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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-06-27 · 26 (27.6.1902) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
26 (27.6.1902)
Date
1902-06-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 434 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sir. 26 mehrere Elfenbeinsculpturen und Buchsbaumstatuetten, einen Vogelfänger in Bronce und eine bcmerkenswerthe Collection von Goldzwischengläsern. Die Leihgaben des Herrn Heinrich S e ck e l erstrecken sich auf Majoliken und Silber. Jedem Majolikenfreund muß diese gewählte Collection einen großen Genuß bereiten. Sie enthält ausgezeichnete Repräsentanten der Derutamajoliken: große Schüsseln mit Blaumalerei und einer goldigen Lüstrirung, die bald bläulich, bald röthlich schillert. Von größtem Interesse ist aber eine Arbeit aus der Frühzeit des Maestro Giorgio in Gubbio: die Bildplatte mit der Madonna und zwei Heiligen. Sie zeigt noch deutlich den Einfluß der Werke von Deruta, nicht allein in der Malweise, sondern selbst in Einzelheiten der Darstellungen wie in dem für Deruta so charakteristischen quadrirten Fußboden. Die Lüstrirung ist mit der Gubbio eigenthümlichen prachtvollen carminrothen Lüsterfarbe durchgeführt. Als eine Arbeit des Maestro Giorgio vom Jahre 1525 ist auch die Schale mit der Figur des heiligen Mathias bezeichnet, die einen strahlenden Goldlüster aufweist. Der schöne Teller mit dem Saturnalienfest ist eine bezeichnet Arbeit Fra Tanto's und in Gubbio von Maestro Giorgio lüstrirt. Ein Vergleich mit dem Metzler'schen Fra Lanto-Teller läßt ihn als der Spätzeit des Meisters angehörig erscheinen. Er hat den milderen Gesammtton der späteren Arbeiten des Künstlers. Auch einige Urbinomajoliken enthält die Seckel'sche Sammlung, unter denen der Teller mit der Sposallizio nach Raffael die Malweise des Nicola da Urb'rro charakterisirt. Der Fabrik von Castel Durante gehört die große Schüssel mit der äußerst wirkungsvollen Groteskenmalerei auf tiefblauem Grunde an. Die Brautschale ist wohl gleicher Herkunft und in der Werkstatt des Maestro Giorgio lüstrirt. Aus den Silberarbeiten der Seckel'schen Sammlung seien die beiden spätgothischen Figuren eines Bischofs und eines Pilgers hervorgehoben. ferner die beiden Nautilus gefäße, derer größerer von C. Bellekin mit schönen flgurenreichen Darstellungen gravirt ist. Die Gruppe eines Kriegers auf einem Pferd ist als eine Arbeit des Ulmer Meisters „Hanns Ludowickh Kienle 1630* bezeichnet. Silbe rarbeiten sind noch von mehreren anderen Seiten beigesteuert worden, so daß diese Abtheilung die ihrem Umfange nach bedeutendste der Ausstellung ist. So hat Herr Saly Fürth in Mainz einige werthvolle Stücke aus seiner Silbersammlung eingeschickt. Wir heben hier den Nürnberger Pokal von Friedrich Hillebrand und den im Ohrmuschelstyl getriebenen Freiberger Pokal von Samuel Klemm hervor. Auch machen wir aus das fein gravirte Gefäß in Gestalt einer Weltkugel und den Dresdner Becher mit den Krhstall-Medaillons aufmerksam. Aus der Sammlung von Frau Theodor Stern stammen ein Winzerpaar und eine hohe Münzkanne. Aus der gleichen Collection ist übrigens auch ein sehr schöner Bronceguß des 16. Jahrhunderts, ein Vogelfänger, welcher neuestens dem Giovanni de Bologna zugeschrieben wird, zur Ausstellung gekommen. Frau Generalconsul Max B a e r hat aus ihrer Collection zwei Kelche und einen silbernen Elephanten mit einer Uhr beigesteuert. Die Sammlung des Herrn I. Eduard Goldschmidt ist durch eine größere Anzahl von Silbergefäßen vertreten und überdies durch sehr bcmerkenswerthe kleine in Silber gegossene Figürchen des 16. Jahrhunderts, welche Personificationen von Tugenden darstellen. Auch haben Herr Ferdinand Hirsch, Frau Fanny Oppenheim und Herr Francis Oppenheimer diese Abtheilung mit einzelnen Leihgaben bedacht. Hierzu kommen die Objecte, welche die hiesige israelitische Gemeinde ausgestellt hat. Von den beiden Goldbechern, welche die israelitische Gemeinde ausgestellt hat, weist der mit Thiermedaillons gezierte eine Treibarbeit von hoher künstlerischer Vollendung auf. Ein sehr vornehmes und eigenartiges Sammelgebiet umfaßt die Collection des Herrn Fritz Gans. In eigener Vitrine ist eine anziehende Ausstellung von Arbeiten aus Bergkrystall und Halbedelsteinen zusammengestellt. Unter den Bergkrystallgefäßen in