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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-06-20 · 25 (20.6.1902) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
25 (20.6.1902)
Date
1902-06-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 416 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 25 IX.. Hebragafse 5, L 30'—; Frau Donia Maranz, IX., Hebragaffe 5, K 30'—; Herr Dr. Leop. Kohn, I., Gonzagagaffe 12, K20'—; Sämmtliche Enkelkinder, K.30'—. Zusammen X 210'—. Wie«. (Trauung.) Am 15. d. M. fand die Trauung des Frl. Mathilde Heller, Tochter des Directors der Blindenanstalt Hohe Warte Herrn S. H e l l e r, mit Herrn Alexander Klein statt. Im Stadttempel hatte sich ein zahlreiches, distinguirtes Publicum versammelt, um dem feierlichen Acte beizuwohnen. Als Vertreter der Cultusgemeinde waren die Herren Baurath S t i a ß n y, Prokurist Horner. Director Simon und Advocat Dr. Stein erschienen. Außerdem bemerkte man Abordnungen zahlreicher humanitärer Vereine, denen der Brautvater in hervorragender Stellung angehört, namhafte Schriftsteller, Aerzte und Pädagogen. Herr Obercantor Singer leitete durch seinen weihevollen Gesang die Ceremonie ein. Hierauf hielt Herr Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n die Traurede, in welcher er darauf hinwies, daß die trefflicken Eigenschaften des Bräutigams und der Braut ihnen eine glückliche Zukunft verheißen. Am Nachmittag fanden sich im Blindeninstitut Hohe Warte zahlreiche Freunde der Familie ein. Man bemerkte u. A-: Herrn Prof. Feilbogen, Herrn Commercialrath Schnabel, den Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift" Herrn Dr. Bloch, Herrn Rabbiner Dr. Taglicht, Herrn Bezirksarzt Dr. K o h n, Herrn Director Max Fischer, Herrn Doctor Eitelberg, Herrn Oberlehrer Brenner. Nach Hunderten zählende Glückwunschtelegramme waren — zum Theil aus weiter Ferne — eingelangt. Den schönen Tag beschloß ein Familiensouper. Am Vorabend des Hochzeitsfestes hatten die Zöglinge des Blindeninstitutes eine intime Feier veranstaltet, bei welcher musikalische und deklamatorische Darbietungen abwechselten. Diese spontane Ovation legt Zeugniß ab von der außerordentlichen Beliebtheit, deren sich die junge Braut bei den lichtberaubten Kindern erfreut. Den Zöglingen der Anstalt wurde der Hochzeitstag zu einem Freuden- und Festtag gestaltet. Wien. Der Kaiser hat den außerordentlichen Professor an der Universität in Wien Regierungsrath Dr. Leopold O s e r den Titel und Charakter eines ordentlichen Universitätsprofessors verliehen. Regierungsrath Professor Oser hat als Specialist für die Erkrankungen des Verdauungsapparates einen guten Ruf im In- und Auslande. Er wurde 1885 außerordentlicher Professor der inneren Medicin und bat als Abtheilungsvorstand an der Poliklinik eine große Zahl von Schülern unterrichtet. Seit dem Jahre 1872 ist er als Primarius des Rothschildspitales thätig; in diesem Spital hat er nicht blos als hervorragender Arzt, sondern auch als Hygieniker Vorzügliches geleistet. Vor Kurzem, anläßlich der Eröffnung des neuen chirurgischen Pavillons, wurde er zum Director dieses Spitals ernannt. Professor Oser, welcher auch Landes-Sanitätsrath ist, hat wichtige Arbeiten über die Krankheit des Verdauungsapparates publicirt. Wie». (Kaiserliche Auszeichnung.) Seine Majestät der Kaiser hat dem Kaufmanne Herrn Bernhard Steinhof in Wien den Titel eines kaiserl. Rathes verliehen. Letzten Donnerstag ist Herr Steinhof in Audienz vor Sr. Majestät erschienen, um den Dank für die Allerhöchste Auszeichnung