Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 25 (20.6.1902)
- Date
- 1902-06-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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jRt. 25 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 417 sängen zur leitenden Stellung eines Directors. Fachkenntniß, Pflichttreue und Humanität gegen Bedienstete und Angestellte erwarben ihm die allgemeine Achtung. Im Vorjahre wurde Director Neirath durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone ausgezeichnet. Bor einigen Wochen erkrankte er an Krebs und trotz einer vorgenommenen Operation starb er in den Armen seiner Gattin, die ihn aufopfernd gepflegt hat. Das Leichenbegängniß fand Sonntag den 15. von der israelitischen Abtheilung des Centralfriedhofes aus statt. Wien. (Tod esfälle.) Sonntag Vormittags faub unter sehr starker Betheiligung das Leichenbegängniß des vormaligen langjährigen englischen Generalconsuls Sir Gustavus Nathan statt. Es wohnten unter Anderen dem Leichenbegängnisse bei: der englische Botschaftsrath Mr. M i l b a n k e und die anderen Mitglieder der englischen Botschaft (Botschafter Sir F. Plunkett hatte sich Tags vorher mit seiner Gemahlin nach London begeben), der englische Consul Feldscharek nnd der englische Botschaftspfarrer Reverend W. Hechler, Gräfin Magda Taaffe, der Präsident des Wiener Clubs Miller von A i ch h o l z, Baron Gustav Springe r, Baron Nikolaus D ö r y, Baron O d e l g a, Rittmeister Ludwig Baron Erlanger, Rudolf und Karl Auspitz, Banquier G. Zi nnei, Ludwig Cahn-Speyer mit Gemahlin, Pan l-S ch i f f mit Gemahlin, Dr. Sigmund Wahrmann, Robert v. B i e d e r m a n n, Geheimrath Pieck (Hamburg), Paul Ladenburg (Mannheim), Friedrich P e r c Y-Nathan (London-Manchester), Herz v. Hertenried, Jaim und Emil Roth, Dr. Theodor Kren n, Baron Louis T o d e s c o, Madame B r e n d l e r-K a u l a und D. Weißweiler. Nachdem Obercantor Josef Singer die Trauergesänge vorgetragen hatte, wurde der Sarg auf den Leichenwagen gehoben und zur Beisetzung nach dem Centralfriedhofe überführt, woselbst Oberrabbiner Dr. Güdemann dem Dahingeschiedenen einen Nachruf hielt. In Stellvertretung der derzeit von Wien abwesenden Vorstandsmitglieder der Chewra-Kadischa wohnte ein Delegirter derselben der Leichenfeier bei. Der Verblichene war nämlich auch ein langjähriges treues Mitglied der hiesigen Chewra-Kadischa und rechnete es sich stets zur besonderen Ehre an, dieser altehrwürdigen Corporation anzugehören. Damit der Name Gustavus Nathan für immerwährende Zeiten in der Erinnerung der Nachwelt festgehalten werde, haben die Erben des Verblichenen, dessen Intentionen gemäß, den Mitgliedsbeitrag für die Chewra-Kadischa zu fundiren beschlossen. In diesem Sinne haben bereits in letzterer Zeit die Hinterbliebenen der verstorbenen Herren Eduard Sachs und Georg König das Andenken ihrer Ahnen geehrt. Wien. (Spende.) Für die rumänischen Auswanderer sind uns von Herrn Dr. Lorenz Singer aus Szombathely 8 Kronen zugekommen. Wien. (Spende.) Für die rumänischen Auswanderer sind uns unter Lucia und Bruno L 100 zugekommen. Wien. (N o t h.) Der ehemalige Cafetier S. H. G. gerieth in solche Nothlage, daß er am 15. Mai mit seiner Frau und drei Kindern delogirt wurde. Gefällige Spenden nimmt die Redactivn des Blattes entgegen. Linz. (Amtsjubiläum.) Ein frohes Localereigniß aus der Linzer Judenschaftsmitte soll hier mit einigen Strichen wiedergegeben werden. Bei der hier alljährlich stattfindenden Neuwahl der „Chewra-Kadischa"-Repräsentanz ging jüngsthin Herr Max