand dort Zustände vor, welche jeder Beschreibung spotteten. So waren zum Beispiel, als wir eingekleidet werden sollten, weder Montur noch Armaturen genügend vorräihig, daher sich ein Theil der neueingerückten jungen Krieger mit Bruchstücken von Montur und Rüstung begnügen mußte und man konnte da die jungen Soldaten, die einen mit alten Militärblousen und Civil-Bcinkleidern, die anderen wieder in umgekehrter Ordnung, d. h. im Crvilrock und Militärhosen einherstolziren sehen, während wir in Bezug auf Riemen- und Lederzeug doch wenigstens uniform waren, denn wir alle trugen unsere Seitengewehre an — dicken Spagatschnüren, weil eben auch kein Rlemenzrug vor Händen war; kurz, wir sahen nichts weniger wie einem Elitrcorps ähnlich unv wir lachten uns ob unseres oft grotesken Anblickes gegenseitig aus. Aber der furchtbare bittere Ernst sollte nicht uusbleiben. Eines schönen Tages — es war am 14. Juni — kam der Befehl' „Recrulen marschbereit halten!" — Ein fieberhaftes Treiben kam in unser bisheriges Stilleben; wir wurden nun, nachdem inzwischen genügend Monturen und Rüstzeug uugekommen waren, vollständig feldkriegsmäßig ausgerüstet, die letzte Feile an unsere Abrichtung wurde gelegt, und so warteten wir nun gespannt der Dinge, die da kommen sollten. Am 19. Juni kam der Befehl zum Abmarsch — wir sollten zu unserem Bataillon, welches sich bereits im Vormarsch gegen den Feind befand, in B . . . . stoßen — und so marschirteu wir am 20. Juni aus dem gemüthlichen Provinzstädtchen, wo sich der Cadre befand, ab — einem ungewifien Schicksale entgegen. Es ist nicht meine Absicht, hier eine Geschichte des Feldzuges 1866 zu schreiben und ich will nur jener Episode gedenken, die sich während dieser Zeit ereignete und welche mir stets unvergeßlich bleiben wird, denn es hat sich wieder einmal gezeigt, daß jüdisches Herz und jüdischer Glaube sich niemals ganz verleugnen. Wir trafen das Bataillon in.einem Marktflecken an der böhmischen Grenze, wo wir sofort in die Compagnien eingereiht wurden. Ich wurde der 3. Compagnie zugetheilt, und wie es mir schien, war ich dort der einzige Jude. Es wurde damals in der Aufregung des bereits begonnenen Feldzuges und bei dem Umstande, daß fortwährend neue Zuschübe beim Bataillon eintrafen, auch nicht viel nach der Confession gefragt, nur fiel mir auf. daß der Compagnie-Commandant Hauprmann S.sich mir, dem Recruten, gegenüber besonders lieb und freundlich erwies, was mir umso größere Freude bereitete, als ich — während der Zeit meiner Abrichtung — in Bezug auf freundliche Behandlung nicht gerade verwöhnt war. Hauptmann S.war überhaupt ein liebenswürdiger Mensch und ein tüchtiger Officier, welcher seine Untergebenen gut und menschenfreundlich behandelte, und was sein liebes Benehmen speciell mir gegenüber betraf, sollte ich die Ursache desselben leider bald erfahren. Das Bataillon erhielt am 28. Juni den Befehl, auf Skalitz zu marschiren, um den Feind, welcher von Nachod her anrückee, aufzuhalteu. Es entspann sich ein mörderisches Gefecht und wir jungen Soldaten empfingen hier die erste Feuertaufe. Die 3. Compagnie, welche bei dem Dorfe Klei y stand, hatte einen heftigen Sturm der Preußen auszuhalten und rechts und links fielen die Leute, von den tödtlichen Geschossen getroffen. Hauptmann S.welchem das Pferd unter dem Leibe erschaffen wurde, führte uns nun zu Fuße gegen den Feind. Da — „Eine Kugel kommt geflogen, Gilt sie Dir oder gilt sie mir" —, sah ich den Hauptmann plötzlich wanken und gleich darauf stürzen; ich eilte hin und der Kugeln nicht achtend, die mich gleich einer Bienenschaar umschwärmte», kniete ich neben dem tödtlich Verwundeten,^ welcher, meine Hand krampfhaft erfassend, deutlich die Worte „Lestema lisroel . . . .“ sprach — dann brachen seine Augen. Tief erschüttert rief ich: „Adonai eluheni Adonai eeliod“ — dann drückte ich ihm die Augen zu. Jetzt wußte ich es — Hauptmann S.war ein Jude und ist als Jude den Heldentod gestorben. Julius Z t i t t o w. Literatur. Neue Bücher. n-jpnn m:na b'zb?pxa sim rmpnrrmin ■> n j? naa na nn ja* a^x-asn 'ax ntra mö’o BHp ■’-nna snim "im ,-sba nns n»a innan pn s-i'Jfi pinn p-wi jstap .