auszusprechen. Wien. (Auszeichnung.) Der Kaiser hat eine von der Frau Jodanna L i n s ch ü tz, Musikalienhändlerin und Verlegerin, I.. Franz Josefs-Quai 33, überreickte Composition: „ Elisabethklänge von A. Mölzer, für die k. u. k. Familien- Fideicommiß-Bibliothek anzunehmen geruht und wurde der Frau Johanna L i n s ch ü tz ein kaiserliches Dankschreiben durch den Herrn Statthalter übermittelt. Wie». (Der jüdische Schulverein für den IX. Bezirk.) Die durch den Jüdischen Schulverein für den IX. Bezirk ins Leben gerufene Schule veranstaltete am 15. d. M. die erste öffentliche Prüfung. Außer den zahlreich erschienenen Eltern der Schüler waren auch viele Freunde und Gönner dieser jungen Anstalt anwesend. Von fremden Corporationen und Vereinen waren vertreten: Der Cultusvorstand durch die Herren Hermann Eltbogen und Doctor Marcus Spitzer; der Jüdische Volksverein für den II. Bezirk durch den Viceprästdenten Herrn Hermann Plaschkes und Vorstandsmitglied Herrn Marcus Herrnfeld, der Jüdische Volksverein für den IX. Bezirk durch den Vicepräsidenten Herrn Josef Steiner und Vorstandsmitglied Herrn Sigmund Singer. Es erschienen außer dem Vertreter des Vereines „Adaß Israel" (Schiffschule) die Herren Rabbiner Dr. Gelbhaus, Rabbiner Wilhelm Soor, Religionslehrer Vogl u. m. A. Nach den gehaltvollen Begrüßungsworten des Vereinspräsidenten Herrn Dr. Sigmund Kornfeld und einer mit großem Beifall aufgenommenen Rede des Herrn Rabbiner Dr. H. P. Chajes wurde die Prüfung der Schüler vorgenommen. Je weiter die Prüfung vorgeschritten war, desto offenkundiger und lauter wurden die Beifallskundgebungen für die erzielten Erfolge, welche umso höher anzuschlagen sind, als die Schule blos auf die kurze Thätigkeit von 5 Monaten zurückblicken kann und auch während dieser Zeit mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Welche wichtige nationale und kulturelle Mission diese Schule erfüllt, geht am besten aus der Thatsache hervor, daß die 45 Schüler der Anstalt, unter denen sich mehrere Gratisschüler befinden, sich aus Kindern solcher Eltern gruppiren, die hinsichtlich der Religiosität und des jüdischnationalen Gedankens den verschiedenartigsten und gegensätzlichen Ständen angehören, und alle waren hier einig in Zufriedenheit und Begeisterung für die Sache des Judenthums. So bildet das Kind nicht nur die Gewähr für eine jüdisch-nationale Zukunft, sondern auch das ausgleichende Bindeglied zwischen den einzelnen einander anfeindenden Richtungen. Man merkte dieser Prüfung nichts von einem Drill an, es war alles Leben, und was die Kinder lernten, ist ihnen in Fleisch und Blut übergegangen. Mit Recht betonte nach einigen Dänkesworten des Vorstandsmitgliedes Herrn Redacteur Jacob Kraus Herr Dr. Leopold Kahn, daß einerseits der Leiter der Schule Herr D. H. Oesterreicher für seine hingebungsvolle kulturelle Arbeit vollste Anerkennung verdiene, aber anderseits dieselbe nur dann von Erfolg sein könne, wenn die Eltern, und hauptsächlich die Mütter eine wirkliche Verbindung zwischen Schule und Haus Herstellen und, anstatt das Kind mit allen sogenannten modernen Wissenschaften zu belasten, für eine gesunde Nahrung des Gemüthes Sorge tragen und dem Judenthum eine Zukunft sichern, indem sie das Kind im Geiste desselben erziehen. Nachdem noch der Schulleiter Herr D. H. Oesterreicher einige mit Aufmerksamkeit angehörte Dankesworte sprach und das Versprechen gab, unentwegt dem ihm vorgesteckten Ziele zuzustreben, und die Schüler mit Büchergaben bedacht wurden, schloß diese für den jungen Verein denkwürdige