Bruder zum fünfundzwanzigsten Male als Vereinsobmann aus dem Scrutinium hervor. Ist diese Wahlaction schon an sich allein erwähnenswerth, so fällt sie umso schwerer in die Waagschale, wenn man bedenkt, daß der Bestand der Linzer Cultusgemeinde erst seit der zweiten Hälfte des Jahres 1v00 datirt. Wie nur Wenigen, war es also dem Jubilar gegönnt, allmälig mit seiner Aufgabe zu wachsen. Max Bruder, ein umsichtiger und vielbeschäftigter Kaufmann, ist aus dem Holze jeper Kernjudenschaft geschnitten, welche kalten Blutes den Assimilirungsbeftrebungen zuschauen, dem die Freigeborenen und Mitlebenden der Constitutionsära mit Haut uud Haaren sich verschrieben zu haben scheinen. Er weiß genau, wessen wir uns vor der nie aussterbenden Nachkommenschaft Amalek's zu versehen haben, und darum hält er treu und ehrlich zur altjüdischen Vätersitte. Er ist immer dabei an Ort und Stelle, hat immer Zeit, sich dort einzufinden, allwo die heilige Pflicht es heischt, und eine wahre Edelthät däucht ihm nur jene, die ein edeseä oeüsl smss ihm zu vollziehen gebeut. Als gründlicher Kenner aller Bruderschaftsfächer commandirt er nicht nur gut nnd richtig, er legt auch selbst hilfreiche Hand an immer und allenthalben, wo es bei der rationellen Pflege Schwerkranker, bei der würdigen Bestattung entseelter Menschenleiber an werkthätigen Händen gebricht. An der Bahre eines Glaubensgenossen hört jeder Rang- und Vermögensunterschied bei ihm auf; mit gleicher Pietät und gleichem Pflichteifer waltet er da seines Amtes. In Anbetracht dieses Umstandes, wohl auch zur Bekundung der Volksthümlichkeit und Beliebtheit, deren sich unser Jubelfreund in allen Schichten der Linzer Judenbevölkerung erfreut, hat der Cultusausschuß in seiner neulich gepflogenen Berathung entschieden, Herrn Max Bruder, der Decennien hindurch auch im Cultusrathe Sitz und Stimme hat und das Referat in der Bau- und Wirthfchaftssection mit großem Sachverständniß versieht, eine Glückwunschadresse zu seinem fünfundzwanzigjährigen Vorstands-Jubiläum zu überreichen. Diese Adresse, welche, nebenbei bemerkt, ein kleines Cabinetstück der Kalligraphie und ornamentalen Zeichnung ist, wurde dem Jubilar durch em Dreiercomile unter Führung des Cultusvorstehers Herrn Jgn. Hahn in der Rüstwoche des Offenbarungsfestes mit einer sinnigen Ansprache übergeben. Auch die Leitung der „Chewra-Kadischa" hat sich bei ihrem langjährigen Oberhaupte mit einem werthvollen Silberpocal mit einer äußerlich die Bedeutung der Gelegenheitswidmung kennzeichnenden Inschrift würdig eingestellt. Zur Krönung des feierlichen Jubelactes hat Herr Rabbiner F r i e d m a n n mit einer seiner stets bewunderungswürdigen Kanzelreden, so eine Art Epilog zur Haskara, das verdienstliche Wirken Max Bruher's und sein auf die Gesundung und Blüthe des „Chewra-Kadischa"-Wesens stets gerichtetes Streben gebührend beleuchtet und mit Schlaglichtern so gesättigt, daß man klar und wahr den Lebensgang dieses Wackeren vor sich zu sehen vermeinte, es in Eigenperson mitgemacht und durchwandelt zu haben glaubte. Zu dem gleichen Jubelzweck hat Obercantor Schwarz einen Ilisebeberaeü in gutem Hebräisch mit etlichen Knittelversen in Deutsch verfaßt, die er stimmungsvoll vertont, in tadellos harmonischen Chorsatz durchgeführt und schon am ersten Schebuothtag, als Herr Bruder zur Thora gerufen wurde, wirksam vorgetragen. Den deutschen Schlußsatz sang der gemischte Chor als Refrain in flottem Andante ganz leidlich und mit schönem Abschluß. Möge es dem allverehrten Jubilar vergönnt sein, noch lange, lange in