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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-06-27 · 26 (27.6.1902) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
26 (27.6.1902)
Date
1902-06-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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illr* 26 Dr. Bloch's Wochsnschrifl. Seite 431 die Anzeige des Angeklagten große Unannehmlichkeiten hatte, daß Pötscher eine Rolle als Politiker spielen wollte, jedoch kläglich durchfiel. Dr. N e u g r ö s ch l beantragt die Freisprechung seines Clienten, der nur das zur Anzeige gebracht habe, was er gehört hatte. Der Richter verurtheilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von fünfzig Kronen, eventuell zu fünf Tagen A r r e st s. Preßburg. (AnstaltzurHeranbildung israelitischer Krankenpfleger in Preßburg.) Diese aus Anlaß des Hinscheidens unserer glorreichen Königin gegründete humanitäre Anstalt hielt unter dem Vorsitze des Primararztes Doctor Jakob Fischer vorige Woche ihre zweite Jahresversammlung ab. Aus dem vorgelesenen Berichte sei erwähnt, daß die Thätigkeit der Anstalt sich im verflossenen Jahre hauptsächlich auf die theoretische und praktische Ausbildung der aufgenommenen Krankenpflegerinnen beschränkte. Den Unterricht ertheilten außer dem Vorsitzenden die Herren Dr. Samuel Fischer, Dr. Carl Glaser, Dr. David Hecht und Herr Oberlehrer Bernhard Spitzer. Die praktische Ausbildung erhielten die Pflegerinnen mit liebenswürdiger Genehmigung des Herrn Direktors Sanitätsrathes Dr. Josef Pantocsek zumeist im hiesigen Staatskrankenhause. Nachdem die Pfl-gerinnen Regina Faust und Charlotte Engel die Prüfungen mit vorzüglichem Erfolge absolvirt haben, wurden sie schon zur Privatpflege zugelassen und stehen dieselben in erster Reihe jüdischen Familien, doch eventuell auch ohne Unterschied der Confession armen Kranken unentgeltlich, Wohlhabenderen gegen eine entsprechende Entlohnung jederzeit zur Verfügung. Der Bericht wurde wohlwollend zur Kenntniß genommen und obbenannten Herren Aerzten und Lehrern, so auch den Prüfungscvmmissären Comitats - Hon. Oberphysicus Dr. Leopold Stein und Herrn Dr. Josef L ö w y der Dank votirt. Es erfolgte hierauf der Bericht des Cassiers, Herrn David Naß. Aus demselben sei hervorgehoben, daß der Vermögensstand der Anstalt mit Abschluß der Rechnungen bei 16.000 Kronen ausmacht, daß über 1000 Kronen jährlich Mitgliedsbeiträge zu verzeichnen und daß 'im abgelaufenen Jahre bei 1000 Kronen Spenden eingelaufen sind. Der Bericht, so auch die Rechnungslegung wurden genehmigend zur Kenntniß genommen, nachdem im Namen der Revisoren Herr L. W i e n e r die pünktliche Cassagebahrung bezeugte. Nachdem die statutengemäß ausgelvsten Mitglieder des Directionsrathes, so auch die Revisoren einstimmig wiedergewählt worden, sprach noch Vorstandsmitglied der israelitischen Cultusgemeinde Herr David Naß im Namen des Vorstandes der altehrwürdigen Gemeinde den Dank dafür aus, daß endlich unseren jüdischen Kranken geschulte jüdische Pfleger zur Verfügung stehen. Hierauf wurde die Jahresversammlung geschlossen. „Es freut uns, das Gedeihen dieser Anstalt zu constatiren", schreibt die „Preßburger Zutung", „welche nicht nur dazu geschaffen ist, unseren israelitischen Mitbürgern einen neuen und edlen