Feier. Wien. (Todesfall.) Die Familie des kaiserl. Rathes Dr. Theodor L i e b e n hat durch das Hinscheiden des Herrn Salomon G. Maranz, des Schwiegervaters des Herrn kaiserl. Rathes Dr. Lieben, einen schweren Verlust erlitten. Das Leichenbegängniß fand Sonntag den 15. d. M. unter großer Betheiligung statt und waren bei demselben unter Anderen anwesend die Herren: Bicepräsident Dr. Alfred Stern, Baurath S t i a ß n y, Bezirksschulrath Cultusvorsteher Dr. Markus Spitzer, eine Deputation der Beamtenschaft mit Herrn Secretär Dr. Adler an der Spitze, Präsident der B. B.-Loge Dr. Schnabel, die Rabbiner Dr. G e l b h a u s, Dr. Bach, Dr. Ta glicht und zahlreiche Vertreter aus allen Kreisen der Gesellschaft. Im Trauerhause fungirte erster Cantor Don-Fuchs mit dem Chore, auf dem Centralfriedhof Herr Obercantor Singer in Begleitung des Herrn ersten Cantor Blatt mit dem Chor. Anläßlich dieses Trauerfalles sind Herrn kaiserl. Rath Dr. Tb. Lieben und seiner Familie aus allen Kreisen reiche Kundgebungen der Sympathie und Theilnahme zugegangen. Wien. Am 6. d. M. ist Herr Ignaz Mandl, Seniorchef der Firma M. und I. Mandl, nach längerem Leiden im 79. Lebensjahre gestorben. Er hatte in Verbindung mit seinem älteren Bruder Mayer Mandl vor etwa 60 Jahren die Firma M. und I. Mandl begründet. Die beiden Brüder sind die Begründer der Confectionsindustrie in Oesterreich. Sie waren Beide in Proßnitz in Mähren geboren und errichteten auch dort ihre K.'eiderfabrik, die im Laufe der Jahre zu einem großen Etablissement ausgestaltet worden ist. Der ältere der Brüder, Herr Mayer Mandl ist im Jahre 1888 gestorben, und seit jener Zeit war Herr Ignaz Mandl der Chef des Hauses, welches er im Vereine mit seinen Söhnen und Neffen leitete. Nebst der Fabrikation befaßte sich die Firma mit dem Export österreichischer Bekleidung nach dem Orient, nach den unteren Donauländern und nach Rußland. Namentlich in Rußland errichtete sie große Niederlassungen, deren Leiter einer der Söhne des heute Verstorbenen ist. In den letzten Jahren übernahmen die Söhne und Neffen des Herrn Ignaz Mandl die Leitung des Unternehmens. Herr Ignaz Mandl war in weiteren Kreisen wegen seiner Ehrenhaftigkeit, Tüchtigkeit und Bescheidenheit beliebt und angesehen. Er hinterläßt fünf Söhne und fünf Töchter. Wien. In der Nacht vom 9. auf den 10. Juni .ist Herr Jacob Herzl, der Vater des Schriftstellers Dr. Theodor H e r z l, in Folge eines Herzschlages plötzlich gestorben. Der Verstorbene stand im 67. Lebensjahre. Das Leichenbegängniß fand am 12. d. M. auf dem Döblinger Friedhofe statt. Unter den Trauergästen befanden sich: der Präsident des Journalisten- und Schriftstellervereines „Concordia" Edgar von Spiegel, mit zahlreichen Mitgliedern des Vereines, die Collegen des Herrn Dr. Theodor Herzl von der „N. F. P.", Oberst Alexander Ritter von E i ß, Ministerialsecretär Sonnenschein, k. Rath Wilhelm Pollak, Componist Ignaz Brüll, Architekt Marmore! mit Gemahlin, Schriftsteller Fritz Singer, Bankier Julius Schwarz mit Gemahlin, Prof. Dr. Leon Kellner, die Fabrikanten Isidor Löti und Johann Kremenezky, Abordnungen jüdisch-akademischer Verbindungen. Nachdem Obercantor Guttmann einen Trauerchoral zum Vortrag gebracht hatte, wurde der Sarg zur letzten Ruhestätte getragen. Wien. (Todesfall.) Freitag den 13. d. M. Mittags ist hier der Director der Firma Jakob Rothberger, Herr Philipp N e i r a t h, gestorben. Mehr als dreißig Jahre, gehörte er dem renommirten Hause an und brachte es aus kleinen An-

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