Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 26 (27.6.1902)
- Date
- 1902-06-27
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 38 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 433 Förderung der Badinteressen wesentlich beigetragen, was gleichfalls lobend hervorgehoben zu werden verdient und wofür alle Anerkennung hiermit ausgesprochen wird. Ich beglückwünsche hiermit die hiesige israelitische Cultusgemeinde für ihr in jeder Hinsicht gelungenes Unternehmen, für welches derselben unzweifelhaft der Dank auch künftiger israelitischer Generationen gezollt werden wird. Sicherlich werden von nun an in diesem neuen Synagogentempel fromme und heiße Gebete der denselben besuchenden Israeliten zu Gott dem Allmächtigen emporsteigen, und wird es bei sich ergebender Gelegenheit auch an frommen Wünschen nicht fehlen für das Wohlergehen unseres angestammten allerhöchsten baierischen Herrscherhauses, welcher Gedanke mich hiermit bestimmt, die verehrte Festversammlung vor dem Einzug der israelitischen Cultusgemeinde in ihre neue Synagoge aufzufordern, ihre Blicke hinauf zu richten zum derzeitigen Träger des baierischen Regentenhauses, unserem allverehrten Prinzregenten, von welchem wir ja alle wissen, wie treubesorgt Allerhöchstderselbe sich stets zeigt für das Wohl und zum Nutzen aller baierischen Unterthanen und bitte ich deshalb die hier anwesende Festversammlung, mit mir einzustimmen in den Ruf: Seine Königliche Hoheit unser allergnädigster Prinzregent Luitpold, des Königreichs Baiern Verweser er lebe hoch, hoch, hoch!" Hierauf erschloß Redner das eiserne Thor und lud die Gemeinde ein, das Gotteshaus zu betreten. An der Spitze die Träger der Thorarollen, bewegte sich die zahlreiche Menschenmenge in das Innere der Synagoge. Die Thorarollen wurden bis zum Beginn der Feier in einen Vorraum gebracht. Nachdem Behörden, Gemeinde und alle Gäste den für sie bestimmten Platz eingenommen hatten, wurden 4- Thorarollen in Begleitung des Festausschusses hereingetragen und vom Synagogenchor mit dem Chor „Boruch hobboh“ (Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn) begrüßt. Im Wechselgesang zwischen Cantor und Chor bewegte sich der Zug auf die Vorbeter-Estrade. Hier stimmte der Cantor „Ma towu“ an. (Wie schön sind Deine Zelte Jakob.) Das Allerheiligste wurde geöffnet, die Thorarollen eingesetzt. Hieran schloß sich die fast einstündige Festpredigt, welche, wie alle Functionen des Rabbiners, für die Tage der Einweihung in liebenswürdiger Weise von Herrn Districtsrabbiner Dr. Adolph E ck st e i n-Bamberg übernommen wurde. Der ehrwürdige Herrverbreitete sich nach einem einleitenden Gebet über die Entstehung der neuen Synagoge, gedachte dabei des verstorbenen Rabbiners M. L. Bamberger, der das Werk gefördert und beginnen sah, dem es aber nicht vergönnt sein sollte, seine Vollendung zu schauen. Der dritte Theil der Predigt verbreitete sich über die Bedeutung der Synagoge und über die Wirkung, welche von derselben ausgehen solle. Er führte aus, daß neben dem positiv Mosaischen die wahre Menschenliebe gelehrt, Vaterlandsliebe gepflegt wird, so daß uns nur die Mauern des Gotteshauses von der Mitwelt trennen. Nach der Festpredigt wurden unter Wechsekgesang zwischen Cantor und Chor Vaibi binsoa hooron (Und als dre Lade sich erhob), die Thorarollen aus der heiligen Lade genommen, daran schloß sich ein dreimaliger Umzug um die obere Estrade, ein Gebet für alle in der Synagoge Anwesenden, für alle Gläubigen und Menschen und für das köuigl. Haus und die königl. Familie. Unter dem Schlußgesang zwischen Borbeter und Chor Uvnucho („Und da sie ruhte") wurden drei Thorarollen in die heilige Lade gebracht, eine blieb zurück für den folgenden Gottesdienst, welche auf den Vorbetertisch gelegt wurde. Damit schloß der Weihegottesdienst. Frankfurt a. Nt., Ende Mai. (F r a n k s u r t e r K u n stgewerbliche Ausstellung aus Privatbesitz.) Der Anlaß des 25jährigen Jubiläums des Mitteldeutschen Kunstgewerbevereines hat im hiesigen Kunstgewerbemuseum eine Vereinigung von außergewöhnlichen Kunflschätzen aus Privatbesitz zusammengeführt, die einen überaus genuß- und lehrreichen Einblick in das Sammelwesen Frankfurts gewährt, und es läßt sich behaupten, daß in keiner anderen Stadt — die großen Centren wie London, Paris und Wien ausgenommen — eine Ausstellung von so großer Vielseitigkeit und mit einer solchen Fülle von Sammlungsobjecten ersten Ranges zusammeugebracht werden könnte. Es ist auch nicht das erste Mal, daß die Räume des Museums Kunstobjecte aus Privatbesitz, zu einer Ausstellung vereinigt, beherbergen. Wer sich der früheren Veranstaltungen in den Jahren 1882 und 1893, insbesondere aber auch der großen Historischen Ausstellung im Bundespalais vom Jahre 1875 erinnert, mag bei einem Vergleiche mit der gegenwärtigen