Lebensberuf zu erschließen, sondern auch in Folge ihrer überaus löblichen humanen Tendenz sich dem Gemeininteresse nutzbar erweist." Als Vertreter der jüdischen Preffe haben wir dem noch hinzuzufügen, daß wir die ausgiebigste Unterstützung dieser Institution seitens unserer Glaubensgenossen für wünschenswerth halten. Die Bajaer Cultusgemeinde und ihre Institutionen. (Von einem Wiener.) B a j a, im Juni 1902. Pflichten der Pietät führten den Schreiber dieser Zeilen nach der reizenden Donaustadt B a j a im südlichen Ungarn, woselbst vor einem Jahre weiland Dr. S. N a s ch 6 r, emeritirter Prediger von Berlin, seine Augen für immer schloß. Jahrzehnte zogen an meinem geistigen Auge vorüber, die Lichtgestalten früherer Zeit schlummern am Friedhofe, welchen die Denksteine Heimgegangener Wohlthäter der Gemeinde schmücken, allen voran die der seligen Brüder Fischer. .... Ich betete an Gräbern unvergeßlicher Rabbinen — Götz-Schwerin, B. A. Perles, M. Nasch 6 r, Ezechiel Schulhof s. A. — innehalten gebot mir die Pietät an den Grabstätten der Erleuchteten, welche ihre hohe ärztliche Kunst und ihre Humanität freudig in den Dienst des Glaubens und der Gemeinde stellten, weiland Dr. A. B r o ö r und Dr. H. L e m b e r g e r, ich gedachte des hochherzigen Vorstandes Moriz Rosenberg s. A., der gleichfalls im Vorjahre der Gemeinde und den Seinen entrissen wurde, ich brach eine Blume vom frühen Grabe hochbeschwingter Frauengestalten: Radbinersgattin N a s ch 6 r, Judith Hofmeiste r-O b l ä t h, der allzu rasch entschlummerten Präsidentin des israelitischen Frauenvereins Rosa Deutsch-Weidinger, deren Angedenken das Siechenhaus der Gemeinde verkündet. . . . Hier wird der Göthe-Ausspruch Ereigniß: Wir tragen die Trümmer hinüber Und klagen über verlorene Schöne. Und dennoch! Tie Tradition rühmlicher Altvordern lebt mit unvergänglichem Festhalten im Herzen nachfolgender Geschlechter und schlingt das niemals zu lockernde Band der Eintracht unter alttn Ständen und Angehörigen aller fünf Bekenntnisse Bajas. Bereits vor Jahrzehnten stand Dr. Moritz Hauser als erster Bürgermeister jüdischen Bekenntnisses an der Spitze der königlichen freien Stadt mit 22.000 Bewohnern — 32 0 Juden — und was Jener an Achtung und Verehrung errang, übertrug sich in ungemindertem Maße auf den gegenwärtigen Leiter der städtischen Agenden; Herrn Julius E r d e1U i! Die öffentlrche Meinung in freiheitlichst liberalem Sinne besorgen die trefflichen Federn jüdischer Schriftsteller, wie Dr. Armin Lemberger, Schön, Szekely u 21., und jedes Blatt erhärtet es, daß Erstgenannter den hohen Geist des Vaters, vereint mit der flammenden Begeisterung fürs Judenthum, bewahrte. Die Stadt vertritt im gesetzgebenden Körper der kaum 29jährige jüdische Advocat Reichstagsabgeordneter Dr. Aladär Reich, der im Vorjahre im Wahlkampf gegen den Justizminister P l ö s z Sieger blieb, und bekämpft er im Parlament die Indolenz der Maßgebenden, welche den 2lufschwung seiner Vaterstadt niederzuhalten droht. 