Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 26 (27.6.1902)
- Date
- 1902-06-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 432 Nr 26 Dr. Bloch's Wochrnsttzrifk Die linksseüige Denktafel dagegen ward errichtet: Zur verherrlichenden Erinnerung an den halbhundertjährigen Bestand dieser Schule. 1896—vm Was die Altvordern mit segnender Hand, Für Lehre und Bildung geschaffen — Das baue und festige stets Die Nachwelt — gläubigen Sinn's .... Der Gottesdienst beginnt. Die Cantoren Berger und Braunfeld leisten den cantoralen Theil der Liturgie, woran sämmtliche Schüler gesanglich theilnehmen, und es gilt nur als ein erhebendes Moment, daß in der zur Verlesung gelangenden Wochenperikope jeder zur Thora aufgerufene Schüler seinen Part vorzüglich zum Vorträge brachte, als mustergiltiges Zeugniß für Lehre und Lehrer!! Folgerichtig nehmen Einzelne wie die Gesammtheit, wohlthätige Einrichtungen und Vereine gerade die Schuljugend durch Freitische, Bücher, Bekleidung, Stipendienverleihungen u. s. w. in ihre besondere Obhut. So besitzt der Fond zur Erhaltung der Schule an Einzelspenden ein Vermögen von... - - . . . K. 40.900' — Für Bekleidung armer Schulkinder. . . „ 7i74*— Der Stipendienfond den Betrag von ... „ 6462'— Der „M ädchen-Verein", aus dem eigenen Herzensbedürfnis hervorgegangen, sorgt unabläffig für die Kinder der Armen und reicht 50 Sch ulern alltäglich ein warmes Mittagessen, und tauscht das edle Vorgehen dieses Vereines unter Aegide der jungen Damen: Fräulein Jolanthe Bruck (Tochter des Präsidenten) und Fräulein Margit Stern (Tochter des verdienten Gemeindemitgliedes Herrn Wilhelm Stern) u. A. für das Mühen, die Demanten kindlicher Dankesthränen ein. Die Cultusgemeinde aber hatte ein Fünftel der Schüler der Schulgeldentrichtung enthoben. Zum Schluffe wenden wir uns jener Institution zu, die wohl vereinzelt in Ungarn dasteht, dem Sieche n h a u s e der israelitischen Religionsgemeinde, seiner Geschichte und Genesis. Am 21. Jänner 1901 starb Frau Rosa Weidinger, die bereits erwähnte Vorsteherin des hiesigen Frauenvereins, welche Ehrenstelle sie 22 Jahre inne hatte, deren hohe Verdienste im Handschreiben weiland Ihrer hochseligen Majestät Königin Elisabeth gewürdigt waren. Der überlebende Gatte, eines der hervorragendsten Mitglieder der Gemeinde, Herr Salamon Weidinger, weihte, das Andenken seiner verblichenen Gattin zu ehren, zum Zwecke der Gründung eines Altersversorgungshauses einen Beitrag von zwanzigtausend Kronen und legte den Stistsbrief in die Hände des Vorstandes. Dieser Anregung verdankt das Heim der Alten sein Dasein, ein Haus mit dem raschen Entschlüsse der Herzensfrcudigkeit erworben, adaptirt, und welches bereits im Oclober 1901 seiner hohen Bestimmung übergeben werden konnte. Die ehedem räumlichen Verhältnisse dieses ehemaligen jüdischen Patrrzierhauses waren mir in zarter Jugendzeit bekannt und geläufig. Der Geist der einstigen Bewohner schwebte mit vernehmbarem Schwingenschlag über meinem Haupte, als ich den fast unveränderten Vorraum betrat, dessen Giebelinschrift mit einem l8tsu hozott ..Willkomm" den Eintretenden begrüßt. Votivtaseln künden des Hauses Zweck und verzeichnen mit goldenen Lettern die Namen getreuer Söhne dieser Stadt, die aus den Fernen ihre Gaben auf dem Hochaltar der Menschenliebe niederlegten!! ... Werte Corridore, anheimelnde Räume, luftige Badezimmer, Stellen für die Luftheizung, schattige Gärten mit lautem Vogelfang verscheuchen die Schemen der Noth vou den Armen, die hier Zuflucht fanden, liebreiche Hände verrichten betreuend den heiligen Priesterdienst, dem fortan der Neubau geweiht ist. Ein altes Mütterlein, — ehedem die fromme brave Herrin dieses Hauses — öffnet mir die Pforte, ... ein Dämmerschein von Freude abwechselnd mit dem Abendroth tiefer Wehmuth zuckt über ihre verwitterten Züge,. . . mein Begleiter wendet sich ab, eine Thräne zitterte an meiner Wimper... ich weinte still — und ging! E. N. Darmstadt. (Hessischer Landtag.) Der Bericht des ersten Ausschuffes der zweiten Kammer über den Antrag des Abgeordneten Backes ist soeben erschienen. Dieser Antrag geht dahin, die Regierung zu ersuchen, möglichst bald den Ständen eine Gesetzesvorlage zu machen, welche die Ausbildung der israelitischen Religionslehrer, sowie deren Anstellung und Besoldung zeitgemäß regelt. Die Regierung ist dazu bereit, da sich schwere Mißstände gezeigt haben, und glaubt, dazu auf Grund des Kirchensteuergesetzes befugt zu sein. Der Ausschuß ist ebenfalls mit der principiellen