Ausstellung gewahr werden, wie das Sammelwesen Frankfurts heute bereits seine Geschichte aufzuweisen hat. Mit Bedauern wird er u. A. an die Sammlungen Quido Oppenheim, Freiherr Karl von Rothschild, Ricard, Jeidels u. A. zurückdenken. Als besonders hervorragend muß die Sammlung Max B. H. Goldschmidt bezeichnet werden. Der ausgestellte Theil der Collection des Herrn Generalconsuls Max Goldschmidt ist in zwei Vitrinen zur Schau gestellt, von denen die eine Grubenschmelzarbeiten und Limoger Emails, die andere Gold und Silber sowie Majoliken enthält. Gleich die Grubenschmelzarbeiten sind von vorzüglichster Qualität, insbesondere das Becken mit Turnierdarstellungen und Wappen aus dem 13. Jahrhundert, sowie der schöne Bischofsstab, der durch die prächtige Färbung des Schmelzes hervorragt. Eine stolze Reihe ausgezeichneter Limvger-Maleremails schließt sich diesen Arbeiten an. Zwei Salzgefäße von Pierre Reymond charakterifiren die in der Renaiffanceperiode übliche GrisarUemalerei. Das Porträt der Margarethe von Balois ist dem Leonard Limousin zuzutheilen, während die Rückseite des ovalen Spiegels mit der Darstellung von Christus mit der Samariterin alle Merkmale der Arbeiten der Susanne de Court aufweist. Die große Platte mit der Darstellung eines Concerts ist als ein Werk von Pierre Courteys bezeichnet. Ein zweiter Spiegel mit Jupiter und Grotesken trägt die Meistermarke I. 6., die man auf Jenn Courteys deutet. Diesem Meister ist übrigens die große ovale Platte mit dem Durchzug derJuden durch das Rothe Meer zuzutheilen, zu welcher sich ein fast analoges Gegenstück im Louvre befindet. Bei Erwähnung dieser Limogen sei auch gleich auf die werthvolle Caffette verwiesen, welche mit Emailplatten des Martin Didier geschmückt ist und aus der Sammlung von Freifrau Mathilde v. Rothschild zur Ausstellung gelangte. Den kostbarsten Theil der Sammlung Goldschmidt bildet aber die Gruppe der Silberarbeiten. Man müßte hier auf jedes einzelne Stück näher eingehen können, um dem Werthe dieser Gruppe voll gerecht zu werden. Unter den gothischen Arbeiten seien blos der silbermontirte Stiefel und die beiden Masernholz-Doppelbecher besonders erwähnt. Zahlreich vertreten sind die silbernen mit abnehmbarem Kopf als Trinkgeräthe gebildeten Thiergestalten. Auch Trinkspiele wie der reizende, mit kunstvoller Treibarbeit verzierte Nürnberger Jungfernbecher von Georg Koler und der Sturzbecher mit Windmühle, welcher durch sein Beschauzeichen die für diese Art Becher seltene Herkunft aus Nürnberg aufweist, sind vorhanden. Von anderen Arbeiten seien das schöne Schiff von Esaias zur Linden, der kleine Nautilus mit Seepferd und Putto sowie der Steinbockhorn - Pokal genannt; doch kann auch das in Holz geschnitzte 1572 datirte Buttenmännchen nicht unerwähnt bleiben. Schließlich mag noch auf ein Jagdbesteck aufmerksam gemacht werden, deffen Silbermontirung das Wappen Karl des Kühnen trägt. Es ist in der kleineren Vitrine ausgestellt. Unter den Majoliken ist die Schüffel mit der Eule im Fond sehr bemerkenswerth. Sie ist trotz des intensiven ersten Lüsters ihrer ganzen Erscheinung nach der Fabrik von Deruta zuzutheilen, welcher auch zwei weitere Schüsseln dieser Sammlung entstammen. Der Werkstatt von Gubbio gehört dagegen der äußerst prächtig lüstrirte Teller mit dem Putto im vertieften Mittelfelde an, sowie auch der Teller mit der Darstellung der Astronomie nach einem Kupferstiche von Campagnola. Letzterer ist mit dem Monogramm des Maestro Giorgi und der Jahreszahl 1529 bezeichnet. Der gleichen Bottega ist wohl auch die schöne lüstrirte Brautschale mit dem weiblichen Brustbild zuzuweisen. In ähnlich umfaffender Weise wie die drei bisher behandelten Sammlungen ist auch die Collection des Herrn I. Rosen bäum ausgestaltet. Unter den frühen Stücken müffen zunächst ein germanischer Broncehelm und ein Prächtig modellirter römischer Harnisch genannt werden. Die ausgestellten Grubenschmelzarbeiten weisen sehr gute und intereffante Stücke auf. Zu erwähnen sind auch der romanische Thürgriff in Form eines Löwenkopfes, zwei Aquamanile und ein seltener gothischer Wasserbehälter von einem Waschschrank. Die Collection des Herrn Rosenbaum enthält ferner die einzigen italienischen Renaissance-Bronzen der Ausstellung, unter denen wir den Dornauszieher nach der Antike und die schreitende Löwin besonders hervorheben wollen. Eine intereffante deutsche Tövferarbeit ist das mit farbigen Glasuren überzogene Gefäß in Gestalt eines Ritters. Auch Limogen. Elfenbeine, Steinarbeiten. Textilien u. A. finden sich in dieser reichhaltigen Collection. Herr Eduard Gustav May hat ebenfalls eine Collection von großer Mannigfaltigkeit zur Ausstellung gebracht: zwei in Gold gefaßte Pokale, die schon von der letzten Leihgaben-Ausstellung her bekannt sind, eine sehr schöne gothische Monstranz,