2ln der Spitze der hervorragendsten Bank steht Herr Director Anton Schön, dessen umfassende Bildung und demantreiner Charakter einmüthig gewürdigt werden. Das Präsidium der Israelitischen Cultusgemeinde leitet mit unentwegtem Schaffen der allverehrte Advocat Dr. Samuel Bruck, und der Rabbiner Herr Dr. Adler reiht sich würdig seinen Amtsvorgängern an und streut als gleich trefflicher Meister deutscher und ungarischer Rede die Saaten der Bildung und der jüdischen Gläubigkeit im herrlichen Gotteshause, welches nimmermüde Opfer- Willigkeit der Gemeinde umgestaltete, den alten Geist mit der neuen Form gedeihlich verbindend. An der Seite meines Führers, des Herrn Präses Dr. S. B r u ck, lernte ich die neueren, zum größten Theile durch seine Initiative hervorgegangenen Institutionen der Gemeinde kennen und mußte mich der Üeberzeugung erschließen, daß er selbst, wie seine Gattin und seine einzige Tochter wirken „der Gottheit unsterbliches Kleid". Reiche Legate der erwähnten Brüder Fischer fanden Verwendung in der Neugestaltung der Volksschule und in der Errichtung einer mit allen hygienischen und pädagogischen Errnngenschasten ausgestatteten Bürgerschule der Cultusgemeinde. Mit erschauerndem Gedenken eigener Schuljahre allhier, betrat ich die luftigen Hallen, die weiten Räume, die geräumigen Classensäle, ick fand — das Schuljahr geht eben seiner Rüste entgeqen — 181 Schüler und Schülerinnen der Bürgerschule sowohl, als die 268 Zöglinge der Volksschule — an 30 christliche — bei voller unterrichtlicher Arbeit. Ein llgliedriger Lehrkörper, unter der fachtüchtigen Direction des Herrn Jacob E r d ü s, vermittelt den trefflichen Unterricht. Die jüdische Lehre ist den bewährten Händen des Religionslehrers Heinr. Rosen feld anvertraut, der gemeinsam mit seinen College« die Resultate religiöser Belehrungen bei den allsabbathlichen Jugend- Gottesdienst zur vollen Geltung kommen sieht. Der religiöse Sinn der Gemeindemitglieder tritt in den Legaten für Erhaltung der „Talmud-Thora" — 15.000 Kronen — sichtbar zu Tage, und die Schulsection (bestehend aus den Herren: Dr. S. Bruck, Präses, Ehrw. Tr. Leop. Adler, Rabbiner, Tr. Armin Lemberger, Advocat, Anton Schön, Bankdirector, Julius E r d e 11) t, k. städtischer Obernotar, Dr. 21. tz e rmann, A vocat, Sal. Reich» Gutsbesitzer, Director I Erdös, Lehrer Jos. Spitzer, Großhändler Jos. G r ü n h u t und B. Weinberger, Gemeindesecretär) wacht treu und umsichtig auf der hohen Warte ihrer Mission. Dies manifestirt sich im großen Prunksaale des Schulgebäudes Dieser Festraum schließt als schmucker Tempel in der Ostseite mit Almemor und Heiligenschrein ab, dessen äußern Schmuck die regsamen Hände der Schülerinnen — unter der Leitung kunstsinniger Jndustrielehrerinnen — alljährlich beistellen, denn Thorahüllen und Schreinvorhänge sprechen eine bezwingende Sprache, indem sie sich rühmen: n"C“in "äcn rvcn nnj?: rresba zu sein. Kein Wunder demnach, wenn die Landesausstellung die Schule durch goldene Medaillen und Diplome „für Fortschritt und Fleiß" mehrfach anszeichnete. Zwei marmorne Votivtafeln schmücken ebenfalls den erwähnten Festsaal. Die rechtsseitige kündet: Unter der Regierung unseres glorreiche i Königs und Herrn Franz Joseph I. Majestät zur Verherrlichung tausendjährigen Bestandes, zur Aneiferung der lernenden Jugend, ward dieser Denkstein in die geheiligten Hallen der Erziehung gefügt vom Vorstande der israelitischen Religionsgemeinde. 896—1696 Ein Vaterland warben mit hohem G e w a f f e die Alten, Uns're Grundsteine sind: Arbeit und Wissenschaft.

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