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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-06-27 · 26 (27.6.1902) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
26 (27.6.1902)
Date
1902-06-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 488 Dr. Bloch's Wochenschrrfl. Nr. 26 „Aus der Wahlurne in Brzezany wurden am 12. Mai l. I. Wahlzettel, die für den Dr. Landau abgegeben worden sind, herausgenommen und ult deren Stelle andere, die auf den Namen des Dr. Dulemba lauteten, Hineingele gt^. Diese Manipulation involvirt aber die Verfälschung des Resultates einer Abstimmung bei Wahlen zur Ausübung politischer Rechte, begründet, das Vergehen aus dem Artikel VI des Gesetzes vom 17. December 1862, Nr. 8 R.-G.-B!. für 1863, und dürste es vielleicht doch schon hoch an der Zeit sein, diesem frevelhaften Spiele, das zum Hohne des Gesetzes und jeder Moral in den letzten Jahren sich in Galizien eingebürgert hat, durch das Statuiren eines warnenden Exewpels ein Ende zu bereiten. Eine Wahlcommission gibt vfficiell bekannt, daß nach geschloffenem Wahlacte, für dessen Rechtmäßigkeit Regierungsbeamte. in Eid genommene Diener Sr. Majestät, die Verantwortung tragen, das ordnungsmäßig durchgeführte Scrutinium zu Gunsten eines der beiden Candidaten 44 Stimmen ergeben hat — und als Antwort darauf folgt eine Schrift, in welcher 75 sage fünfundsiebzig Bürger, darunter zwei Advocaten, ein Arzt und zwei Advocaturscandidaten, die solenne Erklärung abgeben, daß sie sich an der Wahl betheiligt, ihre Stimmen für den betreffenden Candidaten abgegeben haben, und bereit sind, diesen Um st and mit einem vor Gericht abzulegenden Eide zu bekräftigen. Was hat in einem solchen Falle zu geschehen? Wo bleibt der Rechtsstaat? Wo bleiben seine Gesetze? Wo bleiben die Hüter dieser Gesetze, die Hüter der gesellschaftlichen Ordnung und der öffentlichen Moral? Wo ist der Verächter der Gesetze und der bürgerlichen Zucht? Wo ist der Frevler, der die Stimmzettel aus der Urne entwendet und andere an ihre Stelle hineingeschmuggelt hat? Cui bono, und durch wen, ward dieser freche Schwindel ausgeführt? Wo ist der Mann, der für die Unantastbarkeit der Urne Rede und Antwort stehen muß?! Sollte sich etwa auch diesmal kein Ankläger finden, der diese Verunglimpfung, diese Schändung von Gesetz und Sitte mit unnachsichtlicher Strenge zur Verantwortung heranziehen würde?! Nicht um den Ausgang dieses Protestes allein, nicht um den Dr. Landau oder den Dr. Dulemba ist es zu thun! Viel wichtigere, viel bedeutungsvollere Interessen stehen auf dem Spiele! Der abgefeimte Griff in die Brzezaner Wahlurne bedeutet ein Attentat auf die Autorität des Staatswesens, dem wir angehören, er vernichtet das Vertrauen des Bürgers in diese Autorität, er benimmt ihm den Glauben an Recht, Gesetz und Moral!! Fünfundsiebzig beherzte Männer haben sich gefunden, die vor den Machthabern der Stadt Brzezany nicht zurückschreckren, sondern offen und unumwunden ihre Stimmen gegen den abscheulichen Unfug zu erheben sich erkühnten. Aber damit ist die Liste Derjenigen, die den Wahlzettel für Dr. Landau abgegeben haben, noch lange nicht erschöpft. Nur ein einziger Ruthene, der Advocat Dr. Andreas Czajkowski, hat die beigelegte Erklärung mit seiner Namensfertigung versehen, aber es gibt ja noch eine ganze Reihe rutheuischer Standespersonen, die zu jeder Zeit bereit sein werden, mit ihrem Eide zu erhärten, daß sie ihre Stimmen nicht für den Dr. Dulemba, sondern für den Gegencandidaten abgegeben haben. Wir verlangen die Einvernahme aller ruthenischen Concepts- und Manipulationsbeamten