rüstiger Schaffenskraft hieuieden zu walten als würdiger Obmann der würdigen Chewra-Kadischa in Linz. Sch ... z. Brünn. Ein eigenartiges Jubiläum beging dieser Tage der Achtundvierziger Moriz Oppenheimer in Neu-Raußnitz. Am 7. d. M. waren es fünfzig Jahre, seit der noch rüstige Jubilar den Spielberg verlassen hat. Er war wegen Betheiligung an der Wiener Revolution als Honvedofficier zu 10 Jahren schweren Kerkers verurtheilt worden, jedoch nach zweieinhalbzähriger Haft begnadigt worden. Er theilte die Haft auf dem Spielberge mit Dr. Trampusch. Nach langem Aufenthalte in Norddeutschland lebt Herr Oppenheimer seit achtzehn Jahren in seiner Heimat; er ist noch immer mobil, seine schriftstellerische Thätigkeit hat er aber seit einigen Jahren gänzlich eingestellt. Friedek-Mistek. (Gottesdienst — Confirmation.) Das diesmalige Schebuoth - Fest hat unserem Wohl sonst auch in erhebender Weise abgehaltenen Gottesdienst noch dadurch eine erhöhte Bedeutung gegeben, daß der Chor durch die Mitwirkung mehrerer sangesfreudiger, junger Damen und stimmbegabter Schüler aus den Oberclassen des Friedeker Gymnasiums wesentlich verstärkt wurde, wofür den Obercantor Herrn Lal. Weiß und dem Organisten Herrn Hugo Hampel besondere Anerkennung ausgedrückt wurde. Eine erhöhte Weihe erhielten aber die Festtage durch die von Sr. Ehrwürden dem Herrn Rabbiner Dr. I. Bergmann zum erstenmale hier vorgenommene Confirmation für junge Mädchen, welche am 1. Festtage beim Jugendgottesdienste in Gegenwart des Cultusvorstandes, der Eltern und zahlreicher Andächtiger stattgefunden hat. Gegen Schluß des Jugendgottesdienstes hielt der Herr Rabbiner an die Confirmandinnen eine Ansprache, welche nicht nur in deren jugendlichen Herzen, sondern auch bei allen Anwesenden vollsten Widerhall fand. Hierauf überreichte der Cultusvorsteher Herr Löw mit herzlichen Glückwünschen jeder Confirmandin ein von der Cultusgemeinde gespendetes, prachtvolles jüdischpoetisches Werk. Dobrisch. Am Samstag den 21. d. M. begeht Herr Josef B o n d y aus Rosiovitz, Mitglied des Cultusgemeindevorstandes in Dobrisch, mit seiner Gattin Eugenia geb. Federer das Fest der silbernen Hochzeit. Lerlomischl. Bon Seiten der israelitischen Cultusgemeinde in Leitomischl werden wir ersucht, den Bericht über die Beerdigungsfeierlichkeit des gottseligen Herrn Großmann dahin zu ergänzen, daß auch der verehrte Ortsrabbiner Seine Ehrwürden Herr Dr. Knöpfelmacher eine erbauliche Rede über die Verdienste und den edlen Charakter des verehrten Verstorbenen gehalten, welche bei allen Anwesenden einen tiefen Eindruck zurückließ. Prag. Am 10. d. M. wurde die neu hergerichtete Synagoge des Vereines vsreeü llssedara und Ilaskil sl I)ol in Prag, Galigaffe Nr. 500 alt, 24 neu (zum Schleier), 1. Stock, eröffnet. Diese Synagoge bestand seit Jahrzehnten am Holzplatz und mußte jetzt wegen der Assanirung nach oben angeführter Gasse verlegt werden. Daß diese Synagoge erhalten wurde, haben wir besonders den Vereins- Vorständen Herren Hermann Jnnwald, Samuel Lieben und Synagogen- Vorsteher Carl Behal zu verdanken. Am Eröffnungstage hat Herr Dr. Nathan Grün das dlsir Damit angezündet und waren der gesammte Vorstand und zahlreiche Gäste zugegen. In dieser Synagoge wird täglich zweimal der Gottesdienst verrichtet und werden hievon die Herren Glaubensgenossen verständigt, da die Synagoge im Centrum der Stadt ist. Nürnberg, 15. Juni 1902. Bezugnehmend auf die rauschenden Festlichkeiten zur 50. Säcularseier des germanischen Nationalmuseums dürfte die Leser Ihres geschätzten Blattes die