-pabnn p^s^b p"p-! Tn« aaabi n:n nrnan a^ann anna naa rrna ♦P"öb a"B-in aciraimn na .nnr'btr nnana w pbrt .pnya nrnan Die Institutionen des Jndenthums. Nach d r in den talmudischeu Quellen angegebenen geschichtlichen Reihenfolge geordnet und erläutert von Rabbiner Moses Bloch, Professor an der Landes-Rabbinerschnle in Budapest. II. Theil. 3. Band. Budapest 1902. Verlag des Verfassers. Despr« «Inramiutnl La Evrei si Juramintul »Nore- Judaico“ de A. Taubes. Rabin al Jsraelitilor diu Capitala. B u c a r e s c i. 1902. Tipo-Litografia „T i p a r u 1“ Strada Oovaei Nr. 14. Die hygienische Bedeutung der Beschneidung. Vortrag, gehalten im Liberalen Verein der Synagogen- Gemeinde zu Breslau am 15. April 1902 von Dr. Med. Carl Alexander, Frankfurt a. M. Verlag von I. Kauffmann. Briefkasten. „Arier." In seiner Gannersdorfer Rede vom 22. Juni sagte Dr. Lueger: „Man getraut sich eigentlich gar nicht mehr zu sagen, was Wolf über Schönerer und Schönerer über Wolf gesagt hat, aber das Eine steht fest, sie h a b e n B e i d e R e ch t." Und wenn die beiden Herren über den Wiener Bürgermeister reden, würden auch wir einen Widerspruch nicht wagen. „Ostdeutscher." An nicht weniger als zwölf Stellen seiner blos sechzehn Seiten starken Nummer bom 16. „Brachmonds 2015" der „Unverfälschten Deutschen Worte" befaßt sich Herr Schönerer ausführlich mit dem „Hochzeitsredner von Bilin" und die saftigsten Anschuldigungen und ehrenrührigsten Titulaturen gegen den vormaligen Kampfes- und Bundesgenossen schwirren nur so herum. An einer Stelle heißt es so schön: „Wahrlich, wenn der .Saturn' Schönerer dem Wolf schon längst den Garaus gemacht hätte, es wäre nicht das schlechteste, was je ein Mensch gethan hat — aber ich wünsche dem .Saturn' gesegnete Mahlzeit zu einem Braten in der Gestalt des K. H. Wolf, ich glaube .Saturn' würde den Braten bald wieder .. . von sich geben und ihn — nicht auf einer Insel abgeben, sondern dem weiten Meere überantworten — den Haien zum Fraß! Sich von Wolf lossagen, ist in Wahrheit eine Reinigung, nur eine sehr schwere; denn es gibt einen Käfer — und ihm gleicht Wolf — der beim Angreifen einen übelriechenden Saft von sich läßt, den man nicht sobald wieder los wird; Letzterer gleicht dem lange klebenden W o l f'schen S ch m ii tz, der bei längerer und näherer Berührung mit. solchem .Käfer' an einem hängen bleibt, wie an dem Finger ,der Hagebutte haftende Härchen'!" S. Frau D i r k e n s singt und spielt vor Juden. Ein Dienstmädchen mußte sich vor ihr als Christin ausgeben, um bei ihr Arbeit zu finden; Frau D i r k e n s vertritt ihrerseits ebenfalls die arische Moral und ist über einen solchen Betrug entrüstet. „Neichspost." Der Berliner Proces; Sauden und Leipziger Bankproceß sind interne arisch-christliche Familienangelegenheite». „Da sitzen die Goim ganz alleine." N. Der erste Staatsanwalt in Glogan, der in dem Proceß gegen den Grafen Pückler ans Freisprechung des Angeklagten beantragte und sich vorbehielt, den Geisteszustand des Angeklagten durch den Sanitätsrath Dr. Neu m a n n prüfen zu lassen, und als dieser über Befragung des Gerichtshofes die Abgabe des Angeklagten auf sechs Wochen in eine Landesirrenanstalt beantragte, eben diesen von ihm angeregten Antrag bekämpfte, gleichwohl aber auf Freisprechung des Angeklagten neuerdings plaidirte — dieser Herr Staatsanwalt, welcher seinerzeit bereits in Breslau durch antisemitische Liebhabereien sich bemerkbar gemacht hat, ist j üd i s ch e r A b st a m m u n g. Danksagung. Für die vielen Beweise warmer Theilnahme. die uns ans Anlaß des Ablebens unseres thcuren Vaters, beziehungsweise Schwiegervaters, Herrn Salomo» M-ranz entgegengebracht wurden, gestatten wir uns hiemit unseren tiefempfundenen Dank anszusprechen. I Wien, 22. Juni 1902. Sofie Lieben. Dr. Theodor Lieben.

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