des k. k. Kreis- und Bezirksgerichtes, aller ruthenischen Post- und Steuerbeamten, Professoren und Lehrer in Brzezany und stehen dafür ein, daß mindestens 30 dieser Herren eidlich bestätigen werden, oaß sie auf den Gegencandidaten Dr. Landau gestimmt haben. Ebenso beharren wir auf der Einvernahme der Herren Landesgerichtsräthe Dr. Fried und Schwarz, des Gymnasialprosessors Dr. Racher, des Oberaufsehers N. Boos, des Kaufmannes N. Szkirpan und noch folgender Wähler: Jsac Fried, Leib Chajes, Hersch Narol, Samuel Chajes, Kalman Jzrael, Aron Leib Kreisler, Hersch Diamant, Leibisch Rosenberg, Alter Dawid Fried, Abraham Tuch, Moses Jacob Zarwincer, Jacob Grünberg, Jzrael Krohn, Berl Reles und Josef Neumann, die zwar die beigeschlossene Erklärung nicht unterschrieben haben, jedoch bereit sind, unter Eid einvernommen zu werden und zu bestätigen, daß sie ihre Stimmen aus Doctor Landau abgegeben haben. Eine Mittheilung, die wir im Zuge der Abfassung des Protestes erhalten, zwingt uns, zu den Todten und Abwesenden zurückzukehren, die zu Hilfe genommen wurden, um dem Doctor Dulemba zum Wahlsiege zu verhelfen. Die Stimmliste, respective das Wahlprotokoll wird Nachweisen, daß: 1. N. Glinski, Gymnasialprofessor 2. Mechel Salz 3. Chaim Streusand 4. Berl Schapira 5. Jeruchim Laks 6. Jsak Roth 7. Mechel Dorfmann 8. Josef Gasiorowski 9. Franciszek Bialogorski und 10. Dionysius Ziegler, die Alle seit Langem schon ge st orben sind, sich bei der in Frage stehenden Wahl betheiligt haben. Dasselbe ist von den bereits vorher namhaft gemachten Todten: 1. Wolf Finkelstein 2. Boruch Zellniker 3. Meilech Guttstein 4. Abraham Mathes 5. Meier Blaufeld und dem vor Jahren nach Amerika ausgewanderten 6. Abraham Simon Zucker zu bemerken, bezüglich welcher festgestellt werden konnte, daß auf ihrenNamen thatsächlich gestimmt worden ist. In einer so kleinen Stadt, Brzezany, ist es absolut ausgeschlossen, daß sich ein solcher Mummenschanz von Todten und Abwesenden ohne Einverställdniß der Commissionsmitglieder vollziehen soll. (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen. Aus der Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde vom 22. Juni 1902, unter dem Vorsitze des Präsidenten kaiserl. Rath Klinger. Beginn der Sitzung um halb 11 Uhr Vormittags. Aus dem Einlaufe werden bekanntgegeben an Spenden: Bon „Ungenannt" für die Israelitische Armen-Anstalt X 3000'— für die „Israelitische Allianz", zu Gunsten der armen rumänischen Juden.. 2000'— „ „Ungenannt" für Arme.„ 1000'— für das Israelitische Mädchen-Waisenhaus . „ 500*— für das Israelitische Siechenhaus...... 500'— „ Anonymus für Arme.„ 50 - für den Israelitischen Waisenverein . . . „ 15'— für die Chewra-Kadischa.„ 15'— für die „Israelitische Allianz" zu Gunsten rumänischer Auswanderer.„ 20'— „ Frau Elsa Abeles, für den Fond eines zu errichtenden israelitischen Kinderspitales . . . „ 4' — „ Herrn Ernst Löwy, für rumänische Auswanderer „ 3 — Entnahme aus den Sammelbüchsen im Gemeindebethause des XV. Bezirkes zur Bekleidung armer israelitischer Schulkinder in Fünfhaus „ 141'72 Bon Herrn Dr. Jakob Engel, für das israelitische Siechenhaus.„ 50 — für den Verein „Ferienheim".„ 50 — „ Herrn Gottlieb Bettelheim, Spende von 100 Flaschen Karmel-Wein für das Israelitische Siechenhaus. Spenden im Gemeindebethause I., Seitenstettengaffe: Von Herrn Leopold Sachs, für die „Israelitische Allianz" . . . . ..K 36*— für die Israelitische Armen-Anstalt . . . . „ 36' — für das Israelitische Blinden-Jnstitut . . . „ 20'— sür die Chewra-Kadischa.. „ 36 —

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