goldemaillirter Faffung finden sich einige mit wundervoller Gravirung; als eine besonders schöne Arbeit muß aber die italienische Kußtafel mit der eingeschliffenen Darstellung der Grablegung Christi bezeichnet werden. Wir möchten dann noch auf einen kelchartigen Becher aus Blutjaspis, der eine deutsche Arbeit aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts ist, auf eine schöne Räucherdose aus Achat und ein Trictacbrett mit Lapislazuli-Einlagen verweisen. Zu einer gesonderten Abtheilung sind in der Ausstellung die Arbeiten des 18. Jahrhunderts zusammengestellt, unter denen eine Dielenuhr mit außerordentlich gutem Broncebeschlag aus dem Besitze des Herrn I. Rosen bäum und eine durch die Herren I. und S. G o l d s ch m i d t zusammengestellte beachtenswerthe Gruppe von französischen Möbeln des 18. Jahrhunderts hervorgehoben sei, ein Arrangement, das durch schöne Brüsseler Gobelins von de Bos mit Darstellungen in der Art des Tenniers gehoben ist. Den wichtigsten Theil der Gruppe des 18. Jahrhunderts bildet das Porzellan, und auch hier ist von jüdischer Seite manches Werthvolle und Schöne ausgestellt worden. Wenn auch diese Gruppe keinen hinlänglichen Begriff von dem in Frankfurt befindlichen, sehr reichhaltigen Privatbesitz an Porzellan geben kann, da sich der Zustandebriugung dieses Theiles der Ausstellung aus uaheliegendeu Gründen besondere Schwierigkeiten entgegengestkllt haben, so ist doch ein sehr bemerkenswerthes Material zusammengekommen, das bei dem steigenden Interesse, welches man gegenwärtig alten Porzellanen entgegenbringt, einen wesentlichen Anziehungspunkt der Ausstellung bildet. Aus der Collection von Frau Theodor Stern stammen werthvolle Stücke, wie die Meißener Crinolindame mit Möpsen und die reich bemalte Suppenterrine mit Unterschüsse! ans der Herold'schen Periode Meißens; Frau Justizrath F u l d hat Nymphenburger Porzellan, Herr I. R o s e n b a u m hat eine größere Collection von Fcankentbaler, Ludwigsburger und Höchster Porzellan zur Ausstellung gebracht. Insbesondere unter den Höchster Porzellanen finden sich werthvolle Gruppen. Von Einzelgruppeu soll noch vor Allem die große Frankenthaler Gruppe mit dem Thurm und den Chinesen aus der Sammlung von Frau Georg Speyer hervorgehoben sein. Auch Spitzen sind ausgestellt — so u. A. Collectionen von Frau Philipp S p e i e r und Frau Eduard Beit. So liefere diese Skizze ein anregendes Bild für einige in jüdischen Privatbesitz unserer Stadt vorhandene kunstgewerbliche Schätze, zugleich ein deutlicher Beweis, daß der materialistische Sinn der Zeit ein feineres Kunstintereffe nicht verdrängt hat. Ich schließe mit der Anregung, auch die specifisch-jüdische Kunst, deren Pflege, wie in Wien, so auch in Hamburg rührig besorgt wird und die neuerdings auch von zionistischer Seite stärker und bewußter prononcirt wird, rege zu fördern. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadrscha" in Wien, I., Seilenstertengaffe 4, für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Salomon M a r a n z: Bon Herrn Carl Epstein, VIII., Langegasse 7, L 10'—; Herren Beamte der israelitischen Cultusgemeinde, K 20'—. Zusammen L 30'—. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Julie Dub: Von S. Ch., L 2P*—; M. Weiß, K 10'—. Zusammen K 30'-. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Ignaz Mandl: Bon Herrn kais. Rath Ignaz Fluß, II., Herminengasse 23, K 30’—; Herrn Rudolf Straßer, H., Taborstraße 11a, L100’—. Zusammen L 130 —. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Hermann Eckstein: Sammlung des Herrn Joh. Toch unter Gästen von Cafe Niebauer, L 20'—. Wien. (Trauung.) Sonntag den 29. Juni d. I. findet die Trauung des Fräulein Charlotte Mayer, Tochter des Herrn Heinrich Mayer, mit Herrn Richard S a x l statt. Wien. Bei der letzten im Künstlerhause stattgefundenen Jahresausstellung befanden sich auch mehrere Arbeiten des rühmlichst bekannten Malers David K o h n, die nicht nur den Beifall der Kunstkenner und des großen Publicums fanden, sondern denen auch die Auszeichnung zu Theil wurde, die Aufmerksamkeit Sr. Majestät des Kaisers zu erregen, der anläßlich seines Besuches im Künstlerhause diese Werke mit merklichem Interesse besichtigte und sich höchst lobend über dieselben aussprach. Maler David Kohn gehört zu den bestbekannten

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