Regelung der Frage einverstanden und empfiehlt daher, in der Richtung zu veranlassen, daß die gesammte jüdische Bevölkerung des Landes zur Tragung der Kosten verpflichtet wird. Der Ausschuß beantragt deshalb, dem Antrag Backes zuzustimmen. Die Einweihungs-Feierlichkeiten der neuen Synagoge in Kiffingen nahmen einen würdigen, alle Festtheilnehmer hochbefriedigenden Verlauf. Am Freilag Nachmittag um 4'/, Uhr nach dem Gottesdienste wurden unter feierlichen Gesängen die 4 Thorarollen mit ihren mehrfach prachtvollen Paramenten (eine derselben war von Frauen der Gemeinde zu diesem Feste in opferwilliger Weise gestiftet), aus dem heiligen Schrein in der alten Synagoge entnommen und im ruhigen Zuge in den Betsaal im neuen Schulhause verbracht, woselbst sie provisorisch niedergelegt wurden. Samstag Morgens 7 Uhr fand im Anschluß an den Morgengottesdienst die Abschiedspredigl in der alten Synagoge statt und Vormittags 9'/, Uhr begann sodann die Einweihung des neuen Gotteshauses. Auf der Terrasse der Synagoge, deren weiter Vorplatz mit deutschen und baierischen Fahnen geschmückt war, hatte ein Sängerchor Aufstellung genommen, welcher im Augenblick, wo die Thorarollen das Schulhaus verließen, den Chor „Gott, Du Allmächtiger" anstimmte. Während der Absingung desselben bewegte sich der Zug unter Borantritt dreier Ehrenjungfrauen (Frl. Ehrlich, Frl. Mainzer, Frl. Rosenau) um das mittlere Bosquet nach der Terrasse, woselbst Herr Regierungsrath Baron Bechtols heim, sowie die Herren Officiere und sämmtliche Staatsbehörden, Vertreter der Geistlichkeit beider christlichen Confkssionen, sowie zahlreiche Mitglieder beider städtischen Collegien Aufstellung genommen hatten. Nachdem der Chor verklungen war, sprach Frl. Irma Rosenau folgenden Prolog:*) Drei Jahrtausende sind nun vorüber. Da stieg der Herr, wie uns die Bibel kündet, Auf Horeb's Höh', und mit Posaunentönen Und Donnerdröhnen, letztem Blitzeszucken Erscholl sein Wort, gab er dem Sterblichen Gesetz und Recht, es treulich auszuüben. Das Gotteswort, es soll ja einigen Die Menschen all in heil'gem Gottesdienste! Nicht ttennen soll's, in Liebe soll's verbinden! Die Herzen Aller wie ein Schlüssel öffnen. Auf daß darin die Liebe Einzug halte Zu Gott, zur Menschheit, wie der Herr geboten. Und dieses Haus, geweiht dem Ewigen, Der Andacht Stätte durch Gebet und Lehre, Das ehrfurchtsvoll, die Gottesnähe fühlend, Voll heil'gen Schauers wir betreten werden. Es mög' uns stets vergegenwärtigen: Lieb' Deinen Gott, lieb' Deinen Nebenmenschen! Die Pforten auf; den Schlüssel reich ich dar; So mögen auch sich alle Herzen öffnen Dem Glaubenswort, dem Wort der ew'gen Wahrheit, Das fortan hier zum Gottesthron sich schwinget Und mächtig wirkt, einpflanzenden Tugenden, Zur Menschenlieb' und Menschlichkeit die Menschen einend. Damit überreichte das Fräulein den auf seidenem Kissen getragenen, kunstvoll gearbeiteten Schlüssel Herrn Bezirksamtmann, Regierungsrath Baron Bechtolsheim, welcher denselben in Empfang nahm und folgende herzliche Ansprache an die Festversammlung hielt: „Mit Freude und Dank nahm ich soeben aus so liebenswürdiger Hand den Schlüssel in Empfang, mit welchem nach Eröffnung der Pforten der neugebauten Synagoge der Einzug der israelitischen Cultusgemeinde dahier in dieselbe ermöglicht werden soll. Die israelitische Cultusgemeinde Vad-Kissingen steht hiermit am Ende eines großen für sie hochwichtigen Unternehmens, welches in den letzten Jahren viel Zeit, viel Mühe und beträchtliche Geldsummen gekostet hat. Daß aber die hiesige israelitische Cultusgemeinde keine Mühe und keine Opfer gescheut hat. das schon seit Jahren gesetzte Ziel zu erreichen, das gereicht derselben zur besonderen Ehre und verdient hier und in diesem Momente lobend hervorgehoben zu werden und dies umso mehr, als sie sich in uneigennütziger Weise bei anerkennenswerthester Opferwilligkeit das Ziel gesetzt hat, welches nunmehr in schönster Weise erreicht dasteht. Denn die neugebaute Synagoge faßt nun auch den nöthigen Raum in ihrem Innern, um den jährlich zur Saisonzeit zur Stärkung und Befestigung ihrer Gesundheit das hiesige Weltbad aufsuchenden auswärtigen israelitischen Glaubensgenossen Gelegenheit zu bieten, in mehr entsprechender und bequemerer Weise ihren religiösen Pflichten Genüge leisten zu können. Insofern hat denn auch die israelitische Cultusgemeinde dahier, insbesondere deren Verwaltuugsmitglieder zur Hebung des hiesigen Weltbades und zur *) Der Prolog ist verfaßt von Leopold Anfänger, Lehrer in Memelsdorf.